Im Schatten der Frauen - DVD

DVD Start: 05.08.2016
FSK: ab 12 - Laufzeit: 73 min

Im Schatten der Frauen DVD Cover -> zur DVD Kritik

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Inhalt

Pierre und Manon sind seit langem ein Paar. Sie leben in einfachen Verhältnissen und halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Pierre trifft Elizabeth, sie wird seine Geliebte. Aber Pierre will Manon nicht für Elisabeth verlassen, er will beide Frauen halten. Elizabeth beginnt Pierre und Manon zu beobachten. Eines Tages entdeckt Elisabeth, dass auch Manon einen Liebhaber hat …

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: goodmovies / Schwarz-Weiss
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Trailer

DVD und Blu-ray | Im Schatten der Frauen

DVD
Im Schatten der Frauen Im Schatten der Frauen
DVD Start:
05.08.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 73 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Im Schatten der Frauen

DVD Wertung:
Film: | 10/10
Bild: | 10/10
Ton: | 10/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 9/10


Philippe Garrel, ein französischer Autorenfilmer. Seit den 60er Jahren bereits arbeitet er an einem Werk, das im Ganzen gesehen erstaunlich konsistent ist und im Einzelnen stets neu und anders gelingt. Hierzulande sind seine Arbeiten ungerechterweise selten auf Kinoleinwänden zu sehen. Um so bedauernswerter, da sie in Cinemascope-Format und immer noch auf 35-mm-Film gedreht und geschnitten sind.
Über Garrel ist bekannt, dass er autobiographisch und mit der eigenen Familie und dem eigenen Lebensstoff arbeitet. Sein Sohn Louis Garrel übernimmt oft die Hauptrolle, früher auch sein Vater und seine Ex-Frauen, alle Schauspieler. Die Figur im Zentrum ist meist ein Künstler, genauer noch, kreisen sich Garrels Geschichten stets um ein Paar.
Titel Szenenbild Im Schatten der Frauen: hier gibt es Pierre, einen Dokumentarfilmemacher. Er ist etwas grimmig, schaut finster, sein Gesichtsausdruck versteinert, beinahe magenkrank. Möglicherweise Selbstzweifel, inneres Zerwürfnis. Der Erfolg lässt auf sich warten, die finanziellen Sorgen bohren sich ins Innere des Lebens hinein. Seine Frau Manon scheint zunächst einfacher. Genügsam und voller Zuversicht schneidet sie das Abendbrot-Gemüse sowie seine Filme. Es ist schließlich ein Glück mit jemandem zusammenarbeiten zu können, den man liebt. Selbstverständlich will sie es so.
Pierre lernt eine Andere kennen – Elisabeth, Praktikantin im Archiv. Sie schleppt etwas ungeschickt Filmrollen mit einer Sackkarre, lädt sie in einen uralten Lastwagen. Er hilft ihr und bleibt. Heitere Gitarre auf der Tonspur – so schnell bildet sich eine Basiskonstellation. Interessanterweise drehte der Regisseur den gesamten Film, genauso wie alle vorherigen, in streng chronologischer Reihenfolge. So können Darsteller die emotionale Entwicklung der Figuren besser durchleben, heißt es.
Pierre ist also im Schatten der Frauen, die ihrerseits an ihm leiden. Von einem Voice-over erfahren wir, dass er die eine so schlecht wie die andere behandelt – Louis Garrel kommentiert das Geschehen aus dem Off frei von auch nur geringen Teilnahme und Expressivität in der Stimme. „Er sagte sich: es ist, wie es ist. Ich bin eben ein Mann. Ich kann nichts dafür, dass ich ein Mann bin“. Für die Doppelmoral gibt es auch hier keine andere als Ersatz, sie bleibt von jedem vorstellbar zerreibenden Selbstzweifel verschont. Dafür