Jean-Luc Godard Edition 3 - DVD

DVD Start: 21.02.2013
FSK: ab 16 - Laufzeit: 534 min

Jean-Luc Godard Edition 3 DVD Cover -> zur DVD Kritik

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Inhalt

Regielegende Jean-Luc Godard zählt zu den bedeutendsten französischen Regisseuren und setzte mit seinen unkonventionellen Stilmitteln Maßstäbe in der Nouvelle Vague. „Die Jean-Luc Godard Edition 3“ vereint vier Spielfilme und zwei Dokumentationen in einer Box: die DVD-Premiere „JLG/JLG – Godard über Godard“ sowie „Godard trifft Truffaut“.

In dieser Box:
Die Außenseiterbande
Eine verheiratete Frau
Godard trifft Truffaut
JLG/JLG – Godard über Godard
Maria und Joseph
Weekend

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DVD Details

Medienanzahl: 5
Regionalcode: 2
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment
Tonformate:
Deutsch, Französisch (Mono DD, Stereo DD)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: diverse

DVD und Blu-ray | Jean-Luc Godard Edition 3

DVD
Jean-Luc Godard Edition 3 Jean-Luc Godard Edition 3
DVD Start:
21.02.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 534 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Jean-Luc Godard Edition 3

DVD Wertung:
Film: | 5/10
Bild: | 7/10
Ton: | 7/10
Extras: | 2/10
Gesamt: | 5/10


Angestaubte Klassiker - Der französische Regisseur Jean-Luc Godard hat Filmgeschichte geschrieben und ist aus dem Kanon des Kinos nicht wegzudenken. Denn schließlich hat er zusammen mit anderen französischen Regisseuren wie Claude Chabrol und vor allem Francois Truffaut die Nouvelle Vague gegründet und damit die Filmsprache prägend verändert. Die Nouvelle Vague war ein radikaler Weg der formalen Neuerung des Kinos. Man kehrte sich ab von den dramaturgischen Fesseln und verweigerte sich den Genres, sondern führte stattdessen eine individuelle Handschrift des Regisseurs ein, was ihn einem Romanautor ähnlicher machte. In der Folge wurden die Filme an sich auch persönlicher und trauten sich, zu politisieren und im Film eine Reflexion über den Film anzustrengen. Indem sich die Regisseure gegen den Konsens richteten, gewannen sie ein Alleinstehungsmerkmal, stießen aber auch bald an ihre Grenzen. Sowie persönlich als auch künstlerisch (was später den Dogma-Filmern ebenso erging). Denn ein solches Programm lässt sich nicht immer durchhalten, da es dann selber in Regeln erstarrt und der formale Stil zum Inhalt passen muss, wenn er nicht zum Selbstläufer werden soll. So ist „Maria und Joseph“ in der vorliegenden Box sehr experimentell geworden. Godard sucht ganz offensichtlich nach neuen Wegen der Filmsprache und vergisst darüber komplett die Story und leider auch das Publikum, das mit diesem Film wohl wenig anfangen konnte und kann. Zum einen sind es zwei Regisseure, die sich hier vereinten, wobei der erste von einem starken Stilwillen geprägt ist und einige schöne Stillleben schaffen kann. Leider siegt hier generell die Form vor dem Inhalt und beides ergänzt sich nicht. Auch der eigenwillige Musikeinsatz, übrigens typisch für Godard, zerfranst zusätzlich die eh schon non-lineare Erzählung. Insgesamt ist dieser Film ein typisches Beispiel dafür, was jahrelang dem französischen Film vorgeworfen wurde: Geschwätzigkeit und eine intellektuelle Nabelschau. Gut, die Symbole sind gelungen und auch der Ton und das Bild sind ohne Makel, aber als Extra gibt es aber nur den Trailer. Als Ausgleich für die generell auf den Scheiben dürftigen Extras ist ein langer Dokumentarfilm zu finden. „Godard trifft Truffaut“ ist spannender und interessanter als die meisten der hier versammelten Spielfilme, so traurig es ist, dieses von den Werken eines wegbereitenden Regisseurs sagen zu müssen. Das Bild und der Ton der Dokumentation sind gut und es gibt einige sehr wichtige und gute Einsichten und Einordnungen der beiden Regisseure Godard und Truffaut in den filmischen und gesellschaftlichen Kontext. Es tut dem Film auch nur gut, dass er eine kritische Distanz beibehält und nicht zu einer reinen Heldenverehrung wird. Er ist deutend, spannend und macht die Rolle der Regisseure deutlich, ohne an Kritik zu sparen. „Eine verheiratete Frau“ hat einen guten Ton und ein sehr gutes Bild aber auch