Alpen (OmU) - DVD

DVD Start: 01.02.2013
FSK: ab 12 - Laufzeit: 93 min

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Inhalt

Unter dem Namen „Die Alpen“ bietet eine Gruppe von Außenseitern eine ungewöhnliche Dienstleistung an: Sie versprechen Trauernden, ihren Schmerz zu lindern, indem sie die Stelle der Verstorbenen einnehmen. So leben „Mont Blanc“, „Matterhorn“ und „Monte Rosa“ in fremden Häusern, tragen Kleidung toter Menschen und spielen sogar geliebte Erinnerungen nach. Dabei folgen sie einer Reihe strikter Regeln, allen voran: Keine emotionalen oder intime Bindungen eingehen. Doch Regeln sind dafür da, gebrochen zu werden ...

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive AG / Rapid Eye Movies
Tonformate:
Griechisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,85:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
- Trailer

DVD und Blu-ray | Alpen (OmU)

DVD
Alpen (OmU) Alpen (OmU)
DVD Start:
01.02.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 93 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Alpen (OmU)

DVD Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 8/10
Ton: | 9/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 9/10


Man kann nicht gerade sagen, dass das griechische Kino besonders präsent wäre. Zumindest in der breiten Öffentlichkeit ist es so gut wie überhaupt nicht anwesend. Sieht man einmal von „Dogtooth“ ab und der Horrorkomödie „Evil“ mitsamt seiner Fortsetzung, welche immerhin bei der Genregemeinde Beachtung fand. Ansonsten ist es nicht bekannt, obwohl zumindest die geographische Nähe dafür hätte sorgen können, dass man es mehr wahrnimmt. Ob es an den Strukturen der dortigen Filmproduktion liegt? Oder am mangelnden Mut vieler Verleiher, die sich lieber auf Tradiertes besinnen? Ich weiß es nicht. Insofern ist es nicht hoch genug zu bewerten, dass innerhalb kürzester Zeit zwei griechische Filme für Aufsehen sorgen. Dabei handelt es sich um „Attenberg“ und um den hier vorliegenden „Alpen“. Regisseur Yorgos Lanthimos hatte vorher den schon erwähnten „Dogtooth“ gedreht und damit eine Tür zu dem internationalen Markt geöffnet. Auch abgesehen von dem Erfolg des Vorgängers, hat „Alpen“ aber jede Voraussetzung selber Erfolg zu haben. Denn der Film besitzt eine kreative Kraft die mit der eines Ingmar Bergmanns vergleichbar ist. Auch Lanthimos verbindet Gesellschaftskritik und Tristesse in einem spannenden Umfeld. Wenngleich die Thematik etwas sperrig ist und viele Zuschauer abschrecken dürfte, so geschieht das doch auf eine Art und Weise, welche die Betrachter emotional beteiligen lassen, wobei das Paradox herrscht, dass nicht auf die Tränendrüse gedrückt wird. Man mag sich kaum vorstellen, was eine amerikanische Version an Kitsch und geigenhängende Himmel zu bieten gehabt hätte. „Alpen“ ist aber recht spröde und schafft es damit in den Bildern hervorragend die psychischen Befindlichkeiten der Protagonisten herauszustellen. Die Bilder sind zumeist karg, kalt und voller Enge. Die Kadrierung ist streng und die Kamera bewegt sich kaum. Es gibt so gut wie keine Bewegung und auch die Figuren bewegen sich zumeist langsam und sprechen bedächtig. Jeder Charakter ist in sich gefangen und kann sich emotional nur schwer mitteilen. Die Gruppe von vier unterschiedlichen Menschen bildet eine Geschäftsform, in der sie für Trauernde den Verstorbenen ersetzen und ihnen somit die Möglichkeit gibt, unabgeschlossene Konflikte zu bewältigen und langsam Abschied zu nehmen. Vorausgesetzt, die Vier können sich selber emotional zurücknehmen. Und gerade das funktioniert nicht, denn Trauer und die Begegnung mit ihr lässt niemanden unberührt. Es sei denn, man kapselt sich so sehr ab, dass man auch andere Emotionen vernachlässigt. Denen diese Verdrängung am besten gelingt, sind emotionale Krüppel und sie können sich selber gar nicht mehr artikulieren. Die offenste Figur, die ihre Emotionen auslebt, geht fast daran zugrunde, bis es ihr gelingt, einen adäquaten Weg dafür zu finden. Aber die Hauptperson nutzt den Rollentausch, um aus ihrem eigenen Leben ausbrechen zu wollen. Für sie dienen andere Personen nur als Projektionen, als Vergleichsstudie für ihr eigenes Leben. Was beinahe zu einer Katstrophe führt und für die Klienten die Trauerarbeit noch schwerer bis kontraproduktiv macht. Schließlich ist der Umgang mit der Trauer und die Gedanken an den Verstorbenen auch immer eine Möglichkeit über sein eigenes Leben nachzudenken und Bilanzen zu ziehen. Was schmerzhaft ist. Dazu passen die kargen Bilder, welche die gesamte Stimmung gut wiedergeben. Schon die Anfangsszene ist symptomatisch für die Figuren und Thematik des Filmes und schlicht erstklassig. Die junge Athletin turnt zu den Klängen von Orffs „Carmina Burana“ und es ist auffällig, wie schwer es ihr fällt auszubrechen, ihre Emotionen auszudrücken und sie wickelt sich während des Turnens immer wieder in ihr Band ein und fesselt sich damit selber. Und die letzte Szene steht dazu in einem wunderschönen Kontrast und zeigt die emotionale Öffnung und schließt zudem einen erzählerischen Kreis. Zudem wird allein durch die letzte Einstellung dann Hoffnung darauf gemacht, dass auch Trauer einmal nicht mehr so schmerzen wird. Erstklassig.

Der Ton und das Bild sind sehr gut. Als Extras gibt es leider nur den Trailer und eine Trailershow. Was bedauerlich ist, denn zumindest ein Interview mit dem Regisseur wäre höchst interessant gewesen.

Karge Bilder, eine strenge Kadrierung und eine zumeist statische Kamera geben kongenial das Thema und die psychischen Dispositionen der Charaktere wieder. Trotz des sperrigen, bisweilen abschreckenden Themas, ein aufwühlender aber doch unaufdringlicher Film, der einen berührt und anspruchsvolles Kino unterhaltsam darbietet. Erstklassig.


by Jons Marek Schiemann
Bilder © Alive AG / Rapid Eye Movies