Gelobt sei Gott - DVD

DVD Start: 27.03.2020
FSK: ab 6 - Laufzeit: 137 min

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Inhalt

Alexandre lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in Lyon. Eines Tages erfährt er durch Zufall, dass der Priester, der ihn missbraucht hat, als er bei den Pfadfindern war, immer noch mit Kindern arbeitet. Er beschließt etwas zu unternehmen, und bald folgen ihm zwei weitere Opfer, François und Emmanuel.
Unter dem Motto „La Parole Libérée“ schließen sie sich zusammen, um sich endlich von der Last des Schweigens zu befreien. Aber die Konsequenzen werden niemanden unversehrt lassen.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Pandora Film
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,85:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Interviews mit François Ozon und Melvil Poupaud, Deleted Scenes, Licht- und Kostümproben, Studiosequenz, Musikaufnahmen, Pandora Trailershow

Video on demand - Gelobt sei Gott

DVD und Blu-ray | Gelobt sei Gott

DVD
Gelobt sei Gott Gelobt sei Gott
DVD Start:
27.03.2020
FSK: 6 - Laufzeit: 137 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Gelobt sei Gott

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 7/10
Ton: | 8/10
Extras: | 4/10
Gesamt: | 7/10


Nach zuletzt mehreren stilistisch gewagten oder gar ausufernden Filmen wie „Der andere Liebhaber“, „Frantz“ und „Eine neue Freundin“ nimmt sich Regisseur François Ozon mit seinem neuen Film deutlich zurück. Das macht auch unzweifelhaft Sinn, denn „Gelobt sei Gott“ befasst sich mit realen und höchst sensiblen Begebenheiten, die mehrfachen Kindesmissbrauch eines katholischen Lyoner Priesters thematisieren. Deutlich von dem ähnlich gearteten Oscar-Gewinner „Spotlight“ inspiriert, erweist sich Ozons Film als möglicherweise reifster und gar bester Film in Ozons langer Filmografie.

Beginnend im Juni 2014 folgt der Film dem gut situierten TV-Finanzexperten und Familienvater Alexandre Guérin (Melvil Poupaud), der als Jugendlicher von dem katholischen Geistlichen und Pfadfinder-Betreuer Bertrand Preynat (Bernard Verley) mehrfach sexuell missbraucht wurde. Der überzeugte Katholik erfährt zufällig, dass Preynat auch heute noch Kinder betreut und wendet sich empört an das zuständige Bistum. Tatsächlich trifft er dort auf offene Ohren und erhält sogar die Möglichkeit sich seinem geständigen Peiniger zu stellen. Doch trotz erstaunlicher Offenheit und spürbarer Reue seitens Preynat bleibt die Bitte nach Vergebung aus. Alexandre fordert schließlich den ebenfalls entgegenkommenden Kardinal Barbarin (François Marthouret) auf, den Fall publik zu machen, was jedoch zu Widerstand führt. Alexandre gibt nicht auf und wird in seinem Kampf um Gerechtigkeit offensiver…

Kardinal Barbarin (François Marthouret) bei der Firmung von Alexandres Sohn Gauthier Guérin (Max Libert)
Kardinal Barbarin (François Marthouret) bei der Firmung von Alexandres Sohn Gauthier Guérin (Max Libert) © Pandora Film
Man spürt „Gelobt sei Gott“ zu jedem Zeitpunkt an, wie bemüht Ozon ist, der Thematik und den realen und sogar originalgetreu benannten Persönlichkeiten im Stile eines Doku-Dramas gerecht zu werden. Mit größter inszenatorischer Zurückhaltung sowie einem betont nüchternen und sachlichen Ton verzichtet der französische Filmemacher komplett auf unnötig reißerische Elemente. Diese pflichtbewusste Haltung erinnert unzweifelhaft an das besagte amerikanische Pendant „Spotlight“, das mit seiner Veröffentlichung in Frankreich tatsächlich auch Opfer ähnlicher Missbrauchsfälle ermutigt hat, ihr Leiden publik zu machen. Ozon sprach ausgiebig mit Beteiligten und übernahm sogar teils wortgetreu Dialoge aus Protokollen oder Briefen. Gerade die Brief- bzw. E-Mail-Korrespondenz zwischen den unterschiedlichen Parteien bilden einen auffällig über Erzählstimmen gebildeten Dialog, der den sachlichen Ton des Films spürbar prägt.

So ist der Film um eine stark differenzierte, ausgeglichene und nuancierte Erzählweise bemüht. „Gelobt sei Gott“ räumt im Verlauf der Geschichte immer mehr Persönlichkeiten eine Perspektive ein, die sich in feinen Abstufungen voneinander unterscheiden. Geht der nüchterne Familienvater Alexandre sehr besonnen und vernünftig seinen stillen, aber nachdrücklichen Kampf um Gerechtigkeit an, offenbaren weitere Opfer teils völlig unterschiedliche Herangehensweisen.

