Tiger Girl - Blu-ray

Blu-ray Start: 05.10.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 91 min

Tiger Girl Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

TIGER (Ella Rumpf) schafft sich ihren Platz. Regel#2: Wenn dir jemand eine Grube gräbt, schubs ihn hinein. VANILLA (Maria Dragus) sucht einen Platz. In einer Uniform - Hauptsache, ein Auftrag. Doch sie fliegt durch die Polizeiprüfung und landet bei einem privaten Sicherheitsdienst. TIGER ist fasziniert von dem Mädchen, das so krampfhaft versucht, dazuzugehören. Sie bringt ihr das Beißen bei und VANILLA leckt Blut. TIGER muss eine neue Regel lernen: Wer Wind sät, wird Sturm ernten.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universal Pictures / Constantin Film
Tonformate:
DTS-HD High Resolution 5.1 (Deutsch)
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.39:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Making of – Stunts (ca. 5 Min.), Interviews (ca. 30 Min.), Trailer „Tiger Girl‟ (ca. 1,5 Min.)

DVD und Blu-ray | Tiger Girl

Blu-ray
Tiger Girl Tiger Girl
Blu-ray Start:
05.10.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 91 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Tiger Girl Tiger Girl
DVD Start:
05.10.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 87 min.

Blu-ray Kritik - Tiger Girl

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 8/10
Ton: | 9/10
Extras: | 5/10
Gesamt: | 7/10


Vor wenigen Jahren sorgte Jakob Lass mit seinem zweiten Film „Love Steaks“ noch für frischen Wind im deutschen Independentkino, nun versucht er mit „Tiger Girl“ in den Mainstream vorzupreschen. Der ambitionierte Versuch regelbrechendes Genrekino in die deutschen Multiplexe zu bekommen, wurde nur mit moderatem Einspielergebnis belohnt, was angesichts dieses dynamisch-explosiven Werks schade ist. „Tiger Girl“ ist nicht nur filmisch ein für deutsche Verhältnisse radikales und unbequemes Werk, er verzichtet auch auf die hierzulande gängigen Psychologisierungen. Lass lässt sein wildes Portrait zweier scheinbar grundverschiedener junger Frauen für sich sprechen, zeigt deutliche Charakterentwicklungen und verzichtet dabei auf vereinfachende Erklärversuche. Sein neondurchtränktes und mit wilden, pumpenden Beats versehendes Großstadtgemälde fasziniert zudem durch ungewöhnlich ungekünstelte Authentizität, die durch ungezwungen wirkende Stilisierung durchbrochen wird.

Tiger (Ella Rumpf)
Tiger (Ella Rumpf) © Constantin Film
Maggie (Maria-Victoria Dragus) kommt aus Bochum und will in Berlin Fuß in einer Sicherheitsdienstschule fassen, nachdem sie an der Polizeiaufnahmeprüfung gescheitert ist. Die junge Frau erscheint als etwas blasses Mauerblümchen, bis sie auf die freigeistige Tiger (Ella Rumpf) trifft. Diese lebt mit zwei jungen männlichen Außenseitern in einer Dachboden-WG und in einem zur Wohnung umgerüsteten ausrangierten Bus. Die selbstbewusste Tiger pfeift auf Konventionen und lebt bewusst am Rande der Gesellschaft, Autorität und Regeln berühren sie nicht. Was sie antreibt, ist ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, den sie dann auch gerne mal mit handfester Gewalt auslebt. So kreuzen sich dann auch ihre Wege mit denen von Maggie, die von einer Bande grapschender Machos in der U-Bahn angemacht wird. Nahezu im Alleingang macht sie die Männer mittels Kampfsport und Baseballschläger fertig, woraufhin sie sich mit Maggie anfreundet, die sie fortan Vanilla nennt.

Hier prallen zwei sich kontrastierende Welten aufeinander, die zunehmend miteinander verschmelzen. Gemeinsam gehen die beiden Frauen auf illegale Streifzüge in Security-Klamotten, womit Tiger Vanilla immer mehr mit ihrer anarchischen Natur beeinflusst. Während Vanilla zunächst in ihrer von harten Typen dominierten Security-Schule eher die stille Streberin ist, wird sie zunehmend aufmüpfig und legt sich mit ihrem Lehrer an. Das bereitet ihr immer mehr Probleme, jedoch entwickelt sie eine Gleichgültigkeit, die ihren Blick auf das Wesentliche betrübt. Ihr Verhalten wird zunehmend extremer, wodurch Tiger sich schließlich immer weiter von ihrer neu gewonnenen Freundin entfremdet und distanziert – sie muss feststellen, dass sie quasi ein Monster erschaffen hat.

Maggie (Maria-Victoria Dragus) und Tiger (Ella Rumpf)
Maggie (Maria-Victoria Dragus) und Tiger (Ella Rumpf) © Constantin Film
Tatsächlich ist „Tiger Girl“ dann am stärksten, wenn Lass seine Darsteller scheinbar frei agieren lässt. Besonders unterhaltsam und fast schon dokumentarisch wirken hier die Momentaufnahmen in der Sicherheitsdienstschule, die gänzlich ungestellt wirken. Ttsächlich arbeitet Lass erneut ohne festes Drehbuch und lässt die Darsteller auf Basis eines Grundgerüstes improvisieren. Dieses ungezwungene Spiel zeigt sich auch eindrucksvoll in den beiden herausragenden Hauptdarstellerinnen, die erfrischend echt und authentisch in ihren Parts wirken. Gerade die gebürtige Schweizerin Ella Rumpf als Tiger ist eine faszinierende, regelrecht magnetische Präsenz, von der man kaum die Augen nehmen kann. Sie ist der Inbegriff von Coolness, ohne je aufgesetzt zu wirken.

