Singapore Sling (Special Edition) - Blu-ray

Blu-ray Start: 30.08.2013
FSK: 18 - Laufzeit: 111 min

Singapore Sling (Special Edition) Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Er nennt sich Singapore Sling, einer dieser Typen, die ständig hoffnungslosen Fällen hinterherjagen, Fällen, die Frauennamen tragen und nirgendwohin führen. Seiner heißt Laura. Es ist Jahre her, dass er sie das letzte Mal gesehen hat. Obwohl er vermutet, dass das Mädchen schon lange tot ist, kann er nicht aufhören, nach ihr zu suchen. Eines Nachts erreicht er das Haus, verwundet und am Ende seiner Kräfte. Er hat nichts mehr zu verlieren. Es regnet. In der Dunkelheit stehen zwei Frauen um ein offenes Grab im Garten. Heute Nacht wird jemand sterben...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Bildstörung
Tonformate:
Griechisch LPCM Mono
Englisch LPCM Mono
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 1,33:1 (4:3 Vollbild) 1080p HD
Bonusmaterial:
Directing Hell (abendfüllende Doku über Regisseur Nikos Nikolaidis)
- Interview mit Regisseur Nikos Nikolaidis
- Booklet mit einem Essay von Gerd Reda

DVD und Blu-ray | Singapore Sling (Special Edition)

Blu-ray
Singapore Sling (Special Edition) Singapore Sling (Special Edition)
Blu-ray Start:
30.08.2013
FSK: 18 - Laufzeit: 111 min.

zur Blu-ray Kritik
Singapore Sling Singapore Sling
Blu-ray Start:
27.03.2015
FSK: 18 - Laufzeit: 111 min.
DVD
Singapore Sling (Special Edition) Singapore Sling (Special Edition)
DVD Start:
30.08.2013
FSK: 18 - Laufzeit: 107 min.
Singapore Sling Singapore Sling
DVD Start:
27.03.2015
FSK: 18 - Laufzeit: 107 min.

Blu-ray Kritik - Singapore Sling (Special Edition)

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 8/10
Gesamt: | 8/10


Pasolini trifft auf Laurel and Hardy!
Nach nunmehr 23 Jahren erreicht der griechische Skandalfilm „Singapore Sling“ endlich komplett ungekürzt und in einer bestens ausgestatteten Blu-ray-Veröffentlichung den deutschen Handel. Allerdings ist tatsächlich ein Wort der Warnung angebracht: Nikos Nikolaïdis Film sprengt in der Tat beinahe alle filmischen Konventionen und entfaltet extrem originelle, aber zugleich auch unglaublich abartige und abstoßende narrative und inhaltliche Dimensionen, wie man sie im Kino nur sehr selten zu sehen bekommt. Zarte oder tendenziell prüde Gemüter sollten den Film daher eher meiden.

Ein Detektiv (Panos Thanassoulis) sieht sich mit einem seltsamen Fall konfrontiert: Seine Klientin Laura ist spurlos verschwunden und scheint einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein. Aufgrund der reichlich mysteriösen Umstände ihres Verschwindens nimmt der Ermittler die Fährte auf und versucht Licht ins Dunkle zu bringen. Doch als er endlich einen nennenswerten Schritt in Richtung der Lösung des Falles macht und den vermuteten Ort des Verbrechens aufsucht, ist es mit dem Erfolg auch schon wieder vorbei. Ein sexueller Albtraum, voller Perversion und Gewalt erwartet ihn in Gestalt zweier eigenartiger nymphomanischer Frauen, die ihn zu einem gefährlichen Spiel um sein Leben zwingen…

Gleich die erste Szene des Films kommt ungemein bizarr und interessant daher. Nach einem Film Noir typischen Voice-over der Hauptfigur, wird dem Zuschauer eine grotesk anmutende Begräbnis(mord)szene präsentiert, in der zwei verwirrt wirkende Frauen eifrig einen noch lebendigen Mann unter einer dicken Schicht Erde begraben. Trotz des sehr düsteren Inhalts dieser Szene arbeitet die Regie hier mit einer großen Portion Slapstick, welche in dieser Form – eine der beiden Frauen haut der anderen beispielsweise aus Versehen die Schaufel ins Gesicht - ebensogut in einem Laurel and Hardy Film hätte Verwendung finden können. Obgleich die Grundstimmung des Films in dieser ersten Szene schon sehr gut zu spüren ist, wird der hohe Grad an sexuellen Perversionen, die den Zuschauer erwarten, erst durch die folgenden Ereignisse deutlich. Man beobachtet die beiden Frauen, Mutter und Tochter wie wir inzwischen wissen, bei einem ihrer inzestuösen Rollenspiele: Die Tochter nimmt in dieser Szene die Identität der ermordeten Laura an und soll ihre Mutter, die mit einem Umschnalldildo ausgestattet ist, oral befriedigen. Im Vergleich zu den später folgenden sexuellen Spielarten, ist diese Szene eigentlich noch ein recht harmloses Beispiel, aber gerade deshalb auch perfekt geeignet, um dem potentiellen Käufer ein Bild (oder eine Warnung!) dessen zu vermitteln, was ihn in „Singapore Sling“ alles erwarten wird.

