Jacques Tati Complete Collection - DVD

DVD Start: 02.04.2015
FSK: ab 12 - Laufzeit: 565 min

Jacques Tati Complete Collection DVD Cover -> zur DVD Kritik

Preisvergleich

43,99 € jetzt kaufen
43,99 € jetzt kaufen
alle Preise inkl. MWST

-> alle DVD, Blu-ray zum Film

Inhalt

Als Jacques Tati im Alter von 75 Jahren stirbt, hinterlässt er nur fünf Kinofilme und einen Fernsehfilm, und doch ist dieser sanfte, melancholisch-heitere Beschützer der bedrohten Idyllen einer der ganz Großen der Filmgeschichte. Tati ist ein Clown wie Charlie Chaplin, Buster Keaton oder Harold Lloyd. Und wie Chaplin seinen Tramp, hat er den Monsieur Hulot erfunden, diesen träumerischen Trottel mit Regenmantel, Pfeife und viel zu kurzer Hose. Ein wunderbarer Regisseur mit ausgeprägter Beobachtungsgabe und Sinn für Humor!

ARTHAUS widmet dem legendären Regisseur Jacques Tati (1907-1982) eine einzigartige Edition digital remastered auf DVD. Enthalten sind sechs Spielfilme und der Kurzfilm „Schule der Briefträger“ sowie viele neue Extras und ein umfangreiches Booklet!

Inhalt:
Tatis Schützenfest (1949)
Die Ferien des Monsieur Hulot (1953)
Mein Onkel (1958)
Playtime - Tatis herrliche Zeiten (1967)
Trafic - Tati im Stoßverkehr (1971)
Parade (1974)

-> mehr Info zum Film mit Trailer, Cast & Crew

DVD Details

Medienanzahl: 6
Regionalcode: 2
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment
Tonformate:
Deutsch, Französisch (Mono DD)
Untertitel:
Deutsch, Französisch für Hörgeschädigte
Bildformat: diverse
Bonusmaterial:
ABC-Tempo Tativille: Interview mit Jacques Tati; Alles kommuniziert: Eine Filmanalyse von Filmkritiker Stéphane Goudet; Im Ring: Eine Filmanalyse von Stéphane Goudet; Schönes Wetter, leichter Wind: Eine Filmanalyse von Stéphane Goudet; Wie Zuhause: Eine Filmanalyse von Stéphane Goudet; Tatis Schützenfest – Restaurierte Fassung von 1949; Kurzfilm: „Die Schule der Briefträger“; 56-seitiges Booklet; Wendecover

DVD und Blu-ray | Jacques Tati Complete Collection

DVD
Jacques Tati Complete Collection Jacques Tati Complete Collection
DVD Start:
02.04.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 565 min.

zur DVD Kritik
Blu-ray
Jacques Tati Complete Collection Jacques Tati Complete Collection
Blu-ray Start:
02.04.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 565 min.

DVD Kritik - Jacques Tati Complete Collection

DVD Wertung:
Film: | 10/10
Bild: | 10/10
Ton: | 10/10
Extras: | 10/10
Gesamt: | 10/10


