Der Leutnant vom Schwanenkietz (DDR TV-Archiv) - DVD

DVD Start: 27.07.2012
FSK: ab 12 - Laufzeit: 205 min

Der Leutnant vom Schwanenkietz (DDR TV-Archiv) DVD Cover -> zur DVD Kritik

Preisvergleich

alle Preise inkl. MWST

-> alle DVD zum Film

Inhalt

Leutnant Martin wird ins Ostberliner Viertel Schwanenkietz versetzt. Dort trifft der junge Volkspolizist auf viel Argwohn bei den Alteingesessenen. Doch nach und nach meistert er die Probleme in seinem Abschnitt und wird schließlich als Freund und Helfer akzeptiert...

-> mehr Info zum Film mit Trailer, Cast & Crew

DVD Details

Medienanzahl: 2
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive AG / Studio Hamburg
Tonformate:
Deutsch (2.0 Mono)
Bildformat: 1,33:1 (4:3 Vollbild)
Bonusmaterial:
- Exklusives Interview mit Hauptdarsteller Jürgen Zartmann

DVD und Blu-ray | Der Leutnant vom Schwanenkietz (DDR TV-Archiv)

DVD
Der Leutnant vom Schwanenkietz (DDR TV-Archiv) Der Leutnant vom Schwanenkietz (DDR TV-Archiv)
DVD Start:
27.07.2012
FSK: 12 - Laufzeit: 205 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Der Leutnant vom Schwanenkietz (DDR TV-Archiv)

DVD Wertung:
Film: | 4/10
Bild: | 6/10
Ton: | 6/10
Extras: | 4/10
Gesamt: | 4/10


Der Volkspolizist Werner Martin (Jürgen Zartmann) ist alles andere als begeistert, als er von seinem idyllischen Einsatzgebiet abgezogen und ins Berliner Viertel „Schwanenkietz“ versetzt wird. Sein Vorgesetzter erhofft sich durch Martins Präsenz mehr Ruhe in diesem problematischen Einsatzgebiet. Neben sozialen Problemen und kriminellen Machenschaften, warten auch der Argwohn und das Misstrauen der Alteingesessenen vom Schwanenkietz auf den jungen Volkspolizisten. Martin macht sich ans Werk und beginnt damit, die vielfältigen Probleme im Schwanenkietz anzugehen. Durch seine freundliche, engagierte, offene und empathische Art gewinnt er schon bald das Vertrauen seiner Mitbürger und wird immer mehr als Freund und Helfer akzeptiert.

„Der Leutnant vom Schwanen.Kietz“ ist einer der Beiträge innerhalb der Reihe „DDR TV Archiv“ und wurde 1973/1974 von Rudi Kurz im Auftrag der DDR gedreht.

Beim Betrachten & Bewerten von Filmen sollte man möglichst den historischen und zeitlichen Kontext in deine Bewertung mit einbeziehen. Vor allem, wenn man sich wie hier einen Filmstoff von 1973 vornimmt, kommt man nicht drum herum den politischen Hintergrund aufzugreifen und ihn in seine Bewertung mit einfließen zu lassen. Wenn ein solcher Film zusätzlich noch im Auftrag der damaligen Regierung (hier: die DDR) gedreht wurde, so sollte der der politische Aspekt eine übergeordnete Rolle spielen, da der Verdacht nahe liegt, hier könnte es sich höchstwahrscheinlich um einen politisch motivierten Propagandafilm handeln. Um diesen Punkt vorab zu beantworten: ja, der Film beinhaltet diverse Propaganda-Elemente. So bezeichnet beispielsweise der Hauptdarsteller seinen Staat an einer Stelle als „Stolz, Souverän, Menschlich“. Ersteres mag vielleicht zutreffen, aber „Souverän“ und „Menschlich“?
Der Film vermeidet es gänzlich, ein Spiegel seiner Zeit und sein und kreiert ein Bild der DDR, welches aus wohlwollendem Gemeinschaftssinn innerhalb der Gesellschaft und nostalgisch-romantischen Kulturlandschaften besteht. Ehemalige Gefangene werden ohne große Schwierigkeiten wieder in die Gesellschaft eingegliedert und die Lebensqualität könnte teilweise kaum höher sein. Kritische Tatsachen wie das wachsende Unwohlsein in der Bevölkerung, den Wunsch vieler DDR-Bürger in den Westen zu fliehen, zerrissene Familien & politischer Druck werden in diesem Film vollständig außer Acht gelassen. Stattdessen wurde rund um die Figur des Volkspolizisten eine laue Krimigeschichte konstruiert und diverse Nebenhandlungen machen bei Film beinahe zu einer Soap auf dem Niveau der „Lindenstraße“. Die politische Absicht dahinter ist klar: die Menschen sollen erleben, wie schön es doch in der DDR sein kann und wie verständnisvoll unsere Volkspolizisten doch sind…sie haben es bislang nur noch nicht bemerkt und dieser Film soll ihnen dabei helfen.

Was besonders negativ auffällt ist die Art und Weise, wie die massive Bespitzelung innerhalb der DDR-Bevölkerung hier dargestellt wird. Die Spitzel tun dies in diesem Film nicht aus unehrbaren Motiven, sondern sehen es vielmehr als ihre Bürgerpflicht an und werden von ihrem Moralgefühl geleitet. Zudem sind es überwiegend intelligente Bürger, denen für ihre „Nebentätigkeit“ von ihren Mitmenschen auch noch Ansehen und Respekt entgegengebracht werden. Über diese Art der Schleichwerbung für das Ausspionieren seiner Mitmenschen kann man aus heutiger Sicht nur noch den Kopf schütteln.

All diese kritischen Aspekte sind umso ärgerlicher, da der Film technisch und handwerklich gut gemacht ist. Die Kameratechnik ist abwechslungsreich und einwandfrei. Die Abenteuer und Geschichten rund um den Schwanenkietz, die der Leutnant Martin erlebt sind zwar nicht bahnbrechend aber durchaus unterhaltend. Würde man den politischen Hintergrund außer Acht lassen, so käme der Film als nostalgische, laue Krimi-Kost durch, so aber bleibt ein insgesamt fader Beigeschmack.

Als Extra gibt es übrigens ein interessantes Interview mit dem Hauptdarsteller Jürgen Zartmann, der sich unter anderem über die Dreharbeiten und seine heutige Sicht über den Film beschreibt. Außerdem gibts Trailer und ein Booklet mit Hintergrundinformationen.

Fazit: Langatmiger und allzu leicht durchschaubarer Propaganda-Krimi. Eignet sich jedoch hervorragend als Lehrmaterial oder für Nostalgiker, die sich an alten DDR-Fernsehproduktionen ergötzen wollen.


by Till Huber
Bilder © Alive AG / Studio Hamburg