Ida - DVD

DVD Start: 10.10.2014
FSK: ab 0 - Laufzeit: 80 min

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Inhalt

Polen 1962. Die 18-jährige Novizin Anna (Agata Trzebuchowska) wuchs als Waise im Kloster abgeschottet von der Außenwelt auf. Nun bereitet sie sich auf ihr Gelübde vor. Doch bevor sie dieses ablegen darf, muss sie ihre letzte verbleibende Verwandte treffen: Sie fährt in die Stadt zu Wanda (Agata Kulesza), der Schwester ihrer Mutter. Das Aufeinandertreffen des naiven, religiösen Mädchens und der harschen, sozialistischen Tante setzt bei beiden Frauen eine Entwicklung in Gang.

In eindrücklichen Schwarz-Weiß-Bildern, still und intensiv, erzählt der preisgekrönte Pawel Pawlikowski von zwei Frauen, denen das Vergessen nicht gelingt. IDA ist für den polnischstämmigen Regisseur auch eine Beschäftigung mit den eigenen Wurzeln. Er drehte zum ersten Mal in Polen und setzt sich auch mit brisanten Themen der polnischen Geschichte auseinander: Antisemitismus, Katholizismus und Kommunismus – und mit dem Schweigen, das sie umgibt.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: goodmovies / Arsenal
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Polnisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,78:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
- Trailer

DVD und Blu-ray | Ida

DVD
Ida Ida
DVD Start:
10.10.2014
FSK: 0 - Laufzeit: 80 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Ida

DVD Wertung:
Film: | 10/10
Bild: | 10/10
Ton: | 10/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 9/10


