Walker (Mediabook) - Blu-ray

Blu-ray Start: 23.02.2017
FSK: 18 - Laufzeit: 96 min

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Inhalt

William Walker (Ed Harris) verfügt Mitte des 19. Jahrhunderts über all jene Qualitäten, die ihn zu einem potenziellen Anführer machen. Und sei es im fernen und bürgerkriegsgeschüttelten Nicaragua, in dem der Industrielle Vanderbilt zur Sicherung seiner Handelsrouten gerne Frieden hätte. Walker scheint der richtige für den Job zu sein. Doch als er es tatsächlich bis zum Präsidenten bringt, ist das der Anfang vom Ende. Zunehmend zum größenwahnsinnigen Faschisten mutiert, bringt er nicht nur die Bevölkerung, sondern auch seinen ehemaligen Geldgeber gegen sich auf...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 3
Regionalcode: 2
Vertrieb: Koch Media
Tonformate:
PCM 2.0 (Deutsch, Englisch)
Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Deutscher und englischer Trailer, Dokumentation über die Dreharbeiten "Dispatches from Nicaragua", Featurette "Walker 2008" mit Regisseur Alex Cox, Featurette "On the origins of walker" mit Alex Cox und Autor Rudy Wurlitzer, Bildergalerie und Booklet

DVD und Blu-ray | Walker (Mediabook)

Blu-ray
Walker (Mediabook) Walker (Mediabook)
Blu-ray Start:
23.02.2017
FSK: 18 - Laufzeit: 96 min.

zur Blu-ray Kritik

Blu-ray Kritik - Walker (Mediabook)

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 7/10
Ton: | 8/10
Extras: | 8/10
Gesamt: | 8/10


William Walker war Arzt, Journalist, Anwalt, Abenteurer und schließlich Filibuster, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts dazu entschloss, zahlreiche lateinamerikanische Staaten kriegerisch mit einigen Gefolgsmännern zu erobern. Gerade aus Mexiko wieder zurück in seiner amerikanischen Heimat angelangt und von einem Gericht für seine Taten freigesprochen, erhielt er (angeblich) von dem einflussreichen Unternehmer Cornelius Vanderbilt den Auftrag, einen Staatsstreich im bürgerkriegsgeschüttelten Nicaragua auszuführen, um die Geschäftsmöglichkeiten des Landes besser nutzen zu können. Walker (Mediabook) SzenenbildDas ist die erzählerische Grundlage für einen der ungewöhnlichsten amerikanischen Studiofilme der Achtziger Jahre, der nun weltweit zum ersten Mal von Koch Media auf Blu-ray veröffentlicht wird. Tatsächlich hat der irrwitzige Western des exzentrischen Briten Alex Cox nach einer desaströsen US-Veröffentlichung und zahlreichen Kritiker-Verrissen nie eine Kinoauswertung in Deutschland erfahren und kam auch erst in den USA vor gut zehn Jahren zum ersten Mal ins Heimkino.

Es ist nicht schwer zu sehen, warum Universal damals kalte Füße bekommen hat, als sie das fertige Werk sehen konnten: Alex Cox, der drei Jahre zuvor den kaum minder unkonventionellen Science-Fiction-Kultstreifen „Repo Man“ zu größerem Erfolg bei dem Studio realisierte, galt spätestens mit dem Sex Pistols-Biopic „Sid and Nancy“ als ernstzunehmende aufstrebende Größe des Independent-Kinos. Dementsprechend konnte der damals 32-jährige Cox mit „Walker“ seinen bislang größten Film für ein Budget von sechs Millionen Dollar realisieren. Lange war Cox fasziniert von der enigmatischen Figur William Walker, über die er so viel recherchierte, wie er nur konnte. Doch ein herkömmliches Biopic war so ziemlich das Letzte, was Cox im Sinn hatte. Angeregt von der damaligen kontroversen US-Außenpolitik, die sich in den Contra-Krieg gegen die sozialistische Sandinista-Regierung Nicaraguas einschaltete, entschied sich Cox in einem logistischen Coup dafür, den Film tatsächlich vor Ort in Nicaragua zu drehen.

