Waiting for the Barbarians - Blu-ray

Blu-ray Start: 05.11.2020
Digital VoD: 05.11.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 114 min

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Inhalt

Um einen angeblichen Angriff von Barbaren zu unterbinden, reist der für seine brutalen militärischen Methoden bekannte Colonel Joll (Johnny Depp) an den äußersten Rand des Territoriums. Dort trifft er auf den Magistrat des Außenpostens (Mark Rylance) – dieser muss seine Loyalität gegenüber der Nation unter Beweis stellen. Er muss sich entscheiden, ob er die Befehle des Colonels befolgt oder auf sein Gewissen hört und für Gerechtigkeit eintritt.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universal Pictures / Constantin Film
Tonformate:
DTS-HD 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.39:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
• Behind the Scenes (12:06 Min.)
• Trailershow

Video on demand - Waiting for the Barbarians

DVD und Blu-ray | Waiting for the Barbarians

Blu-ray
Waiting for the Barbarians Waiting for the Barbarians
Blu-ray Start:
05.11.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 114 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Waiting for the Barbarians Waiting for the Barbarians
DVD Start:
05.11.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 109 min.

Blu-ray Kritik - Waiting for the Barbarians

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 9/10
Ton: | 7/10
Extras: | 3/10
Gesamt: | 7/10


Nach seinen beiden weltweit aufsehenerregenden Filmkunstwerken „Der Schamane und die Schlange“ sowie „Birds of Passage“ wagt der kolumbianische Regisseur Ciro Guerra mit „Waiting for the Barbarians“ nun den Sprung ins englischsprachige Kino. Die von Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee eigens verfasste Adaption seines gleichnamigen Romans erweist sich zunächst zwar als etwas sperrig und langatmig, generiert aber schließlich eine stille Kraft, die durchaus nachwirkt.

Der Film spielt an einem unbestimmten Ort zu einer nicht genauer definierten Zeit. Schauplatz ist eine orientalisch anmutende Siedlung in der Wüste, die als Grenzfort von einem imperialistischen Reich eingerichtet wurde. Diese wird von einem Magistraten (Mark Rylance) friedlich verwaltet, der dort ein ruhiges Leben führt und die Bewohner mit Anstand nach dem Laisser-faire-Prinzip behandelt. Dieser harmonische Zustand wird jäh gestört, als Colonel Joll (Johnny Depp), ein Abgesandter vom Büro des Staatsschutzes des herrschenden Reiches, der Siedlung einen Inspektionsbesuch abstattet. Joll ist das exakte Gegenteil des Magistraten: er ist zutiefst narzisstisch, linientreu, starrsinnig und statt friedliebend konfliktsuchend. Einen Konflikt findet er ihn zwei mutmaßlichen Schafdieben, die von einem angrenzenden Nomadenvolk stammen und nach eigener Aussage nur Medizin in der Siedlung besorgen wollten. Für Joll sind sie der Feind, Barbaren, die das Reich um jeden Preis bekämpfen muss. Als der Colonel mittels Folter Informationen über angebliche Kriegspläne der Barbaren entlockt, bahnt sich ein folgenschwerer Konflikt an…

Johnny Depp in Waiting for the Barbarians
Johnny Depp in Waiting for the Barbarians © Constantin Film
Wie auch schon in seinen vorherigen Filmen enthält auch „Waiting for the Barbarians“ einen ähnlichen thematischen Kern: So kommt es auch hier zu einem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen, einer Kollision von Tradition und Moderne, aber auch von verschiedenen Philosophien. Das ist, auch gerade der unspezifischen Herangehensweise geschuldet, offensichtlich zutiefst allegorisch und dementsprechend allgemeingültig für die Natur des Krieges und menschlichen Konflikt deutbar. Der Film handelt von dem unnachgiebigen und ignoranten Machtstreben eines Großreiches, das hier sicherlich am ehesten Frankreich ähnelt, aber im metaphorischen Sinne jede moderne Großmacht darstellen könnte. So wird hier ohne jede Not und ohne jegliche feindselige Aggression als Art Machtgeste und zur Kriegslegitimation ein Feind förmlich eingebildet, der mit härtesten und unmenschlichen Mitteln unterdrückt werden muss. Coetzee und Guerra veranschaulichen eindrucksvoll und präzise umrissen die Paradoxie menschlichen Handelns, die sich im Kreislauf der Gewalt und einem künstlich erzeugten Konflikt niederschlägt.

„Waiting for the Barbarians“ ist ein sehr langsamer, bedächtiger und, wie von Guerra durchaus gewohnt, minimalistisch anmutender Film. Das ist nur bedingt zugänglich, weshalb man sich auf die nahezu meditative Tonalität des Films erst mal einlassen muss. Auf den ersten Blick mag das sogar distanziert und unpersönlich erscheinen, selbst im Vergleich zu Guerras vorangegangenen Filmen, die an großen Gesten und konventioneller Dramaturgie auch nur bedingt interessiert waren. Dennoch haben sie einen packenden Sog aufgebaut, was „Waiting for the Barbarians“ gerade in der ersten Hälfte spürbar schwerer fällt. Wenn die kreischende Ungerechtigkeit, die immer drastischer werdende Unterdrückung und auch schockierende Gewaltausübung der Kolonialmächte in der zweiten Hälfte zum Vorschein kommen, generiert jedoch auch dieser Film eine gänzlich unsentimentale Kraft und Faszination.