Zeitlose Gesellschaftssatire - Jaques Tati war einer der begnadetsten Komiker, der in Deutschland leider nie den ihm gebührenden Status bekommen hat. Was schon ziemlich verwundert, denn er vermag es, einen wunderbaren Humor mit einer Gesellschaftssatire zu verpacken und dabei doch sehr zurückhaltend zu sein. Zumindest wenn man so welche Nervenbündel wie Louis de Funes als Maßstab nimmt und im Gegensatz zu seinen anderen französischen Kollegen wie etwa Pierre Richard und Jean Paul Belmondo ist er auch weit weniger geschwätzig. Viel mehr hat er mit den amerikanischen Slapstickkünstlern gemeinsam. Mit Chaplin etwa die Gesellschaftskritik und die Skepsis gegenüber der Technik und sein subversiver Witz erinnert mehr an die Marx Brothers. Obwohl hier durchaus starker Slapstick vorkommt, so ist er doch nie so zerstörerisch wie bei Laurel und Hardy und Tati stellt sich oft auch gar nicht in den Vordergrund. So ist er gar nicht immer der Auslöser der kleinen Katastrophen, sondern vielmehr eine Art Katalysator. Besonders schön ist das in dem Film „Die Ferien des Monsieur Hulot“ zu sehen, wenn etwa die Hotelbesitzer ihn argwöhnisch beäugen und eben durch diese Fokussierung anderes missachten was zu haarsträubenden Situationen führt. Nun kommt eine Komplettedition aller Spielfilme von Jaques Tati in einer schmucken Box heraus. Wobei der Titel „Complete“ etwas in die Irre führt. Denn Tati hat mehr als diese sechs Filme gemacht, da er schon als Darsteller tätig war, bevor er selber Filme drehte, aber in dieser Box sind seine zeitlosen sechs Klassiker als Regisseur und Schauspieler in einer restaurierten Fassung zu finden, wobei sowohl das Bild als auch der Ton punkten. Besonders wichtig ist dabei der Ton, denn mit diesem wird stark gearbeitet. Oft ist er ein Aspekt der Komik. Etwa das orchestrierte Zuschlagen von Autotüren und Motorhauben in „Trafic“. Oder das Quietschen der Scheibenwischer, welches wunderbar mit den Handlungen der Autoinsassen harmoniert. Auch in „Die Ferien des Monsieur Hulot“ spielt der Ton eine wesentliche Rolle: seine Fußtritte wenn er peinlich berührt dem Hotelbesitzer aus dem Wege geht, das Auspuffknallen seines Autos, etc. Oder auch die Musik in „Parade“. Aber die Gründe und die Quellen der Komik sind enorm vielfältig. „Die Ferien des Monsieur Hulot“, mit einem wunderbar restaurierten Bild, hat als Extra eine sehr gute Filmanalyse, welche verdeutlicht, was alles in dem Film drinsteckt. Oft wurde und wird Tati mit seinem Grundthema auf den Kampf gegen die Technik und deren Tücke reduziert. Dabei stimmt das so nicht. Jedenfalls nicht nur. Wenn man die Filme in der Box betrachtet, ist sein Thema vielmehr die soziale Isolation. Tatis Monsieur Hulot möchte sich sozial integrieren (mit Ausnahme von „Mon Oncle“ in dem der Impuls von außen kommt, Hulot aber als ein unschuldiger kindischer Mann alles ins Chaos stürzt), ist aber sehr schüchtern und die Technik entfremdet ihn noch weiter von der Welt, wobei die Filmsprache immer deutlicher den ganzen Menschen und die ganze Gesellschaft als ein nebenher schildert, welche von der Technik, oder vielmehr dem Umgang mit ihr, immer noch weiter auseinandergedriftet wird, par excellence dargestellt in dem Meisterwerk „Play Time“. Dazu passt auch der Sprachmischmasch, der immer wieder eingesetzt wird und in „Trafic“ auf die Spitze getrieben wird. Jeder redet, aber niemand kommuniziert. Man redet an sich vorbei, versteht sich nicht und die verschiedenen Sprachen sind oft in ein und demselben Sprecher vereint. Vor allem ist es die PR-Frau, deren Job ja die Beseitigung von Problemen durch Sprache ist, welcher immer wieder einige Barrieren herstellt und andere Katastrophen auslöst. Gegen Ende von „Trafic“ als man in einer naturbelasseneren Gegend verweilte, sind die Helden entspannter und finden in einer hektischen Welt eine innere Gelassenheit. Das einzige was man Tatis Filmen vorwerfen kann ist die mangelnde Story. Zwar sind grade im Slapstick die Storys nur Auslöser für den Humor. Wenn dann mal eine richtige Geschichte existiert so scheitern die Filme wie etwa bei Laurel und Hardy. Einzige Ausnahme ist da Charlie Chaplin. Bei Jaques Tati werden die Filme so recht szenisch und manchmal ohne direkten Zusammenhang. Aber dafür besitzt er ein wundervolles Timing und der Rhythmus der Filme ist enorm beeindruckend. Dafür braucht er keine großen Schnitte, sondern nur eine minutiöse Planung. Zudem besitzt Tati einen wunderbaren Blick für das Detail, so dass man auch beim mehrfachen Sehen immer wieder einige wunderbare Gags bemerken kann die vorher nicht auffielen. Etwa in den „Ferien“ wenn der Wirt je nach Leibesumfang des Gastes beim Abschneiden vom Braten die Scheibendicke variiert. Da entsteht auch eine gewisse Melancholie angesichts der gesellschaftlichen Zustände. Aber nie werden die Menschen boshaft behandelt (so wie in den neueren amerikanischen Filmen seit „Verrückt nach Mary“), sondern es scheinen immer auch eine Liebenswürdigkeit und ein Hoffnungsschimmer durch. Was vor allem in den zeitlosen Filmen „Mein Onkel“ in dem eine Familie Zentrum des Chaos ist oder im berühmten Erstlingswerk „Tatis Schützenfest“. Hier ist schön zu sehen welche innere Freiheit man besitzt, wenn man den Normen der Gesellschaft bewusst absagt. Abgerundet wird die Box noch mit dem enttäuschenden „Parade“ dem man die Lustlosigkeit von Tati nach zwei kommerziellen Flops etwas anmerkt. Das sollte auch sein letzter Film sein. Auch wenn Tati nur sechs Filme als Regisseur gedreht hat, die hier allesamt enthalten sind, so ist die Quantität nicht mit Qualität gleichzusetzen. Mal ist eben weniger mehr. Alle gehören in den Kanon der Filmkomödien.