Ohne ein wenig Hintergrundwissen zur damaligen politischen Situation vor dreißig Jahren wird es vielen Zuschauern schwer fallen, etwas mit diesem überaus sperrigen und eigentümlichen Kuriosum anfangen zu können. Cox wirft so ziemlich alle erzählerischen Konventionen über Bord und erschafft einen wilden Genremix, der faszinierenderweise vor teils subtilen und oft offensichtlichen Anachronismen geprägt ist. Walker (Mediabook) SzenenbildDa wird plötzlich das Time Magazine gelesen, Charaktere tragen Trenchcoats, nutzen Zippo-Feuerzeuge, feuern Maschinengewehre ab oder eine Mercedes-Limousine rast an einer Pferdekutsche vorbei, bis am Ende schließlich sogar US-Marines im Hubschrauber in Nicaragua landen. Das wirkt alles bewusst irritierend, umso klarer sollte aber die subversive und wenig versteckte Botschaft sein: Cox konnte mit der imperialistischen Außenpolitik Ronald Reagans nichts anfangen, er bereiste selbst zuvor das als so gefährlich eingeschätzte Land und lernte es lieben. Die bewusst platzierten Anachronismen dienen natürlich als anklagende Vermischung von Vergangenheit und Gegenwart, von der Schilderung eines amerikanischen Imperialisten, der sich selbst zum Diktator Nicaraguas ernannte (Walker herrschte von 1855 bis 1857), während gerade tatsächlich ähnliches in den Nachrichten zu beobachten war. Die Kritik von Cox ist gallig, das von Handelsinteressen geprägte Denken der US-Regierung wird hier unmissverständlich auf satirische Weise vorgeführt.

Oberflächlich betrachtet sieht man dem Film seinen Aufwand wahrlich an, massive Sets wurden in Nicaragua errichtet, die in einem finalen höllischen Inferno schließlich im apokalyptischen Flammenmeer untergehen. Immer wieder baut Cox übertriebene blutige Schießereien mit sprudelnden Wunden ein, die in ihrer Zeitlupen-Ästhetik zweifelsohne an Sam Peckinpah erinnern (Drehbuchautor Rudy Wurlitzer schrieb auch Pekinpahs „Pat Garrett jagt Billy the Kid). Cox und sein Kameramann David Bridges erschaffen hier sehr atmosphärische Bilder, die fantastisch von Joe Strummers eklektischem und passenderweise exzentrischem Soundtrack untermalt werden. Hier treffen traditionelle lateinamerikanische Töne auf Calypso- und Reggae-Einflüsse, teilweise wird es aber auch düster und hypnotisch. Immer wieder erreicht „Walker“ so eine fast schon halluzinatorische, fiebertraumartige Dimension, gepaart mit den Anachronismen erreicht der Film eine oft surreale Ebene.

Erzählerisch ist „Walker“ eine schwierige Angelegenheit. Cox gewährt dem Zuschauer keinen einfachen Zugang zu dieser zunehmend manischen, rücksichtslosen und größenwahnsinnigen Figur, die sicher nicht gerade einen Sympathieträger im herkömmlichen Sinne darstellt. Walker (Mediabook) SzenenbildEd Harris spielt sich hier die Seele aus dem Leib und verkörpert Walker völlig einnehmend mit großer Präsenz. Immer wieder läuft er in seinem schwarzen Mantel und seinem großen Hut wie ein Geist durch Szenen von explosivem Chaos, völlig unberührt von den Kugeln, die um ihn zischen, wodurch die traumartige Qualität des Films deutlich unterstrichen wird. Man wird insgeheim auf seine Seite geführt, denn an Charisma und aufrichtigem Idealismus mangelt es dieser überlebensgroßen und faszinierend widersprüchlichen Figur wahrlich nicht. Der Film plätschert dennoch und wirkt in seinem Erzählrhythmus eher sprunghaft und ziellos, auch wenn ein Handlungsbogen und eine Charakterentwicklung der Hauptfigur dank Wurlitzers routiniertem Drehbuch durchaus vorhanden sind. Doch Cox scheint nicht wirklich daran interessiert zu sein, sich dieser Figur in Form einer erhellenden Charakterstudie zu nähern. Das Endresultat ist zweifelsohne oft anstrengend, doch auch zutiefst einzigartig und faszinierend, voller expressiver, intensiver Wirkung und echter Vision, wie man sie selten zu Gesicht bekommt. Die Größe und der Wert dieses Films werden einem tatsächlich erst im Nachgang wirklich bewusst.

