Augenblicke: Gesichter einer Reise - DVD

DVD Start: 07.12.2018
FSK: ab 6 - Laufzeit: 90 min

Augenblicke: Gesichter einer Reise DVD Cover -> zur DVD Kritik

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Inhalt

Die 89-jährige Regie-Ikone Agnès Varda und der 33-jährige Streetart-Künstler JR machen sich mit ihrem einzigartigen Fotomobil auf, um Frankreichs Menschen und ihre Geschichten zu entdecken und zu verewigen: in überlebensgroßen Porträts an Fassaden, Zügen und Schiffscontainern. Von der Provence bis zur Normandie widmen sie ihre Kunst den Menschen – sei es dem Briefträger, dem Fabrikarbeiter oder der letzten Bewohnerin eines Straßenzugs im ehemaligen Bergbaugebiet. Landschaften verwandeln sich in Bühnen, Gesichter erzählen von vergessenen Geschichten und aus Blicken werden Begegnungen von Herzlichkeit und Humor.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universum Film / Weltkino
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,85:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Interview mit Agnès Varda und JR, Trailer, Wendecover

DVD und Blu-ray | Augenblicke: Gesichter einer Reise

DVD
Augenblicke: Gesichter einer Reise Augenblicke: Gesichter einer Reise
DVD Start:
07.12.2018
FSK: 6 - Laufzeit: 90 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Augenblicke: Gesichter einer Reise

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 7/10
Extras: | 4/10
Gesamt: | 7/10


Agnès Varda ist eine der einflussreichsten Filmemacherinnen der französischen Nouvelle Vague. Die Französin, die über die Fotografie und Installationskunst an das Medium Film gekommen ist, prägte mit Zeitgenossen wie Jean-Luc Godard oder Alain Resnais die revolutionäre Bewegung der 60er Jahre, was ihr den Namen „Großmutter der Nouvelle Vague” einbrachte. Der französische Fotograf und Streetart-Künstler JR ist in den letzten Jahren durch seine großflächigen Poster in verschiedenen Großstädten der Welt, die meist Portraits von Menschen zeigen, die sonst nicht im Rampenlicht stehen, bekannt geworden. Varda ist 90, JR 35 Jahre alt. Die beiden einflussreichen Künstler kannten sich nicht persönlich, bewunderten aber gegenseitig ihre Arbeit. Für das Dokumentarfilmprojekt „Augenblicke: Gesichter einer Reise” (besser der französische und englische Titel „Visages villages” bzw. „Faces Places”) kamen die beiden Persönlichkeiten zusammen und reisten durch Frankreich, um ihr Land prägnant und einsichtsreich zu portraitieren. Dafür gab es zahlreiche Auszeichnungen, darunter eine Oscar-Nominierung für den besten Dokumentarfilm 2017. 

Augenblicke: Gesichter einer Reise
Augenblicke: Gesichter einer Reise © © Agnès Varda-JR-Ciné-Tamaris, Social Animals 2016)
„Augenblicke” ist ein Film, der so schlicht und unaufgeregt wie subtil ergreifend ist. Vom in schlichtem Zeichentrick animierten Vorspann bis zu seinem überraschend berührenden Ende unterhält dieser Film mit bescheidener Kurzweiligkeit. Varda und JR treffen aufeinander, man bekommt nur einen kurzen Eindruck von ihrem Werken und ihrer Bedeutung, dann reisen sie auch schon gemeinsam in JRs skurrilem mobilem Instant-Fotoautomat durch die französische Provinz. In diesen setzt sich das Portrait-Subjekt hinein, dann kommt auch schon ein großformatiges Foto durch einen breiten Schlitz am Rand des kleinen Lasters heraus. Bei ihrem ersten Halt in einem der vielen französischen Dörfer, die über den Verlauf des Films besuchen, entsteht so eine Bildkette von Portraits vieler Einwohner, die ein scheinbar endloses Baguette gemeinsam zwischen ihren Zähnen halten.  

JR gibt in seinen Werken den Menschen eine Plattform, die sonst nicht im Rampenlicht stehen. Das spiegelt diese viele Meter lange Collage wieder, die an eine Mauer in dem Dorf tapeziert wird und – ohne, dass es die Fotografierten ahnten, den Zusammenhalt der Einwohner wiederspiegeln. Später sprechen Varda und JR mit der letzten Verbliebenen einer Bergbau-Stadt, die kurz vor ihrer Abtragung steht. Ihre Geschichte, die mit Erinnerungen an die Vergangenheit der Stadt verknüpft sind, erscheinen wahrhaftig und berührend. Wie es JR schon oft zuvor gemacht hat (etwa in Cartagena, wo er Portraits der ältesten Bewohner an abrissbedrohte Wohnhäuser plakatierte), bringt er das Antlitz dieser Frau großformatig auf ihr Wohnhaus. Das Resultat und die Reaktion der Dame ist ergreifend. 

