The Program - Um jeden Preis - Blu-ray

Blu-ray Start: 18.02.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 103 min

The Program - Um jeden Preis Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Sie lügen alle – dessen ist sich David Walsh sicher. 1999 begleitet er für die Sunday Times die Tour de France. Ein einfacher Journalist, der nur seinen Job machen will. Doch von Anfang an ist er davon überzeugt, dass das, was er sieht, nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Radrennprofi Lance Armstrong, der gerade den Krebs erfolgreich besiegt hat, gewinnt eine Etappe nach der anderen und wird zur Ikone für Millionen. Ein ebenso charismatischer wie skrupelloser Sportler, der bereit ist, alles für den Sieg zu tun. Doch was mit einem einfachen Verdacht beginnt, wird bald zu einem mehr als bedrohlichen Unterfangen für Walsh. Denn wie stellt man sich als Einzelner einem übermächtigen Programm? Hinter einer Mauer aus Schweigen schafft er es, ein gigantisches Netzwerk aus Betrug und Vertuschung aufzudecken: Er bringt nicht nur die Wahrheit über einen der größten Sporthelden unserer Zeit ans Licht, sondern entlarvt ein perfides System, das so lange Sieger erschaffen hat , bis es von der Realität eingeholt wurde...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Englisch, Französisch)
Untertitel:
Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.40:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Making of, Interviews, Featurettes, Behind the Scenes, Trailer, Wendecover

DVD und Blu-ray | The Program - Um jeden Preis

Blu-ray
The Program - Um jeden Preis The Program - Um jeden Preis
Blu-ray Start:
18.02.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 103 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
The Program - Um jeden Preis The Program - Um jeden Preis
DVD Start:
18.02.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 99 min.

Blu-ray Kritik - The Program - Um jeden Preis

Blu-ray Wertung:
Film: | 6/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 7/10


Lance Armstrong ist wohl ohne Zweifel eine der faszinierendsten Figuren im Weltsport der letzten zwanzig Jahre. Er hat einen eher obskuren Eurosport nahezu im Alleingang zu weltweiter Popularität verholfen und war lange Zeit der Inbegriff eines Musterathleten mit dem unbändigen Willen zum Erfolg. Armstrongs immenser Fokus darauf, die Weltspitze des Radsports quasi alleine auszufüllen, hat ihm zu sieben Tour de France Siegen verholfen, aber auch viele Zweifler und Neider hervorgerufen. Was seine Geschichte umso faszinierender macht, ist die Tatsache, dass er vor seinen großen Erfolgen erst den Krebs besiegt hat, um dann in der Folge einen Sport so machtvoll zu dominieren wie kaum ein anderer zuvor. The Program - Um jeden Preis SzenenbildSeine Erfahrungen haben ihn jedoch auch dazu gebracht, sich mit seiner Lance Armstrong Foundation massiv für die Krebsforschung einzusetzen, die letztlich mehrere Hundert Millionen Dollar Spendengelder hervorgebracht haben. Doch all seine Erfolge und sein Ruhm mussten natürlich eine Schattenseite haben, denn 2012 gab er schließlich zu, was er jahrelang abgestritten hat: Er hat gedopt. Immer und immer wieder, in massivem, systematischen Umfang.

Regie-Tausendsassa Stephen Frears („Gefährliche Liebschaften“, „High Fidelity“, „Die Queen“, „Philomena“) hat sich nun an die lange geplante Verfilmung seines Lebens gewagt, jedoch nur mit eher gemischten Ergebnissen. Vor wenigen Jahren hatte sich bereits Dokumentarfilmer Alex Gibney mit seinem packenden „The Armstrong Lie“ an den Stoff gewagt (mit der ursprünglichen Intention, Armstrongs Comeback zu feiern), „The Program“ gelingt es nun leider nicht wirklich, neue Erkenntnisse hervorzubringen. Hier ist leider eher standardmäßige, konventionelle und leidenschaftslose Biopic-Ware zu sehen, die dem großen Potential der Geschichte nur bedingt gerecht wird. Frears und sein Drehbuchautor John Hodge („Trainspotting“) hetzen hier in recht knappen 103 Minuten durch fast zwei Jahrzehnte, wodurch der Film letztlich mehr wie eine Zusammenfassung der Highlights in Armstrongs Werdegang wirkt, dem es an erzählerischem Fokus und dramatischen Zusammenhalt mangelt. Was den Film primär fast konstant involvierend hält, ist jedoch Ben Fosters fast schon unheimliches Portrait von Armstrong, dem er frappierend ähnlich sieht.

