Barfuß durch die Hölle - DVD

DVD Start: 03.12.2010
FSK: ab 16 - Laufzeit: 400 min

Barfuß durch die Hölle DVD Cover -> zur DVD Kritik

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Inhalt

Ausgezeichnet mit dem San Giorgio Preis bei den Filmfestspielen in Venedig, erzählt die Trilogie die Geschichte von Kaji, einem jungen japanischen Intellektuellen, der den Krieg hasst. Um dem Militärdienst zu entgehen übernimmt er einen Auftrag als Zivilverwalter in der japanisch besetzten Mandschurei, dem Ort der grausamsten japanischen Kriegsgräuel. Kajis Kampf gegen die Unmenschlichkeit in den Arbeitslagern der chinesischen Kriegsgefangenen, denen er als Aufseher zugeteilt ist, ruft jedoch die Wut seiner Vorgesetzten hervor. Er wird wegen Vaterlandverrats angeklagt und zum Militärdienst strafversetzt. Während er in einem brutalen Ausbildungscamp für seinen ersten Fronteinsatz vorbereitet wird, startet die Sowjetunion ihren Angriff auf die Mandschurei und besiegt in mörderischen Schlachten die japanische Armee. Kaji gerät in russische Kriegsgefangenschaft, wird Opfer von Misshandlungen, des Mordes angeklagt und ihm droht die Hinrichtung. Ein letzter Kampf ums Überleben beginnt…

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DVD Details

Medienanzahl: 6
Regionalcode: 2
Vertrieb: Winkler Film
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Japanisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Bildformat: 16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Japanische Kinofassung (ca. 569 Min., jap. mit deutschen UT), Interview mit Regisseur Masaki Kobayashi (ca. 14 Min.), Interview mit Editor Keiichi Uraoka (ca. 20 Min.), Interview mit Hauptdarsteller Tatsuya Nakadai (ca. 38 Min.), Kinotrailer, Booklet

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DVD und Blu-ray | Barfuß durch die Hölle

DVD
Barfuß durch die Hölle Barfuß durch die Hölle
DVD Start:
03.12.2010
FSK: 16 - Laufzeit: 400 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Barfuß durch die Hölle

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 7/10
Ton: | 7/10
Extras: | 5/10
Gesamt: | 8/10


Das Filmland Japan besteht, wenn man die DVD-Regale hierzulande untersucht, aus kleinen, mal mehr, mal weniger gelungenen Horrorfilmen, den Werken von Takeshi Kitano und, in der Arthaus-Ecke, den Samuraifilmen von Kurosawa (der freilich auch Anderes gemacht hat, aber eher selten im Laden zu finden ist). Dass das japanische Kino aber ungleich mehr zu bieten hat und in den goldenen Nachkriegsjahren unzählige Kunstwerke aller Genres schuf, ist in hierzulande nicht sonderlich publik. Für die Filme von Meisterregisseuren wie Mizoguchi, Ichikawa und Kinoshita kommt der geneigte Filmfan nicht umhin, auf die grandiosen ausländischen Veröffentlichungen aus Amerika (Criterion-Collection) und Großbritannien (Masters Of Cinema) zurückzugreifen. Die österreichische Firma Winkler Film konnte nun mit der Special Edition zu Barfuß durch die Hölle eine große Lücke in den deutschsprachigen DVD-Regalen schließen.

Barfuß durch die Hölle ist ein Epos in drei Teilen, die sich nahtlos zusammenfügen und auch geschlossen konzipiert worden sind, sodass man durchaus von einem einzigen, großen Werk sprechen kann. Inhaltlich ist der Film von Regisseur Kobayashi klar dem Antikriegsfilm zuzuordnen, im Gegensatz zu den vielen pathetischen Streifen aus dieser Sparte hat Barfuß durch die Hölle sein Prädikat aber redlich verdient und muss zu den großen, wichtigen und auch besten Filmen des Genres gezählt werden.

Der Anfang gestaltet sich dabei nicht sonderlich beeindruckend. Wir lernen die Haupfigur Kaji kennen, einen jungen Mann mit festen moralischen Grundsätzen. Er ist gebildet und mit jugendlichem, leicht naiven Eifer erfüllt. Um dem Wehrdienst und somit dem Einsatz im zweiten Weltkrieg zu entgehen, übernimmt der aus guten Verhältnissen stammende Mann einen Verwaltungsposten in einem Arbeitslager für Kriegsgefangene – und ist sofort erschüttert von den unmenschlichen Bedingungen. Die Arbeiter tragen nur noch Kleidungsfetzen, sind halb verhungert und werden stetig misshandelt. Kaji kann seine pazifistischen Grundsätze nicht verleugnen und setzt sich für die Gefangenen ein. Dabei stößt er bei den sadistischen Aufsehern ebenso auf taube Ohren wie bei den ausschließlich auf Erfolgsquoten und Messtabellen fixierten Verwaltern des Lagers. Kaji steht auf verlorenem Posten und ist gezwungen, sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, um den Gefangenen zu helfen…

Bei einem derart großen Werk wie Barfuß durch die Hölle ist es schwer, nicht in Superlative zu verfallen. Handwerklich stellt der Film ganz großes Kino dar – die Regie ist in jeder Szene pointiert, die Kameraarbeit ist sehr gelungen und überzeugt mit tollen, bedrückenden Bildern und auch das Spiel der Darsteller, insbesondere von Hauptdarsteller Tatsuya Nakadai, ist hervorragend.

