Cannibal - DVD

DVD Start: 19.04.2012
FSK: ab 18 - Laufzeit: 100 min

Cannibal DVD Cover -> zur DVD Kritik

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Inhalt

Max ist ein seltsamer Einzelgänger, der unter Platzangst leidet. Einsam lebt er im Wald, bis er eines Tages eine bewusstlose, blutüberströmte Frau findet. Ohne Fragen zu stellen nimmt er sie mit nach Hause und kümmert sich um sie. Doch dann verschwindet sie plötzlich nachts und als Max ihr folgt, macht er eine schreckliche Entdeckung: Sie verführt Männer, um sie bei lebendigem Leib zu verspeisen - während sie Sex mit ihnen hat. Max schwankt zwischen Angst und Faszination und beginnt eine Affäre mit ihr. Doch eine grausame Vergangenheit holt sie beide ein...

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: KNM Home Entertainment / Apollon Films
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Französisch (Dolby Digital 2.0)
Bildformat: 16:9 / 1,78:1 Anamorph Widescreen

DVD und Blu-ray | Cannibal

DVD
Cannibal Cannibal
DVD Start:
19.04.2012
FSK: 18 - Laufzeit: 100 min.

zur DVD Kritik
Blu-ray
Cannibal Cannibal
Blu-ray Start:
19.04.2012
FSK: 18 - Laufzeit: 103 min.

DVD Kritik - Cannibal

DVD Wertung:
Film: | 3/10
Bild: | 4/10
Ton: | 6/10
Extras: | 0/10
Gesamt: | 3/10


Ein Wiedersehen nach langer Zeit. Vater: „Wie geht es dir?“ Sohn: „Und dir?“ Vater: „Hattest du nicht vor nie wieder zu kommen?“ Sohn: „Hattest du nicht vor zu sterben?“ Die Figuren in Benjamin Virés Regiedebüt „Cannibal“ werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten liefern. Das kann, im besten Fall, den Reiz eines Films erhöhen und zum Mitdenken anregen. Oder, wenn es misslingt, den Zugang extrem erschweren. „Cannibal“ ist ein Härtefall der zweiten Kategorie.

Die erste Hälfte erfordert Sitzfleisch und Geduld. In monochromen Wackelbildern, die zeitweise an den dänischen Dogma-Stil der 1990er Jahre erinnern, folgt die Kamera dem offenbar hoch neurotischen Einzelgänger Max (Nicolas Gob) durch sein Einsiedlerleben. Er wohnt allein in einem Haus im Wald, versteckt sich vor seinem Bruder und spielt Querfeldein-Golf. Eines Tages landet ein Abschlag vor den Füßen einer bewusstlosen, blutüberströmten Frau (Helena Coppejans). Max nimmt die Fremde mit in seine Bude. Und...

Nichts. Wer erwartet, der zähe Kammerspiel-Plot käme jetzt in Gang, sieht sich enttäuscht. Es wird geduscht (getrennt, denn Max hat eine Berührungs-Phobie!), geschlafen, gegessen, wieder geduscht und es werden Sätze gesagt wie „Du bist so anders.“ Ansonsten herrscht Schweigen im Walde statt Schweigen der Lämmer. Gut, einmal haut Bianca nachts ab und Max erwischt sie, wie sie beim Sex in einem Auto ihr Gegenüber anknabbert und todbeißt. Max stellt keine Fragen, vergießt nur ein paar Tränen. Dann macht er sich wie selbstverständlich an die Leichen- und Autobeseitigung. Bei der nächsten Fress-Attacke spielt er gleich Lieferservice und serviert der Unbekannten einen Dorfjugendlichen. Liebe mag ja durch den Magen gehen, aber spätestens hier geht auch jedweder Bezug zu den Personen und ihren Handlungen verloren. Der Appetit auf Menschenfleisch – für Max nicht mehr als eine kleine, akzeptierbare Charakterschwäche? Und für Bianca?

Man mag Regisseur Viré anrechnen, dass er mit Opferklischees spielt und dankenswerterweise auf einen fantastischen Überbau á la Zombies oder Vampire verzichtet. Aber der 31-jährige Belgier lässt zu viel Spielraum, zu vieles bleibt unerklärt, unverständlich. Selbst die Gangster, die in einer Parallelhandlung Bianca einfangen sollen, das Haus belagern und sie schließlich entführen, sind Fremdkörper. So wie Max bei seiner Rettungsaktion in der Stadt, die (Achtung Farbdramaturgie!) plötzlich in Schwarzweiß getaucht wird. Oder Max‘ trinkenden Vater. Und das krude Finale verkauft uns Kannibalismus gar als Volksbelustigung („Friss ihn!“).

Die Schockmomente in „Cannibal“ sind ziemlich rar gesät und längst nicht so verstörend wie in Claire Denis’ themenverwandtem Schocker „Trouble Every Day“ (2001). Zudem ist die Tinitus-Tonspur extrem nervig. Das Rauschen soll wohl die unheimliche Atmosphäre schüren (oder die Stille der sprachlosen Figuren überbrücken). Extras hat die DVD überdies nicht zu bieten.

So entpuppt sich „Cannibal“ am Ende als blutleere Stilübung. Die belgische Antwort auf die französische Terrorfilm-Welle fällt ziemlich kümmerlich aus und dürfte gleich mehrere Fraktionen enttäuschen. Weder schöpft der Film sein Skandal-Potenzial vollends aus und bedient die Gelüste des Splatter-Anhangs, noch vermag er überzeugend der Thematik irgendeinen tiefer gehenden Subtext abzuringen und über das Augenscheinliche hinaus in die Mystery-Sphären eines David Lynch („Lost Highway“) vorzudringen.

by Florian Ferber
Bilder © KNM Home Entertainment / Apollon Films