Zunächst scheint es jedoch, als würde man den Film aus dem Blickwinkel des britischen Journalisten David Walsh (Chris O’Dowd) erleben, der die Filmemacher unterstützt hat und auf dessen Buch der Film auch basiert. Walsh ist primär Radsportfan, er verfolgt Armstrongs Werdegang von Beginn an und prophezeit seinen ungläubigen Kollegen, dass er schon bald Tagesrennen gewinnen wird. Nach Armstrongs ersten Erfolgen folgt jedoch die möglicherweise tödliche Diagnose metastatischer Hodenkrebs. Der Film verlagert nun seinen Fokus ganz auf Armstrongs Leidensweg, dem er mit enormem Willen und Kraft gegenüber steht. Er besiegt den Krebs und tritt direkt zurück in den Radsportzirkus, er will der Beste sein, er hat das Verlangen zu siegen. Frears und Hodge betonen das immer wieder mit allergrößter Deutlichkeit, für die erste Hälfte definiert sich die Figur Lance Armstrong für den Zuschauer nahezu alleine durch seine starrsinnige Determination.

Um sein Ziel zu erreichen, bandelt Armstrong mit dem italienischen Wunderdoktor und Radcoach Michele Ferrari (Guillaume Canet) an, der an den Effekten des Dopingmittel EPO auf menschliche Performance forscht. Ferrari wird hier fast schon wie eine Karikatur dargestellt, Canet spielt in überlebensgroßen Tönen mit fast schon lachhaft affektiertem Akzent und übertriebener Körpersprache. Seine exzentrische und irritierende Erscheinung wird noch zusätzlich mit einer wenig subtilen Maske unterstrichen. Ferrari wirkt hier regelrecht wie ein wahnsinniger Wissenschaftler, der versehentlich aus einem Horrorfilm in den Film reingestolpert ist, ein Victor Frankenstein des Radsports, der seine ultimative Schöpfung kreieren will. The Program - Um jeden Preis SzenenbildDer Film zeigt nun eine Chronik der Ereignisse, er zeigt wie Armstrong dank Doping und grenzenlosem Willen den Radsport über Jahre dominiert und zum leuchtenden Aushängeschild des Sports und zur weltweiten Ikone wird. „The Program“ stellt dar, wie er das System Armstrong erschafft, ein Team um sich herum schart, das gemeinsam einzig und allein auf den Erfolg Armstrongs fokussiert ist. Dazu gehört dann auch kollektives Doping mit EPO, Testosteron, Steroiden usw. Kurz schneidet der Film auch Armstrongs Schaffen hinter seiner Initiative an, es wird die humane Seite eines Mannes angedeutet, der über weite Strecken des Films eher einseitig portraitiert wird und ein Mysterium bleibt.

Dass Armstrong ein wahnhaft Getriebener ist, wird jedenfalls unmissverständlich klar. Er wird kaum als Mensch dargestellt, mehr als Maschine, als Roboter, der menschliches Verhalten gelegentlich imitiert, etwa in einer denkwürdigen Szene vorm Spiegel, bei der Armstrong sein Auftreten vor der Presse einstudiert. Warum Armstrong so getrieben ist, erforscht der Film nicht. Willkommene zwischenmenschliche Momente gibt es nur vereinzelt, etwa wenn Armstrong einen jungen Krebspatienten besucht und für einen kurzen Augenblick echte Empathie in seinen Augen aufflackert. Auch interessant ist ein Moment bei einer Autogrammstunde seiner Autobiografie. Dort sitzt er und schreibt mechanisch Autogramme, bis ein weiblicher Fan ihm die große persönliche Bedeutung seines Buches vor Augen führt und er angesichts seiner inspirierenden Geschichte innehalten muss.

