Café Belgica - DVD

DVD Start: 14.10.2016
FSK: ab 12 - Laufzeit: 126 min

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Inhalt

CAFÉ BELGICA ist die Geschichte von Jo und Frank, zwei ziemlich unterschiedlichen Brüdern, die sich aus den Augen verloren haben. Als Frank seinem kleinen Bruder anbietet, ihm an den Wochenenden hinter dem Tresen seiner Bar auszuhelfen, finden die beiden wieder zusammen. Und plötzlich gibt es kein Halten mehr: Das heruntergekommene „Café Belgica“ wird zum Anlaufpunkt für das Partyvolk. Eine Arche Noah für die Feierwütigen, wo der Schweiß von der Decke tropft und der Rock’n’Roll aus jeder Pore trieft. Für eine Weile ist das Leben der Brüder ein einziger Trip, doch dann holt die Realität sie ein.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Pandora Film
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Flämisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
- Trailer
- Wendecover
- Deleted Scene

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DVD und Blu-ray | Café Belgica

DVD
Café Belgica Café Belgica
DVD Start:
14.10.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 126 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Café Belgica

DVD Wertung:
Film: | 6/10
Bild: | 7/10
Ton: | 8/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 6/10


Nach seinem überraschenden Arthouse-Erfolg mit dem herzzerreißenden Musik-Melodram „The Broken Circle Breakdown“ (der schließlich auch für einen Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert wurde) meldet sich der Belgier Felix van Groeningen erneut mit einem Drama zurück, bei dem Musik ein integraler Bestandteil ist. Café Belgica SzenenbildDiesmal erzählt er keine tieftraurige Liebesgeschichte, sondern eine Story über zwei sehr unterschiedliche Brüder, die nach langer Zeit wieder zusammenfinden und gemeinsam den Partytempel „Belgica“ betreiben. Was für eine Weile wie eine Erfolgsgeschichte aussieht, die von Sex, Drugs und Rock n‘ Roll und jede Menge nächtlicher Räusche geprägt ist, zehrt immer stärker an dem Verhältnis der Brüder, deren unbestreitbare Differenzen zunehmend problematisch werden. In guten zwei Stunden inszeniert van Groeningen hier eine überaus realistische, lebendige und wilde Momentaufnahme im Leben der beiden Brüder, die wenig an herkömmlichem Plot interessiert ist. Viel mehr gestaltet sich „Café Belgica“ durch seine Befreiung einer herkömmlichen Erzählweise als ein ungewöhnlich frei fließendes, oft chaotisch wirkendes Filmerlebnis, das das Leben in all seinen manischen Höhen und Tiefen einfängt. Das gelingt nicht ohne Hänger und oft fällt es schwer, Empathie für die beiden fehlerbehafteten Protagonisten aufzubauen. Viele Schwächen werden jedoch durch einen grandiosen und überaus abwechslungsreichen Soundtrack und mitreißende Musikszenen wettgemacht.

Jo (Stef Aerts) ist der jüngere und zurückhaltendere der beiden Brüder. Er ist Mitte Zwanzig, Musikfan, lässt sich vom Leben treiben, sieht nur auf einem Auge und betreibt recht erfolgreich die schäbige, aber beliebte Kneipe „Belgica“ in Gent. Sein Leben wird gründlich aufgemischt, als sich sein großer Bruder Frank (Tom Vermeir, in vielen Szenen ein Dennis Quaid-Doppelgänger) nach langer Zeit wieder blicken lässt. Frank ist aktuell Gebrauchtwagenhändler, hat ein Kind mit Isabelle (Charlotte Vandermeersch), ist aber unglücklich mit seinem bequemen, aber langweiligen Arbeiterklasse-Alltagstrott. Im „Belgica“ erkennt er schließlich eine neue aufregende Herausforderung und den fehlenden Rock n‘ Roll in seinem Leben: Er schmeißt den Gebrauchtwagenhandel hin und überredet Jo nach anfänglicher Hilfestellung, die Kneipe zum Szeneclub auszubauen, was sich zunächst auch als überaus erfolgreiches Unterfangen erweist. Café Belgica SzenenbildBeide geben sich mit großer Leidenschaft dem ungestümen Rausch des Nachtlebens hin, wodurch ihr Privatleben aber zunehmend leidet. Da wäre nicht nur Franks Beziehung mit Isabelle, die ein zweites Kind erwartet, sondern auch Jos turbulentes Verhältnis mit seiner neuen Freundin Marieke (Hélène Devos), das durch Jos neuen wilden Lebensstil auf eine Probe gestellt wird.

