Winterschlaf - Blu-ray

Blu-ray Start: 26.06.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 196 min

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Inhalt

In den imposanten Bergen Kappadokiens betreibt der ehemalige Schauspieler Aydin (Haluk Bilginer) ein kleines Hotel, in dem er mit seiner deutlich jüngeren Frau Nihal (Melisa Sözen) und seiner gerade geschiedenen Schwester Necla (Demet Akbag) wohnt. Nebenbei vermietet er im Dorf diverse Häuser. Die Drecksarbeit übernimmt für ihn der Hausmeister Hidayet (Ayberk Pekcan), denn Aydin hat Besseres zu tun. Er schreibt belehrende Kolumnen für eine Regionalzeitung und arbeitet an einem Buch über die Geschichte des türkischen Theaters.

Während die Kälte des Winters unaufhaltsam in die bescheidenen Unterkünfte dringt, wachsen die Spannungen zwischen Aydin und seinem Umfeld. In den Konfrontationen mit den Dorfbewohnern geht es um Geld und Ehre, die eher theoretischen Dispute mit seiner Schwester drehen sich um philosophische Fragen und der Konflikt mit seiner Frau, die ein örtliches Wohltätigkeitsprojekt betreut, wächst zu einer fundamentalen Auseinandersetzung über Liebes- und Lebensentwürfe. So offenbart sich Aydin im Laufe des Films zunehmend als selbstgefälliger Zyniker, der die Menschen um sich herum klein zu halten versucht und ohne Skrupel demütigt, sobald er seine Stellung als Patriarch gefährdet sieht.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universum Film / Weltkino
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Türkisch)
Untertitel:
Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.35:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Making Of (140 Min.),Hörfilmfassung,Interview mit Regisseur Nuri Bilge Ceylan und Kameramann Gökhan Tiryaki

DVD und Blu-ray | Winterschlaf

Blu-ray
Winterschlaf Winterschlaf
Blu-ray Start:
26.06.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 196 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Winterschlaf Winterschlaf
DVD Start:
26.06.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 189 min.

Blu-ray Kritik - Winterschlaf

Blu-ray Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 8/10
Gesamt: | 9/10


„Winterschlaf“ gehört zu den großen filmischen Herausforderungen der letzten Monate. Nuri Bilge Ceylans 196-minütiger Goldene Palme Gewinner ist ein mit scharfer Präzision gezeichnetes und völlig entschleunigtes psychologisches Charakterdrama, das anstatt eines ausgefeilten Plots das innere Seelenleben der Figuren über ausschweifende und genau beobachtete Dialogszenen offenbart. Trotz der ehrfurchtgebietenden enormen Laufzeit vereinnahmt und fesselt der Film völlig, man verliert sich in der von Ceylan mit großer Menschlichkeit gezeichneten Welt, wird Teil davon. Natürlich ist „Winterschlaf“ ein Film, der nicht zwischendurch gesehen werden kann. Es ist ein reifes und großes Werk, das Geduld von aufgeschlossenen Zuschauern erfordert, die auf der Suche nach außergewöhnlichem Kino sind. Wer sich aber Ceylans Film hingibt, wird mit einer reichhaltigen, einmaligen cineastischen Erfahrung belohnt.

Im Zentrum des Films steht Aydin (Haluk Bilginer), ein Mann im mittleren Alter in der türkischen Provinz von Kappadokien, der gemeinsam mit seiner kürzlich geschiedenen Schwester Necla (Demet Akbag) und seiner weit jüngeren Ehefrau Nihat (Melissa Sözen) ein Hotel führt. Aydin ist ein ehemaliger Theaterschauspieler, er ist gebildet und, dank mehrerer Immobilien, die er wie das Hotel von seinem verstorbenen Vater übernommen hat, wohlhabend. Nebenher arbeitet er an einem ambitionierten Buch über die Geschichte des türkischen Theaters und schreibt Kolumnen für ein regionales Magazin, in dem er seine Meinungen und Gedanken über die Gesellschaft preisgibt. Nihal, eine junge und schöne Frau, versucht Spenden für regionale wohltätige Projekte, wie etwa die Erbauung von Schulen, aufzutreiben und ihrem Leben einen Sinn zu geben. Das anatolische Dorf mit seiner kargen, bergigen Landschaft liegt abgelegen und ist gerade im kalten Winter ein Ort der Ruhe und des Rückzugs, nur wenige Touristen verirren sich in Aydins Hotel. So entbrennen immer wieder Diskussionen zwischen Aydin, Necla und Nihat, in denen unterschiedliche Lebensansichten und Philosophien aufeinanderprallen.

