The Brave - Blu-ray

Blu-ray Start: 05.08.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 124 min

The Brave Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Der Indianer Raphael lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern am Rande der Gesellschaft auf einer Müllhalde. Eines Tages macht ihm der mysteriöse Mr. McCarthy ein schockierendes Angebot: Für 50.000 Dollar soll sich Raphael vor laufender Kamera foltern und hinrichten lassen. Um seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen, willigt er schweren Herzens ein. Es bleibt ihm nur eine Woche Zeit, um sich von seinen Lieben zu verabschieden ...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Capelight Pictures
Tonformate:
Deutsch (PCM 2.0)
Englisch (PCM 2.0)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
- Featurette
- Interviews mit dem Cast
- Am Set von THE BRAVE

DVD und Blu-ray | The Brave

Blu-ray
The Brave The Brave
Blu-ray Start:
05.08.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 124 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
The Brave The Brave
DVD Start:
05.08.2016
FSK: 11 - Laufzeit: 118 min.

Blu-ray Kritik - The Brave

Blu-ray Wertung:
Film: | 6/10
Bild: | 8/10
Ton: | 7/10
Extras: | 4/10
Gesamt: | 6/10


Das Regiedebüt von Johnny Depp hatte von Beginn an einen schweren Stand: Nachdem „The Brave“ bei seiner Premiere in Cannes 1997 von der amerikanischen Kritik verrissen wurde, entschied sich Depp angeblich trotzig dafür, den Film in den USA erst gar nicht zu veröffentlichen. Ob das wirklich seine eigene Entscheidung war, sei dahingestellt, denn er beteiligte sich selbst an einem beträchtlichen Teil des Budgets und musste wohl ein großes Verlustgeschäft in Kauf nehmen. The Brave SzenenbildEine Kinoverwertung erfuhr das sperrige Drama nur in wenigen Ländern, bis heute blieb es sogar ohne Veröffentlichung jedweder Art in Amerika. Anders in Deutschland, wo der Film zwar nicht ins Kino kam, dafür aber einmal auf VHS und zweimal auf DVD erschien. Nun ist es Capelight zu verdanken, dass sie Depps ambitioniertes, aber zweifelsohne schwieriges Werk zum ersten Mal in HD auf Blu-ray auf den Markt bringen. Neu produzierte Extras bleiben zwar aus, dafür können mutige Cineasten den berüchtigten Film nun in technisch ansprechender Umsetzung entweder neu entdecken oder wiedersehen.

Depp spielt den Indianer Raphael, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern irgendwo in der amerikanischen Einöde in einem winzigen Wohnwagen ohne fließendes Wasser auf einer Mülldeponie lebt. Raphael ist ein Versager wie er im Buche steht, er saß mehrfach wegen diversen Vergehen ein, hat seine Familie immer wieder im Stich gelassen und ist nun arbeitslos ohne jede Hoffnung auf Besserung. Nach einem demütigenden Bewerbungsgespräch für einen unbekannten Job in der angrenzenden Stadt wird er von dem schmierigen Larry (Marshall Bell) in den Keller des Gebäudes geführt, wo er auf den im Rollstuhl sitzenden alten McCarthy (Marlon Brando) trifft. Nach einem bizarren pseudo-philosophischen Monolog über den Tod bietet der alte Mann Raphael mit der Zahlung von 50.000 $ einen Ausweg aus seiner Misere an. Bedingung dafür: Raphael muss sich foltern und töten lassen, aus welchem Grund bleibt ungewiss. Angesichts einer besseren Option und dem verzweifelten Willen, seiner Familie endlich zu helfen, willigt er ein – In einer Woche soll er wieder in dem Keller erscheinen.

The Brave Szenenbild Raphael hat als mitteloser Ehemann und Vater gnadenlos versagt und ist zu Beginn des Films eigentlich schon gar nicht mehr lebendig. Erst als er weiß, dass er in einer Woche sterben wird, beginnt er aufzuwachen. Er opfert sich für seine Familie, der er vorgaukelt einen Job gefunden zu haben. Mit dem von McCarthy erhaltenen Vorschuss baut er (scheinbar mühelos) eine Art kleinen Vergnügungspark neben dem Wohnwagen und versucht seinen Kindern die Freude zu bescheren, die sie bislang nicht hatten und wieder eine Verbindung zu seiner Frau Rita (Elpidia Carrillo) aufzubauen. Die kleine Gemeinschaft, die sich an der Müllhalde gebildet hat, hält sich lediglich mit dem Verkaufen von Schrott über Wasser und soll bald ganz verschwunden sein, wenn es nach Investoren geht, die sich für das Grundstück interessieren. Die 50.000 $ Opfergeld sollen seiner Familie den Ausbruch aus diesem Elend rechtzeitig ermöglichen.

