The Florida Project - Blu-ray

Blu-ray Start: 02.08.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 111 min

The Florida Project Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Orlando, Florida: Moonee (Brooklynn Prince) ist erst 6 Jahre alt und hat bereits ein höllisches Temperament. Nur wenige Meilen entfernt vom Eingang zu Disneyworld wächst sie in „The Magic Castle Motel“ an einem vielbefahrenen Highway auf. Jeden Tag versucht Halley (Bria Vinaite), das Leben mit ihrer Tochter auf unkonventionelle Art und Weise zu meistern. Moonee und ihre gleichaltrigen Freunde erklären derweil unter den wachsamen Augen des Motelmanagers Bobby (Willem Dafoe) die Welt um sich herum zu einem großen Abenteuerspielplatz…

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Eurovideo / ProKino
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat: 16:9 / 2,40:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
• Special message from Brooklynn
• Unter dem Regenbogen - Making Of
• Outtakes
• Cast&Crew Interviews
• Interview mit dem Regisseur Sean Baker
• Deutscher und Original-Kinotrailer

DVD und Blu-ray | The Florida Project

Blu-ray
The Florida Project The Florida Project
Blu-ray Start:
02.08.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 111 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
The Florida Project The Florida Project
DVD Start:
02.08.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 107 min.

Blu-ray Kritik - The Florida Project

Blu-ray Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 0/10
Ton: | 0/10
Extras: | 9/10
Gesamt: | 9/10


Der Film erhielt großartige Kritiken im Vorfeld und ging als heißer Kandidat in die Awards-Season rein. Doch letztlich gab es nur Nominierungen für Willem Dafoe als bester Nebendarsteller, unter anderem dabei eine Nominierung für einen Oscar. Doch dieser Film hat mehr verdient. Brooklyn Prince zeigt beispielsweise eine der besten weiblichen Kinder-Performances seit Jahren und hätte hier durchaus die Anerkennung durch eine Oscarnominierung verdient gehabt. Ebenfalls hätte Sean Baker als Regisseur berücksichtigt werden müssen für seine wieder einmal unglaublich authentische und greifbare Inszenierung und Milieu-Studie. Doch viel wichtiger als Auszeichnungen und Nominierungen, sind Anerkennung und Aufmerksamkeit, die der Film noch nicht genug besitzt. Wie schon in Tangerine L.A. nimmt Baker den Zuschauer in eine Welt mit, die so extremst im Kontrast zur Traumwelt steht, welche man mit den USA verbindet, was dazu führt, dass in besonderem Ausmaß der eigene Horizont erweitert wird. Während es in Tangerine L.A. die „Unter“-Welt der Transgender-Prostituierten mitten in der Traumfabrik Hollywood war, sind es hier bunte, aber billige und teils heruntergekommene Motels neben dem Disney World in Orlando, Florida. Er wirft wieder einmal einen sehr sozialkritischen Blick auf Menschen und einer Gesellschaftsschicht inmitten der USA, der kaum Beachtung geschenkt wird. Er legt den Finger in die Wunde und wühlt kräftig darin, auch wenn er es wieder mit einer gewissen Portion Humor auflockert, um nicht gänzlich auf die depressive Schiene zu kommen. The Florida Project ist ein Sozialdrama, das einem die Augen öffnet, zum Lachen bringt und zu Tränen rührt. Aus vielerlei Gründen eine große Empfehlung, die nun nach und nach erläutert werden.

Dreamteam: Halley (Bria Vinaite) und ihre Tochter Moonee (Brooklynn Prince)
Dreamteam: Halley (Bria Vinaite) und ihre Tochter Moonee (Brooklynn Prince) © 2017 PROKINO Filmverleih GmbH
Der Film überzeugt durch einen sehr authentischen Look. Es gibt wenige Schnitte und daher sehr lange Takes. Die Kamera ist ruhig, auch bei längeren Fahrten. Die Optik des Films ist fast schon dokumentarisch und verstärkt die Authentizität und den Realismus, welchen Baker in seinen Filmen prägt. Diesen Realismus pflegt er nicht durch eine dokumentarische Inszenierung, sondern durch die Wahl von Laiendarstellern. Brooklyn Prince hatte vor diesem Film lediglich eine kleine Filmrolle erhalten. Dies ist ihre erste Hauptrolle. Bria Vinaite, welche die Mutter von Princes Charakter Moonee spielt, hatte bisher keine Schauspielerfahrung, ebenso wie einige andere Kinderdarsteller. Prinzipiell würde man sagen, dass man den Darstellern die fehlende Schauspielerfahrung, anmerken würde. Doch in diesem Kontext ist dies nicht der Fall. Die Geschichte, die von Alltagsproblemen und dem Leben unter dem Existenzminimum geprägt ist, ist hier derart geerdet und für den Zuschauer glaubwürdig inszeniert worden, dass die Darsteller durchgehend sehr natürlich agieren können und nicht aktiv völlig fiktive Charaktere spielen müssen. Baker versteht es, wie kein anderer, Laiendarsteller perfekt auf die Rollen vorzubereiten. Willem Dafoe ist das bekannteste Gesicht im Film und auch mit dem Sean Baker je zusammengearbeitet hat. Doch auch er integriert sich gelungen in den unbekannten Cast ein.

