Kirschblüten und rote Bohnen - DVD

DVD Start: 26.08.2016
FSK: ab 0 - Laufzeit: 109 min

Kirschblüten und rote Bohnen DVD Cover -> zur DVD Kritik

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Inhalt

Als der japanische Frühling in seiner schönsten Blüte steht, erlebt der Besitzer einer kleinen, zerschlissenen Imbissbude etwas Ungewöhnliches. Eine alte Frau, Tokue, hatte Sentaro schon viele Male angeboten, ihm in seiner kleinen Wirtschaft auszuhelfen. Denn die rote Bohnenpaste AN, die traditionell in die kleinen Doriyaki-Pfannkuchen gefüllt wird, gelingt Sentaro einfach nicht wie es die alte Kunst verlangt. Als Tokue ihm von ihrer selbst gemachten Bohnenpaste eine Kostprobe gibt, willigt Sentaro schließlich ein. Bald stehen Tokue und Sentaro in den frühesten Morgenstunden beisammen und bereiten die traditionelle Paste aus roten Bohnen zu, die einer kunstvollen Zeremonie des Kochens und Würzens unterzogen werden müssen. Der herausragende Geschmack der süßen Bohnenpaste beschert dem kleinen Laden schnell eine große Kundschaft. So geduldig Sentaro und Tokue in der Herstellung der Paste sind, so aufrichtig und gewissenhaft ist bald auch die Freundschaft, die die beiden verbindet. Doch Sentaro hatte es lange schon geahnt: Tokue hat ein Geheimnis, das ihrer beider Zukunft gefährden kann und bald muss Tokue eine Entscheidung treffen.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: goodmovies / Neue Visionen
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Japanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bildformat: 16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Trailer

DVD und Blu-ray | Kirschblüten und rote Bohnen

DVD
Kirschblüten und rote Bohnen Kirschblüten und rote Bohnen
DVD Start:
26.08.2016
FSK: 0 - Laufzeit: 109 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Kirschblüten und rote Bohnen

DVD Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 10/10
Ton: | 10/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 8/10


Naomi Kawase setzt gern Dinge ins Bild, die unermessbar sind: Ruhe, Leiden, das Meer, auch die Jahreszeiten. Schön sind die filmischen Momente, in denen die Kirschbäume genauso wie der farbensatte Herbst von einem Punkt aus gefilmt werden, der sich an keiner Instanz festmachen lässt, als würden sie sich von dem Erzählten freimachen. Momente der selbstvergessenen Wachsamkeit, des Festhaltens dessen, was langsam dahin gleitet. Film als ein Medium der Fortdauer, ganz klar.
Kirschblüten und rote Bohnen Szenenbild Die Kunstlicht-Hölle von Tokio ist weit entfernt, nur die Bahngleise deuten auf eine andere Welt hin. Wir sind in einem abgelegenen Vorort – die Baumkronen rauschen. Sentaro (der hierzulande bekannteste japanische Schauspieler Masatoshi Nagase) schleppt sich jeden Tag schweren Herzens und schweren Kopfes zur Arbeit. In einer kleinen Imbissbude verkauft er Dorayaki – Pfannkuchen, gefüllt mit süßer Bohnenpaste. Diese will ihm einfach nicht gelingen, das Geschäft läuft mau. Eines Tages steht Tokue davor. Sie ist eine Lehrer-Figur, so wie es diese in den Filmen von Naomi Kawase immer gibt – mit einer engen Verbindung zur Erde, zum Elementaren. Ihre versehrten, mit Flecken markierten Hände können die beste Bohnenpaste herstellen. Wir erfahren später, dass Tokue zusammen mit anderen Lepra-Kranken aus ganz Japan in einer geschlossenen Anstalt, einem so genannten Sanatorium, lebenslang eingesperrt wurde. Das drakonische Präventionsgesetz wurde erst Ende 1990 abgeschafft. Kirin Kiki spielt die erlittene gesellschaftliche Ausgrenzung und den Schmerz einer Ausgestoßenen mit beinahe kindlicher Neugier, mit ungewohnter Lebendigkeit und Aufgewühltheit in Mimik und Bewegungen des Kopfneigens. Sie riecht die Veränderung des Dampfgeruches, rührt die brodelnden Bohnen mit Nachsicht und Gefühl, redet mit ihnen. Eine merkwürdige Notwendigkeit des Aushandelns – die Bohnen müssen sich an den dazugegebenen Zucker gewöhnen. Die Mühe gilt natürlich nicht den Gästen, vielmehr einer synthetischen Weltsicht: in dem Kochtopf höre Tokue den Wind, der durch die Bohnenstangen geweht haben muss.

