Holy Motors - DVD

DVD Start: 29.03.2013
FSK: ab 16 - Laufzeit: 115 min

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Inhalt

Ein paar Stunden im Leben von Monsieur Oscar, einem chronisch übermüdeten Schauspieler, der von einem Leben zum nächsten wechselt. Mal ist er Familienvater, mal Killer, mal Industrieboss, mal Bettler, mal Monster ... Monsieur Oscar ist allein, begleitet wird er nur von Celine, die ihn in einer Stretchlimousine durch das geheimnisvoll anmutende Paris von Termin zu Termin fährt.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: goodmovies / Arsenal Filmverleih
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Französisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,78:1 Anamorph Widescreen

DVD und Blu-ray | Holy Motors

DVD
Holy Motors Holy Motors
DVD Start:
29.03.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 115 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Holy Motors

DVD Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 0/10
Gesamt: | 8/10


Leos Carax, dieser Name steht für unkonventionelle, polarisierende Kinounterhaltung. Und genau das bekommen die Zuschauer von „Holy Motors“ geboten: Kunstvoll, keinem Genre angehörend und trotz aller erzeugten Verwirrung traumhaft schön, vollbringt Carax neuester Film das Kunststück, selbst eingefleischte Cineasten immer wieder zu überraschen. „Holy Motors“ erweist sich als faszinierende filmische Wundertüte, die einen zwar etwas ratlos, aber dennoch zufrieden im Kinosessel (oder vor dem Fernseher) zurück lässt.

Monsieur Oscar (Denis Lavant) ist alles andere als ein gewöhnlicher Mann. Jeden Morgen, wenn er sich von seiner Familie verabschiedet und zu seiner Arbeit aufbricht, schlüpft er in die Rollen verschiedenster, merkwürdiger Charaktere. Mit entsprechender Verkleidung erlebt Monsieur Oscar eine ganze Reihe mal skurriler, mal verstörender Situationen, die allesamt mit symbolischer Bedeutung aufgeladen sind. So führt ihn seine Reise beispielsweise in der Gestalt eines Monsters in die Scheinwelt des Models Kay M. (Eva Mendes), die er in die düstere Pariser Unterwelt verschleppt oder er wird zu einem Auftragskiller, in dessen Haut er einen Mord begehen muss. Den Wechsel zwischen den verschiedenen Identitäten und Lebenssituationen ermöglicht ihm seine Chauffeurin Céline (Edith Scob), die ihn in einer Stretchlimousine von „Arbeitsplatz“ zu „Arbeitsplatz“ geleitet. Allerdings droht sich Monsieur Oscar allmählich in diesem Traumkonstrukt zu verlieren, das mit jeder Reise undurchsichtiger wird…

„Holy Motors“ ist nach 13 Jähriger Spielfilmpause (seit „Pola X“, gedreht 1999) das neue Werk des Regieexzentrikers Leos Carax, der bereits in der Vergangenheit für kontrovers diskutierte Filme gesorgt hatte. Nachdem er sich fünf Jahre lang erfolglos darum bemüht hatte, sein englischsprachiges Regiedebüt „Scars“ zu finanzieren, widmete sich Leos Carax erstmal einigen Kurzfilmprojekten (Merde, Tokio!), bevor er im Jahr 2012 mit „Holy Motors“ in Cannes seinen neuen Spielfilm präsentierte. Und allem Anschein nach hat ihm diese lange Spielfilmpause in kreativer Hinsicht mehr als gut getan! Nach dem eher enttäuschenden „Pola X“ legt Carax mit „Holy Motors“ eine fesselnde Liebeserklärung an das Kino vor, die einen noch lange nach der Sichtung beschäftigt und aufgrund ihrer zahlreichen symbolischen Verweise eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten anbietet. Allerdings muss man gar nicht zwangsweise näher auf selbige eingehen, da „Holy Motors“ auch ohne die Metaebene prächtig unterhält und einfach nur als faszinierendes Traumgebilde erlebt werden kann. Die verschiedenen Episoden des Filmes sind nur assoziativ miteinander verknüpft, haben jedoch eines gemeinsam: Sie folgen keiner rationalen Logik, sondern wirken wie surreale Traumsequenzen, die den Zuschauern viel mehr eine Stimmung als eine konkrete Geschichte vermitteln sollen. Und hier liegt auch die große Stärke des Filmes, denn Inszenierung, Schauspiel und vor allem die Atmosphäre des Filmes erreichen ein immens hohes Niveau, das unglaublich gut zu unterhalten weiß. Manchmal erzeugen Caroline Champetier und Yves Cape (Kamera) so schöne Bilder, dass man das eigene Unvermögen, das Gezeigte zu verstehen, völlig vergisst und sich ganz den traumhaften visuellen Höhepunkten des Filmes hingibt (als Beispiel sei an dieser Stelle die grandios groteske Motion-Capture-Sequenz genannt). Das Gleiche gilt für die eher düsteren Szenen des Filmes, die eine ähnlich betörende, aber makabre Faszination entwickeln, welche die Irrationalität zum obersten Prinzip werden lässt. Es ist also dringend anzuraten, dass man als Zuschauer nicht den Fehler begeht, über die gesamte Spieldauer des Filmes zu versuchen, diesen logisch zu entschlüsseln, das würde bei „Holy Motors“ lediglich für Frust sorgen. Es handelt sich um einen jener Filme, die erlebt und nicht verstanden werden müssen. Lässt man sich jedoch auf diese Rezeptionsweise ein, erlebt man den wohl interessantesten Film seit David Lynchs „Mulholland Drive“ und bekommt ganz nebenbei eindrucksvoll vorgeführt, was im Kino alles möglich sein kann.

