Shelter - Auf den Straßen von New York - Blu-ray

Blu-ray Start: 26.08.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 105 min

Shelter - Auf den Straßen von New York Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Die heroinsüchtige Hannah (Jennifer Connelly, "A Beautiful Mind") und der traumatisierte Tahir (Anthony Mackie, "The Return of the First Avenger") könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein: Sie ist Amerikanerin aus gut bürgerlichem Haus, er Nigerianer mit dunkler Vergangenheit. Was sie vordergründig eint, ist ihr beider Schicksal: beide leben sie als Obdachlose auf den Straßen von New York. Eine Zufallsbegegnung sorgt dafür, dass sie erst Freunde und wenig später Liebende werden. Ihre Liebe zueinander gibt ihnen Kraft und Zuversicht, es noch einmal in ein bürgerliches Dasein zu schaffen, doch der Winter naht und droht ihre Pläne zu durchkreuzen ...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: WVG Medien / polyband Medien
Tonformate:
DTS-HD 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.35:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Trailer

DVD und Blu-ray | Shelter - Auf den Straßen von New York

Blu-ray
Shelter - Auf den Straßen von New York Shelter - Auf den Straßen von New York
Blu-ray Start:
26.08.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 105 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Shelter - Auf den Straßen von New York Shelter - Auf den Straßen von New York
DVD Start:
26.08.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 105 min.

Blu-ray Kritik - Shelter - Auf den Straßen von New York

Blu-ray Wertung:
Film: | 6/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 6/10


„For the couple who lived outside our building.“ Diese Widmung steht am Ende von Paul Bettanys Regiedebüt „Shelter“ und macht nach 100 intensiven und kraftvollen Minuten endgültig deutlich, dass dieser Film für den britischen Mimen, der hier auch das Drehbuch schrieb, eine ganz wichtige und persönliche Sache ist. Bettany, der wohl vor allem für Filme wie „A Beautiful Mind“, „Master & Commander“ und einige Marvel-Streifen bekannt ist, schickt in dem Obdachlosen-Drama „Shelter“ seine Ehefrau und Oscar-Preisträgerin Jennifer Connelly auf eine kompromisslose darstellerische Tour de Force, die Anerkennung verdient hat. Shelter - Auf den Straßen von New York SzenenbildKaum einer Darstellerin der letzten 15 Jahre gelingt es wohl mit derart eindrücklicher Intensität und ungeschönter Aufrichtigkeit gebrochene und seelisch entblößte Frauen zu spielen, deren Leidenswege so tief Narben beim Zuschauer hinterlassen. Man erinnere sich nur an ihre heroinabhängige Figur in „Requiem for a Dream“, die sich in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale bewegt oder aber auch ihre zutiefst tragischen und gebrochenen Figuren in „Haus aus Sand und Nebel“ oder „Dark Water“. Connelly verschwindet auch in „Shelter“ völlig in ihrer Rolle einer in die Obdachlosigkeit und Drogensucht abgestürzten Frau mit traumatischer Vergangenheit, dass es oft schon wehtut, ihr zuzusehen. Unterstützt wird sie vom starken Anthony Mackie („Tödliches Kommando“, „The First Avenger: Civil War“), dessen ebenfalls obdachlose und mit schmerzhafter Vergangenheit gepeinigte Figur zu Connellys Charakter eine tief empfundene Liebe aufbaut, die den einzigen Hoffnungsschimmer in diesem zutiefst deprimierenden und abgründigen Sozialdrama bildet, das vor allem dank seiner exzellenten Darsteller funktioniert.

„Shelter“ wirft den Zuschauer unvermittelt und direkt auf die Straßen von New York und offenbart diese beiden traurigen und verlorenen Existenzen, die eigentlich völlig gegensätzlich sind, aber schließlich zusammenfinden. Tahir (Mackie) hat afrikanische Wurzeln, kommt ursprünglich aus Nigeria und hat da offenbar schreckliche Dinge erlebt, die ihn innerlich auffressen. Er ist gläubiger Moslem und trifft sich regelmäßig mit einem Imam, eine Aufenthaltsgenehmigung fehlt ihm und seine einzige Einnahmequelle ist Trinkgeld, das er als Straßenmusiker verdient. Hannah (Connelly) ist heroinabhängig, trägt ein Schild mit der Aufschrift „I used to be someone“ mit sich herum, das so schon früh andeutet, das sie mal ein ganz anderes Leben führt. Als Tahir Hannah wegen einer gestohlenen Jacke verfolgt, rettet er sie von einem Selbstmordversuch. Entgegen aller Erwartungen raufen sich die beiden ruinösen Existenzen zusammen und entwickeln schließlich eine starke Zuneigung füreinander. Shelter - Auf den Straßen von New York SzenenbildGemeinsam versuchen sie sich durch das harte Obdachlosenleben in New York durchzuschlagen, doch soziale Ungerechtigkeiten an jeder Ecke werfen jedem Hoffnungsschimmer scheinbar unüberwindbare Steine in den Weg.