leider nur den Trailer als Extra. Auch wenn dieser Film recht experimentell ist und ein Drehbuch ganz offensichtlich nicht existierte, da am Set viel improvisiert worden ist und Godard teilweise in seiner eigenen Wohnung drehte, ist dieser Film doch der faszinierendste und beste in der Box. Was wohl hauptsächlich daran liegt, das hier oft Ingmar Bergmann zitiert wird und es Godard schafft, eine Frau sehr sinnlich und erotisch zu inszenieren ohne auf offensichtliche Reize zurückgreifen zu müssen. Faszinierend, erotisch, toll gefilmt und typisch für die Reflexion des Mediums Kino in einem Film, da hier sehr, sehr viele Zitate vorkommen. Unter anderem wird der Freund Truffaut zitiert. Aber auch Hitchcock. Trotz aller neuen Form des Erzählstils ist der Film sehr filmisch, da die Kamera wie ein Pinsel benutzt wird. Leider sind die anderen Filme nicht mehr sonderlich der Rede wert. „Die Außenseiterbande“ war ein kommerzieller Misserfolg und wandelt zu deutlich auf den Spuren des erfolgreichen und bahnbrechenden Erstlings Godards, „Außer Atem“. „Die Außenseiterbande“ hat ein gutes Bild und einen guten Ton und als Extra ein…Ja, was eigentlich? Was soll das sein, dieses Feature „Godard über Godard“? Ein autobiographischer Essay? Eine Spielerei? Das ist dem Zuschauer nach wenigen Minuten schon völlig egal und er schaltet ab. Das Problem bei dem Spielfilm besteht leider darin, dass einen die Figuren kalt lassen und sie nicht sympathisch sind. Warum die Frau dem Rüpel sofort verfällt, ist völlig schleierhaft (vor allem wenn er von Claude Brasseur gespielt wird) und obwohl der Film ein Krimi sein möchte, ist er leider nicht spannend. Aber es gibt dafür einige wunderschöne Szenen wie der Tanz im Cafe und wenn sich die Charaktere die Posen von Kinohelden geben und ihr eigenes Leben nur noch über die Phantasie und über populäre Medien definieren. Auffällig ist die gelungene Symbolik, bei der sich die Charaktere sehr oft im Kreis bewegen. Das verdeutlicht nicht nur die jeweils interne Konstellation der Gruppe und die Verschiebungen zwischen ihnen, sondern auch, dass die Charaktere gefangen sind. In ihren Plänen, in ihrem Schicksal, in ihren Wünschen und Träumen. Sie können nicht vor sich selber fliehen und drehen sich eben im Kreis. Der Eskapismus ist hier reiner Lebenszweck, besitzt aber kein Ziel. 1967 war ein Schlüsseljahr für Godard und im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung wurden auch die Filme, insbesondere in Frankreich immer politischer. „Weekend“ ist eine bissige Satire auf die Wohlstandgesellschaft und den Autofanatismus. Leider ist der Film mit seinen direkten Bezugnahmen auf Theorie und Praxis der Politik zwar ein Zeitzeugnis, macht das ganze aber aus heutiger Sicht nahezu ungenießbar, wenn politische Pamphlete verlesen und politische Reden gehalten werden. Da geraten die eigentlichen satirischen Elemente leicht vor der unnötigen Propaganda in den Hintergrund. So ist die Kapitalismuskritik nicht unterhaltsam, sondern dogmatisch und die widerlichen Charaktere mit ihrer ständigen Hysterie machen das ganze komplett nervig. „Weekend“ ist platt, aufdringlich, vom Tonverhältnis her schlecht abgemischt und besitzt als Extra nur den Trailer. Aber die langen, langen Kameraeinstellungen und Fahrten sind sehr gelungen. Insgesamt ist auffällig, das Godard nicht oft schneidet, sondern die Einstellungen sehr lange beibehält was seinen Darstellern viel abverlangt. Und immerhin das ist von Godards Filmen unvergesslich, während die teils fragmentarische Schnitttechnik und das immer experimenteller werdende schnell zum Selbstzweck generierte. So muss als Fazit festgehalten werden, das die Filme von Godard wohl nur im zeitlichen Kontext sehr gut funktionieren und nur sehr wenige von ihm zeitlos sind. Bedauerlich, aber er hat seinen ihm gebührenden Platz in der Filmgeschichte auf jeden Fall sicher.

Diese Box eines wegbereitenden und zum Kanon gehörenden Regisseurs ist sehr enttäuschend. Das liegt nicht an der Zusammenstellung, sondern an den Filmen von denen nur „Eine verheiratete Frau“ und der gelungene Dokumentarfilm „Godard trifft Truffaut“ sehenswert sind.

by Jons Marek Schiemann
Bilder © Studiocanal Home Entertainment