Im ersten Teil zeigt Kobayashi das vom Krieg verursachte Elend, ohne dabei den Krieg zu bebildern. So wird nicht nur eine Verherrlichung verhindert, sondern mit dem zentralen Handlungsort eine Grundlage für die humanistische Botschaft des Films geschaffen. Diese wirkt noch aus heutiger Sicht lobenswert, im zeitgenössischen Japan war sie dagegen pures Dynamit, denn gesellschafts- und regierungskritische Filme waren nicht nur ungewöhnlich, sondern im Grunde kaum vorhanden, obwohl der zweite Weltkrieg 1959, im Entstehungsjahr des ersten Teils, bereits eine Weile vorbei war.

Eine Vorraussetzung, die der Zuschauer für Kobayashis Mammutwerk erfüllen muss, ist natürlich das Aufbringen von Geduld. Das im Original fast zehnstündige Werk mit seinen jeweils über dreistündigen Teilen weist ein recht langsames Tempo auf und hat, wenn es auch nie langweilig wird, auch immer mal wieder einige Episoden, bei denen eine Straffung sinnvoll gewesen wäre. Allerdings nutzt der Film seine Überlänge zur Charakterisierung der Hauptfigur, was insbesondere im Vergleich der drei Teile auffällig ist. Nachdem Kaji am Ende des ersten Films entmutigt und erschöpft das Gefangenenlager verlässt wird er Soldat – und endgültig gebrochen. Der zweite Teil der Trilogie zeigt den unerbittlichen Drill der Ausbildung, die absurden Regeln und Gewohnheiten im Militär und die Machtspielchen der Befehlshaber. Auch hier ist Geduld vonnöten, doch eben auch hier ist das Epos filmgrammatisch sehr gelungen. Teil I und II kulminieren dann im letzten Kapitel der Geschichte, dem Abschluss und als Einzelfilm gelungensten der drei Teile. Hier ist Kaji ein Soldat kurz vor dem Hungertod, der mit wenigen Kameraden und Zivilisten durch ein Land irrt, dass sich durch den Krieg im Grunde aufgelöst hat. Soldaten aller Länder, Waisen und Witwen, Vergewaltiger und Mörder streunen durch das Japan der letzten Kriegstage, Nahrung findet niemand und Moral zählt nicht mehr. Kajis Ideale liegen in Trümmern wie das Land, seine Tun versagt auf kleinster Ebene. Waren es in Teil I noch Tausende Kriegsgefangene, die er beschützen wollte, in Teil II einige Hundert Soldaten, für die er sprechen wollte, sind es nun, irgendwo im verhungernden Japan, nur noch ein Dutzend Menschen, die er anführt – und nach und nach verliert. Und wenn Kaji dann, nach neun bitteren, schwermütigen Filmstunden, in denen wir ihn begleitet haben, am Ende allein und halb tot durch den Schnee stampft, um zu seiner geliebten Frau zu gelangen, dann ist das wahrhaft wuchtiges Kino, wie man es heute kaum noch bestaunen kann.

Allein für die Veröffentlichung ist Winkler Film also schon zu danken, zumal die Box mit 6 DVD’s üppig bestückt ist. Mit deutscher Synchronisation unter Leitung von Bernhard Wicki ist eine siebenstündige Version enthalten, ebenfalls vorhanden ist die ungekürzte japanische Originalfassung mit deutscher Untertitelung. Bei einem Film diesen Alters ist es nicht verwunderlich, dass die Extras eher schmal ausfallen: die Edition wartet mit drei Interviews (mit dem Regisseur, dem Kameramann und dem Hauptdarsteller) auf, die natürlich nicht sonderlich spektakulär daherkommen, aber interessante Fakten und amüsante Anekdoten bereithalten und mit insgesamt 72 Minuten umfangreich sind. Davon abgesehen gibt es nur noch drei Trailer und ein kleines Booklet, doch das Vorhandensein der ungekürzten japanischen Fassung ist ohnehin besser als jedes Bonusmaterial. Die Qualität der Synchronisaton und des Tons im Allgemeinen sind zufrieden stellend, ebenso die Bildqualität, die nicht optimal ist und nicht mit der herausragenden Veröffentlichung der Criterion-Scheibe aus Amerika mithalten kann, angesichts des Alters der Films aber annehmbar ist.

Letztlich ist dies aber auch nur Erbsenzählerei angesichts der Tatsache, dass Masaki Kobayashis großartiges Epos mit kleinen Längen nun endlich auf dem deutschsprachigen Markt erhältlich ist. Für Liebhaber des klassischen asiatischen Kinos und für Fans unpathetischer Antikriegsfilme ist die schön gestaltete Edition ein Pflichtkauf.

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by Tom Schünemann
Bilder © Winkler Film