Final Portrait - DVD

DVD Start: 25.01.2018
FSK: ab 0 - Laufzeit: 87 min

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Inhalt

Während einer Parisreise im Jahr 1964 wird der junge Schriftsteller und Kunstliebhaber James Lord von seinem Freund gefragt, ob er ihm für ein Porträt Modell sitzen würde. Geschmeichelt und fasziniert sagt er zu, denn es handelt sich dabei um niemand geringeren als Alberto Giacometti. Doch Lord hat keine Ahnung, worauf er sich da eingelassen hat. Schon bald erhält der junge Amerikaner Einblicke in den faszinierenden, intensiven, wunderschönen und stellenweise völlig chaotischen und irritierenden Schaffensprozess des weltbekannten Künstlers. Das Bild will nicht fertig werden, und aus Tagen werden Wochen. Termine werden verschoben, weil der Meister gerade nicht in Stimmung ist, oder lieber bei Rotwein im Bistro sitzt, als seiner Kunst nachzugehen. Weil er ganze Gesichtszüge wieder übermalt oder gar absolut an seinem Werk zweifelt. Oder erst einmal Konflikte zwischen Ehefrau und Geliebter gelöst werden müssen...

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Eurovideo / ProKino
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Englisch (Dolby Digital 5.1)
Bildformat: 16:9 / 1,78:1 Anamorph Widescreen

DVD und Blu-ray | Final Portrait

DVD
Final Portrait Final Portrait
DVD Start:
25.01.2018
FSK: 0 - Laufzeit: 87 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Final Portrait

DVD Wertung:
Film: | 6/10
Bild: | 0/10
Ton: | 0/10
Extras: | 0/10
Gesamt: | 6/10


Alberto Giacometti war ein Schweizer Bildhauer, Grafiker und Maler, der den Großteil seines Lebens in Paris verbrachte und dort bis zu seinem Tod Mitte der Sechziger Jahre gearbeitet hat. Gerade seine außergewöhnlich charakteristischen Skulpturen, die Giacomettis ganz eigene Sicht auf die Dinge wiederspiegelten, haben die Kunstwelt entschieden geprägt und beeinflusst. Aber auch darüber hinaus sorgten seine figurativen Malereien in seinem Spätwerk für Aufsehen, was insbesondere in Stanley Tuccis intimem Künstlerportrait „Final Portrait“ im Mittelpunkt steht.

Alberto Giacometti (Geoffrey Rush)
Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) © ProKino
„Final Portrait“ basiert primär auf der Biografie „A Giacometti Portrait“, die von dem amerikanischen Schriftsteller James Lord verfasst wurde. Lord hatte zuvor bereits andere einflussreiche Künstler wie Pablo Picasso oder Gertrude Stein kennengelernt und in seinen Schriften thematisiert, jedoch hatte er eine besonders freundschaftliche Beziehung zu Giacometti aufgebaut. Tuccis Film zeigt einen Schnappschuss dieser Freundschaft, bei dem Lord dem exzentrischen Künstler in einem nicht enden wollenden künstlerischen Prozess Modell steht.

Der Film hält sich nicht lange mit Exposition auf und etabliert in nur wenigen Bildern mithilfe von Lords Erzählstimme, dass ihn und Giacometti eine jahrelange Freundschaft verbindet und er nun Inhalt eines Gemäldes sein wird. Das Versprechen, dass es „sehr schnell gehe“ und womöglich nur einen Nachmittag dauern wird, entpuppt sich erwartungsgemäß schnell als Trugschluss.

Caroline (Clémence Poésy) und Alberto (Geoffrey Rush)
Caroline (Clémence Poésy) und Alberto (Geoffrey Rush) © ProKino
„Final Portrait“ ist ein sehr ruhig und still erzählter Film, der in seinen knapp 90 Minuten primär einen Blick auf das Innenleben dieses Künstlers werfen will. Dabei soll sowohl der künstlerisch-kreative Prozess als auch das Erleben des Modells erforscht werden. Gerade für Kunst-Interessierte ist „Final Portrait“ so sicherlich recht spannend zu betrachten, für die meisten anderen Zuschauer könnte Tuccis Film jedoch zu dünn und emotional flach erscheinen, um wirklich Eindruck zu machen.

Tucci selbst ist in thematischer Hinsicht spürbar an dem Prozess des künstlerischen Erschaffens, aber auch besonders am Schauspiel seiner Akteure interessiert – kein Wunder, denn Tucci gehört selbst zu den bedeutendsten Charakterdarstellern der letzten 30 Jahre. Hier zeigen sich dann auch die Stärken dieses letztlich nicht allzu bemerkenswerten Films, denn Geoffrey Rush entspricht in seiner Physiognomie nicht nur auf fast schon gespenstische Weise seinem realen Gegenüber, er lässt dessen Geist auch auf sich übergehen und liefert eine wahrhaft transformative Performance. Sicher entspricht seine Darstellung Giacomettis auch sämtlichen Klischees des manischen und sprunghaften Künstlers, der sich mit scheinbarer Irrationalität am Chaos ergötzt. Doch es liegt nun mal nahe, dass diese Klischees durchaus wahrhaftig sind und die Manierismen des realen Giacometti präzise treffen.