Nuri Bilge Ceylan, Regisseur von gefeierten Arthouse-Produktionen wie „Once Upon a Time in Anatolia“ oder „Drei Affen“, wird von manchen Kritikern gerne als türkischer Ingmar Bergman bezeichnet. „Winterschlaf“ offenbart durch seine tief menschliche und komplexe, psychologisch scharf beobachtete Charakterzeichnung eindrucksvoll, warum solche Vergleiche zustande kommen. Ceylans Film nutzt prinzipiell ausschließlich enorm lange Dialoge, die in oft sehr langen Einstellungen Platz für präzise beobachtete Diskussionen bieten. In beachtlichem Naturalismus ohne künstliche aufgesetzte Dramatik unterhalten sich die Charaktere über ihre persönlichen Ansichten zu Moral, Werten und philosophischen Grundsätzen. Hierbei werden die Figuren nach und nach und fast beiläufig charakterisiert, die komplexen Beziehungen zwischen den Charakteren und ihre Eigenarten werden dem Zuschauer so erst kontinuierlich bewusst. Man wird aufgesogen von dieser unglaublich authentisch portraitierten Lebenswelt, wird durch die bewusste Langsamkeit gezwungen, genau zuzuhören. Viele Dinge bleiben aber unausgesprochen und vermitteln sich über Körpersprache, man muss zwischen den Zeilen lesen. Das ist immer hochanspruchsvolles Kino, das zu jedem Zeitpunkt zu faszinieren weiß. Die betonte Langsamkeit von „Winterschlaf“ sorgt so für eine nahezu meditative, in sich gekehrte Erfahrung, die große Ruhe ausstrahlt. Aus diesem Grund wirken die etwas dramatischeren bzw. auffälligeren Momente wie das Zerschmettern einer Autoscheibe durch einen geworfenen Stein oder das Fallenlassen einer bestimmten Sache in ein Kaminfeuer wie eine Explosion in dieser Atmosphäre der Entschleunigung.

Den Mittelpunkt von „Winterschlaf“ bietet Aydin, um den alle anderen Charaktere kreisen. Mit großer Komplexität entwerfen Ceylan und Bilginer eine lebendige und vielschichtige Figur, die nicht einfach zu erklären ist – da sie eben so durch und durch menschlich ist. Aydin ist ein Intelektueller, der sich selbst als Oberhaupt seines Dorfes zu sehen scheint, der über den Dingen steht und sein Umfeld immer wieder mit präzise formulierten Argumenten von seinen Ansichten überzeugen will. Man erspürt aber einen Charakter, der insgeheim spürt, dass er hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, sein Potential nicht ausgelebt hat und nun eigentlich in einer Scheinwelt lebt. Dem Zuschauer wird das erst nach und nach bewusst, denn der ruhige, prinzipientreue und wohlüberlegte Mann offenbart zunehmend eine Arroganz und Eigensinnigkeit, die dazu führt, dass seine Mitmenschen eigentlich keine Sympathien mehr für ihn empfinden. Aydin ist rechthaberisch und belehrend, trägt viel Stolz in sich und hat wohl zunehmend sein Herz und Mitgefühl verloren. Schlüsselszenen sind etwa die passiv-aggressiven Diskussionen zwischen Aydin und Necla über seine Zeitungsartikel oder die sich langsam zuspitzenden Momente mit Nihal, die eine emotional unterdrückte Beziehung und eine Einsamkeit offenlegen. Dass das Publikum Aydin trotzdem folgt, liegt an der sehr menschlichen und nachvollziehbaren Figurenzeichnung, die profunde Lebenswahrheiten enthüllt.