Die größere Entwicklung macht Vanilla durch, die eine 180-Gradwendung durchmacht und zu einer scheinbar unkontrollierbaren Persönlichkeit mit fast schon psychopathischen, eindeutig grenzüberschreitenden Tendenzen wird. Lass zeigt diese Wandlung glaubwürdig, schildert, wie ein unbeschriebenes Blatt ohne wirklich prägnante Einstellung wie Maggie mit entsprechend starkem Einfluss wie von Tiger erwacht und damit zu einer Gefahr wird – wer Parallelen zur gegenwärtigen Gesellschaft erkennen will, wird sicher fündig. Doch Lass erklärt diesen Wandel nicht, überlässt es dem Zuschauer, seine eigenen Botschaften und Aussageebenen in den Filmen hinein zu interpretieren. Auch der Umgang mit Gewalt erscheint potentiell kontrovers, da diese nicht wirklich verklärt wird – Tiger rechtfertigt sich mit einer Veranschaulichung ihres Ehrenkodex dafür, dass nur Menschen, die es auch verdient haben, ihre Gewalt zu spüren bekommen – anders als schließlich bei Vanilla. Das Ende des Films hinterlässt dann ein Fragezeichen, wirkt in dieser Form tatsächlich auch etwas unvollständig und nicht unbedingt zufriedenstellend.

Tiger (Ella Rumpf) sucht den Ärger
Tiger (Ella Rumpf) sucht den Ärger © Constantin Film
Unbedingt erwähnenswert ist die energische und selbstbewusste Inszenierung des Films, die quasi äquivalent zu der wilden Haltung der Figuren steht. „Tiger Girl“ wirkt oft wie ein Mittelfinger gegen das Establishment, der gängige Regeln und Konventionen – gerade in Bezug auf das oft biedere und brave deutsche Botschaftskino – aufzusprengen versucht. Das wirkt dankbarerweise erstaunlich ungezwungen, natürlich und frisch, Lass gelingt es auch seinen Film – ganz wie seine Figuren – stets energiereich und dynamisch zu halten. Die zahlreichen Jumpcuts à la Godards „Atemlos“ wirken jetzt vielleicht nicht allzu inspiriert, jedoch kann man da auch gerne mal drüber hinwegsehen.

Manche Zuschauer mögen in „Tiger Girl“ eine Art Meditation auf ziellose und unmotivierte Aggression und Gewalt sehen, die der jungen deutschen Gesellschaft damit den Spiegel vorhält. Andere mögen in Lass Film auch gar keine große Bedeutung finden, was dann aber auch sicherlich als Stärke zu verstehen ist. „Tiger Girl“ will nicht belehren und ermahnen, er „ist“ einfach wie auch seine hintergrundlosen Figuren und geht offen Gefahr zu polarisieren. Das gibt es im deutschen Kino leider viel zu selten.

Tiger (Ella Rumpf) beim Einkaufen
Tiger (Ella Rumpf) beim Einkaufen © Constantin Film
Bild
Insgesamt präsentiert sich „Tiger Girl“ auf Blu-ray in zeitgemäßem, polierten Digitallook, der vor allem durch weitestgehend hohe Schärfe- und Detailwerte erfreut. Besonders auffällig an dem Film ist seine Farbgestaltung, die mal natürlich daherkommt, aber auch oft mit bunten Farben, etwa in Neontönen hantiert. Manchmal sind die Kontraste und Schwarzwerte jedoch blasser gehalten, wodurch der Look wieder etwas natürlicher und nicht allzu stilisiert daherkommt. Eventuelle Bildfehler wie digitales Rauschen oder leichte Nachzieheffekte sind selten, aber entsprechen wohl dem gewünschten visuellen Stil des Films.

Ton
Die akustische Gestaltung von „Tiger Girl“ ist betont dynamisch und knallig – ganz wie der Film selbst. Hier wird vor allem ein beträchtlicher Dynamikumfang deutlich, der vor allem bei den Musiksequenzen wirkungsvoll zum Vorschein kommt. Hier geht es auch sehr druckvoll zu, auch an Raumklang wird nicht gespart. Abgesehen von diesen Momenten ist der Film primär dialogbasiert, was sich in klarer und verständlicher Stimmwiedergabe wiederspiegelt.

Extras
Das Bonusmaterial der Blu-ray erweist sich als überschaubar, aber informativ. Im Mittelpunkt stehen neben einer kurzen Featurette einzeln anwählbare Interviews mit den Darstellern, den Produzenten und dem Regisseur Jakob Lass. Dazu gesellen sich noch die obligatorischen Trailer.
Making of – Stunts (04:47 Min.)
Interviews
Trailer
Unsere BD-/DVD-Empfehlung
Trailershow


Fazit:
„Tiger Girl“ ist ein spannender und erfrischender Gegenentwurf zu der braven und biederen deutschen Standard-Kinokost, die man im Mainstream geboten bekommt. Auch wenn der Film nicht ohne Schwächen ist, gelingt Regisseur Jakob Lass ein selbstbewusst inszenierter und energiereicher Film, der auf gängige Psychologisierungen und Erklärungen verzichtet und gerade damit spannend wird.

by Florian Hoffmann
Bilder © Universal Pictures / Constantin Film