Über die Unendlichkeit - Blu-ray

Blu-ray Start: 25.03.2021
Digital VoD: 25.03.2021
FSK: 12 - Laufzeit: 76 min

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Inhalt

Mit seinem neuen Film ÜBER DIE UNENDLICHKEIT fügt der vielfach ausgezeichnete Regisseur Roy Andersson seinem Werk ein neues Meisterwerk hinzu, ein filmisches Nachdenken über das menschliche Leben in all seiner Schönheit und Grausamkeit, seiner Pracht und seiner Einfachheit.
In ÜBER DIE UNENDLICHKEIT nimmt uns ein unverzagter Erzähler an die Hand und lässt uns traumgleich umherschweifen. Scheinbar nichtige Augenblicke verdichten sich zu intensiven Zeit-Bildern und stehen auf Augenhöhe mit historischen Ereignissen: Ein Liebespaar schwebt über das vom Krieg zerfressene Köln; auf dem Weg zu einem Kindergeburtstag muss ein Vater mitten in einem Wolkenbruch seiner Tochter die Schuhe binden; junge Mädchen beginnen einen Tanz vor einem Café und eine geschlagene Armee marschiert mutlos zu einem Gefangenenlager.
ÜBER DIE UNENDLICHKEIT ist sowohl Ode als auch Klage, ein Kaleidoskop all dessen, was ewig menschlich ist, eine unendliche Geschichte über die Verletzlichkeit unserer Existenz.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 2
Regionalcode: 2
Vertrieb: goodmovies / Neue Visionen
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Schwedisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,78:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Interview mit Roy Andersson, Behind the Scenes

Video on demand - Über die Unendlichkeit

DVD und Blu-ray | Über die Unendlichkeit

Blu-ray
Über die Unendlichkeit Über die Unendlichkeit
Blu-ray Start:
25.03.2021
FSK: 12 - Laufzeit: 76 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Über die Unendlichkeit Über die Unendlichkeit
DVD Start:
25.03.2021
FSK: 12 - Laufzeit: 76 min.

Blu-ray Kritik - Über die Unendlichkeit

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 7/10
Ton: | 8/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 7/10


Wer einen der letzten drei Roy Andersson-Filme gesehen hat, der weiß schon ziemlich genau, wohin auch die Reise mit seinem jüngsten Werk „Über die Unendlichkeit“ geht. Als einer der wenigen kontemporären Regisseure, deren Handschrift unverkennbar ist, präsentiert der 77-jährige Schwede einen weiteren non-narrativen Film über die Absurdität der Existenz in seiner einzigartigen Vignettenform.

Sehr lose von den Märchen aus Tausendundeiner Nacht inspiriert, hält lediglich eine zarte Frauenstimme die kurzen Alltagsbeobachtungen mit den jeweils einleitenden Worten „Ich sah einen Mann…“ oder „Ich sah eine Frau…“ o.ä. zusammen. „Über die Unendlichkeit“ spannt keinen herkömmlichen erzählerischen Bogen, sondern ist eben wie von Andersson gewohnt eine Ansammlung von zahlreichen in einzelnen Tableau-artigen Einstellungen gehaltenen Szenen. All das ist geprägt von maximaler Entschleunigung, konsequenter Verschrobenheit, Skurrilität, knochentrockenem Humor und minimalistischer Kargheit. Anderssons unglaublich präzise und mit feinster Perfektion inszenierte Bildkompositionen sind alle für sich ein Kunstwerk, die schlichtweg die Handschrift eines Meisters tragen.

Die Gesetze der Anziehung: Er ist interessiert. Sie interessiert sich vor allem für den Champagner.
Die Gesetze der Anziehung: Er ist interessiert. Sie interessiert sich vor allem für den Champagner. © Neue Visionen Filmverleih
In Anderssons surreal überhöhter Welt, die stets leicht entrückt und traumartig wirkt, aber dennoch förmlich greifbar real wie banal erscheint, dominiert vordergründig Tristesse und Traurigkeit. Die Eintönigkeit und Unbarmherzigkeit der menschlichen Existenz wird hier scharf beobachtet auf den Punkt gebracht: Mal ist es eine Frau, die einsam an einem Bahnsteig sitzt. Dann ist es ein Priester, der vom Glauben abgefallen ist oder auch schlicht eine junge Frau, die sich am Genuss von Champagner erfreut. Der Priester taucht als eines der wenigen Element wiederholt auf und trägt in der wohl markantesten Sequenz des Films mühsam ein Kreuz durch die enge Gasse einer Stadt hoch, während ein ihm folgender Mob wiederholt fordert „Kreuzigen!“. Dann ist es ein Mann, der in einem vollbesetzten Bus sitzt und weinend immer wiederholt „Ich weiß nicht, was ich will“, ohne jedoch das erhoffte Mitleid der apathischen Fahrgäste zu erhalten. Diese sonderbaren Alltagsbeobachtungen mischt Andersson mit historischen Situationen, zu denen etwa der Marsch von Soldaten in ein sibirisches Kriegsgefangenenlager oder auch bizarrerweise Hitler im Führerbunker unter resignierten ins Leere starrenden Generälen zeigt. Doch inmitten aller Leere und allen Schmerzes tröpfeln auch Augenblicke der Freude und Schönheit. Klingt verrückt und ist es auch.

