The Square - Blu-ray

Blu-ray Start: 23.03.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 145 min

The Square Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Christian (Claes Bang) ist der smarte Kurator eines der größten Museen in Stockholm. Die nächste spektakuläre Ausstellung, die er vorbereitet, ist „The Square“. Es handelt sich um einen Platz, der als moralische Schutzzone fungieren und das schwindende Vertrauen in die Gemeinschaft hinterfragen soll. Doch wie bei den meisten modernen Menschen ist es auch bei Christian nicht weit hin mit diesem Vertrauen - auch er verriegelt die Tür seines stylischen Apartments und würde seinen Tesla nicht unbeaufsichtigt in einer zwielichtigen Gegend parken. Als Christian ausgeraubt wird und ihm kurz darauf die provokante Mediakampagne zu „The Square“ um die Ohren fliegt, geraten seine Selbst- und Gesellschaftsbilder schwer ins Wanken.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Alamode
Tonformate:
DTS-HD 5.1 (Deutsch, Schwedisch/Englisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.35:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
- Trailer

DVD und Blu-ray | The Square

Blu-ray
The Square The Square
Blu-ray Start:
23.03.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 145 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
The Square The Square
DVD Start:
23.03.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 141 min.

Blu-ray Kritik - The Square

Blu-ray Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 0/10
Ton: | 0/10
Extras: | 0/10
Gesamt: | 9/10


Ende März erscheint der letztjährige Sieger der Goldenen Palme The Square in Deutschland als Blu-ray. Weder bei den Oscars noch bei den Golden Globes konnte er die Auszeichnung als besten fremdsprachigen Film gewinnen. Nichtsdestotrotz bleibt er ein sehenswerter Film. Es ist ein Film in erster Linie für die Cineasten und nicht für das Mainstream-Publikum, dennoch kann auch der Ottonormal-Kinogänger mit The Square seinen Spaß haben, da er zu keinem Zeitpunkt zu prätentiös wirkt, sondern seine Messages ungefiltert und humorvoll präsentiert.

Szene aus The Square
Szene aus The Square © Alamode Film
Christian (Claes Bang) ist zweifacher Familienvater, lebt grundsätzlich geschieden und alleine, muss sich aber im Laufe des Films auch um seine beiden Töchter kümmern, die ihn in regelmäßigen Abständen besuchen. Er ist Kurator eines Museums für zeitgenössische Kunst und bereitet eine weitere ungewöhnliche Kunstinstallation vor. Sie trägt den Namen The Square und ist schlichtweg ein 4m*4m großes Quadrat, das von ihm als ein Zufluchtsort bezeichnet wird. Hier soll jeder Hilfe bekommen, humanitär und fürsorglich handeln. Außerdem gibt es eine Vielzahl kleiner Nebenhandlungen, wie z.B. die Affäre mit einer amerikanischen Kunstjournalistin (Elizabeth Moss), einem Diebstahl, bei dem Christian seine Brieftasche und sein Handy verliert sowie die zur Kunstinstallation geführte Werbekampagne, die sich als äußerst problematisch darstellt. Das sind nun viele inhaltliche Infos, die jedoch keinen Spoiler-Charakter haben. Letztlich geht The Square geschlagene 2,5 Stunden und wie sich die kurz angerissenen Handlungsstränge entwickeln, erlebt der Zuschauer in diesem höchst unterhaltsamen und brillant geschriebenen Streifen.