Alexandre Guérin (Melvil Poupaud)
Alexandre Guérin (Melvil Poupaud) © Pandora Film
Der Film wagt so etwa zur Hälfte einen Perspektivwechsel zu dem deutlich impulsiveren François (Denis Ménochet), der ebenfalls als Jugendlicher Opfer von Preynat wurde. Nachdem Alexandre nach seinem wirkungslosen diplomatischen Vorgehen mit der Diözese Anzeige gegen seinen einstigen Peiniger erstattet, wird François ein Jahr nach Alexandre mit seiner Vergangenheit konfrontiert und engagiert sich nach anfänglichem Zögern ebenfalls. Ist bei dem offensiv agierenden François keine Spur von psychologischem Trauma, brechen bei dem gleichermaßen missbrauchten und heute an Epilepsie leidenden Emmanuel (Swann Arlaud) alte Narben auf.

„Gelobt sei Gott“ schildert mit großer Feinfühligkeit unterschiedliche Herangehensweisen mit dieser diffizilen Thematik sowie die zugrunde liegenden psychologischen Profile der Opfer. Ozon portraitiert mit herausragender Beobachtungsgabe und großer Ruhe, wie sich jeweils auch interfamiliäre Folgen manifestieren, wie die immer größer werdende Anzahl an Opfern im Rahmen einer von François gegründeten Initiative über den korrekten Umgang mit der Situation angeregt debattieren. Einigkeit besteht hier wahrlich nicht immer und auch die Konsequenzen in der ohnehin schon toxischen Beziehung von Emmanuel und dessen Freundin Jennifer (Amélie Daure) zeichnen sich zunehmend an. Die Tatsache, wie schwer es Missbrauchsopfern fällt, über ihr Leid zu sprechen oder es gar publik zu machen und sich damit möglicherweise zu brandmarken, veranschaulicht Ozon in feinen und sensiblen Tönen.

Alexandre Guérin (Melvil Poupaud) mit seiner Tochter
Alexandre Guérin (Melvil Poupaud) mit seiner Tochter © Pandora Film
So offenbart „Gelobt sei Gott“ in seiner nüchternen Herangehensweise eine bemerkenswerte stille und mitreißende Kraft, die auf falsche oder aufgesetzte Dramaturgie angenehmerweise verzichtet. Bei einer Laufzeit von 132 Minuten mangelt es dem Film zwar letztlich an wirklichen dramaturgischen Spitzen und Momentum, jedoch ist der Versuch, möglichst breit gefächert, aber dennoch jeweils fokussiert verschiedene Perspektiven zu beleuchten, löblich und wirkungsvoll.

So kommen auch Vertreter der Kirche und ihre eigenen Bedenken, dem Ansehen ihrer Institution zu schaden, ausgeglichen zur Geltung. Das Verständnis der Vertreter wie Kardinal Barbarin oder der Bistums-Psychologin Régine Maire (Martine Erhel) ist zweifelsohne vorhanden, selbst der sich als krank bezeichnende Preynat ist jederzeit geständig und bittet auch schließlich um Vergebung. Die Momente, in denen Peiniger und Gepeinigte aufeinandertreffen sind letztlich die bewegendsten und stärksten Momente in einem sehr guten Film. Dass Preynat jedoch erfolglos gegen die Veröffentlichung des Films vorgegangen ist, macht noch einmal deutlich, dass dieser Kampf noch nicht zu Ende ist.

Emmanuel Thomassin (Swann Arlaud) und seine Lebensgefährtin Jennifer (Amélie Daure)
Emmanuel Thomassin (Swann Arlaud) und seine Lebensgefährtin Jennifer (Amélie Daure) © Pandora Film
Bild
Das Bild der DVD ist unspektakulär und zweckdienlich gehalten. Die Farbpalette ist sehr natürlich und differenziert, aber betont unauffällig. Kontraste und Schwarzwerte sind anständig, Schärfe und Details auch für DVD-Verhältnisse wenig bemerkenswert. Echte Schwächen leistet sich das solide Bild aber nicht.

Ton
Auch akustisch erweist sich die DVD als eher dezent. Dialoge sind klar und verständlich im Frontbereich priorisiert. Dennoch überzeugt der weitestgehend konstant eingesetzte subtile Raumklang, der atmosphärische Geräusche wirkungsvoll auf die umliegenden Lautsprecher verteilt.

Extras
Das Bonusmaterial bietet je ein erhellendes, aber kurzes Interview mit Regisseur François Ozon und mit Hauptdarsteller Melvil Poupaud. Ansonsten bieten nicht verwendete Szenen, sowie unkommentierte Licht- und Kostümproben und Musikaufnahmen nur wenig Mehrwert.
• Interviews (François Ozon (07:05 Min.), Melvil Poupaud (04:42 Min.)
• Deleted Scenes (07:22 Min.)
• Licht- und Kostümproben (04:09 Min.)
• Musikaufnahmen im Studio (03:36 Min.)
• Trailershow


Fazit:
„Gelobt sei Gott“ überzeugt als differenzierte, sachliche und dennoch packende Anklage an eine Institution und psychologisch fein nuancierte und einsichtsreiche Studie von Traumabewältigung.


by Florian Hoffmann
Bilder © Pandora Film




Gelobt sei Gott - Trailer