Die andere Seite der Hoffnung - DVD

DVD Start: 01.09.2017
FSK: ab 6 - Laufzeit: 98 min

Die andere Seite der Hoffnung DVD Cover -> zur DVD Kritik

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Inhalt

Khaled (Sherwan Haji), ein junger Syrer, gelangt als blinder Passagier nach Helsinki. Dort will er Asyl beantragen, ohne große Erwartungen an seine Zukunft. Wikström (Sakari Kuosmanen) ist ein fliegender Händler für Männerhemden und Krawatten. In der Mitte des Lebens angekommen, verlässt er seine Frau, gibt seinen Job auf und profiliert sich kurzfristig als Poker-Spieler. Von dem wenigen Geld, das er dabei gewinnt, kauft er ein heruntergewirtschaftetes Restaurant in einer abgelegenen Gasse von Helsinki.
Als die finnischen Behörden entscheiden, Khaled in die Ruinen von Aleppo zurückzuschicken, beschließt er, illegal im Land zu bleiben. Wikström findet ihn schlafend im Innenhof vor seinem Restaurant. Vielleicht sieht er etwas von sich selbst in diesem ramponierten, angeschlagenen Mann. Jedenfalls stellt er Khaled als Putzkraft und Tellerwäscher an. Für einen Moment zeigt uns das Leben seine sonnigere Seite, aber schon bald greift das Schicksal ein. Der Ausgang des Films bleibt offen, er führt entweder in ein respektables Leben oder auf de

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Pandora Film
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Finnisch, Arabisch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,78:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Trailershow

DVD und Blu-ray | Die andere Seite der Hoffnung

DVD
Die andere Seite der Hoffnung Die andere Seite der Hoffnung
DVD Start:
01.09.2017
FSK: 6 - Laufzeit: 98 min.

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Blu-ray
Die andere Seite der Hoffnung Die andere Seite der Hoffnung
Blu-ray Start:
01.09.2017
FSK: 6 - Laufzeit: 98 min.

DVD Kritik - Die andere Seite der Hoffnung

DVD Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 8/10
Ton: | 7/10
Extras: | 2/10
Gesamt: | 7/10


Es erscheint fast schon müßig, die stilistischen und inszenatorischen Besonderheiten von Aki Kaurismäkis neuem Film „Die andere Seite der Hoffung“ aufzuzählen, denn wer jemals schon einen Film des exzentrischen Finnen gesehen hat, weiß genau, was ihn erwartet. Sein nun bereits 17. und, wenn man ihm glauben mag, voraussichtlich letzter Film, wirft erneut einen lakonischen Blick auf skurrile Charaktere Helsinkis, fügt aber wie schon sein letzter Film „Le Havre“ einen zeitgemäßen sozialpolitischen, aber gänzlich unpathetischen Kommentar zur europäischen Flüchtlingskrise hinzu. Die andere Seite der Hoffnung SzenenbildDafür gab es bei der traditionellerweise eher politisch orientierten Berlinale den verdienten Silbernen Bären für die beste Regie.

„Die andere Seite der Hoffnung“ setzt sich aus zwei Erzählsträngen zusammen, die sich erwartungsgemäß früher oder später überschneiden werden. Da wäre zum einen der Syrer Khaled (Sherwan Haji), der nach langer und beschwerlicher Odyssee durch Europa mit einem Frachtschiff als blinder Passagier in Helsinki landet. Er ist ein Kriegsflüchtling, der alles in seiner zerbombten Heimatstadt Aleppo verloren hat und nun in Finnland Asyl beantragen will. Im parallel erzählten Handlungsstrang steht der alternde Hemdenverkäufer Wikström (Sakari Kuosmanen) im Mittelpunkt, der sein Geschäft und seine Ehefrau zurücklässt, um sich nach neuen beruflichen und persönlichen Ufern umzusehen. Diese findet er in Form eines recht heruntergekommenen und abgelegenen Restaurants, das er über die Gewinne eines Pokerspiels finanziert.

Kaurismäki lässt seinen Film wort- und musiklos beginnen. Er schildert in strenger und klarer Bildsprache, wie Khaled auf dem Frachtschiff aus einem Kohlehaufen emporsteigt, zum Bahnhof geht, um dort die Kohle abzuduschen und sich schließlich bei der Polizei meldet, um Asyl zu beantragen. Das ist alles betont undramatisch und nüchtern inszeniert, ebenso wie der parallele Erzählstrang mit Wikström: Dieser packt mitten in der Nacht anzugtragend ganz geduldig seine Sachen, tritt vor den Spiegel und anschließend zu seiner am Tisch sitzenden und trinkenden Frau, der er völlig wort- und emotionslos seine Schlüssel und seinen Ehering vor die Nase legt. Er dreht sich um und geht, die einzige Reaktion der Frau ist es, den Ring in den Aschenbecher zu legen und ihre Zigarette ganz ruhig darüber auszudrücken.

Die andere Seite der Hoffnung Szenenbild In diesen stummfilmartigen Bildern beweist Kaurismäki schon direkt zu Beginn, dass er wie kaum ein anderer Regisseur (Jim Jarmusch ausgenommen) meisterhaft herrlich entschleunigten und straubtrockenen Humor beherrscht. Kaurismäkis Stil ist unverkennbar und Fans seines Werks werden sich auch bei „Die andere Seite der Hoffnung“ sehr schnell wohlfühlen. Von den beiden Erzählsträngen ist zweifelsohne der von Wikström bewusst unklarer gezeichnet, Kaurismäki nimmt sich viel Zeit, um aufzuzeigen, was der Mann mit der versteinerten Miene eigentlich vor hat – und gewissermaßen erfährt man auch nie, was ihn tatsächlich antreibt und seine Motivation ist. Diese ist bei Khaled umso deutlicher herauszulesen: Auch bei ihm weiß man zunächst nur ansatzweise, was seine Hintergründe sind, jedoch gestaltet es sich hier weniger abstrakt als bei Wikström – Khaled will überleben, vor allem jedoch, um seine Schwester wieder aufzufinden.

