Transit - Blu-ray

Blu-ray Start: 08.10.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 102 min

Transit Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Die deutschen Truppen stehen vor Paris. Georg, deutscher Flüchtling, entkommt im letzten Moment nach Marseille. Im Gepäck hat er die Hinterlassenschaft des Schriftstellers Weidel, der sich aus Angst vor seinen Verfolgern das Leben genommen hat: Ein Manuskript, Briefe, die Zusicherung eines Visums durch die mexikanische Botschaft.
In Marseille darf nur bleiben, wer beweisen kann, dass er gehen wird. Visa für die möglichen Aufnahmeländer werden gebraucht, Transitvisa, die raren Tickets für die Schiffspassage. Georg erinnert sich der Papiere Weidels und nimmt dessen Identität an. Er taucht ein in die ungefähre Existenz des Transits. Flüchtlingsgespräche in den Korridoren des kleinen Hotels, der Konsulate, in den Cafés und Bars am Hafen. Er freundet sich mit Driss an, dem Sohn seines auf der Flucht gestorbenen Genossen Heinz. Wozu weiterreisen? Lässt sich anderswo ein neues Leben beginnen?
Alles verändert sich, als Georg die geheimnisvolle Marie trifft und sich in sie verliebt. Ist es Hingabe oder Berechnung, die sie ihr Leben vor der Weiterreise mit dem Arzt Richard teilen lässt, während sie gleichzeitig auf der Suche nach ihrem Mann ist? Der, so erzählt man, sei in Marseille aufgetaucht, in Besitz eines mexikanischen Visums für sich und seine Frau.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Eurovideo
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch)
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.39:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Audiodeskription, Making-Of

DVD und Blu-ray | Transit

Blu-ray
Transit Transit
Blu-ray Start:
08.10.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 102 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Transit Transit
DVD Start:
08.10.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 98 min.

Blu-ray Kritik - Transit

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 7/10
Gesamt: | 7/10


Auch mit „Transit“ versucht sich Christian Petzold an einem spannenden und sehr originellen Konzept, das Vergangenheit und Gegenwart zu einem intellektuell anregenden und subtil bewegenden Film verschmilzt. Grundlage des Berlinale-Wettbewerbsbeitrags ist der gleichnamige Entwicklungsroman von Anna Seghers, der 1944 erstmals erschienen ist. Im Mittelpunkt steht der staatenlose Flüchtling Georg, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs kurz vor dem Einmarsch deutscher Truppen in Marseille verweilt und dort nach einem Missverständnis die Identität des verstorbenen Schriftstellers Weidel annimmt. Georg befindet sich in einem Transit-Zwischenzustand und versucht das Land per Schiff Richtung Lissabon zu verlassen. Schließlich trifft er jedoch auf Weidels Frau Marie, die auf der Suche nach ihrem Ehemann ist. Sie ist mittlerweile mit einem deutschen Arzt zusammen, mit dem sie ebenfalls aus Frankreich flüchten will. Ihr Ziel ist Mexiko, jedoch hat sie keine Papiere, die sie nur durch ihren Mann erhalten kann. Georg verliebt sich in Marie, jedoch findet er nie den Zeitpunkt ihr mitzuteilen, dass ihr Mann sich umgebracht hat.

Paula Beer in Transit
Paula Beer in Transit © Eurovideo
Der erzählerische Kniff an Petzolds Film (den er gemeinsam mit dem verstorbenen Filmemacher Harun Farocki konzipiert hat) ist, dass er die Handlung zumindest scheinbar in die Gegenwart verlagert. Dieses Konzept sorgt für einen spannenden Kontrast, denn das moderne Frankreich erklärt sich nur visuell, ohne dass der Film jedoch zeitlich verortet wird. Georg (Franz Rogowski) ist ein Flüchtling, welcher Konflikt ihn und so viele andere zu diesem Zustand gebracht hat, konkretisiert Petzold nicht. Die Kostüme sind betont klassisch und zeitlos gehalten, manche Details, wie etwa Ausweisdokumente, scheinen allerdings aus einer anderen Ära zu stammen. Die digitale Kultur ist hier auch weit und breit nicht zu finden, trotz moderner Autos und schwer bewaffneten Polizeieinheiten im Hintergrund. Der zeitliche Zustand ist also schwammig und damit so universell wie zeitgemäß in Anbetracht der heutigen Flüchtlingssituation.

Doch auch hier geht Petzold überaus subtil und ambivalent vor: Er ist sicher nicht bemüht, seinem Film eine bestimmt Botschaft aufzuzwingen, dafür ist er als Filmemacher viel zu bedacht und anspruchsvoll. Diese sachliche Herangehensweise ist jedoch fordernd und desorientierend, denn als Zuschauer muss man sich angesichts dieses undefinierten Konflikts erst mal zurechtfinden. So erscheint „Transit“ über weite Strecken mehr wie ein anspruchsvolles intellektuelles Konzept als ein wirklich packender Film. Petzold geht wie gewohnt enorm bedacht vor, hier hat jedes Detail eine minutiös ausgeklügelte Bedeutung, die sich beim ersten Ansehen jedoch kaum fassen lässt. Wie gewohnt erzählt er in überaus gemächlichem Tempo, verzichtet auf Filmmusik, sodass der Einsatz von „The Road to Nowhere“ von den Talking Heads beim Abspann wie eine Explosion wirkt, die auch in ihrer doch recht deutlichen Aussage in scharfem Kontrast zu dieser abstrakten und ambivalenten Parabel steht.