Bild
HD-Hochglanz-Ästhetik darf man bei der Blu-ray von „Walker“ sicher nicht erwarten. Der Film wurde weitestgehend von Unreinheiten befreit, auf eine Entfernung des stets recht deutlichen Filmkorns aber dankbarerweise nicht. Die Farben des Bildes erscheinen natürlich, aber recht kräftig. Kontraste sind solide, Schwarzwerte nicht allzu intensiv, aber ordentlich. Auch die Schärfe befindet sich insgesamt in einem anständigen Bereich, jedoch war hier noch deutlich Luft nach oben.

Ton
Auch in akustischer Hinsicht darf man keine Wunder erwarten. Die 2.0 PCM-Tonspuren sind logischerweise komplett frontlastig, Stimmen klingen minimal distanziert, aber deutlich. Etwas ansehnliche Dynamik haben die Tonspuren durchaus zu bieten, bei entsprechenden Momenten, sei es Musik oder Schuss- und Explosionseffekten kommen auch tiefe Töne effektiv zum Einsatz. Insgesamt eine solide Umsetzung.

Walker (Mediabook) Szenenbild Extras
Sehr überzeugen kann das Bonusmaterial des Mediabooks. Neben einem Booklet (lag dem Rezensionsmaterial nicht bei) gibt es den Film zusätzlich auf DVD. Auf einer Bonus-DVD befinden sich überaus einsichtsreiche Extras, bei denen der Film intensiv und ohne Einschränkungen beleuchtet wird.
Dispatches from Nicaragua (50:40 Min.): Ein faszinierender Blick hinter die Kulissen, der von Cox Freund Terry Schwartz bei den Dreharbeiten zu „Walker“ entstanden ist und erst 2008 zusammengestellt wurde.
Walker 2008 (06:25 Min.): Auch sehr unterhaltsam und selten gesehen: Regisseur Alex Cox liest einige der größtenteils vernichtenden Kritiken vor, die sein Film 1987 erhalten hat.
On the Origins of Walker (15:25 Min.): Ein kürzlich entstandenes Interview mit Cox, der einsichts- und anekdotenreich über sein Film in privater Umgebung berichtet.
On Moviemaking and the Revolution and Linda Sandoval (11:15 Min.):
Die wohl entbehrlichste der Featurettes, die dennoch interessant ist: In einem unbebilderten Monolog berichtet ein Statist von „Walker“ über seine Eindrücke der Dreharbeiten, als er sich den Film Zwanzig Jahre nach seiner Veröffentlichung nochmal ansieht.
Deutscher Trailer (01:41 Min.)
Englischer Trailer (01:41 Min.)
Bildergalerie (97 Stills)


Fazit:
Walker ist ein Film wie kein anderer – Zutiefst exzentrisch und sonderbar, surreal, hypnotisch, ist dieser Western unmittelbarer Ausdruck von Alex Cox einzigartig origineller Vision, die oft anstrengt, aber letztlich einfach nur fasziniert. Die so zentrale satirische Dimension des Films wird für viele heutige Zuschauer ohne entsprechendes Hintergrundwissen jedoch nur schwer greifbar sein.

by Florian Hoffmann
Bilder © Koch Media