Vor allem da sie hier eine wunderbare technische Ausstattung haben, wie schon oben erwähnt worden ist. Auch die Extras können sich sehen lassen. Neben der Filmanalyse bei „Die Ferien des Monsieur Hulot“ gibt es bei „Trafic“ noch ein Interview mit einem Filmkritiker, der auch die Gesamtfilme etwas beleuchtet. Auch „Mon Oncle“ besitzt eine detaillierte Filmanalyse, welche übrigens von Michel Piccoli gesprochen wird, und ist sehr interessant und gelungen. „Tatis Schützenfest“ gibt es sogar gleich in zwei Fassungen zu sehen: der Farbfassung von 1994 und in der restaurierten Fassung von 1949. Leider fehlt bei dem berühmten Film eine Analyse, aber dafür gibt es neben dem Trailer noch den wunderbaren Kurzfilm „Die Schule der Briefträger“. „Play Time“, auch bekannt als „Tatis herrliche Zeiten“ war damals ein Flop, da die Gesellschaftskritik als veraltet angesehen worden war und die Kosten explodierten die dann nicht im Verhältnis zu den Einnahmen standen. Tati ließ extra eine kleine Stadt errichten was in einem der Extras, „ABC-Tempo Tativille“, thematisiert wird. Heute gilt der Film als Klassiker und so besitzt er gleich zwei interessante Audiokommentare und eine Filmanalyse. Vor allem die Filmanalyse bei dem merkwürdigen „Parade“, der zu einem großen Teil eine abgefilmte Zirkusvorstellung ist, ist sehr erhellend und verdeutlicht die Metaebene, welche Tati erschaffen wollte.


Fazit:
Diese Box ist ein Pflichtkauf. Tatis sechs Spielfilme sind einfach zeitlos und verbinden in einer wunderbaren Mischung aus Slapstick und einem subtilen Humor eine genaue gesellschaftliche Beobachtung, die mit einer leisen Melancholie gepaart ist. Kaufen.

by Jons Marek Schiemann
Bilder © Studiocanal Home Entertainment