Jigoku (OmU) - DVD

DVD Start: 15.07.2011
FSK: ab 16 - Laufzeit: 98 min

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Inhalt

Theologiestudent Shiro (Shigeru AMACHI) macht sich der Fahrerflucht schuldig. Geplagt von Gewissensbissen und verfolgt vom übermächtigen, dämonischen Tamura (Yoichi NUMATA), kann er seinem Schicksal nicht entkommen. Alle Wege führen ihn unweigerlich in die Verdammnis.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive AG
Tonformate:
Japanisch DD 2.0 Mono
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Trailer

DVD und Blu-ray | Jigoku (OmU)

DVD
Jigoku (OmU) Jigoku (OmU)
DVD Start:
15.07.2011
FSK: 16 - Laufzeit: 98 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Jigoku (OmU)

DVD Wertung:
Film: | 6/10
Bild: | 7/10
Ton: | 6/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 6/10


Der erste Teil der Geschichte könnte einem Film von Alfred Hitchcock entstammen: Der Theologiestudent Shiro überfährt versehentlich einen betrunkenen Yakuza, der ihm vor das Auto gerannt ist. Doch das ist erst der Anfang der düsteren Tage des Studenten, denn kurze Zeit später stirbt eine ihm nahe stehende Person und unglücklicherweise schmiedet die Mutter des überfahrenen Gangsters einen Racheplan – sie hat Shiros Tat gesehen.

Die ersten zwei Drittel von Jigoku erzählen eine fast klassische Kriminalgeschichte, mit einem von Zweifeln geplagten Helden, rachsüchtigen Antagonisten und einer ganzen Dorfgemeinschaft, in der jeder Einzelne einen Makel in seiner Vergangenheit hat… Außerdem ist da noch der Student Tamura, der auftaucht und wieder verschwindet, von einer allwissenden Aura umgeben ist und latent bedrohlich erscheint. Nach den schwungvollen ersten zwanzig Minuten wird das Tempo gedrosselt, das Drehbuch gibt dem Publikum die Gelegenheit, die Charaktere besser kennen zu lernen und führt schließlich alle Protagonisten und ihre Erzählstränge in einer Szene zusammen. Spätestens hier, wenn auch der feine Humor von Jigoku immer mehr durchschlägt, erinnert das bunte Treiben an die Filme von Bunuel. Mit einem Höhepunkt enden die ersten zwei Drittel des Films: aus dem friedvollen Zusammentreffen wird nach und nach ein Massaker, inszeniert wie ein groteskes Ballett des Todes, das konsequenterweise gleich sämtliche Akteure dahinrafft. Anschließend lässt Jigoku seine Figuren für ihre Missetaten büßen – und schickt die Sünder direkt in die Hölle, in der das letzte Drittel des Films dann spielt.

Diese Szenen stellen die Highlights von Jigoku dar: da Regisseur Nobuo Nakagawa auf Metaphorik verzichtet und anstelle von Andeutungen auf direkte Bilder setzt, offenbart sich dem Publikum eine sehenswerte, sehr expressiv in Szene gesetzte Hölle, wie sie zuvor wohl höchstens in dem italienischen Stummfilm Inferno (1917) zu sehen gewesen ist. War Inferno noch eine direkte Adaption des ersten Teils von Dante Alighieris Göttlicher Komödie, entstammt Jigoku zwar einem völlig anderen Kulturkreis, erinnert dennoch deutlich an Dantes Höllenvision.

Das letzte Drittel serviert dem Zuschauer eine wahrhaft originelle Szenerie: klassisch im Studio gedreht, beweisen das grandiose Setdesign, die tolle Lichtsetzung und die gelungenen Kostüme und Masken, dass CGI-Effekte unnötig sind, wenn die Macher kreativ sind und die nötigen Freiheiten haben. Jigoku entfesseln eine farbenprächtige, kunstvolle Bilderflut, die auch nach der Sichtung noch präsent bleibt. Während die Hauptfigur Shiro durch die Höllenkreise irrt, wird er Zeuge von brutalen Folterungen, sieht Dämonen und Teufel, Seen aus Blut und ruhelose Seelen, die von unzähligen Statisten aufwändig dargestellt werden.

Die Optik ist ohne Frage sehenswert, insbesondere, da der Zahn der Zeit, der inzwischen mehr als 50 Jahre (!) an Nakagawas Werk nagt, wenig ausrichten konnte – auch heute noch ist Jigoku kraftvoll, die Bilder haben ihren Reiz behalten.

Drehbuchtechnisch kann das letzte Drittel jedoch nicht mit der visuellen Ebene mithalten, denn die Geschichte stagniert und bleibt letztlich offen, was Jigoku einen unbefriedigenden Abschluss verschafft. Trotz vieler imposanter Szenen vermag es der Film nicht, wirklich zu fesseln, die Spannungskurve sinkt zunehmend, weil der Plot auf der Strecke bleibt. Insgesamt ist Jigoku dennoch allen Filmkunstinteressierten zu empfehlen, und Freunden des klassischen asiatischen Kinos sowieso; expressiv hat der Film viel zu bieten und ist derart ambitioniert umgesetzt, dass er gut und gerne zwanzig Jahre jünger erscheint – Jigoku ist einer der wichtigsten japanischen Filme seiner Zeit.

Die DVD-Veröffentlichung von Rapid Eye Movies besitzt ein gutes Bild und in Anbetracht des Alters einen ordentlichen japanischen Originalton. Dankbar muss man sein, dass ein Spartenfilm wie dieser überhaupt den Weg in die deutschen DVD-Regale findet, daher fallen die fehlenden Extras (ausschließlich eine Trailershow) weniger ins Gewicht.


by Tom Schünemann
Bilder © Alive AG