Identitätskrise - „Ida“ ist ein preisgekröntes polnisches Drama, welches allein schon durch die verschiedenen Prämissen manche Zuschauer abschrecken mag. Polen als Herstellungsland? Ist trotz seiner filmischen Tradition im Westen doch noch nicht richtig angekommen und dürfte die meisten zumindest irritieren. Aber dann noch ein Drama, welches in schwarz-weiß gedreht worden ist und allein schon deswegen unter einem sperrigen Kunstverdacht stehen dürfte? Kunst, ja, sperrig auch, aber doch sehr faszinierend und auf jeden Fall mehr als einen Blick wert. Wobei sich doch die Frage stellt warum eigentlich, schließlich wird hier ohne viel Dialog und sehr dezent gespielt, ein so komplexer Themenkreis behandelt in dem es sich um Identität, Einsamkeit und Verlorensein dreht. Wie will man das rüberbringen, wenn die Darstellerinnen kaum ihre Mienen verziehen und ein klärender Dialog wie etwa in amerikanischen Filmen so gut wie überhaupt nicht vorkommt? Die Antwort dürfte manche überraschen obwohl sie eigentlich in einem Film selbstverständlich sein sollte: allein durch die Filmsprache. Die manchmal etwas monotonen Gesichtsausdrücke der Darsteller gewinnen ihre Bedeutung durch die nachfolgenden Szenen und so wird die Bedeutung des gespielten in manchen Szenen allein durch den Schnitt hergestellt, was schon außergewöhnlich geworden ist. Was jahrzehntelang im Kino, gerade der Anfangszeit, Usus war, ist mittlerweile oft durch den Dialog abgelöst worden und mehr literarisch denn filmisch. Hier wird auf die ehrwürdige Tradition zurückgegriffen. Aber im Verbund mit den fehlenden Farben wirkt das sehr trostlos, obwohl nie wirklich mit dem Zeigefinger daraufhin gewiesen wird wie diese melancholische Stimmung eigentlich hervorgerufen wird. Dennoch bekommt man diesen Eindruck und fragt sich, warum eigentlich. Was löst unbewusst diese Wirkung aus und warum weiß man genau was die Protagonisten fühlen, wenn sie sich selber so gut wie nie offenbaren? Durch die Kameraarbeit. So ist es nur zu verständlich das diese ausgezeichnet worden ist. Dabei ist der Grund zu Anfang gar nicht sonderlich ersichtlich. Denn die Kamera ist starr und unbeweglich, alle Bewegung entsteht erst durch die Montage. Zudem ist die Kadrierung ungewöhnlich und äußerst merkwürdig. Oft sind im unteren Fünftel des Bildes Gesichter zu sehen und im Rest des Bildes Architektur. Da fallen Figuren wortwörtlich in das Bild hinein und verlassen dieses. Da die Kamera starr ist, gehen die Darsteller nicht an einen anderen Ort, was der Fall wäre, wenn die Kamera ihnen folgen würde, sondern verlassen wirklich das Bild und somit den gezeigten Ort. Und genau darum geht es: der Verlust der bisherigen Identität und die Suche nach dem Familiengrab, was zu einer Suche in das innere Selbst wird, hat die Frauen entwurzelt. Sie fallen wirklich aus dem Bild, da sie sich nicht mehr zugehörig fühlen und von der Architektur zerdrückt werden und in sie nicht hinein passen wollen. Jede ist für sich einsam und selbst in den gemeinsamen Szenen fallen die anderen förmlich in das Bild und damit in das Leben des Gesprächspartners hinein ohne wirklich das Innere zu berühren. Somit durchweht den Film auch durchgehend eine gewisse Kälte. Erst am Ende als sich die Titelheldin für ihren künftigen Lebensweg entscheidet, kommt die Kamera in Bewegung und folgt ihr in einer langen Kamerafahrt und wirkt lebendig, da nun auch Ida das erste Mal eine bewusste Entscheidung getroffen hat und ihr Leben selber in die Hand nimmt. Sie hat ihren Platz gefunden und weiß wo sie hin gehört. Wo sie ihre Geborgenheit bekommt und ihre Identität gestiftet wird. Hier kommt dann auch das erste Mal Musik zum Einsatz die Off-Screen genutzt wird. Zuvor war sie immer On-Screen zu hören, also wenn eine Band spielte, eine Platte aufgelegt oder das Radio eingeschaltet wurde. Nun wird alles lebendig, indem man sich von der Vergangenheit löste. Doch dieses ist auch tragisch. Die Novizin Anna steht kurz vor dem Gelöbnis, erfährt nun aber, dass sie eigentlich Jüdin ist und Ida heißt. Was eine Identitätskrise auslöst- ihre Eltern wurden während der Nazibesatzung ermordet und sie macht sich auf die Suche nach deren Grab. Gleichzeitig ist der Film eine Aufarbeitung polnischer Geschichte und behandelt symbolisch den Holocaust. Indem Ida nämlich katholische Nonne werden will, wird das Judentum in Miniaturform wieder einmal ausgelöscht, da der Glaube nicht gelebt wird. Auch ihre Tante, welche als Richterin arbeitet, ist demnach eine Verleugnung des Judentums, da sie als Amtsperson den Staat repräsentiert und damit den sozialistischen Glauben denn den religiösen. So wird alles hier auch eine Suche nach dem Glauben und es ist beeindruckend, wie allein durch den, zugegeben, mageren Plot und dessen wahrer filmischer Gestaltung so viele verschiedene thematische Ebenen und Deutungen geschaffen werden. Also: Sperrig, ja. Kunst, ja. Gut? Auf jeden Fall.

Der Ton als auch das Bild sind sehr gut. Vor allem der Ton ist sehr gut austariert und die Soundeffekte, die hier als eine Art zusätzliche Sprache gebraucht werden, kommen sehr gut zur Geltung und können immer wieder Akzente setzen. Das Bild, welches in schwarz-weiß gehalten ist, bleibt immer scharf und die Konturen sind hervorragend. Leider gibt es aber als Extras nur den Trailer und eine Trailershow. Da wären zumindest Interviews doch schön gewesen.

Ein Meisterwerk. Zwar etwas sperrig, aber es ist selten geworden, dass allein die Filmsprache so gut wie jede Bedeutung transportiert und den Zuschauer unbewusst mitfühlen lässt. Faszinierend und vielschichtig.

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by Jons Marek Schiemann
Bilder © goodmovies / Arsenal