„The Brave“ ist ein unglaublich schwermütiger, ruhiger und langsam erzählter Film, der ein großes Maß an Geduld vom Zuschauer voraussetzt. Die Atmosphäre ist trostlos und unbarmherzig, der knapp über zwei Stunden lange Film ist recht ereignislos, baut aber im besten Fall einen meditativ-hypnotischen Sog auf. Bemerkenswert ist die etwa vierminütige Plansequenz, mit der Depp und Kameramann Vilko Filac (Emir Kusturicas mittlerweile verstorbener Stammkameramann) den Film eröffnen: Zunächst ruht das Bild auf der brütenden Wüstensonne, schwenkt schließlich langsam die unwirtliche und raue Wüstenlandschaft ab, bis schließlich als interessanter Kontrast zur Natur eine riesige Müllkippe erscheint, auf der ein paar Menschen nach verwertbarem Schrott suchen. Zum Ende fährt die Kamera schließlich die ganze Deponie ab, bis sie Raphaels Wohnwagen offenbart. Untermalt wird diese sehr effektive und hypnotische Kamerafahrt durch Iggy Pops düster-atmosphärisch-unheilvolle Filmmusik, die er speziell für „The Brave“ komponierte (er hat auch einen skurrilen Cameo-Auftritt in der zweiten Hälfte des Films).

The Brave Szenenbild Dieser Beginn macht unzweifelhaft auf Depps große Ambition aufmerksam, die hinter dem Film steckt, der eine sehr persönliche Sache für ihn dargestellt hat. Der erste Akt baut dann auch eine gewisse Faszination auf, denn „The Brave“ ist offensichtlich ein sehr eigenwilliger und unkonventioneller Film, bei dem man nie wissen kann, in welche Richtung er sich bewegen wird. Filac (mit dem Depp 1992 bereits bei „Arizona Dream“ zusammengearbeitet hat) kreiert atmosphärisch überaus dichte Bilder, bei der man die flirrende Hitze spüren und die staubtrockene Luft fast riechen kann. Szenenbildner Miljen Kljakovic (ebenfalls ein alter „Arizona Dream“-Bekannter) entwarf hier passenderweise konsequent trostlose Sets, die entscheidend für die bedrückende Stimmung des Films sind. Da wäre die Mülldeponie mit ihrer integrierten Lebensgemeinschaft von verlorenen Seelen, aber auch die wie ausgestorben wirkende Stadt. In Sachen filmischer Umsetzung überzeugt „The Brave“ also, auch dank Iggy Pops meist sehr gelungenem Soundtrack.

Weniger begeistert da dann der Rest, gerade nach dem Treffen mit dem mysteriösen Todesengel McCarthy. Brando zeigt hier eine seiner vielen befremdlichen und zweifelsohne faszinierenden Auftritte seines Spätwerks, bei dem er sich durch einen wohl improvisierten existenzialistischen Monolog über die Natur des Sterbens schwafelt und wieder verschwindet. Depp bevölkert den Film insgesamt mit exzentrischen David Lynch-artigen Nebenfiguren, die mehr irritieren, als einen echten Mehrwert oder erzählerischen Fokus beizusteuern. Überhaupt ist die Charakterzeichnung problematisch, denn neben gelegentlich stereotyper Darstellung macht es der Film einem nicht einfach, emotionalen Zugang zu einer der Figuren zu finden. Auch nicht zu Raphael, den Depp nicht mit großer ersichtlicher Tiefe ausstattet. Dennoch gehören die interessantesten Momente wohl Charakterdarsteller Marshall Bell, der McCarthys psychopathischen Handlanger spielt. Seine völlig behämmerten Gespräche mit Depp trägt er mit beängstigender (oder auch leicht belustigender) Präsenz, seine Drohung, dass er Raphaels Familie bei Nichtbefolgung des Pakts finden, töten, f….n und dann essen wird, ist auf jeden Fall erinnerungswürdig. The Brave SzenenbildSo bricht er die schwerfällige Inszenierung immer wieder mit bizarrem schwarzen Humor und merkwürdigen Momenten auf, die an Lynch erinnern, manchmal scheint Depp aber auch von der lakonischen und trockenen Stimmung von Jim Jarmusch inspiriert zu sein, mit dem er zwei Jahre zuvor den beeindruckenden Neo-Western „Dead Man“ gemacht hat. Ein bisschen Kusturica steckt wohl auch in der unausgeglichenen DNA des Films, siehe Kameramann und Production Designer, deren surrealer Touch gerade bei dem Vergnügungspark-Set erkenntlich wird. An seine Vorbilder kommt „The Brave“ aber nur in vereinzelten Momenten heran.