Bettany hält lange offen, was es sich mit den Hintergründen dieser gescheiterten Menschen auf sich hat und fordert so jede Menge Geduld vom Zuschauer. Er legt Schicht um Schicht der beiden Figuren offen und arbeitet sich so langsam zu ihrem tragischen Kern vor. Gekünstelt wirkt an diesem Film nichts: Kamerafrau Paula Huidobro fängt das harte Straßenleben kompromisslos und ungeschönt aus einer intimen und engen Perspektive ein, die Pein der Figuren wird fast schon auf unangenehme Weise durch zahlreiche extreme und entblößende Nahaufnahmen auf Gesichter akzentuiert. Jennifer Connelly gibt sich ihrer schwierigen Rolle mit Leib und Seele hin, als vom rechten Pfad abgekommene, mittlerweile drogensüchtige Obdachlose ist sie vollkommen glaubhaft. Mit Hollywood-Glanz hat das jedenfalls nichts zu tun, oft fällt es regelrecht schwer, die tatsächlich schlecht aussehende und abgemagerte Frau anzusehen. Der Schmerz, der sich in ihren Augen und auf ihrer gesamten Körpersprache abspielt, färbt schnell auch auf den Zuschauer ab, wodurch „Shelter“ alles andere als eine angenehme Erfahrung ist. Connelly ist das Herz und der beste Aspekt dieses Films, ihre entblößte, fragile, mutige und kompromisslose Performance wäre Auszeichnungen würdig gewesen.

Paul Bettany gelang hier zweifelsohne ein sehr empathischer Film, der einen überaus menschlichen Blick auf die Menschen wirft, die am Rande der Gesellschaft leben. Er fordert auf, Menschen nicht nach ihrer äußeren Erscheinung zu beurteilen, sondern ihre Existenz und Hintergründe zu hinterfragen. Außerdem offenbart er mit kritischem und sozial aufmerksamem Auge die vielfältigen bürokratischen Hürden, die man in Amerika nehmen muss, um nicht völlig unterzugehen. Schließlich geht es in „Shelter“ für eine der Figuren um einen verzweifelten Kampf um lebenswichtige Medikamente, an die man nur mit viel Geld kommen kann. So begibt sich der Film am Ende in schlimme menschliche Abgründe, denn die Medikamente sind nur für einen unsagbaren Preis erhältlich. Shelter - Auf den Straßen von New York SzenenbildEin hoffnungsvoller Blick ist das letztlich trotz vorsichtigen Anflügen von Licht am Himmel ganz sicher nicht, „Shelter“ suhlt sich meistens regelrecht im Elend und zeigt die hässliche Fratze, die das Leben für einen bereitstellen kann mit unbarmherziger Härte. Auf Hilfe von anderen können die beiden Figuren nicht bauen, im Gegenteil, sie werden in ihrem schlimmsten Moment noch seelisch und körperlich ausgebeutet. Einer dieser wenigen Anflüge von Hoffnung ist dann das luxuriöse Apartment, das Hannah und Tahir merkwürdigerweise unverschlossen auffinden und für kurze Zeit bewohnen, da die Besitzer im Urlaub sind. Hier können sich Beide an eine normale Existenz zurückerinnern, dort kommt es auch zu etwas erzwungen wirkenden Diskussionen über Religion und andere philosophische und intellektuell angehauchte Themen.

„Shelter“ verfügt über zahlreiche starke und überzeugende Ansätze, bietet jedoch letztlich zu wenig, um voll und ganz zu überzeugen. Zu sehr fokussiert sich der Film auf unermessliches und oft auch erzwungen wirkendes Elend, auf Unglück und tiefe Depression, dass man sich letztlich erschlagen von melodramatischem Exzess fühlt. Vergleiche zu Darren Aronofskys noch weit abgründigerem Suchtdrama „Requiem for a Dream“ liegen da nahe (Aronofsky half seinem Freund Paul Bettany auch im Schnitt aus), doch die Klasse und künstlerische Dimension des genannten Films erreicht „Shelter“ leider nur gelegentlich. Obwohl Bettanys Regiedebüt einige dramatische Schwächen aufweist und etwas mehr Nuanciertheit benötigt hätte, ist „Shelter“ dennoch mindestens ein exzellent gespieltes und mitfühlendes Sozialdrama, das durchaus zu bewegen weiß. Ob man diese Schocktherapie wirklich benötigt, ist eine andere Frage.

Shelter - Auf den Straßen von New York Szenenbild Bild
Das Bild von „Shelter“ zeichnet sich vor allem durch seine oft schon fast unangenehme hohe Schärfelevel und Detaildichte aus, die sich vor allem in den zahlreichen Nahaufnahmen von Gesichtern zeigen. Ansonsten zeigt sich der Film weitestgehend naturalistisch, Farben sind aber generell recht kräftig. Kontraste sind hervorragend, Bildfehler bleiben aus. Insgesamt ein sehr knackiges und dynamisches Bild.

Ton
Von Beginn an präsentiert sich ein sehr lebendiges Klangbild, bei dem sich vor allem die Filmmusik präsent auf die Surround-Kanäle verteilen. Dort finden sich auch immer wieder subtile Umgebungsgeräusche. Die Tonspur ist insgesamt kraftvoll abgemischt und erhält immer wieder Unterstützung vom Subwoofer. Klangwiedergabe bei Dialogen, die erwartungsgemäß das Zentrum des Films ausmachen, ist hervorragend.

Extras
Leider hat es bis auf den deutschen Trailer kein Bonusmaterial auf die Disc geschafft.
Trailer (01:56 Min.)
Weitere Highlights („St. Vincent“, „Still Alice“, „Mit ganzer Kraft“, „Bevor der Winter kommt“)


Fazit:
Paul Bettanys Regiedebüt ist ein kompromissloses deprimierendes Sozialdrama über den tiefsten Punkt, den Menschen erreichen können. „Shelter“ ist ein empathischer und integrer Film, der vor allem durch eine exzellente Jennifer Connelly zu überzeugen und bewegen weiß. Letztlich ist das aber auch etwas zu viel des Guten und man fühlt sich früher oder später von all dem etwas erzwungen wirkenden Elend und melodramatischem Exzess erschlagen.

by Florian Hoffmann
Bilder © WVG Medien / polyband Medien