Chuck Norris Box - DVD

DVD Start: 04.10.2013
FSK: ab 18 - Laufzeit: 600 min

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Inhalt

Einen Chuck Norris unterbricht man besser nicht. Das weiß auch Twentieth Century Fox Home Entertainment und veröffentlicht am 4. Oktober eine „Chuck Norris Collection“ mit dem besten Uncut Action-Kult der 80er Jahre auf Blu-ray und DVD. Dabei sind Chuck Norris größte Erfolge, wie „Missing in Action“ und „Missing in Action 2 – die Rückkehr“, die bislang ausschließlich als Single-Discs erhältlich waren und jetzt endlich zusammen und ungeschnitten in diesen Sammlerboxen mit Schuber erscheinen.

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DVD Details

Medienanzahl: 6
Regionalcode: 2
Vertrieb: 20th Century Fox
Tonformate:
diverse
Untertitel:
diverse
Bildformat: diverse
Bonusmaterial:
- Alle Versionen Uncut
Enhält folgende Filme:
Mc Quade, der Wolf
Cusack – Der Schweigsame
Delta Force
Missing in Action
Missing in Action 2 – Die Rückkehr
Hero

DVD und Blu-ray | Chuck Norris Box

DVD
Chuck Norris Box Chuck Norris Box
DVD Start:
04.10.2013
FSK: 18 - Laufzeit: 600 min.

zur DVD Kritik
Blu-ray
Chuck Norris Box Chuck Norris Box
Blu-ray Start:
04.10.2013
FSK: 18 - Laufzeit: 420 min.

DVD Kritik - Chuck Norris Box

DVD Wertung:
Film: | 4/10
Bild: | 6/10
Ton: | 6/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 5/10


Reaktionäre Fäuste - Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, bis es eine Box mit den Klassikern eines Actionhelden wie Chuck Norris gibt. Immerhin war dieser Mime vor allem in den 1980ern recht bekannt und erstaunlich erfolgreich. Und der Zeitpunkt liegt ganz gut, denn schließlich hatte Norris seinen nostalgischen Auftritt in Sylvester Stallones „Expendables 2“. Allerdings muss man einiges revidieren. Die Filme als Klassiker zu bezeichnen ist zwar einerseits richtig, da sie auf ihre Art zum Kanon des Actionfilmes gehören, aber gleichzeitig suggeriert der Begriff, das sie gut seien. Was sie leider nicht sind. Chuck Norris selber als Actionhelden zu bezeichnen, muss auch leicht eingeschränkt werden. In den USA war er ein Star, wohingegen er in Europa vor allem in den Videoauswertungen Erfolg hatte und sich so einen gewissen Status erarbeiten konnte. Aber in den Kinos konnte er sich nur selten durchboxen. Was an vielen verschiedenen Dingen liegt. Zum einen ist Chuck Norris ein erbärmlicher Schauspieler. Im Grunde hat er nur drei Gesichtsvariationen: Lächeln, grimmig blicken und grimmig blicken mit einer Waffe in der Hand. Erstaunlicherweise sind die Nahkampfszenen dieses einstigen Karateasses oft sehr statisch gefilmt und so wirkt er fast immer träge und nicht gerade durchtrainiert (was vor allem bei „Missing in Action“ auffällt, wo er sich so elegant wie ein Bulldozer durch den Schlamm robbt). Das ist manchmal erschreckend, schließlich hat er es in jungen Jahren und in einem seiner ersten Filme (der hier übrigens fehlt) durchaus mit Bruce Lee aufnehmen können. Aber einer der wesentlichsten Gründe warum er auch in Deutschland nie den Status eines Arnold Schwarzenegger oder eines Sylvester Stallone erlangen konnte, liegt darin, dass alle seine Filme hoch ideologisch sind. Schwarzenegger ist so gut wie nie in diese Falle getappt und machte es sehr geschickt, indem er hauptsächlich Science-Fiction und Fantasyfilme drehte. Und „Phantomkommando“ ist in der Gewalt so übetrieben, das es eher einem Comic gleicht und somit dem Ideologieverdacht entkommt. Stallone ist mit „Rambo 2 und 3“ voll in die Falle getappt, konnte sich aber durch andere Filme immerhin dadurch befreien. Norris hingegen ist Patriot, stolz auf sein Land und suchte sich dementsprechend Drehbücher aus. Und so sind fast alle seiner Filme ideologisch, reaktionär bis hin zum offen Rassismus. Weswegen auch diese Box bisweilen ein wahres Ärgernis ist und manchmal Bauchschmerzen verursachen kann. Im Grunde eignet sie sich nur für Filmhistoriker und Fans des 1980er Action-Trashs. Doch nun zu den Filmen selber.
„Hero“ ist technisch zwar nicht bemerkenswert, denn das Bild ist blass und der Ton lau und hat auch keinerlei Extras zu bieten, aber doch inhaltlich. Denn der Held hat Charaktertiefe, was in einem Film der Epoche an sich schon außergewöhnlich ist. Leider ist Norris ein viel zu schlechter Schauspieler, um damit etwas anfangen zu können. Da ist er dann so traumatisiert, das ihm der morgendliche Toast anbrennt. Es ist schon mehr als peinlich, wenn ein Regisseur sich auf so billige Hilfsmittel verlassen muss, weil er einen unfähigen Akteur hat. Zudem gibt es sehr viel Persönliches zu der Figur, was durchaus zu Lasten der Spannung und der Action geht. Die Bildsprache ist dem Horrorfilm entnommen und vor allem die Szenen im Kino sind sehr gelungen (und manchmal dem „Phantom der Oper“ geklaut). Die Unlogik fällt kaum mehr ins Gewicht, aber angesichts der vielschichtigen Rolle hat der Film seinen Platz in der Box durchaus verdient.