Nachdem Kaurismäki in seinem typischen Stil geschildert hat, wie sich Khaled durch die trockene finnische Bürokratie quält und in einer Polizeizelle schläft, erreicht der Film wohl seinen Höhepunkt, als er von einer ausdruckslosen Beamtin der Einwanderungsbehörde zu seinen Hintergründen befragt wird. Dort wird dem Zuschauer durch einen enorm kraftvollen, aber nicht künstlich sentimentalen, sondern nüchtern vorgetragenen Monolog ganz explizit bewusst, welches immens bewegte Schicksal Khaled hinter sich hat. Damit gibt er ganz anschaulich der für viele Menschen anonymen Flüchtlingswelle ein schmerzhaft menschliches Gesicht, in das man filmisch bisher noch nicht oft blicken konnte. Als direkter Kontrast zeigt Kaurismäki wie Khaled nachts auf offener Straße von ein paar ignoranten und hasserfüllten Einheimischen angefeindet und attackiert wird.

Die andere Seite der Hoffnung Szenenbild Doch „Die andere Seite der Hoffnung“ ist sicher kein plumper Botschaftsfilm. Fast schon beiläufig wirkt hier die politische Ebene, die auf das typische leicht anachronistische Kaurismäki-Universum prallt. Dort fahren nämlich die üblichen alten Autos (inklusive des traditionellen Kaurismäki-Cadillacs), auf der Polizeidienststelle stehen alte Analogtelefone und Schreibmaschinen und überhaupt wirkt alles etwas aus der Zeit gefallen. Die meist der still stehenden Charaktere verziehen hier in der Regel keine Miene, echtes Lachen sucht man vergebens, was einige trockene und stets nüchtern und direkt vorgetragene Kommentare nur umso lustiger gestaltet. So ist der Film vollgepackt mit Kaurismäkis typisch skurrilen Momentaufnahmen, bei denen vor allem die staubtrockenen Auseinandersetzungen von Wikström und seinem herrlich stoischen Personal zu den Highlights gehören.

Diese Momente und Kaurismäkis eigenwilliger Stil im Allgemeinen versprühen ihren ganz eigenen typischen Charme, der für einen konstant amüsanten, aber auch leicht melancholischen Grundton sorgt. Der schneckenartig langsame Erzählrhythmus mag für einige Zuschauer sicher zu bedächtig erscheinen – überhaupt könnte das Aufeinandertreffen von Khaled und Wikström schneller geschehen, wodurch der Erzählfluss eher gestört wird. Wenn es aber endlich dazukommt, erreicht „Die andere Seite der Hoffnung“ aber einige wunderbare Momente, bei denen der Film im Kleinen große Menschlichkeit offenbart. Dazwischen sagt Kaurismäki viel über sein eigenes Land aus, er erkennt Kontraste in dem unbestreitbaren Gemeinschaftsgefühl der Restaurantbelegschaft mit der kühlen Umgangsweise mit den Flüchtlingen – sowohl von Seiten der kaltherzigen Bürokratie, als auch von manchem Bürger.

Das alles erzählt Kaurismäki in typisch naturalistischen, aber sehr bewusst komponierten strengen Bildern, die auch an seinen schwedischen Kollegen Roy Andersson erinnern, ohne jedoch dessen absurde Höhen und komplett stilisierte Tableauartigkeit zu erreichen. Die andere Seite der Hoffnung SzenenbildKaurismäkis Film strahlt unbestreitbare Wärme inmitten all der Skurrilität und des trockenen Humors aus, was letztlich ein echtes Gefühl von Hoffnung hinterlässt. Schade, wenn dieser gelungene und einzigartige Film wirklich sein letzter ist.

Bild
Die DVD zeigt ein insgesamt schönes auf Analogfilm gedrehtes Bild, das mit natürlichen, aber dennoch gesättigten Farben gefällt. Das betont naturalistische und angenehm scharfe und detailfreudige Bild überzeugt außerdem mit guten Kontrast- und Schwarzwerten. Bildfehler wie Kompressionsprobleme oder Rauschen bleiben aus.

Ton
Recht unspektakulär präsentiert sich die akustische Umsetzung der DVD. Bei dem zugegebenermaßen dialogbasierten Film spielt sich der Großteil an den Frontlautsprechern ab. Dort überzeugt der Ton aber durch Direktheit, optimale Klarheit und Verständlichkeit. Die Surroundsprecher werden hier leider gar nicht beansprucht.

Extras
Leider fällt das Bonusmaterial mit diversen Pandora-Trailern und vier Musikvideos, die eigentlich nur Auszüge aus dem Film sind sehr spärlich aus.
Musikvideos (Kaipuuni Tango (03:03 Min.), Skulaa tai Delaa (03:13 Min., Tämä Maa (03:33 Min.), Midnight Man (02:43 Min.)) Pandorafilm Trailershow


Fazit:
„Die andere Seite der Hoffnung“ ist ein typischer Kaurismäki – skurril, trocken und absurd. Dazu gehören auch eine unbestreitbare Wärme und unsentimentale Menschlichkeit, die hier neben seinen altbekannten Markenzeichen noch eine zusätzliche wirkungsvolle sozialpolitische Ebene hinzugewinnt.

by Florian Hoffmann
Bilder © Alive / Pandora Film