Als Sentaro dann eines Morgens die Jalousien hochzieht, steht vor der Imbissbude schon eine Menschenschlange: was sei denn los? Kirschblüten und rote Bohnen SzenenbildMädchen in Schuluniformen plappern – wie erwartet, hat sich die Mühe gelohnt. Auf Regen kommt Sonnenschein, auf Leiden folgen Freuden – ein universeller Kreislauf. Tokue blieb von Frühling über den Sommer bis hin zum Herbstanfang. Gerüchte sind grausam, vor allem, wenn derjenige für etwas nun wirklich nichts kann. Sentaro und Wakana, ein Schulmädchen aus dem problematischen Zuhause, entschließen sich die alte Frau zum ersten Mal aufzusuchen. Der Weg zum Sanatorium ist von auffallender Stille, der schmale Pfad ist von beiden Seiten dicht mit Bäumen bewachsen. Man bewegt sich nun durch die tief im Inneren der Gesellschaft verwurzelten Vorurteile, der Weg macht unsicher. Tokue ist wirklich da, merklich angeschlagen, die Erinnerungen steigen herauf. Während sich die ethisch-ästhetischen Gegenspieler (die nervige Tante etwa, der Sentaro immer noch Geld schuldet) selbst denunzieren und schließlich im Off verschwinden, gilt die Sympathie der Regisseurin ganz klar dem Abseits der Gesellschaft. Hier löst sie topografisch das Versprechen eines Wesentlichen, einer Substanz ein. Die innere Fortbewegung brauche Zeit, viel Zeit für die Elementarerfahrungen. Es gelte, den Sinn des eigenen Lebens zu bestimmen abseits der Dinge, die gelungen seien oder für immer verwehrt blieben. Die von Kawase sanft skizzierte Alternative entstand jedoch aus Zwang und Not, aus einem Zeitüberschuss, wie ihn Gefangene kennen oder auch Schulmädchen, die von plappernden Mitschülerinnen und gar eigenen Eltern gemieden werden. Diese Idee der notwendigen Dauer, des Innehaltens, des Warten-Könnens ist der eigentliche Inhalt von Kirschblüten und rote Bohnen, und doch lässt sich dieser in der filmischen Form nur eingeschränkt wiederfinden. Kawase setzt ihre Schnitte gefühlt zu oft und streut die Bilder dann wiederholt an mehreren Stellen, anstatt – es schiene richtiger – sie einfach laufen und stehen zu lassen. Dazu mag man das Ganze fast lieber anders als eindeutig allegorisch nahgelegt zu bekommen.
Kirschblüten und rote Bohnen Szenenbild Im Gegenzug schafft es die Regisseurin aber irgendwie doch, dass uns das kurze Zaudern Sentaros, bevor er „Dorayaki! ausruft, viel tiefer als bloß unter die Haut geht. Mit Naomi Kawase lohnt es sich, die Akzeptanz ein wenig über die Grenzen des inneren Einverständnisses auszudehnen.

Bild und Ton Die Bildqualität ist makellos, die Farben der meisterhaft komponierten Bilder sind satt und schön. Genauso klassizistisch-reduziert klingt auch die Tonspur. Klaviermusik ist so meditativ, dass man kaum darauf achtet. Stimmen und Naturgeräusche sind klar abgemischt. Eine Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte ist zusätzlich vorhanden.

Extras
Leider nichts außer ein paar Trailer. Naomi Kawase erzählt übrigens gern Geschichten.


Fazit:
Es ist wirklich nichts falsch daran, sich von den gastronomisch vermittelten Schlüssen Naomi Kawases erheben zu lassen. Ich habe meinerseits beschlossen, diesen Film zu mögen.

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by Olga Baruk
Bilder © goodmovies / Neue Visionen