können Männer bei Garrel auch wahrhaft erbärmlich sein, wenn sie zum Beispiel eine Stange Baguette an der Strassenecke in sich hineinstopfen oder einen Teller Reis im Stehen herunterschlucken. Vor Tränen schimmert es ihnen feucht um die Augen. Schmecken tut es weder in der Beziehung noch außerhalb. Aber ein Außerhalb scheint es in Wirklichkeit gar nicht zu geben. Trennung ist ein Ausbruchsversuch schnurgerade in den Abgrund, in eine Leere, die nicht mal widerhallt. Die verlassenen Männer fahren in die Bäume rein und erschießen sich daneben, um in den vorher eingezeichneten Kreis glücklich lächelnd zurückzukehren. Sterben ist einfacher, als aufhören zu lieben. Bei Garrel ist es so.
Ein unerwarteter Achsensprung – Manon hat auch einen Anderen, den sie nachmittags in den Brasserien trifft. Wer hätte das gedacht. Ist Eifersucht eigentlich eher gut oder schlecht? Gut, weil sie eine Lücke entstehen lässt, aus der heraus neue Bilder geschüttelt werden. Pierre sagt, er sieht seine Frau jetzt mit anderen Augen – das ist klar, aber er entdeckt sie auch neu. In dieser Dreieck-Konstellation ist sie überhaupt die interessanteste, jetzt erst recht. Sie ist stärker, birgt Überraschungen in sich. Ihre Haare mal offen, mal festgesteckt, ihr für sich einnehmendes Lächeln. Im Schatten der Frauen ist wie aus der Zeit gefallen, das wird über die Filme des Regisseurs oft gesagt. Es liegt an dem sanften, strahlenden Schwarz-Weiß – wenn man hinschaut, glaubt man auch die hauchleichte 35-mm-Körnung zu erkennen. Warum die beiden Filmverfahren für immer verschwinden sollten ist hier unmöglich nachzuvollziehen. Sie sollten für immer bleiben. Dass Im Schatten der Frauen nicht von heute und nicht von gestern ist, liegt aber vielmehr noch an der kompromisslosen Selbstverständlichkeit, mit der Garrel die Liebe behandelt. Ob als Bejahung oder als Affirmation ihrer Unmöglichkeit – es ist hinreißend, wie total dieses Gefühl die filmische Welt, ihre spärlich eingerichteten, beinahe heruntergekommenen Wohnungen und von jedem Wiedererkennungs-Effekt befreiten Straßen bestimmt. Im Alltäglichen des peripheren Paris wimmelt es vor Zeichen und entsprechenden Deutungsversuchen: wie man weg oder hinschaut, wie man sich neben dem Anderen hinlegt. Blumenstrauß ist ein Klassiker.
Sehr anders, möchte man aber trotzdem als Vergleich dazu ziehen – Mein Ein, mein Alles von Maïwenn. Eine viel glamourösere Paris-Geschichte ist es, eine grundverschiedene Welt. Doch in einem wie im anderen Fall sehen wir kein Beziehungsdrama, sondern einen Liebesfilm. Kopfüber ernsthaft und geschlechtsübergreifend erzählt – davon gibt es heute nicht so viele.

Bild und Ton
Im Schatten der Frauen erfreut mit wunderschönen Schwarz-Weiß-Bildern von Renato Berta, dem Kameramann, der noch mit Jean-Luc Godard und Éric Rohmer drehte. Der Film ist wahrscheinlich einer der letzten, die auf 35-mm-SW-Material gemacht wurde, da ist an der Pressemitteilung des Verleihs wirklich etwas dran. Bei dem Ton ist nichts auszusetzen: die Stimmen sind verständlich und klar abgemischt, alles klingt natürlich. Tolle Musik von Jean-Louis Aubert.

Extras
Hier nichts außer dem Trailer. Man hätte Garrel sehr gern in einem gut geführten Interview zugehört.


Fazit:
Eigensinnig, elegant, mitreißend und von fast biblischen Schlichtheit. Im Schatten der Frauen geht uns alle an. Ein kinematografischer Kosmos. Unbedingt empfehlenswert.

by Olga Baruk
Bilder © goodmovies / Schwarz-Weiss