Große Erwartungen - DVD

DVD Start: 26.04.2013
FSK: ab 12 - Laufzeit: 123 min

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Inhalt

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Charles Dickens erzählt GROSSE ERWARTUNGEN die Geschichte des Waisenjungen Pip (JEREMY IRVINE), der in bescheidenen Verhältnissen aufwächst und mit Hilfe eines mysteriösen Wohltäters (RALPH FIENNES) den gesellschaftlichen Aufstieg schafft.
Seine neue Position als Gentleman der Londoner Gesellschaft erlaubt Pip endlich, um die schöne, unnahbare Erbin Estella (HOLLIDAY GRAINGER) zu werben, die er seit seiner Jugend und der ersten Begegnung im Haus der skurrilen Miss Havisham (HELENA BONHAM CARTER) liebt. Als Pip jedoch die schockierende Wahrheit hinter seinem großen Vermögen erfährt, gerät seine Welt aus den Fugen…

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universum Film / Senator Home Entertainment
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Deleted Scenes, Making Of, Filmtrailer

DVD und Blu-ray | Große Erwartungen

DVD
Große Erwartungen Große Erwartungen
DVD Start:
26.04.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 123 min.

zur DVD Kritik
Blu-ray
Große Erwartungen Große Erwartungen
Blu-ray Start:
26.04.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 128 min.

DVD Kritik - Große Erwartungen

DVD Wertung:
Film: | 6/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 3/10
Gesamt: | 6/10


Mike Newell, bekannt vor allem für die hinreißende, schwarzhumorige britische Komödie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, hat sich in den letzten Jahren vor allem dem Mainstreamkino zugewandt und mit „Harry Potter und der Feuerkelch“ und „Prince of Persia“ zwei durchaus solide Blockbuster gedreht. Obgleich die Drehbücher kaum simpler hätten gestaltet werden können, bewies Newell mit diesen Filmen immerhin großes handwerkliches Talent, das jedoch nicht gänzlich über die Seelenlosigkeit der Handlung hinwegtäuschen konnte. Mit „Große Erwartungen“ versucht sich der Brite nun an einer Adaption des berühmten Literaturklassikers von Charles Dickens und liefert einen soliden, wenn auch nicht überragenden Film ab.

Ein mysteriöser Wohltäter ermöglicht dem armen Waisenjungen Pip (Jeremy Irvine) einen plötzlichen gesellschaftlichen Aufstieg, der ihm die Türen zu den Häusern der Reichen und Mächtigen öffnet. Als vornehmer Gentlemen genießt Pip alle Privilegien der dekadenten Londoner Oberschicht und hat darüber hinaus die Möglichkeit, in denselben gesellschaftlichen Kreisen zu verkehren wie seine Jugendliebe Estella (Holliday Grainger), die er zu keiner Sekunde seines Lebens vergessen konnte. Damals, als er noch in bescheidenen Verhältnissen im Haus seiner Schwester lebte, begegnete er Estella bei einem Besuch auf dem Anwesen der exzentrischen Miss Havisham (Helena Bonham Carter), wo er ihr als Spielkamerad zur Verfügung stehen sollte und verliebte sich schnell in sie. Zu diesem Zeitpunkt konnte er allerdings noch nicht ahnen, dass die skurrile Miss Havisham aus Estella einmal eine eiskalte, berechnende Herzensbrecherin formen würde...