Doch der Film hält sich letztlich nirgendwo lange auf. Ganz extrem fällt Frears Checklisten-artige Erzählung auf, als Armstrong seine Ehefrau kennenlernt. Im nächsten Moment zeigt er die Heirat, danach ist sie auch schon wieder von der Bildfläche verschwunden. Der erzählerische Fokus von „The Program“ springt immer wieder umher, mal erzählt er, wie in Großteilen der ersten Hälfte, aus Armstrongs Perspektive, dann wieder verstärkt aus der von Walsh. Hier packt der Film am meisten, denn hier scheint wohl auch Frears Interesse zu liegen, nämlich an der investigativen Kampagne von Walsh, der schon früh nicht an Armstrongs regelkonformen Erfolg glaubt: „Er hat sich vom Krebs erholt und ist zum verdammten Superman geworden!“ Seine Anschuldigungen, dass Armstrong sicher gedopt hat, stoßen bei seinen Kollegen und Vorgesetzten auf taube Ohren, auch als er verschiedene Zeugen miteinbringt. Für kurze Zeit wird Walsh dann zur journalistischen Persona non grata deklariert, Armstrong zieht die Menge mit seinem laserartigen Blick auf seine Seite und nimmt Walsh seine journalistische Glaubwürdigkeit. Dann nimmt „The Program“ ab der zweiten Hälfte auch verstärkt die Perspektive von Armstrongs ehemaligem Teamkollegen Floyd Landis (Jesse Plemons) ein, ein ehrlicher Amish-Junge, der eher unfreiwillig zum Doping und in eine Marionettenrolle gezwungen wird. Seine Gewissensbisse werden von Plemons in einer menschlichen Darstellung gut verdeutlicht, besonders in der Phase nachdem er unter Armstrong stand und nun mit sich und seiner gelebten Lüge ringt.

Im letzten Drittel verliert der Film Walsh leider bis kurz vor Schluss ganz aus den Augen. The Program - Um jeden Preis SzenenbildDas ist schade, denn man hat das Gefühl, dass er ursprünglich mal aus Hauptfigur konzipiert war. Die Tatsache, dass es dem Film dann an einem echten Protagonisten mangelt, schwächt ihn ungemein. Ben Foster ist zugegebenermaßen eine magnetische Präsenz, dem es dank alles einvernehmendem Method Acting und gut gelungener Makeup-Arbeit auf fast schon gespenstische Art gelingt, seine reale Vorlage akkurat zu kanalisieren. Er wird zu Armstrong, hin und wieder glaubt man tatsächlich die echte Figur zu sehen. Ihm gehört der Film, doch auch er schafft es nicht, die Figur so zu ergründen, dass man ihn als Zuschauer besser versteht, jedoch ist er letztlich eben Opfer der Macher des Films, die Armstrong primär als Kriminellen sehen und nicht viel Interesse an seinen positiven Eigenschaften und seiner unbestreitbaren Komplexität haben. Chris O’Dowd weiß in seiner Rolle sehr zu gefallen, man bedauert regelrecht, dass der Film nicht mehr Zeit in seine überzeugend gezeichnete Figur investiert.