Robert Pattinson in Waiting for the Barbarians</em> © Constantin Film
Robert Pattinson in Waiting for the Barbarians © Constantin Film
Das liegt auch an dem überragenden Mark Rylance, dessen Portrait des respektvollen und pazifistischen Magistrats sicher das Highlight des Films darstellt. Rylances genügsamer Stadtverwalter, der zufrieden ist, wenn er die Welt „nur ohne viel Aufsehen auf Kurs hält“, ist es, der wegen seiner eigenen Prinzipientreue schließlich in die Schusslinie seines eigenen Reichs kommt und selbst schmerzhafter Ungerechtigkeit ausgesetzt wird. Der für „Bridge of Spies“ Oscar-prämierte Brite fasziniert und berührt erneut mit fein-zurückhaltender Präsenz und ist ohne Zweifel der Sympathieträger des Films. Wie dieser zartfühlende, höfliche und eloquente Mann stets versucht, den moralisch richtigen Weg zu gehen, hinterlässt Eindruck. So nimmt er sich einer angeblichen Kriegsverbrecherin (Gana Bayarsaikhan) an, die gefoltert wurde und den Tod ihres Vaters mitansehen musste, wodurch er schließlich von seinen eigenen Landsmännern geächtet wird. Die Episode, in der der Magistrat sich um die junge Frau kümmert und schließlich durch die Wüste zieht, um sie zu ihrem Volk zurückzubringen, erweist sich dennoch leider als zähester Abschnitt eines ohnehin schon langsamen Films.

Das Verhältnis des Magistrats zu dem Colonel ist einer der Grundpfeiler von „Waiting for the Barbarians“. Zeigt der eine Aufgeschlossenheit, Empathie und Menschlichkeit, erscheint der andere mit unablässiger Härte, Gefühlskälte und Engstirnigkeit. Auch die Körpersprache offenbart fundamentale Unterschiede: Ist der Magistrat offen und beweglich, herrscht bei Joll Steifheit und Strenge, während er keine Miene verzieht und durch seine archaische Sonnenbrille jede Menschlichkeit aus seiner Erscheinung ausradiert hat. Depp fasziniert mit seiner stillen, eiskalten und bestimmten Intensität, während auch Robert Pattinson als offen sadistischer Handlanger in einer etwas kleineren Rolle für kurzen Eindruck sorgt.

Mark Rylance Waiting for the Barbarians
Mark Rylance Waiting for the Barbarians © Constantin Film © Constantin Film
„Waiting for the Barbarians“ mag es letztlich über weite Strecken an narrativem Momentum und Dringlichkeit fehlen, jedoch gelingt es Guerra am Ende doch eine einnehmende Erfahrung zu erschaffen. Die anti-imperialistische Aussage des Films ist mit übergroßer Klarheit erzählt und sorgt gerade bei bewusster Auseinandersetzung für nachhaltigen Eindruck. Über jeden Zweifel erhaben sind dann die opulenten Bilder des Kamera-Veteranen und zweifachen Oscarpreisträgers Chris Menges („Killing Fields“, „The Mission“), der die marokkanischen Drehorte mit der Größe eines „Lawrence von Arabien“ mit gebührender Größe zur Geltung bringt.

Bild
Anders als Guerras vorige Filme wurde „Waiting for the Barbarians“ digital auf Arri Alexa aufgezeichnet. Das Bild begeistert mit bestechender Klarheit, sehr hoher Detaildichte und Schärfe, wobei hier auch dunkle Bereiche nicht ausgenommen sind. Stark ist die lebendige Farbpalette, die das intensive Blau des Himmels und die Gelbtöne der Siedlungsgebäude und Wüste eindrucksvoll zur Geltung bringt, während Hauttöne stets natürlich erscheinen. Kontraste und Schwarzwerte sind durchgehend auf hohem Niveau, Bildfehler bleiben aus.

Ton
In akustischer Hinsicht fällt die Umsetzung zum prächtigen Bild etwas ab. Die Stimmen im Original ertönen teilweise leicht gedämpft und überhaupt erweist sich die Abmischung als sehr frontlastig und nur wenig dynamisch. Selbst ein Sandsturm sorgt für nicht allzu viel Surroundaktivität und auch der Subwoofer wird nur leicht angesteuert. Dennoch, wesentliche Fehler leistet sich der Soundmix nicht und kann trotz mangelnder Höhepunkte weitestgehend überzeugen.

Extras
Neben einer Trailershow bietet die Blu-ray lediglich einen 12-minütigen Blick hinter die Kulissen. Dieser ist durchaus einsichtsreich und bietet interessante sowie hintergründige Interviewschnipsel mit Guerra, Rylance, Depp, Bayarsaikhan, Pattinson sowie Menges.
• Behind the Scenes (12:06 Min.)
• Trailershow


Fazit:
„Waiting for the Barbarians“ erweist sich als über weite Strecken sperriger und sehr bedächtiger Film, der Geduld erfordert, aber schließlich mit stiller Kraft belohnt. Die anti-imperialistische Parabel ist mit großer Klarheit und thematischer Relevanz erzählt. Als Highlight erweist sich Hauptdarsteller Mark Rylance, dessen friedliebender und empathischer Magistrat das Herz dieses minimalistischen und unsentimentalen Films darstellt. Wirkungsvolle Unterstützung gibt es von Johnny Depp und Robert Pattinson, deren sadistische und gefühlskalte Unterdrücker als Antagonisten fungieren.


by Florian Hoffmann
Bilder © Universal Pictures / Constantin Film