Im Kern ist „Café Belgica“ gerade bezogen auf den Club eigentlich eine klassische Aufstiegs- und Fallgeschichte, aber auch eine Charakterstudie zweier Brüder, die meist nur im Feiern auf einer Wellenlänge sind. Der ursprünglich aus Gent stammende van Groeningen erzählt hier einen zumindest von realen Erlebnissen und Charakteren inspirierten Film. Der legendäre Genter Szenetreff Café Charlatan, der einst von seinem Vater gegründet wurde, stand hier Pate für den titelgebenden Club und auch van Groeningens eigene Erlebnisse in der Partyszene färben spürbar das Geschehen des Films. Es gelingt van Groeningen bemerkenswert gut, mit nahezu dokumentarischem Auge die Atmosphäre und Lebensumstände der Figuren überaus real und immersiv greifbar zu gestalten. Hier wirkt alles eingelebt, in der Kneipe spürt man die treibende Energie, riecht die stickige Kneipenluft, den Gestank von Zigaretten, Schweiß, Bier und Abwasser förmlich. Gerade zu Beginn wirkt hier alles überaus ranzig, schäbig und schmutzig, auch die Figuren entsprechen nicht gerade gängigen Schönheitsidealen und machen so einen angenehm realen Eindruck. Wenn van Groeningen die großartige Musik der innovativen Genter Musikgruppe Soulwax dröhnen lässt, ist der Film am lebendigsten: Die Clubszenen mit den vielen ekstatischen und tanzenden Menschen, die auf engem Raum eingepfercht sind und von der Musik getrieben sind, bersten oft förmlich vor spürbarer Energie und bemerkenswerter, ungeschönter Authentizität. Van Groeningen und Kameramann Ruben Impens fangen das mit unruhigen Handkamerabildern und vielen Farben ein, sodass man sich fühlt, als wäre man mitten im Geschehen.

Ansonsten strapaziert van Groeningen mit seiner zweistündigen Laufzeit etwas die Geduld des Zuschauers. Es ist zwar lobenswert, das sein Gespür für Figuren genauso einem Streben nach ungeschöntem Realismus wie bei der audiovisuellen Gestaltung geschuldet ist, doch Jo und Frank sind nur bedingt angenehme Zeitgenossen. Er zeichnet die Charaktere überaus lebensnah, ist dabei kompromisslos im Entlarven ihrer zahlreichen Schwächen und Fehler. Café Belgica SzenenbildJo und Frank lassen sich irgendwann völlig und gänzlich egoistisch in ihrer hedonistischen Dauerekstase aus viel Sex, Drugs und Rock n‘ Roll treiben, wobei ihre Partnerinnen das Nachsehen haben. So schwankt der Film immer wieder zwischen exzessiven Partyorgien und dem unausweichlichen bösen Erwachen in Form von häuslichen Streitereien, bei denen die Emotionen mit aller Rohheit ordentlich hochkochen. In der zweiten Hälfte wachsen dann auch die Probleme im Club, es kommt zu Konflikten und Handgreiflichkeiten. Das ist nur dann wirklich mitreißend, wenn man Empathie zu den Figuren entwickeln kann, was sich als recht schwierig gestaltet. „Café Belgica“ verfügt zweifelsohne über echte anarchische Energie und ernsthaft empfundene Melancholie, jedoch gelingt es van Groeningen nur bedingt diese in einen erzählerisch fokussierten Film zu kanalisieren, der packt und bewegt.

Bild
Der Look von „Café Belgica“ ist betont roh und ungeschönt. So präsentiert sich ein sehr naturalistisches Bild, das nicht unbedingt schön anzusehen, aber wirkungsvoll ist. Kontraste sind anständig, Schwarzwerte tendieren meist ins Gräuliche und die Schärfe- und Detaillevel sind auf gerade noch auf anständigem Niveau. Insgesamt wirkt das Bild auch gelegentlich etwas verwaschen, dennoch passen diese scheinbaren Schwächen in die wohl gewünschte Ästhetik des Films.

Ton
Angesichts der Tatsache, dass Musik bei „Café Belgica“ eine vitale Rolle spielt, ist eine gute akustische Umsetzung der DVD besonders wichtig. Und tatsächlich, gerade die Musikszenen sind hier großartig gelungen. Café Belgica SzenenbildDie Musik ertönt überaus räumlich und differenziert aus allen Lautsprechern, sie wirkt dynamisch und an den richtigen Stellen sehr wuchtig und kraftvoll. Leider wirken die Stimmen in der Originalversion im Gegensatz dazu etwas flachbrüstig und zu leise abgemischt, was das akustische Vergnügen dann auch wieder einschränkt.

Extras
Leider hat man der DVD neben einer halbminütigen entfernten Szene, die die Entstehung des Logos zeigt, kein Bonusmaterial spendiert.
Deleted Scene (00:34 Min.)
Pandora Film Trailershow (Café Belgica, Tomorrow, Paula, Hinter den Wolken, Unsere kleine Schwester, Familienbande, Gestrandet, Der Sommer mit Mamã, Hedi Schneider steckt fest, Als wir träumten, Halbe Treppe, Nachtgestalten)


Fazit:
„Café Belgica“ ist ein Film voller greifbarer und ungezähmter Energie, der besonders in seinen exzessiven und hedonistischen Partymomenten enorm vital und mitreißend erscheint. Auf eine konventionelle Erzählweise wird verzichtet, viel mehr ist Felix van Groeningens fünfter Film eine oft etwas dahinplätschernde Momentaufnahme im Leben zweier sehr unterschiedlicher Brüder, die sich nur bedingt als Sympathieträger eignen.


by Florian Hoffmann
Bilder © Alive / Pandora Film




Café Belgica - Trailer



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