Ansonsten sind die meisten anderen Filme Beispiel des revisionistischen Hurra-Patriotismus der Reagan-Ära. Die Zeit der Selbstzweifel und der Selbstzerfleischung (angesichts Nixon, Watergate und Vietnam) war vorbei und Norris als bekennender Patriot bediente diese Zeit mit Filmen, die durchaus Exzessiveskapaden sind. Glücklicherweise fehlt mit „Invasion USA“ einer der übelsten Streifen in dieser Hinsicht, aber dennoch sind die bekanntesten Fehltritte in dieser Box vorhanden und haben dementsprechend durchaus ihre Berechtigung. „The Delta Force“, mit gutem Ton und Bild aber ohne jegliche Extras, ist noch harmlos und eher in dem Genre des Katastrophenfilmes anzusiedeln, bevor er in der letzten Hälfte zum Actioner wird. Ironischerweise sind die Szenen im entführten Flugzeug dann auch die besten im Film, wenngleich sehr plakativ. Insgesamt ist der Film aber recht lang geworden, aber neben dem Staraufgebot und der ordentlichen Action kann er durchaus unterhalten. Norris, sehr stoisch, hat hier einen tagespolitischen Film abgeliefert mit Parallelen zu der damaligen langen Geiselnahme in der iranischen Botschaft, dem libanesischen Bürgerkrieg, etc. Allerdings werden die Verhaltensweisen der Palästinenser mit denen der Nazis verglichen und als durchweg böse vorgestellt. Also wieder Ideologie und unlogisch ist das stellenweise auch. Aber nachdenken darf man meistens nicht bei solchen Filmen. Was insbesondere bei „Missing in Action“ vorteilhaft ist, von denen hier die ersten beiden Teile enthalten sind (und der zweite zudem ungekürzt). Beide haben einen sehr guten Ton und ein gutes Bild, aber keine Extras. „Missing in Action“ ist das negative Paradebeispiel für reaktionäre, peinliche, rassistische Actionfilme. Zwar ist die Action sehr ansehnlich, aber wenn Vietnamesen dem aufrechten Amerikaner nicht in die Augen sehen können, Handschläge verweigert werden und die Stadt nur nach ihrem alten Namen während des Krieges benannt wird, dann kommt einem die Galle hoch. Natürlich gibt es dann auch haufenweise Fehler. Warum kommt erst der Held auf die Idee eine Handgranate zu werfen, wenn schon mehrere andere GIs erschossen worden sind? Statt auf Diplomatie zu setzen, wird hier suggeriert, dass es ganze Kerle braucht, die handeln anstatt zu reden. Im Grunde ist das eine Art von Western: erst schießen dann reden und eine Kugel des Cowboys bringt nicht fünfzig Indianer, sondern fünfzig Vietcongs um. Aber die sind ja schon einfach böse und reden hasserfüllt mit Fistelstimmen. Da kann man ja nur draufhauen. Der zweite Teil der Reihe, der übrigens als Extra sogar einen kleinen Trailer bieten kann, ist da noch aufdringlicher und impertinenter in seiner Aussage. Brutal und peinlich, passt er inhaltlich noch nicht einmal zum ersten Teil, obwohl er angeblich die Vorgeschichte erzählt. „McQuade der Wolf“ ist aber gelungen. Das Bild und der Ton sind sehr gut und als Extra gibt es sogar den Trailer. Hier wäre Norris sehr gerne Clint Eastwood und macht einen Neo-Western nach gängigen Strickmustern. Da gibt es Elemente des Buddy-Movies und die Zivilisierung des einsamen Wolfes durch eine Frau. Ganze Szenen sind völlig im Stile des Italowestern gehalten, was alles immerhin amüsant macht, wenngleich die Mexikaner dann alle dreckig, schmutzig und nicht vertrauenswürdig sind. „Cusack der Schweigsame“ hat passend zum Titel einen sehr schwankenden Ton, aber immerhin ein sehr gutes Bild. Wieder gibt es nur einen Trailer als Extra. „Cusack“ ist ein typischer Copactionthriller mit Norris in seiner typischen Rolle als einsamer Wolf der gegen Ausländer, Innovationen, Verbrecher und gegen das Establishment insgesamt antritt. Trotz aller negativen Aspekte hat durchaus jeder Film seinen Platz in dieser Box verdient, da sie doch die Quintessenz des „Darstellers“ aufzeigen.
Aber eignen tut sich das alles nur für Fans.

Die Filme von Chuck Norris sind Geschmackssache. Reaktionär, rassistisch und ideologiebefrachtet werden sie vielen heutzutage Bauchschmerzen bereiten. Und Norris ist zudem ein erbärmlicher Darsteller. Fans von Actionfilmen der 1980er werden sich dennoch unterhalten fühlen und Filmhistoriker freuen sich über einen Rundumblick.


by Jons Marek Schiemann
Bilder © 20th Century Fox