Enter The Void - Limited Edition (Blu-ray + DVD) - DVD

DVD Start: 04.02.2011
FSK: ab 18 - Laufzeit: 156 min

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Inhalt

Oscar (NATHANIEL BROWN) verbindet eine besonders intensive Beziehung mit seiner Schwester Linda (PAZ DE LA HUERTA), seitdem sie als Kinder miterleben mussten, wie ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Gemeinsam schlagen sie sich durch die Halbwelt von Tokio. Er hält sich mit kleinen Drogendeals über Wasser, sie tritt als Stripperin auf und lässt sich mit zweifelhaften Typen ein. Bei einer Razzia gerät Oscar ins Visier der Polizei. Bei der Flucht wird er niedergeschossen. Sein Körper liegt im Sterben, doch seine Seele weigert sich, aus der Welt der Lebenden zu scheiden. Gerade erst hatte Oscar seiner Schwester hoch und heilig versprochen, sie niemals zu verlassen. Und so wandert sein Geist durch die neongleißende Stadt - rastlos, ruhelos, immer auf der Suche. Oscars Visionen werden immer grotesker und bizarrer, seine Seele drängt ins Jenseits. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen zu einem halluzinatorischen Mahlstrom...

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DVD Details

Medienanzahl: 2
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive AG
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Englisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.35:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Entfallene Szenen, Making Of der Special Effects, DMT-Sequenz, Vortex-Sequenz, Kurzfilm ENERGIE! mit Audiokommentar von Regisseur Thorsten Fleisch, 52 min. Dokumentation: DURCH DIE NACHT MIT GASPAR NOÉ UND HARMONY KORINE von Bruce LaBruce, Kinotrailer

DVD und Blu-ray | Enter The Void - Limited Edition (Blu-ray + DVD)

DVD
Enter The Void - Limited Edition (Blu-ray + DVD) Enter The Void - Limited Edition (Blu-ray + DVD)
DVD Start:
04.02.2011
FSK: 18 - Laufzeit: 156 min.

zur DVD Kritik
Blu-ray
Enter The Void - Limited Edition (Blu-ray + DVD) Enter The Void - Limited Edition (Blu-ray + DVD)
Blu-ray Start:
04.02.2011
FSK: 18 - Laufzeit: 156 min.

DVD Kritik - Enter The Void - Limited Edition (Blu-ray + DVD)

DVD Wertung:
Film: | 5/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 0/10
Gesamt: | 6/10


Gaspar Noé ist ein Regisseur, der bereits mit seinen ersten beiden Filmen ein beeindruckendes Werk geschaffen und einen eigenen, originären Stil entwickelt hat. Noé ist einer der wenigen aktuellen Regisseure, denen zuzutrauen ist, unser heutiges Kino weiter zu entwickeln. Dabei muss man allerdings wissen, worauf man sich einlässt, denn vom Mainstream ist das Schaffen des Franzosen weit entfernt. Bereits mit seinem ersten abendfüllenden Debütfilm brachte er sich den Ruf des Skandalregisseurs ein, sein zweiter Streich Irreversibel sorgte dann für Kontroversen beim Filmfestival in Cannes, zeigt aber auch den großartigen Stilwillen abseits bekannter Konventionen, denn der rückwärts erzählte Film orientierte sich an Hitchcocks Idee des unsichtbaren Schnitts und enthielt neben drastischen Gewaltszenen und grandios spielenden Darstellern eine bis dato einmalige Kameraarbeit. Mit Enter The Void ist nun der dritte Spielfilm vom jungen, wilden Gaspar Noé erschienen.

Egal was man nach dem Schauen von Enter The Void denken mag, formal muss man diesem Regisseur einfach Respekt zollen: die Optik des Films, vor allem aber die Kameraarbeit gehört zum Besten, was es im Kino bisher zu sehen gab. Anfangs begeistern die konsequent subjektiven Einstellungen aus den Augen der Hauptfigur (mitsamt blinzeln!). Da der junge Mann unter Drogeneinfluss steht, wird die aus seinen Augen paralysierte Welt direkt an das Publikum weiter gegeben und ergeht sich in farbenprächtigen Bildern. Nach dem ersten Drittel der Spielzeit vollzieht sich dann eine Entwicklung, die es der Seele der Hauptfigur erlaubt, ruhelos durch das nächtliche Tokio zu fliegen – spätestens hier bringen es der Regisseur und sein Kameramann fertig, zu verblüffen und zu erstaunen, angesichts unserer heutigen, von starren Konventionen geprägten Filmlandschaft kann man es gar nicht hoch genug schätzen, wenn die Kamera schwerelos durch die Lüfte gleitet, Beton und Fleisch durchtrennt und ins Innere der Dinge sieht, nur um sich wieder in den Weiten Tokios zu verlieren.

Nun wäre Gaspar Noé nicht der Mann, der er ist, wenn er nicht auch seine Freude an der eigenen Kontroversität haben würde. Diesbezügliche Vorwürfe begleiten ihn schon seit seinem ersten Film und erst recht seit Irreversibel. Paradoxerweise waren diese zwar nachvollziehbar, aber aufgrund von Noés Verständnis, die skandalträchtigen Geschichten in seine Werke einzuarbeiten, recht haltlos. In Enter The Void gibt es zwar kaum Gewaltszenen, aber jede Menge Sex, was für die Geschichte nicht vonnöten ist und im weiteren Verlauf überflüssig erscheint.

Bei aller handwerklichen Raffinesse, bei all den großartigen Tricksereien und spektakulären Bildern hat Enter The Void einen großen Makel, der die Machart zu weiten Teilen ad absurdum führt: den Inhalt. Angesichts der filmischen Erzählweise mag die reine Grundgeschichte irrelevant erscheinen, doch ist sie in diesem Fall kaum vorhanden, könnte in einem Satz erzählt sein, wäre sie nicht mit (im Grunde ebenfalls unwichtigen) Esoterik- und Religionsfetzen versetzt. Ohne eine Dramaturgie, ohne Figurenzeichnung fehlt Enter The Void die Grundlage, um mehr zu sein als seine reine Form. Gaspar Noé hat schlicht nichts zu erzählen und vermag es nicht, Bezugspunkte zu schaffen, um den Zuschauer einzubinden und mitzureißen.

Es bleibt zu sagen, dass Enter The Void großartig hätte werden können, aber an den eigenen Ansprüchen scheitert, beziehungsweise diese falsch kanalisiert. Wem Bilder wichtiger als Inhalte sind, muss sich Enter The Void zwingend ansehen, allen Anderen dürfte Gaspar Noés Werk wie ein schöner, aber viel zu langer Bildschirmschoner vorkommen. Es ist zu hoffen, dass der Regisseur seinem nächsten Werk mehr Inhalt zu geben im Stande ist, denn dann wird Gaspar Noé das Medium Film in den nächsten Jahrzehnten entscheidend prägen.

[Das Rezensionsmaterial enthielt ausschließlich die DVD, die BluRay mit samt den vielen Extras war nicht enthalten und kann deshalb nicht besprochen werden]


by Tom Schünemann
Bilder © Alive AG