Szene aus The Square
Szene aus The Square © Alamode Film
Vorab sei gesagt, dass als Rezensionsexemplar lediglich ein Streaming-Link zur Verfügung stand und keine Blu-ray oder DVD. Somit können keine Bewertungen zu den Extras und der Bild- oder Tonqualität gegeben werden. Zudem wurde der Film im Original mit Untertiteln geschaut, sodass keine Aussagen zur Synchronisation gemacht werden können. Dies wäre interessant, da Claes Bang sich selbst im Deutschen synchronisierte. Doch dem Filmspaß hat das Ganze nicht geschadet. The Square ist ein sehr gelungenes Werk von Ruben Östlund, der nach Höhere Gewalt wieder einen ähnlich starken Film ablieferte. The Square zu rezensieren und analysieren ist in der Tat jedoch nicht so einfach. Zunächst einmal sollte man die klassischen Dinge wie Schauspiel und Drehbuch sowie die technischen Komponenten wie den Schnitt und die Kamera bewerten, bevor man in die Tiefe geht, denn letzteres ist bei diesem Film notwendig, da er auf der Oberfläche ein unterhaltsamer Film ist, auf dem zweiten Blick jedoch ein satirisches gesellschaftskritisches Werk ist, dem es an Cleverness nicht im Ansatz mangelt. Der Film hat einen wirklich starken Hauptdarsteller, der ein tolles Charisma besitzt, andererseits sowohl den versnobten aber auch den trotteligen Kunstfanatiker sehr überzeugend spielt und es schafft die Balance zu wahren und seine Figur nie zu einseitig zu porträtieren. Damit spielt er auch indirekt mit dem Zuschauer, der nicht immer weiß, ob er für seine Figur Christian sein sollte bzw. ihn sympathisch oder unsympathisch finden sollte. Es ist letztlich jedem selbst überlassen, wie man zu ihm und seinen Worten und Taten steht. Ein wirklich starker Auftritt des dänischen Schauspielers. Bei den Nebendarstellern hat keiner besonders viel Screentime. Es ist hier alles sehr ausgeglichen und sie fügen sich wunderbar in die Szenerie ein. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Claes Bang und Elizabeth Moss ist teilweise so skurril und witzig, dass man aus dem Grinsen kaum noch heraus kommt. Die Kamera erschafft wunderbare Aufnahmen und mit einem ruhigen Schnitt und teilweisen langen Sequenzen ohne Schnitt wird hier zum einen Authentizität geschaffen, zum anderen wird vermieden, dass der Film irgendwann langweilig oder langatmig geraten würde.

Szene aus The Square
Szene aus The Square © Alamode Film
Terry Notary mag für die allermeisten Kinogänger kein bekannter Name sein. Er ist in der Tat wie Andy Serkis ein Motion-Capture-Künstler und verkörperte bereits in Filmen wie Avatar, Der Hobbit, Planet der Affen oder in Kong: Skull Island verschiedene Figuren. In letzterem verkörperte er King Kong höchst persönlich und er gilt als einer der besten Affen-Imitatoren. In diesem Film imitiert er wieder einen Affen, nur sieht man ihn hier selber und er trägt kein Motion-Capture-Kostüm. Er sorgt im letzten Drittel für die wohl kurioseste Szene in der jüngeren Filmgeschichte, die letztlich soviel über den Menschen und die Gesellschaft aussagt, wie es selten eine Szene tat. Die Szene wird, um Spoiler zu vermeiden, nicht näher thematisiert. Diese Szene zeigt jedoch, dass Kunstfreiheit, ein zweischneidiges Schwert ist. Für wen gilt diese Freiheit, möchte man sich fragen. Denn Kunstfreiheit zwingt andere Menschen, Dinge zu akzeptieren, die vielleicht inakzeptabel sind, doch unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit, den Menschen auferlegt werden. So zeigt die besondere Szene, in der Terry Notarys Affen-Figur im Mittelpunkt steht, die Ohnmacht der Menschen gegenüber Kunst. Ob sie zivilisiert ist oder nicht, es ist Kunst und man habe es zu akzeptieren und zu tolerieren. Um The Square nun vollständig zu würdigen, muss man nun etwas in die Tiefe gehen und den Film genauer analysieren und dabei vieles interpretieren. Zum einen wird die Absurdität der zeitgenössischen Kunst sehr simpel dargelegt. So gibt es immer wieder Einblendungen von einer Ausstellung, die lediglich aus mehreren kleinen Schotterhaufen besteht, bei der man immer und immer wieder die Sinnhaftigkeit hinterfragt. Besucher gibt es keine. Als dann tatsächlich ein Besucher auftaucht und davon ein Foto machen möchte, wird ihm dies verboten. Die Tatsache, dass Kunst sich so wichtig nimmt, dass man dem kaum was entgegensetzen darf, weil Kunstfreiheit existiert, wird in diesem Film an vielen Stellen deutlich. So deutlich, dass man sich hinterfragt, welchen Mehrwert Kunst für Menschen hat. Die einzigen Besucher, welche durch die Eingangstür kommen, hatten sich lediglich verirrt und wollten nicht in Wirklichkeit die Ausstellung besuchen. Ob etwas zu Kunst wird, erfolgt nicht mit dem Abschließen des Werkes als solches, sondern mit seiner Ausstellung. Doch das viel Groteskere, zeigt The Square dem Zuschauer fast schon mit einem verschmitzten Grinsen. Werke oder Dinge, die im Alltag keine Kunst sind, werden plötzlich zur Kunst, weil sie in einer leeren Museumshalle ausgestellt werden.