Man könnte sich keinen besseren und faszinierenderen Hintergrund für ein Sportdrama vorstellen, umso enttäuschender ist, dass das große Potential so sehr verschenkt wurde. Es baut sich insgesamt nur wenig echte Spannung auf, durch die Unterentwicklung der Figuren und den mangelnden erzählerischen Fokus involviert der Film in emotionaler Hinsicht kaum und lässt letztlich überraschend kalt. Noch mehr Fokus auf den Radsport selbst und das Schaffen eines Gefühls auf dem Rad zu sitzen wäre trotz ein paar gelungener und sehr authentisch wirkender Rennszenen ebenfalls wünschenswert gewesen. Auch ansonsten ist der Film durchaus kompetent, ansprechend und hochwertig in Szene gesetzt, leider wirkt dann die Erzählung so gar nicht nach Kino und scheint so eher ins Fernsehen zu gehören. Vielleicht wäre hier eine Umsetzung als Mini-Serie am Ende der richtige Weg gewesen.

Bild
Die technische Umsetzung der Blu-ray weiß absolut zu gefallen. Es präsentiert sich ein lebendiges und knackiges Bild mit meist intensiven und kräftigen Farben, die nie ins Unnatürliche tendieren. Das angenehm helle und strahlende, digital auf Red Epic aufgezeichnete Bild überzeugt zudem durch starke Schärfe- und Detailwerte, die besonders bei Gesichtsnahaufnahmen begeistern. Kontraste und Schwarzwerte zeigen sich ebenfalls auf hervorragendem Niveau, auch in dunklen Szenen bleiben Details sehr gut definiert. Lobenderweise muss man auch erwähnen, dass der Film seine digitale Herkunft zwar nicht verschleiert, aber dennoch nie flach wirkt.

Ton
Auch akustisch überzeugt die Disc. Besonders bei den Radrennszenen präsentiert sich ein dynamisches und raumfüllendes Klangbild, das für die nötige Immersion sorgt. Klangdetails sind gut definiert, auch die Musik kommt entsprechend räumlich zur Geltung. The Program - Um jeden Preis SzenenbildDie Stimmwiedergabe ist auch tadellos und zeigt sich in bester Klarheit. Der Subwoofer wird effektiv aber eher selten und nur dezent angesteuert.

Extras
Die Blu-ray bietet insgesamt knapp eine Stunde Bonusmaterial, das durchaus kurzweilig und interessant ist. Die Featurettes sind im Grunde klassisches EPK-Material, das kurz und knapp Hintergründe zum Film schildert. Besonders der Beitrag, in dem der echte David Walsh zu Wort kommt, erweist sich als aufschlussreich. Gut sind auch die einzelnen Interviews, die nicht nur der reinen Selbstbeweihräucherung dienen. Besonders entlarvend ist hier das kurze Interview mit Stephen Frears. Hier kommt dessen Gleichgültigkeit bezüglich der Thematik vor der Produktion des Films interessant zum Vorschein. Seine Haltung und sein Desinteresse gegenüber dem Radsport sind programmatisch für das Endresultat. Frei gibt er zu, nichts über Radsport oder Lance Armstrong vor dem Dreh gewusst zu haben.
Der Journalist David Walsh (08:50 Min.)
Die Verwandlung (04:21 Min.)
Behind the Scenes (03:18 Min.)
Making of (03:58 Min., dt.)
Interviews
- Ben Foster (06:56 Min.)
- Chris O’Dowd (05:46 Min.)
- Stephen Frears (02:33 Min.)
- Jesse Plemons (03:24 Min.)
- David Millar (05:08 Min.)
- David Walsh (04:37 Min.)
- Guillaume Canet (05:11 Min.)
Trailer (01:29 Min., dt. Version)
Weitere Highlights (Marley, The Wrestler, Am Limit)


Fazit:
„The Program“ ist leider eine eher enttäuschende Chronik der Ereignisse hinter einem der größten Sportskandale der Geschichte. Trotz einer grandiosen, fast unheimlichen Darstellung von Ben Foster bleibt die Figur Lance Armstrong ein Mysterium und wird nur unzureichend erforscht. Auch ein klarer erzählerischer Fokus wäre wünschenswert gewesen. Dennoch ein durchaus knackig inszenierter Film, der die Aufmerksamkeit hält, aber nicht mit echten Erkenntnissen belohnt.

by Florian Hoffmann
Bilder © Studiocanal Home Entertainment