„Winterschlaf“ ist so größtenteils eine aus dem Leben gegriffene Charakter- und Milieustudie, ein philosophisch und psychologisch komplexes Kammerspiel. Immer wieder (aber selten) unterbricht Ceylan den Redefluss durch beeindruckende Widescreen-Aufnahmen der anatolischen Landschaft, die durch ihre Kargheit kühl und unwirtlich wirkt, wodurch ein interessanter Kontrast zu den warmen Innenräumen entsteht. Der Film bietet zudem einen faszinierenden und ungewohnten Einblick in türkisches Leben in der Provinz, überrascht jedoch durch seine wohlartikulierten und gebildeten Figuren, die voll und ganz modern wirken.

Ceylans (übrigens von Chekhov inspirierter) Film ist so ein lohnendes, großes und reifes Meisterwerk, das für echte Cineasten einen reichhaltigen Genuss darstellen sollte. Die Klasse von „Winterschlaf“ ist aufgrund seiner bescheiden und ruhig wirkenden Machart erst nach etwas Nachdenken überdeutlich. Wie es Ceylan gelingt, einen rein charakterbasierten und intimen Film über 196 Minuten so packend zu gestalten, ist nicht selbstverständlich. Ceylan verfügt über ein tiefes und profundes Verständnis vom Menschsein, von komplexer Psychologie, das er hier mit großer Subtilität und Meisterklasse verarbeitet. So ist die emotionale Wirkung des Films nicht aufgesetzter Dramatik und dick aufgetragener Momente geschuldet, sondern eben durch feine nicht-schwarz-weiße Charakterzeichnung, die dank tiefgründiger Einblicke in die menschliche Seele einen subtil kathartischen Effekt erzeugt. Hierfür lohnt es sich, Geduld und Konzentration aufzubringen.

Bild/Ton
Die Blu-ray von „Winterschlaf“ ist technisch perfekt umgesetzt. Das Bild wirkt sehr natürlich in der authentischen Wiedergabe der größtenteils eher erdigen und warmen Farbgebung. Die Schärfe und Detailwiedergabe des digital aufgezeichneten Bildes ist sehr gut, wirkt aber nicht übertrieben. Hervorragend sind auch die perfekten Kontraste und tiefen Schwarzwerte, wodurch insgesamt ein angenehm warmer, filmischer Look entsteht. Bildfehler wie Rauschen gibt es keine. Daher eine fehlerfreie, hervorragende Umsetzung.

Vom Ton eines weitgehend dialogbasierten Films erwartet man vor allem eine perfekte Wiedergabe der Sprache. Das bietet „Winterschlaf“ definitiv, die Dialoge erscheinen mit großer Klarheit und Verständlichkeit. Der Film ist natürlich sehr frontlastig, manche Momente werden aber durchaus durch eine gute Dynamik sehr gut akzentuiert. Der Subwoofer wird erwartungsgemäß praktisch nicht eingesetzt. Daher eine ebenfalls astreine und adäquate Umsetzung.

Extras
Herzstück des Bonusmaterials ist ein erstaunlich detailliertes, fast zweieinhalbstündiges Making-Of, das aber nicht in themenbasierte Kapitel unterteilt ist. Das Hinter den Kulissen Material beschäftigt sich ausschließlich mit dem Dreh selbst und scheint stilistisch das Äquivalent zum Film sein zu wollen, denn hier wird meistens ganz lange der Arbeitsprozess hinter einzelnen Szenen beobachtet. Wie beim Film wird auch hier interessanterweise eine große, unaufgeregte Ruhe erzeugt. So erhält man genaue Einblicke in die enorm präzise Arbeitsweise von Ceylan, dem kein Detail zu gering ist. Somit kein herkömmliches Making-Of, sondern ein echter ungeschönter Blick hinter die Kulissen eines ganz besonderen Films.

Hier die Auflistung der Extras:
Making-Of (2:18:54)
Interview: eine von Sony produzierte Featurette, bei dem die Macher über die ästhetischen Vorzüge der Sony CineAlta F65 Kamera sinnieren (05:18 Min.)
Hörfilmfassung
Trailer (01:42 Min.)
Trailershow mit zehn Trailern


Fazit:
Nuri Bilge Ceylans Cannes-Gewinner ist eine meditative und hochanspruchsvolle Charakterstudie fernab des Mainstreams, die den aufmerksamen Cineasten mit profunden Einsichten über menschliches Verhalten belohnt.

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by Florian Hoffmann
Bilder © Universum Film / Weltkino