Der paradiesische Schein trügt: Bobby (Willem Dafoe) hat als Manager einer Billigmotelanlage alle Hände voll zu tun
Der paradiesische Schein trügt: Bobby (Willem Dafoe) hat als Manager einer Billigmotelanlage alle Hände voll zu tun © 2017 PROKINO Filmverleih GmbH
Der Film hat keinen direkten Handlungsstrang, den er von einem Startpunkt bis ins Ziel auserzählen möchte. Er fängt unmittelbar an und man ist direkt mittendrin im Geschehen. Er greift eine Geschichte aus dem Alltag einer sozialen Unterschicht auf, die es in der Form vielleicht nur in den USA gibt. Denn trotz der farbenfrohen Motels im Sonnenstaat Florida, in der sich das Disney World in der Nähe befindet, ist das Leben der Bewohner von Armut bis zu akuter Armut geprägt. Eine Tristesse bei den Kindern ist jedoch nicht vorhanden. Diese strahlen sehr viel Lebensfreude und Fröhlichkeit aus und genießen durch verschiedene Spielereien, aber auch teils gefährlichen und illegalen Unternehmungen, ihre Kindheit. Der Film hat bis auf das Ende prinzipiell keine Höhepunkte und erzählt wie gesagt keine Geschichte im klassischen Sinne. Vielmehr beobachtet Baker das Geschehen, ohne in gut und böse zu trennen. Es ist eine Milieu-Studie, die einen ungefilterten Blick auf Menschen am Rand der Gesellschaft wirft. So muss man sich als Zuschauer darauf einstellen, dass es hier nicht den roten Faden gibt, sondern man quasi-dokumentarisch den Alltag dieser Menschen in den Motels in Florida verfolgt. Eigentlich könnte man das Ganze sehr detailliert analysieren, wie Baker genau vorgeht und wie er auch ein weiteres Mal sich sehr direkt sozialkritisch äußert durch seine Geschichte und Inszenierung. Hierfür müsste man doch sehr viele einzelne Szenen spoilern, weswegen man sich nun den Darstellern widmet, die das Prunkstück des Films sind.

Wenn die ganze Welt ein Abenteuerspielplatz ist: Moonee (Brooklynn Prince), Scooty (Christopher Rivera, l.) und Jancey (Valeria Cotto, r.) erkunden die Umgebung rund um die Motelanlage
Wenn die ganze Welt ein Abenteuerspielplatz ist: Moonee (Brooklynn Prince), Scooty (Christopher Rivera, l.) und Jancey (Valeria Cotto, r.) erkunden die Umgebung rund um die Motelanlage © 2017 PROKINO Filmverleih GmbH
Bria Vinaite spielt Halley, die Mutter von Moonee, und ist in Wirklichkeit eher auf Instagram aktiv als eine echte Schauspielerin. Nichtsdestotrotz wurde sie von Sean Baker entdeckt, gecastet und letztlich für diese Rolle besetzt. Und sie macht das wirklich großartig. Es ist ein ziemlich schwieriger Charakter, den sie dort verkörpert. Ein loses Mundwerk und die Vernachlässigung der eigentlichen Erziehung ihrer Tochter prägen ihren Charakter. Die Unfähigkeit genug Geld zu verdienen, kommt hier hinzu. Ganz zu schweige vom Rauchen direkt vor Moonee und ihren Freunden. Die Liste geht endlos lang und man könnte auf den ersten Blick wirklich von einer Rabenmutter sprechen. Doch da würde man ihrem Charakter unrecht tun. Sie schenkt ihrer Tochter einfach sehr viel Liebe und versucht Mittel zu finden, um die Situation für sie und Moonee zu verbessern. Moonee sieht sie ebenfalls keineswegs als schlechte Mutter an. Sean Baker sagte in einem Interview, dass für ihn das Verhältnis der beiden eher einer „Große-Schwester-Kleine-Schwester“-Beziehung gleicht. Dies stimmt und spiegelt sich im Film wieder. Bria Vinaite schafft es hier ihrer Figur sehr viel Leben einzuhauchen. Sie wirkt nicht wie eine Filmfigur und wird dem realistischen Bild, welches der Film zeichnen will, mehr als gerecht. Sowohl in den Szenen mit Brooklyn Prince als auch mit Willem Dafoe brilliert sie und spielt groß auf. Ihr ist hier in ihrem Filmdebüt eine wirklich lebendige und glaubwürdige Performance gelungen. Willem Dafoe als Manager der Motels spielt die einzige Figur namens Bobby in dem Film, welcher nicht aus der sozialen Unterschicht stammt. Er ist ein Ruhepol und moralischer Anker, dem die Mitbewohner vertrauen und zu dem alle ein prinzipiell gutes Verhältnis pflegen. Dafoe spielt den demütigen und ruhigen Charakter, der auch mal sehr impulsiv und wütend werden kann, einfach nur klasse und wahnsinnig herzerwärmend. Mit einer unglaublichen Präsenz und einer sehr großen mimischen Ausdrucksstärke spielt er hier von Beginn bis zum Schluss grandios auf.

