Sunset - Blu-ray

Blu-ray Start: 17.10.2019
Digital VoD: 17.10.2019
FSK: 12 - Laufzeit: 136 min

Sunset Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Das Hutmachergeschäft Leiter ist nicht nur bekannt für seine außergewöhnlichen Kreationen, sondern auch ein Ort großer Träume. Zumindest für die junge Iris Leiter, die 1913 nach Budapest kommt, um in dem Laden als Hutmacherin anzufangen, der einst ihren Eltern gehörte und in dem sie ihr Leben verloren. Der jetzige Inhaber Oskar Brill weist jedoch die junge Frau ab. Aber Iris hat nicht vor, Budapest zu verlassen. Beharrlich macht sie sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit. Dabei kommt sie einem Geheimnis auf die Spur, das sie nicht nur zu einem gewissen Kalman Leiter, sondern auch bis in die höchsten Kreise der österreichisch-ungarischen Gesellschaft führt.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Sony Pictures Entertainment / MFA+cinema
Tonformate:
DTS-HD 5.1 (Deutsch, Ungarisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Trailer, Trailershow

DVD und Blu-ray | Sunset

Blu-ray
Sunset Sunset
Blu-ray Start:
17.10.2019
FSK: 12 - Laufzeit: 136 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Sunset Sunset
DVD Start:
17.10.2019
FSK: 12 - Laufzeit: 136 min.

Blu-ray Kritik - Sunset

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 6/10
Ton: | 9/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 7/10


Mit „Son of Saul“ gelang dem ungarischen Regisseur László Nemes eines der bemerkenswertesten Regie-Debüts der letzten Jahre. In seinem späteren Oscar-Gewinner rüttelte er Konventionen des Holocaust-Dramas mit einer kompromisslos subjektiven Ästhetik lose, bei der die Kamera dem jüdischen Protagonisten Saul konsequent in einen gänzlich unsentimentalen Abstieg in die KZ-Hölle folgt. So war es natürlich spannend zu sehen, wie Nemes an diesen Erfolg anknüpfen würde. Heraus gekommen ist mit seinem 1913 in Budapest angesiedelten „Sunset“ ein in vielerlei Hinsicht noch ambitionierterer und mit sichtlichem Aufwand produzierter Film, der einiges vom Zuschauer abverlangt. Nemes verzichtet diesmal zwar auf seinen klaustrophobischen 4:3-Bildausschnitt, jedoch folgt er auch hier unerbittlich für quälende 137 Minuten seiner Hauptfigur Írisz (Juli Jakab) durch die Wirren des Budapest kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. „Sunset“ ist ein enorm sperriger, nur schwer zugänglicher und damit hochanspruchsvoller Film, der in inszenatorischer Hinsicht sicher zu den außergewöhnlichsten Filmen des Jahres gehört.

Die junge Írisz kehrt nach langer Abstinenz zum ersten Mal seit ihrer Kindheit in ihre Heimatstadt Budapest zurück. Ihre erste Anlaufstelle ist der renommierte Hutladen ihrer verstorbenen Eltern, die bei einem Brand ums Leben kamen, als Írisz zwei Jahre alt war. Auf den Spuren ihrer Vergangenheit findet sie heraus, dass sie auch einen Bruder hat, der angeblich einen Grafen ermordet hat. Sie begibt sich auf die Suche nach ihrem mutmaßlichen Verwandten, stößt dabei jedoch nur auf Ablehnung.

Iris (Juli Jakab)
Iris (Juli Jakab) © Laokoon Filmgroup - Playtime Production
Ganz offensichtlich schlummert im Herzen von „Sunset“ ein geheimnisvolles Rätsel, das scheinbar unmöglich aufzuklären ist. Warum verhält sich scheinbar jeder der Personen, auf die Írisz trifft, derart merkwürdig und abweisend, ja, regelrecht misstrauisch im Angesicht der jungen Frau? Warum erhält sie keine oder zumindest nur bruchstückhafte und kryptische Antworten zu den Hintergründen des angeblichen Verbrechens des verachteten Bruders, den sie nie kannte? Und was hat es dann mit solch mysteriösen Warnungen wie „Blut wird diese Woche fließen“ auf sich, die sie von den Befragten erhält?

Nemes sorgt in „Sunset“ für eine konstant beunruhigende und traumartige Atmosphäre, die enorm dicht ist und sich wie ein schwerer dunstiger Schleier auf den Zuschauer legt. Ihm gelingt wie auch schon mit „Son of Saul“ ein eigenwilliger Gegenentwurf zum konventionellen historischen Ausstattungsfilm, der nie in Details schwelgt, sondern immer beklemmend nahe an seiner Hauptfigur ist. Entweder die Kamera folgt Írisz zentriertem Hinterkopf oder sie zeigt die faszinierende Präsenz von Jakab mit ihren ausdrucksstarken Augen in Großaufnahme. Nur selten löst sich Nemes aus dieser Herangehensweise, bei der zudem Írisz Umgebung meist unscharf und damit diffus bleibt. Das erzeugt wie auch schon in „Son of Saul“ ein klaustrophobisch-beengendes und desorientierendes Gefühl aus, was eben genau zu Írisz hilflosem und überfordertem Zustand passt.