Augenblicke: Gesichter einer Reise
Augenblicke: Gesichter einer Reise © © Agnès Varda-JR-Ciné-Tamaris, Social Animals 2016)
In zackiger Geschwindigkeit prescht dieser Film voran, präsentiert Anekdoten, schildert Vardas und JRs Aktion und erzählt dazwischen ein Portrait dieser beiden Menschen, die über ein halbes Jahrhundert Altersunterschied trennt. In weniger als 90 Minuten erzählt der Film viel, ohne wirklich Aufmerksamkeit zu schinden und sich in den Vordergrund zu drängen. „Augenblicke” verfügt so über eine bemerkenswerte Reinheit und Natürlichkeit, der man sich letztlich kaum verwehren kann. 

Varda, die so drollige alte Dame, die trotz manchmal nicht mehr ganz perfektem Erinnerungsvermögen und geschwächter Sehkraft erstaunlich fit und charmant daherkommt, ist einfach zum Verlieben. Die Paarung mit dem coolen urbanen Guerilla-Künstler JR ist ungewöhnlich, geht aber erstaunlich gut auf, sodass man schnell gerne mit diesen beiden Künstlern umherreist. So schildert der Film ein Portrait Frankreichs, aber schließlich doch vor allem etwas viel Allgemeingültigeres: Ein Portrait der Zeit und ihrer Vergänglichkeit, die sich nicht nur an der Kurzlebigkeit von JRs Plakatkunst manifestiert. Varda erzählt immer wieder von persönlichen Anekdoten längst vergangener Zeit, macht nahezu unbewusst das Verschmelzen von Vergangenheit und Gegenwart deutlich. Gerade gegen Ende bei einem geplanten Zusammentreffen mit ihrem alten Weggefährten Jean-Luc Godard erreicht der Film seinen unerwarteten Höhepunkt. Dennoch: „Augenblicke” lebt in der Gegenwart und hält sich nicht mit bewusst mit Nostalgie auf, der Film lässt lediglich ganz unaufgeregt Platz für viel Subtext. So erscheint der Film letztlich wie filmische Poesie, die scheinbar ganz zufällig entstanden ist.                           

Augenblicke: Gesichter einer Reise
Augenblicke: Gesichter einer Reise © © Agnès Varda-JR-Ciné-Tamaris, Social Animals 2016)
Bild 
Der Bildeindruck von „Augenblicke: Gesichter einer Reise” ist auf DVD vordergründig natürlich und sauber. Der Film ist in ästhetischer Hinsicht erwartungsgemäß schlicht gehalten, während unterschiedliches Bildmaterial unterschiedliche Qualität bietet. Das digitale Standard-Aufnahmematerial überzeugt durch solide Kontrast- und Schwarzwerte, wie auch einen ansprechenden Schärfeumfang. Nennenswerte Bildfehler liegen keine vor.     

Ton 
Akustisch spielt sich hier der Primärteil erwartungsgemäß auf den Frontlautsprechern ab. Stimmen ertönen jedoch mit bester Klarheit und Verständlichkeit, sodass die Umsetzung keinen Anlass zur Klage bietet.   

Extras 
Das Bonusmaterial beschränkt sich auf Trailer und Interviewschnipsel, die man gerne auch in ihrer Gesamtheit gesehen und gehört hätte. Dennoch sind diese kurzen Einblicke interessant und vermitteln einen weiteren Blick auf dieses charmante Gespann.  Interviews mit Agnès Varda und JR (Über ihre Gemeinsamkeiten (01:36 Min.), Über ihr Filmprojekt (02:01 Min.), Der Bunker am Strand (03:01 Min.), Kurzfilm oder Langfilm? (01:37 Min.), Über den Dreh in Le Havre (02:14 Min.), Über die Premiere in Cannes (01:26 Min.), Über die Protagonisten (00:51 Min.), Über die Rollenverteilung (00:43 Min.))  Trailer (01:46 Min.)  Trailershow 


Fazit:
„Augenblicke: Gesichter einer Reise” ist unaufgeregtes und wahrhaftiges Dokumentarfilm-Kino, das sowohl ein Portrait von den ungesehenen Gesichtern Frankreichs bietet, als auch seiner Macher Agnès Varda und JR.

by Florian Hoffmann
Bilder © Universum Film / Weltkino