Moonee (Brooklynn Prince) und ihre Mutter Halley (Bria Vinaite)
Moonee (Brooklynn Prince) und ihre Mutter Halley (Bria Vinaite) © 2017 PROKINO Filmverleih GmbH
Der Star des Films ist die 7 Jahre alte Brooklyn Prince. Sie spielt Moonee und verbringt ihre Freizeit hauptsächlich mit ihren Freunden auf dem Spielplatz. Zudem spielt sie Verstecken, baut manchmal Mist und begeht mit ihren Freunden auch heimlich eine Straftat. Halley, welche durch ihre leichtsinnige Erziehung, zwar Liebe schenkt, jedoch sie kaum unter Kontrolle hat, kriegt von Moonees Alltag wenig mit. Brooklyn Prince macht das hier überragend. Es ist hier schwer die richtigen Worte zu finden. Sie schafft es, dass man innerhalb von 111 Minuten, auf sie sehr wütend ist, sie nervig findet, sie immer mehr liebgewinnt, sie sehr lustig findet und letztlich einfach sie nur in die Armen nehmen möchte, da sie einen zum Weinen brachte. Das Ende ist höchstemotional und hier hat sie eigentlich ihren Oscarmoment, der ihr die Nominierung hätte einbringen müssen. Der Zuschauer wird zu Tränen gerührt, dank ihrer authentischen Darbietung. Sie spielt die kleine Moonee mit unglaublich viel Lebensfreude und Fröhlichkeit, dass es einem gleichzeitig fast weh tut, sie in solch einer Umgebung aufwachsen zu sehen. Denn Figuren wie Moonee gibt es zuhauf in solchen Gebieten, welche die traurige Wahrheit ist, die Regisseur Sean Baker visualisiert. Sie überzeugt als freche Göre und als liebenswertes Mädchen zugleich. Insbesondere in der letzten extremst traurigen Szene geht sie nochmal voll aus sich heraus und erschlägt den Zuschauer mit einer emotionalen Wucht, die nicht nur gespielt ist, wie sich im Making-of herausstellen wird. Eine grandiose Performance, die einen sprachlos macht.

Motelmanager Bobby (Willem Dafoe) ist die gute Seele des Billigmotels, in dem Moonee und ihre Mutter Halley leben
Motelmanager Bobby (Willem Dafoe) ist die gute Seele des Billigmotels, in dem Moonee und ihre Mutter Halley leben © 2017 PROKINO Filmverleih GmbH
Als zentrale Schwäche des Films muss man letztlich anmerken, dass es stellenweise einfach zu wenig Konfliktpotenzial gibt, weswegen man nicht immer als Zuschauer in das Geschehen stark involviert ist. Baker lässt das Ganze teilweise sehr kühl und distanziert beobachten. Dies ist auch tatsächlich der richtige Weg, um nicht in emotional überladenen Kitsch zu geraten. Dennoch hätte dem Film im Mittelteil prekäre Problematiken im Alltag gutgetan, weswegen er an der einen oder anderen Stelle etwas vor sich dahinplätschert. Nichtsdestotrotz ist der Film ein Meisterwerk, auch wenn er nicht die höchste Bewertung erhält.

Da als Rezensionsexemplar lediglich ein Online-Stream zur Verfügung stand, können keine Aussagen zur Bild- und Tonqualität der Blu-ray oder der DVD gemacht werden.
Bei den Extras gibt es einen 2-minütigen Zusammenschnitt von Promo-Interviews mit dem Cast und dem Regisseur. Zudem gibt es ein 10-minütiges Interview mit Regisseur Sean Baker, ein 22-minütiges Making-of sowie ein sehr unterhaltsamer Outtake-Clip. In dem Interview geht Sean Baker sehr genau auf das Casting der verschiedenen Schauspieler ein, welcher sich überwiegend aus Laiendarsteller und einem Star wie Willem Dafoe zusammensetzt. Das Making-of gibt einen sehr schönen Einblick in die Zusammenarbeit zwischen der Crew und den Kinderdarstellern. Es sind keine Trailer-Szenen oder Interview-Schnipsel eingefügt. Es ist daher überhaupt nicht werbend, sondern zeigt schlichtweg wie Sean Baker und die Crew verschiedene Szenen drehten und wie sie die Darsteller zu Improvisationen animierten. Es ist daher ein Making-of, welches auch wirklich seinen Namen verdient hat.


Fazit:
Es wurde nun viel geschrieben. Schließlich lässt sich einfach sagen, dass The Florida Project ein Sozialdrama ist, das durch grandiose Darsteller und einer höchst authentischen Inszenierung durch Sean Baker ein mehr als sehenswerter Film ist. Es ist ein wichtiges Stück Kino, das vielleicht nicht jedem am Ende gefallen wird, doch von so vielen Menschen wie möglich gesehen werden sollte.

by Morteza Wakilian
Bilder © Eurovideo / ProKino