Auf den ersten Blick macht Mike Newells mit seiner Dickens-Adaption viel richtig: Die Bilder sind teilweise atemberaubend schön gefilmt, die Kulisse des viktorianischen Londons überzeugt und mit Helena Bonham Carter, Ralph Fiennes und Robbie Coltrane kann der Film mit einigen sehr talentierten Schauspielern punkten. Also warum ist „Große Erwartungen“ dennoch eine kleine Enttäuschung? Das liegt leider vor allem am überfrachteten Drehbuch von David Nicholls, der allerhand Handlungsfäden zu integrieren versucht, aber keinem so richtig gerecht werden kann. Die meisten Ereignisse, Dialoge und Charaktere erscheinen so erschreckend oberflächlich und bleiben trotz der soliden Inszenierung weit hinter der dramaturgischen Finesse von Charles Dickens Romanvorlage zurück. Es ist schlicht und ergreifend nicht möglich, einen 740 Seiten dicken Roman auf 123 Filmminuten zu komprimieren, ohne auf einige Handlungsstränge zu verzichten. Quantität siegt hier deshalb leider eindeutig über Qualität, was aufgrund der ansonsten sehr gelungenen Filmzutaten sehr schade ist. Ein weiterer Schwachpunkt ist die schauspielerische Interaktion von Jeremy Irvine und Holliday Grainger, die zwar beide eine annehmbare Leistung liefern, aber die Tragik und emotionale Wucht ihrer Beziehung nur sehr selten auf der Leinwand zum Leben erwecken können. Viel zu oft wirken ihre bedeutungsschweren Sätze eher wie brav auswendig gelernte Floskeln, was der emotionalen Spannung sehr viel Wind aus den Segeln nimmt und auch das Ende des Filmes sehr unbefriedigend erscheinen lässt.
Die Leistung der beiden tragenden Nebendarsteller, Ralph Fiennes und Helena Bonham Carter, liegt – wie erwartet- einige Ligen über der ihrer jungen Kollegen und trägt glücklicherweise einen Großteil dazu bei, den Film noch auf ein solides Niveau zu hieven. Ralph Fiennes spielt den undurchsichtigen Gauner Magwitch gewohnt vielseitig und schafft es, die Ambivalenz und innere Tragik seiner Figur durch sein intensives Spiel gut auf den Zuschauer zu übertragen. Miss Havisham ist als Charakter ebenso interessant angelegt wie Magwitch und wird von Helena Bonham Carter sehr nuancenreich und exzentrisch auf die Leinwand gebracht. Es macht einfach Spaß ihr dabei zuzusehen, wie sie als düstere Spukgestalt, mit zynischen Tipps zum Thema Liebe, als Beraterin der jungen Estella fungiert und ihre unmoralische Sichtweise auf die Welt zelebriert. Auch das restliche Ensemble macht seinen Job sehr ordentlich und überrascht mit einigen, eher untypischen Besetzungen in den Nebenrollen – so ist es gleichsam ungewohnt wie schön, „Little Britain“-Star David Walliams mal in einem ernsten Film zu sehen.

Das alles wird von Kameramann John Mathieson in sehr ansprechende Bilder verpackt und von einigen überraschenden Schnittfolgen begleitet. So werden bei Pips Ankunft in London sehr gekonnt die vielen neuen Eindrücke, mit denen Pip auf einmal konfrontiert ist, durch viele harte Schnitte für den Zuschauer spürbar gemacht und auch das in London herrschende Durcheinander wird von der Kamera sehr gut mitgetragen. Zusammen mit den tollen Sets wird somit ein glaubhaftes Bild des viktorianischen Zeitalters erzeugt, das zuerst seine hässliche, schmutzige Fratze (das harte Leben auf dem Land) zeigt und diese anschließend der dekadenten Adelswelt gegenüber stellt. In der Scheinwelt des Adels gerät Pip an raubtierähnliche, zutiefst primitive Menschen, die ihr gemeinsames Abendessen wie selbstverständlich in eine hemmungslose Fressveranstaltung verwandeln und somit ihre trügerische Fassade selbst als solche entlarven. Diese ironische Spiegelung vom harten Landleben mit der dekadenten Adelswelt (schnell stellt sich heraus, dass der ärmliche Schmied Joe trotz verbaler und finanzieller Unterlegenheit dem Adel menschlich haushoch überlegen ist und das Landleben daher auf einmal sehr viel idyllischer erscheint als zunächst angenommen) wird bildlich toll umgesetzt und stellt daher zugleich einen inhaltlichen und optischen Höhepunkt des Filmes dar.

Da sich lediglich einige bisher unveröffentlichte Szenen (die allerdings keine wirkliche Bereicherung darstellen) und ein 5 Minuten langes Making-of (das seinen Namen kaum verdient) mit auf der DVD befinden, enttäuschen die Extras. Aber immerhin auf der technischen Ebene kann die Veröffentlichung überzeugen und liefert scharfe Bilder und eine sehr ansprechende Tonqualität.

Fazit:
„Große Erwartungen“ ist eine solide Literaturverfilmung, die es leider bei weitem nicht mit anderen Dickens-Adaptionen wie z.B. Polanskis „Oliver Twist“ aufnehmen kann, da das Drehbuch viel zu beliebig Handlungsstrang an Handlungsstrang reiht. Dennoch hat der Film durchaus seine beglückenden Momente, ist toll gefilmt und kann darüber hinaus mit einigen hochkarätigen Schauspieler begeistern. Also kann man als Dickensleser und Liebhaber historischer Filme ruhig einen Blick wagen.

by Jonas Hoppe
Bilder © Universum Film / Senator Home Entertainment