Als kohärenter und in sich geschlossener Film kann Depps erste und einzige Regiearbeit nur bedingt überzeugen. Gerade in seinem Mittelteil ist der Film sehr schleppend und strengt auf Dauer an. Man merkt Depps großen Willen an, sich hier zu beweisen, was dem Film aber nicht besonders zu Gute kommt. Nie baut der Film eine glaubwürdige Dramaturgie auf, nie wird Raphaels innerer Konflikt dramatisch spürbar oder psychologisch interessant aufgearbeitet. Depp scheint im Herzen des Films an tiefgründigen philosophischen Themen und der völligen Aufopferung eines Mannes für seine Familie ernsthaft interessiert zu sein, am Ende ist „The Brave“ aber nur eine bedrückende, atmosphärisch dichte Ansammlung schräger und gelegentlich surrealer Momente, die wenig berühren. Der Film hat viele Ideen, ist aber letztlich zu exzentrisch und dramaturgisch flach, dass er wirklich ans Herz gehen könnte. Ein interessantes und oft bemerkenswertes Werk eines querdenkenden Außenseiters ist „The Brave“ aber dennoch.

The Brave Szenenbild Bild
Angesichts seines Alters von fast Zwanzig Jahren sieht der HD-Transfer von „The Brave“ durchaus sehr gut aus. Filmkorn ist stets mehr oder weniger präsent, was jedoch Teil der Ästhetik des Films ist, die insgesamt etwas rauer, düsterer und betont naturbehafteter daherkommt. Schärfe, Details und Klarheit des Bildes sind insgesamt auf einem guten Niveau, echte Bildfehler oder Altersmerkmale findet man im Grunde nicht vor. Farben kommen natürlich daher, Kontraste und Schwarzwerte machen einen guten Eindruck. HD-Puristen werden hier wohl keine große Freude haben, die gewünschte Ästhetik und Wirkung des Films kommen in diesem sauberen Transfer aber sehr gut zur Geltung.

Ton
Auch bezüglich akustischer Umsetzung kann man nur wenig bemängeln. Leider liegt der deutsche und englische Ton nur in 2.0 PCM vor, weiß aber dennoch jeweils zu überzeugen. Stimmen ertönen entsprechend dominant, Iggy Pops Musik kommt aber auch überraschend kraftvoll zur Geltung – auch mit gelegentlich wirkungsvoller Unterstützung in Form von Tiefen. Abzüge in der B-Note gibt es für die deutsche Version, da Depp nicht von seinem gewohnten Synchronsprecher David Nathan, sondern zum ersten und einzigen Mal von Marek Ehrhardt (Enkel von Heinz) gesprochen wird.

Extras
Das Zusatzmaterial der Blu-ray fällt sehr übersichtlich aus. Am interessantesten ist hier die Featurette, die aus Interview-Material und Hinter-den-Kulissen-Aufnahmen bestehen. The Brave SzenenbildDen Großteil der zusätzlich anwählbaren Einzelinterviews findet man bereits in besagter Featurette, von daher besteht hier wenig Mehrwert. Viele interessante und erhellende Einsichten darf man hier nicht erwarten.
Featurette (06:49 Min.)
Interviews
- Johnny Depp (05:21 Min.)
- Elpidia Carrillo (02:53 Min.)
- Marshall Bell (00:40 Min.)

- Clarence Williams III (01:39 Mi
n.) - Luis Guzmán (00:19 Min.) Am Set von „The Brave“ (09:34 Min.)
Trailer (00:34 Min.)
Filmtipps („Der blutige Pfad Gottes“, „Die Passion Christi“, „Enemy“, „Hardcore“)


Fazit:
Johnny Depps atmosphärisches und ambitioniertes Regiedebüt ist ein skurriles, sperriges und anstrengendes Werk, das oft fasziniert, aber am Ende kein befriedigendes Ganzes bildet. Starke Bilder, exzentrische Figuren, philosophisch tiefgründige Ideen und surreale Momente gehören zu den Stärken von „The Brave“, der für Cineasten ein Blick wert ist.

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by Florian Hoffmann
Bilder © Alive / Capelight Pictures