Roy Anderssons Filme sind nur schwer zu beschreiben. Man muss sich auf ihre einzigartige Machart und Tonalität einlassen, sie behutsam erspüren und über sich ziehen lassen. Der schwedische Ausnahmeregisseur reiht diese philosophisch unterfütterten Fragmente der irdischen Existenz aneinander und überlässt es dem Zuschauer selbst assoziative Verbindungen und Bedeutungsebenen herzustellen. Sicher könnte man sich hier und da eine pointiertere oder klarere Herangehensweise wünschen, doch Andersson setzt auf Subtilität und bleibt bewusst vage und abstrakt, als Dinge klar auszusprechen. Das macht seine Filme ungemein faszinierend, außer Frage steht aber, dass sie natürlich nicht für Jedermann gemacht sind. Hier geht es um ein Bauchgefühl, das im Optimalfall noch lange nachhallt und dann ganz im Sinne eines Kunstwerks Bedeutung entstehen lässt. Andersson bildet nicht die Realität, sondern eine subtil verfremdete Imitation und damit ein Gefühl derer ab.

Eigentlich hat man (Jan Eje Ferling) doch alles erreicht und keinen Grund, sich zu ärgern. Aber der ehemalige Klassenkamerad hat sogar noch promoviert!
Eigentlich hat man (Jan Eje Ferling) doch alles erreicht und keinen Grund, sich zu ärgern. Aber der ehemalige Klassenkamerad hat sogar noch promoviert! © Neue Visionen Filmverleih
Ganz objektiv betrachtet, ist Anderssons Herangehensweise nichts geringeres als ein filmisches Wunder. Er überlässt nichts dem Zufall und lässt in akribischer Kleinstarbeit sämtliche Sets komplett in seinem Stockholmer Studio bauen. Das erweist sich als wahrlich verblüffend und verleiht auch diesem Film einen völlig einzigartigen visuellen Puppenhaus-Stil: Jedes noch so kleine Detail ist hier exakt an seinem vorgesehenen Platz, wobei letztlich dieser ganz subtile Grad der Unwirklichkeit und Künstlichkeit für den Unterschied sorgt. Anderssons fahl geschminkte Figuren wandeln hier nahezu zombieartig durch seine minutiös komponierten Filmgemälde, konfrontiert sie mit einer unwirtlichen, meist monochrom-verwaschenen und gesichtslosen Welt, in der die Sonne nie scheint. Am ehesten lässt sich Anderssons visueller Stil und seine Atmosphäre sicherlich mit den Gemälden eines Edward Hopper vergleichen, wobei auch Marc Chagalls „Über der Stadt“ direkt für eine der visuell bemerkenswertesten Szenen Pate stand, bei der ein eng umschlungenes Paar über einer zerbombten Stadt (Köln?) schwebt. Diese Kunstzitierfreudigkeit macht Anderssons Filme noch spannender, vielschichtiger und geistreicher, als sie ohnehin schon wären, wodurch er seinen Platz im Pantheon der einzigartigsten Filmemacher der Gegenwart zweifelsohne festigt – auch wenn es sich hierbei wirklich um seinen letzten Film handeln sollte.

Ein Schuh, der bricht. In Roy Anderssons Filmen tun sich immer wieder Risse in den kleinen Selbstverständlichkeiten des Alltags auf.
Ein Schuh, der bricht. In Roy Anderssons Filmen tun sich immer wieder Risse in den kleinen Selbstverständlichkeiten des Alltags auf. © Neue Visionen Filmverleih
Bild
Das digital auf Red aufgezeichnete Film erscheint auf DVD leider recht unscharf. Die monochrom-verwaschene und graubraune Farbästhetik wird jedoch adäquat transportiert und überzeugt. Ansonsten bewegen sich Kontraste und Schwarzwerte auf solidem Niveau.

Ton
Akustisch überrascht die angenehm räumliche und voluminöse Abmischung. Die Filmmusik ertönt durchaus dynamisch und präsent auch auf den hinteren Boxen. Ebenso zeigt sich hier über die gesamte Laufzeit eine detaillierte atmosphärische Sounduntermalung. Stimmen ertönen bemerkenswert präsent und klar definiert.

Extras
Neben einem Interview (12:36 Min.), durch das sich Roy Andersson auf sehr sympathische und nahbare Weise mit leicht gebrochenem Englisch quält, begeistert ein überaus erhellender und faszinierender Blick hinter die Kulissen (14:48 Min.). Hier kann man angesichts der sensationellen Detailliebe und Virtuosität beim Bau der Kulissen nur ins Staunen und Schwärmen kommen. Hinzu kommen der Trailer des Films und eine Trailershow.


Fazit:
„Über die Unendlichkeit“ ist ein weiterer spitzfindiger Kommentar Roy Anderssons zur Absurdität und Tragik der menschlichen Existenz. Der Schwede präsentiert erneut zahlreiche größtenteils nicht zusammenhängende Vignetten in gewohnt karger, entrückter und skurriler und visuell einzigartig surrealer Form, die faszinieren und nachhallen.


by Florian Hoffmann
Bilder © goodmovies / Neue Visionen




Über die Unendlichkeit - Trailer



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