Obgleich es ein Leichtes wäre Nikolaïdis zu beschuldigen, in selbstzweckhafter Art und Weise alle geläufigen sexuellen Tabus (Inzest, Pinkelspiele, Sadomasochismus oder gar Nekrophilie) zu brechen, um dem Film einen möglichst skandalösen Charakter zu verleihen, würde das dem Film in keinster Weise gerecht werden. Denn das eigentlich Verstörende sind nicht die sexuellen Handlungen der Figuren, sondern das gänzliche Fehlen einer Figur mit der man sich halbwegs identifizieren kann und die nachvollziehbaren Handlungsmustern folgt. So fühlt man sich als Zuschauer alleine gelassen mit einem Menschentrio, das keinerlei rationalen Zielen zu folgen scheint und noch nicht einmal sein Abendessen in einer für uns begreifbaren Form konsumiert. Nicht einmal die Bewegungen der beiden Frauen folgen bekannten Mustern. So wird der Körper der Tochter beispielsweise von regelmäßigen, orgiastisch wirkenden Zuckungen beherrscht, die ein schreckliches Gefühl der Unruhe beim Zuschauer erzeugen. Hierbei muss das Schauspiel der beiden Darstellerinnen Meredith Herold (Tochter) und Michele Valley (Mutter) sehr gelobt werden, da es gewiss einer ganzen Menge an Überwindungskraft bedarf, sich zu solch einem exhibitionistischen Spiel überreden zu lassen. Meredith Herold schreckt sogar nicht einmal vor einer äußerst expliziten Masturbationsszene mit einer Kiwi (?!) zurück.
Etwas eindeutig Animalisches haftet dem Verhalten der folternden Nymphomaninnen an, was ihrem dominanten Spiel zusätzliche Stärke verleit. Die von Panos Thanassoulis gespielte Figur des „Singapore Sling“ ist hingegen den ganzen Film über auffallend passiv geschrieben und schafft es nicht einmal, die ihm (trotz seiner Gefangenschaft) erhalten gebliebene Fähigkeit des Sprechens einigermaßen zu nutzen. Aber auch er – obwohl er bis zu diesem Zeitpunkt am normalsten wirkte - macht im Finale eine groteske Kehrtwende, entblößt seinen wahren Charakter und vollzieht ganz nebenbei die abstoßendste Sexszene des gesamten Filmes

Im Verlauf des Filmes wird die Erzählperspektive mehrfach gewechselt und auch die „vierte Wand“ wird des Öfteren durchbrochen, wenn eine der beiden offenkundig gestörten Frauen ihren Blick und ihre Worte ganz eindeutig an den Zuschauer richtet. Diese abstrusen Gespräche zwischen Medium und Konsument dienen den Protagonisten meist als absurde Rechtfertigungen des vorangegangenen Geschehens oder erlauben manchmal auch einen kleinen Blick in die Zukunft. Nikolaïdis morbider Genremix „Singapore Sling“ pfeift eben tatsächlich auf sämtliche Konventionen, ist durchaus sperrig und wird wohl ausschließlich in kleinen Insiderkreisen die Beachtung erfahren, die er verdient gehabt hätte. In Zeiten, in denen die Kinoleinwände von austauschbaren Blockbusterproduktionen überschüttet werden, die man aufgrund ihrer Ideenarmut kaum auseinander halten kann, vertritt „Singapore Sling“ eine wichtige Gegenposition zum allgemein herrschenden Konsens und entwickelt daher eine enorme Faszination. Grenzen überschreiten, Grenzen verwischen, Grenzen abschaffen – dieser Devise scheint Nikolais Nikolaidis überaus konsequent gefolgt zu sein, weshalb sein Film wirklich jeden Zuschauer überraschen dürfte und dabei extrem originell wirkt.

Bildstörung hat wieder einmal ganze Arbeit geleistet und veröffentlicht den Film in einer äußerst ansprechenden Bildqualität, die „Singapore Sling“ trotz seiner reduzierten Farbgebung – immerhin handelt es sich um einen Schwarzweißfilm – in einer überraschenden Schärfe präsentiert. Auch der Ton kann überzeugen, obwohl angemerkt werden muss, dass es von „Singapore Sling“ scheinbar keine deutsch synchronisierte Fassung gibt, weshalb man hierzulande auf Untertitel zurückgreifen muss. Doch der eigentliche Grund zu dieser Fassung des Filmes zu greifen ist (abgesehen von der Tatsache, dass es sich um die erste in Deutschland erhältliche Veröffentlichung handelt) die tolle Sonderausstattung. Neben einem umfangreichen und überaus informativen Booklet, haben es u.a. eine abendfüllende Dokumentation über den Regisseur und ein etwa 20-minütiges Interview mit auf die Disc geschafft. Die Ausstattung der Blu-ray kann also – wie immer bei Bildstörung - überzeugen, weshalb hier eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ausgesprochen werden kann!

Fazit: Danke! Das Label Bildstörung beweist einmal mehr, dass es ein gutes Händchen für bedeutsame, überaus interessante und fast vergessene Filmperlen hat. Obgleich „Singapore Sling“ durchaus verstört, sollte jeder Cineast mal einen Blick riskiert haben, selbst wenn es ihm nur darum geht, im Kino mal wieder überrascht zu werden. Auch wenn es dem Zuschauer sicherlich etwas schwerfallen wird, den Film im herkömmlichen Sinne zu „mögen“…

by Jonas Hoppe
Bilder © Alive / Bildstörung