Rush ist ein Oscar-würdiges Highlight, während Hammer nie ganz den Anschein macht, dass er sich in seiner weit passiveren Rolle wohlfühlt. Auch dieser Umstand mag sogar beabsichtigt sein und einen Mann darstellen, der vom künstlerischen Genie ebenso fasziniert wie verwirrt ist. Hammers Lord ist jedenfalls der geschniegelte, aber durchaus zugängliche Gegenpart des wahnwitzigen Giacometti, jedoch gelingt es Tucci nur bedingt, die oft propagierte Freundschaft der beiden so ungleichen Männer glaubwürdig und spürbar darzustellen. Hammers Ähnlichkeit zu seinem realen Part ist jedenfalls vergleichsweise gering, weswegen man das entstandene Portrait leicht als völlig realitätsfern erachten könnte. Tatsächlich war der echte Lord zur dargestellten Zeit schon deutlich älter als Hammer, aber auch kantiger und schlicht weniger gut aussehend.

James Lord (Armie Hammer) und Alberto Giacometti (Geoffrey Rush)
James Lord (Armie Hammer) und Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) © ProKino
Ganz einsichtsreich wird „Final Portrait“ dann letztlich auch nicht und kann Fragen über den künstlerischen Prozess kaum schlüssig beantworten. Viel mehr scheint Tucci selbst zwar fasziniert von seinem Sujet zu sein, ohne es aber ausreichend verstehen und damit erleuchten zu können. Am Ende ist man eigentlich genauso schlau wie zu Beginn, aber vielleicht ist das Sinn der Sache – Künstler und ihren Prozess kann man letztlich nicht wirklich verstehen. Der Film wird jedenfalls konstant von der Frage geprägt, wann ein Kunstwerk fertig ist bzw. ob es überhaupt jemals vollendet sein kann. Inwiefern all diese Mühen in einem ästhetisch ansprechenden oder gar wertvollen Kunstwerk resultieren, bleibt jedem selbst überlassen – ein wirklicher Aha-Effekt angesichts des fast dreiwöchigen Prozesses bleibt aber aus.

So bietet der Film immer wieder kehrende erzählerische Muster. Lord sitzt Modell, Giacometti arbeitet, die Kamera versucht in detailreichen Großaufnahmen abwechselnd jede Pore von Lord und dann die feinen Pinselstrichen von Giacometti zu erfassen. Immer wieder unterhalten sich die beiden, manchmal begeben sie sich zu philosophischen Spaziergängen (etwa auf dem berühmten Pariser Friedhof Père Lachaise) oder setzen sich in Giacomettis Lieblingsrestaurant, um dort zu sinnieren. Allzu tiefsinnig und gedankenschwer wird es hier jedoch nie, viel mehr sind viele der kurzen Unterhaltungen Anekdoten aus Giacomettis Leben oder schlicht Smalltalk. Schließlich wird aus Lords ins Telefon gesprochenen Worten „Ich möchte eine Reservierung ändern, bitte“ eine Art Mantra, denn immer wieder fühlt er sich gezwungen den Flug in seine Heimat umzubuchen.

Dann kommen noch Giacomettis Frauengeschichten hinzu. So führt er eine komplexe Beziehung mit seiner Frau Annette Arm (Sylvie Testud), die Giacomettis Daueraffäre mit der weit jüngeren Prostituierten Caroline (Clémence Poésy) mehr oder weniger hinnimmt und ihrerseits selbst regelmäßig mit einem anderen Mann schläft.

Annette Arm (Sylvie Testud) und Alberto Giacometti (Geoffrey Rush)
Annette Arm (Sylvie Testud) und Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) © ProKino
Sicher, der Film baut eine gewisse Atmosphäre auf und zeigt das Leben im Paris der Sechziger Jahre weitestgehend kammerspielartig auf anschauliche Weise. Das Atelier und diverse andere Sets wirken in ihrer schmutzigen Unordentlichkeit auch entsprechend detailreich und eingelebt, „The King’s Speech“-Kameramann fängt das in entsättigten und meist recht tristen Handkamerabildern ein. Filmisch interessante Lösungen findet man aber leider nie wirklich. Tatsächlich wollte Tucci seinen Film in Schwarzweiß präsentieren, was ihm jedoch von seinen Produzenten aus kommerziellen Gründen verwehrt blieb. Ob diese künstlerische Entscheidung den Film wirklich noch weniger massenkompatibel und damit profitabel gemacht hätte, darf jedoch angezweifelt werden.

Bild/Ton und Extras
Da nur ein Streaming-Link und kein physisches Exemplar des Films in Form von DVD oder Blu-ray vorlag, kann über Technik und Ausstattung leider keine Beurteilung erfolgen.


Fazit:
„Final Portrait“ ist ein intimer, aber selten erhellender Blick auf den künstlerischen Schaffensprozess am Beispiel des Bildhauers und Malers Alberto Giacometti, der in einer präzisen und transformativen Darstellung von Geoffrey Rush Oscar-würdig portraitiert wird. Das ist alles leidlich interessant anzusehen, aber am Ende leider wenig bemerkenswert.

by Florian Hoffmann
Bilder © Eurovideo / ProKino