Auch dank der etwas verwaschen wirkenden Ästhetik mit einer eher erdigen und verblichenen Farbpalette und düster beleuchteten Bildern wirkt „Sunset“ derart gespenstisch und aus der Zeit gefallen, dass man gepaart mit dem engen Bildeindruck wirklich das Gefühl hat, direkt in dieser längst vergangenen Zeit gefangen zu sein, frei von der artifiziellen Natur und Klarheit vieler anderer Historienfilme.

Iris (Juli Jakab) in Sunset
Iris (Juli Jakab) in Sunset © Laokoon Filmgroup - Playtime Production
Die Wirkung und das Konzept von „Sunset“ sind zweifelsohne außergewöhnlich, dennoch strapaziert Nemes mit einer spürbar langen Laufzeit auch die Geduld des Zuschauers. So sehr der Film auch faszinieren mag, er erlaubt keinen einfachen Zugang und erfordert natürlich höchste Aufmerksamkeit. Wer Antworten sucht, wird sie zudem in diesem latent ambivalenten Film nicht finden. Nemes schildert kommentarlos einen komplexen historischen Hintergrund, der mit dem Aufkeimen des Ersten Weltkriegs verbunden ist. Inwiefern, beantwortet Nemes ebenso wenig wie er einen inhaltlichen Kern in diesem betont schwermütigen Film offenbart. Was es mit der aristokratischen höheren Gesellschaft mit ihren potentiell mysteriösen und zerstörerischen Machenschaften auf sich hat, die gelegentlich an „Eyes Wide Shut“ erinnern, bleibt offen. Dass man zusätzlich an einer Protagonistin hängt, die kaum minder mysteriös und schwer greifbar wie ihre Umgebung ist, macht den Zugang zu „Sunset“ beileibe nicht einfacher. So wirkt Írisz zwar von Beginn an konstant entschlossen, aber auch seltsam benebelt und nie ganz da.

„Sunset“ ist ein schwieriger Film, den man nur bedingt beschreiben kann. Nemes gelingt hier Kino in Reinkultur, was zum einen bewundernswert, zum anderen aber vielleicht fast schon zu weit Grenzen der Filmsprache auszuloten versucht. Man muss den Zuschauer wahrlich nicht an die Hand nehmen, Filme werden oft dadurch spannender, indem sie ambivalent bleiben und eben nicht alle Fragen beantworten. Dennoch, es gibt auch einen Mittelweg, so lässt Nemes den Zuschauer letztlich frustriert und mit zu vielen Fragezeichen zurück, um wirklich zu bewegen oder gar etwas auszusagen. Sein Konzept ist förmlich, den Zuschauer ins Ungewisse zu stoßen und ihn dort auch zu belassen, der mysteriösen Natur des Lebens selbst nahe zu kommen. „Sunset“ ist letztlich ein ambitioniertes und überlanges Kuriosum voller inszenatorisch-erzählerischem Wagemut und Ideen, die sich dem Zuschauer aber ganz bewusst nur in Ansätzen vermitteln.

Iris (Juli Jakab) steigt aus der Straßenbahn
Iris (Juli Jakab) steigt aus der Straßenbahn © Laokoon Filmgroup - Playtime Production
Bild
Der auf 35mm-Analogfilm gedrehte „Sunset“ zeichnet sich auf jeden Fall durch einen außergewöhnlichen Look aus, der jedoch weit von einem Hochglanz-Look entfernt ist. Das in erdig-senfiger Farbpalette gehaltene Bild ist auch in hellen Szenen eher weich gehalten und überzeugt nur bedingt durch detailfreudige Scharfzeichnung. Eher wirkt das Bild oft matschig und undefiniert, gerade in dunklen Bereichen kommt es auch immer wieder zu starkem Rauschen. Dennoch: die scheinbaren Schwächen erweisen sich im Gesamtkontext als bewusste Stärke, denn so wird der diffuse und traumartige Eindruck von „Sunset“ entschieden verstärkt. Mit diesem Look erscheint der Film nicht nur traumartig, sondern auch auf gewisse Weise malerisch und wie aus der Zeit gefallen.

Ton
In akustischer Hinsicht überzeugt die Blu-ray auf ganzer Linie. Hier ist besonders der überaus räumliche Eindruck zu erwähnen, der für eine dichte und einnehmende Atmosphäre sorgt. Die Geräusche der Straßen Budapests verteilen sich ebenso dynamisch im Raum wie auch geflüsterte Geräusche in Nebenräumen. Auch ansonsten überzeugen die Tonspuren mit hohem Dynamikumfang sowie Klarheit und Verständlichkeit der Dialoge.

Extras
Leider liegen der Blu-ray lediglich Trailer als Bonusmaterial vor.


Fazit:
„Sunset“ ist faszinierend eigenwilliger und filmsprachlich außergewöhnlicher Kino-Impressionismus in Reinkultur. Regisseur László Nemes gelingt ein atmosphärisch enorm dichter Gegenentwurf zum gängigen Historienfilm, frei von künstlicher Oberfläche und voller Rätsel, die unbeantwortet bleiben. Das ist faszinierend, aber derart schwer zugänglich, dass auch der offenste Zuschauer außen vor bleibt.

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by Florian Hoffmann
Bilder © Sony Pictures Entertainment / MFA+cinema