Szene aus The Square
Szene aus The Square © Alamode Film
Hier könnte man noch ewig weiter Interpretationen in den Raum werfen, doch dies würde den Rahmen einer Review sprengen. Was jedoch noch angesprochen werden muss, ist die Funktion des Quadrats in dem Film und dieser im Kontext der Kunst. Es wäre einfach zu sagen, dass es wieder typisch Kunst, etwas so banales wie ein simples Quadrat auf einem öffentlichen Platz den Menschen als Kunstwerk zu verkaufen. Doch es ist wichtig, wie das Quadrat in diesem Film gedeutet wird. „The Square ist ein Zufluchtsort. Hier herrschen Ruhe und Frieden. Hier haben alle die gleichen Rechte und Pflichten.“ So erklärt es mehrmals Christian den Medien bei der Vorstellung der neuen Kunstinstallation. Es ist laut ihm „ein Zufluchtsort, an dem Vertrauen und Fürsorge herrschen“. Auf dem ersten Blick könnte man denken, es ist ein weiteres 0815 pseudo-intellektuelles Geschwurbel, das in diesem Film persifliert wird. Doch vielleicht ist es die Intention Östlunds aufzuzeigen, dass es mittlerweile in der heutigen Gesellschaft eine Kunst geworden ist, Mitgefühl und Fürsorge für den Nächsten zu zeigen. Die Betonung, dass alle in diesem Quadrat gleiche Rechte und Pflichten haben, zeigt, dass der Besitz solcher Charaktereigenschaften, wie eben Fürsorge, Vertrauen oder Ruhe eine außergewöhnliche Kunstform ist und die heutige Gesellschaft weit entfernt ist von einem Ort, in dem Ruhe und Frieden herrsche und alle die gleichen Rechte und Pflichten besitzen. Die Gesellschaft ist kälter geworden und wird dominiert durch Misstrauen. Selbst das benutzte Kondom möchte man selbst entsorgen, denn wer weiß, was die Frau damit anstellen würde und evtl. bekommt man plötzlich ein Baby vor die Tür gesetzt. Auch solch eine wirklich abstruse Szene gibt es im Film. Außerdem wird die Zwei-Klassen-Gesellschaft präsentiert. Christian wird oft in Situationen gezeigt, in der er Obdachlose begegnet, ignoriert oder ihnen Aufmerksamkeit schenkt und evtl. hilft. Es gibt zu Beginn des Filmes eine Szene, die für nur wenige Sekunden dauert, doch viel aussagt. Man sieht einen mit Menschen gefüllten Platz. In der Mitte eine Frau, die eine Bettlerin ist. Die Menschen gehen an ihr vorbei, beachten sie nicht mal und lassen sie im Stich. Vermutlich würden das die Meisten tun. Dabei zeigt Östlund keineswegs mit dem Finger auf die Gesellschaft und auf die Mitleidsschiene geht er sowieso keineswegs, so zeigt er auch in seinem Film, dass nicht jeder arme Mensch ein Unschuldslamm ist. Er macht lediglich Beobachtungen und verdeutlicht, warum es Kunst ist heutzutage einen Ort zu schaffen, in denen Ruhe und Fürsorge herrschen. Tugenden, die jeder Mensch benötigt, sind in der heutigen rastlosen Welt, die von emotionaler Kälte und Distanziertheit geprägt ist, eine Rarität. Dass die Kunstinstallation The Square mit aggressivem Marketing, bei dem man gezielt auf Shock-Value und die Sensationsgeilheit der Menschen setzt, Reichweite erlangen soll, unterstreicht die angesprochene Distanziertheit der Menschen.


Fazit:
The Square ist ein herausragendes Stück Kino, das mit seinen 2,5 Stunden Sitzfleisch fordert und vielleicht nicht stets einen mitnimmt. Doch je länger man über diesen Film nachdenkt, umso stärker schimmert die Genialität des Streifens an die Oberfläche. Ein wahnsinnig clever geschriebenes Skript, gepaart mit tollen schauspielerischen Leistungen und einer sauberen technischen Inszenierung, machen The Square viel mehr als eine bloße Kunstsatire. Es ist Gesellschaftskritik erster Güte, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

by Morteza Wakilian
Bilder © Alive / Alamode