Paula Beer und Franz Rogowski in Transit (2018)
Paula Beer und Franz Rogowski in Transit (2018) © Eurovideo
Wer ist dieser Georg? Man erfährt nur, dass der sich anfangs in Paris aufhaltende Mann ein politischer Flüchtling ist. Später, als er sich dem jungen, aus dem Maghreb stammenden Driss (Lilien Batman) anvertraut, schnappt man auf, dass Georg eine Ausbildung als Radiotechniker abgebrochen hat. Driss ist der Sohn der gehörlosen, ebenfalls illegal Schutz suchenden Melissa (Mayram Zaree), auf die Georg in Marseille trifft. Bei Georgs Flucht aus dem bereits von Deutschen besetzten Paris gelangt er an Weidels Ausweispapiere und Manuskripte unveröffentlichter Werke. Auf der Fahrt im Güterwaggon stirbt Georgs Freund Heinz, der wiederum mit Melissa verheiratet war. In Marseille muss Georg schließlich die traurige Botschaft überbringen, wobei er sich mit Melissa und Driss anfreundet.

Bei der Übergabe von Weidels Papieren im mexikanischen Konsulat des fegefeuerartigen Marseille kommt es schließlich zu der Verwechslung, bei der eigentlich gutmeinende Georg nach kurzem Überlegen mitspielt: Georg kommt an Transitpapiere, die für Weidel und Marie gedacht waren, steht jedoch fortan im Zwiespalt, wie er vorgehen soll. Petzold schildert hier eine zart aufkeimende Liebesbeziehung, sehr ähnlich wie er es auch schon in den beiden Vorgängerfilmen „Barbara“ und „Phoenix“ getan hat. Mit der Hitchcock-artigen Noir-Variation „Phoenix“ hat Transit auch seine Frage nach Identitätskonzepten gemeinsam. Paula Beer („Frantz“, „Werk ohne Autor“, „Bad Banks“), die bei den Dreharbeiten gerade mal 22 Jahre alt war, fasziniert erneut mit mysteriöser Präsenz und erstaunlicher, weit über ihr Alter reichende Reife. Grundiert wird der Film jedoch durch den sehr guten Franz Rogowski, der in kurzer Zeit zu einem der gefragtesten deutschen Schauspieler aufgestiegen ist.

Paula Beer und Franz Rogowski in Transit (2018)
Paula Beer und Franz Rogowski in Transit (2018) © Eurovideo
„Transit“ ist zum einen eine Allegorie, die sich wiederholende Muster in der Weltgeschichte erkennt und anwendet. Die dabei entstehende Atmosphäre zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist spannend, denn so erhält dieser facettenreiche Film eine teilweise fast traumartig-surreale Wirkung. Irgendwie könnte man sie auch als gespenstisch bezeichnen, denn keine der beteiligten Figuren materialisiert sich so wirklich, jeder erscheint in einem wortwörtlich flüchtigen Zustand. Die Figuren verlieren in ihrem staatenlosen Transit-Zustand ihre Existenzberechtigung, jede Bedeutung geht verloren. Selbst die Liebesgeschichte zwischen Georg und Marie wird nur angedeutet, gerade weil auch etwas Unausgesprochenes zwischen ihnen liegt. So entwickelt sich hier auch ein Liebesdreieck, von dem nicht alle Beteiligten wissen, dass es überhaupt existiert.

Alles in allem erscheint „Transit“ dann als oft faszinierender und origineller Film, der spürbar voller Ideen steckt, diese aber mehr auf theoretische, als mitreißende Weise präsentiert. Man kann so wunderbar über die vielschichtige Thematik unter und auf der Oberfläche dieses Films sinnieren, eine leicht verdauliche Erfahrung ist er jedoch keineswegs. Wie von Petzold gewohnt, wirken seine Dialoge zudem meist wenig organisch, sondern geschrieben und didaktisch. Das passt dann auch zu dem etwas kalten Konzeptcharakter dieses Films, der aus diesen Gründen nicht an Petzolds beste Arbeiten heranreicht.

Franz Rogowski in Transit (2018)
Franz Rogowski in Transit (2018) © Eurovideo
Bild/Ton
Die Blu-ray von „Transit“ überzeugt mit starken Kontrasten, gesättigter Farbpalette und sehr guten Schwarzwerten. Schärfe- und Detaillevels sind durchweg auf hohem Niveau. Bildfehler finden sich keine.
Akustisch präsentiert sich die Blu-ray eher dezent, dafür ertönen Dialoge mit sehr guter Präsenz und Verständlichkeit. Atmosphärische Geräusche verteilen sich hier und da, der Subwoofer bleibt hier im Grunde ungenutzt.

Extras
Wie von DVDs und Blu-rays zu Christian Petzold-Filmen gewohnt, liegt auch hier ein sehr aufschlussreiches und interessantes Booklet vor. Dort findet sich ein Statement und einem Interview von Christian Petzold, das die komplexen Gedankengänge hinter den Ideen des Films aufschlüsselt. Ebenso gut ist auch das Making of, das sowohl weitere Gedanken zum Film, als auch spannende Blicke hinter die Kulissen des Films bereithält. Auch die Hauptdarsteller kommen hier zu Wort.
Making of (22:58 Min.)
Kinotrailer (01:46 Min.)
Trailershow
Booklet mit Statement und Interview von Christian Petzold


Fazit:
„Transit“ ist ein origineller und faszinierender Film mit spannendem und wagemutigem Konzept, das jedoch einiges vom Zuschauer abverlangt. Petzold inszeniert seinen Film überaus bedacht und mit langsamem Tempo, deutet mehr an, als konkret auszusprechen. Das ist leider oft frustrierend und letztlich als anspruchsvolles Konzept interessanter als tatsächlich packende Filmerfahrung.

by Florian Hoffmann
Bilder © Eurovideo