Denis Lavant, den Carax schon während dem Schreiben des Drehbuches für die Hauptrolle vorgesehen hatte, schafft es tatsächlich, allen Charakteren, die er im Verlauf der Handlung spielen muss, eine individuelle Note zu verleihen und bewältigt somit die größte schauspielerische Hürde des Filmes mit Bravour. Es macht großen Spaß, ihm bei seinen zahlreichen Verwandlungen zuzusehen und obwohl den ganzen Film über auf Dialoge weitestgehend verzichtet wird, erschafft er durch sein intensives Schauspiel sehr lebendig wirkende Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Aber auch Kylie Minogue und Eva Mendes spielen ihre Figuren sehr ordentlich, wobei Minogues Charakter eindeutig der interessantere ist. So gehört ihre nächtliche Begegnung mit Monsieur Oscar in einem verlassenen Luxushotel auch zu den heimlichen Höhepunkten des Filmes, da die Sequenz unheimlich romantisch und musikalisch geraten ist. Darüber hinaus wird hier gekonnt mit der Erwartungshaltung der Zuschauer gespielt und nebenbei ein eindrucksvolles Parispanorama im Hintergrund präsentiert. Wenn Kylie Minogue anfängt zu singen, vergisst man für einen kurzen Moment alle Kuriositäten der vergangenen 90 Minuten und beginnt zu träumen. Da ist es schon fast selbstverständlich, dass Carax dieses Empfinden schnell wieder dekonstruiert und anschließend in die nächste Szenerie einsteigt. Wenn dann irgendwann der Abspann über den Bildschirm flimmert, schwirren einem eine ganze Menge Fragen durch den Kopf. Und ob man den Film mochte oder nicht, man wird kaum abstreiten können, dass es sich bei „Holy Motors“ um eine außergewöhnliche cineastische Erfahrung handelt.

Die DVD-Veröffentlichung (eine Blu-ray wird wohl erstmal nicht erscheinen) bietet eine gute Bild- und Tonqualität, die vor allem in den vielen surrealen Szenen des Films ein vollständiges Eintauchen in die Welt des Monsieur Oscar ermöglicht. Extras sind jedoch leider nicht vorhanden, da neben dem Film nur der Trailer auf der DVD zu finden ist.

Fazit: Leos Carax hat mit „Holy Motors“ einen Film gedreht, der auf alle Regeln konventioneller filmischer Narration pfeift und die Irrationalität zum obersten Gestaltungsprinzip erhebt. Dass der Film dabei auch noch jede Menge Spaß macht, ist ein Beweis dafür, dass im Kino sehr viel mehr möglich ist als die Produktion von herkömmlichem Hollywoodeinerlei. Somit ist „Holy Motors“ auch ein längst überfälliger und sehr willkommener Schlachtruf gegen die mittlerweile zementierte Nivellierung durch das Blockbusterkino. Anschauen und selbst überzeugen!

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by Jonas Hoppe
Bilder © goodmovies / Arsenal Filmverleih