Schneemann - Blu-ray

Blu-ray Start: 16.02.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 119 min

Schneemann Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

Preisvergleich

jpc Logo 17,99 € jetzt kaufen
Amazon Logo 9,83 € jetzt kaufen5053083138868
alle Preise inkl. MWST

-> alle DVD und Blu-ray zum Film

Inhalt

Mit jedem ersten Schnee wird eine junge Frau Opfer eines brutalen Serienmörders. In der Verfilmung des skandinavischen Bestsellers von Jo Nesbø versucht Kommissar Harry Hole (Michael Fassbender ) mit Hilfe der jungen Ermittlerin Katrine Bratt (Rebecca Ferguson) das Spiel des psychopathischen Killers zu durchschauen, bevor dieser ein weiteres Mal zuschlägt.

-> mehr Info zum Film mit Trailer, Cast & Crew

Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universal Pictures
Tonformate:
DTS-HD Master Audio 7.1: Englisch
DTS-HD High Resolution Audio 7.1: Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch
Untertitel:
Deutsch, Englisch (SDH), Arabisch, Spanisch, Dänisch, Niederländisch, Finnisch, Französisch, Hindi, Isländisch, Italienisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
- Die Welt der Figuren
- Die Entstehung von Jo Nesbøs Welt
- Der Schneemann-Killer
- Die Landschaft Norwegens
- Stunt Files: Der einsinkende See

DVD und Blu-ray | Schneemann

Blu-ray
Schneemann Schneemann
Blu-ray Start:
16.02.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 119 min.

zur Blu-ray Kritik
Schneemann (Steelbook) Schneemann (Steelbook)
Blu-ray Start:
16.02.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 119 min.
DVD
Schneemann Schneemann
DVD Start:
16.02.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 114 min.

Blu-ray Kritik - Schneemann

Blu-ray Wertung:
Film: | 4/10
Bild: | 8/10
Ton: | 9/10
Extras: | 5/10
Gesamt: | 6/10


„Eine Frau ist letzte Nacht verschwunden. Wir haben die Leiche gefunden. Er nennt sich der Schneemann-Killer… (Bedeutungsschwangere Pause) Er ist völlig wahnsinnig.“ So lautet nur eins der zahlreichen klischeehaften und unfreiwillig komischen Zitate in der leider völlig misslungenen Adaption des norwegischen Krimi-Bestsellers „Schneemann“ vom norwegischen Autor Jo Nesbø. Dass dieser vor und hinter der Kamera überaus hochkarätig besetzte Prestige-Thriller derart schwach ausfällt, ist ein mahnendes Beispiel dafür, dass reines Talent und handwerkliches Können alleine noch keinen guten Film machen. Auch wenn der Schwede Tomas Alfredsson, der zuvor mit „So finster die Nacht“ und „Dame, König, As, Spion“ zwei herausragende Qualitätsfilme realisiert hat, direkt zum Kinostart im Interview mit einer norwegischen Zeitung beklagt hat, dass man aufgrund eines zu knapp angesetzten Drehs circa 15 Prozent des Drehbuchs zu „Schneemann“ nicht drehen konnte, entschuldigt das nur zum Teil diesen massiven Fehlschlag. „Schneemann“ ist nicht nur eine konfus erzählte, uninspirierte, spannungsarme und teilweise stark zur Vorlage abgeänderte Adaption, sie ist auch ohne Feingefühl für seine schwach gezeichneten Figuren inszeniert und leider mit einigen unfreiwillig komischen Momenten gesäumt.

Hauptkommissar Harry Hole (Michael Fassbender)
Hauptkommissar Harry Hole (Michael Fassbender) © Universal Pictures
Es ist fast schon müßig, Beispiele aufzuzählen, die die zahlreichen Schwächen dieses Films belegen. Ganz allgemein liegt es natürlich auf der Hand, die verwirrende, teilweise zusammenhanglos wirkende Handlung zu nennen. Alles beginnt mit einer Rückblende, die wenig subtil und nur schwer nachvollziehbar die küchenpsychologischen Beweggründe für die späteren Morde etablieren will. In der Gegenwart angekommen, wird der in Ungnade gefallene, aber scheinbar brillante Osloer Hauptkommissar Harry Hole (Michael Fassbender) eingeführt, der gerne mal nachts auf einer Parkbank in Eiseskälte seinen Suff ausschläft. Ihm wird die junge Kollegin Katerine Bratt (Rebecca Ferguson) zugewiesen, die Hole angesichts seiner Geschichte als erfolgreicher Ermittler bewundert. Zeitgleich erhält Hole kryptische, in infantiler Schrift und Sprache verfasste Botschaften, die mit einem krude gezeichneten Schneemann signiert sind. Diese hängen scheinbar mit sich häufenden Vermisstenfällen junger Mütter zusammen, an deren Orte des Verschwindens Schneemänner positioniert wurden. Gemeinsam begibt sich das Polizistenpaar auf Spurensuche, bei der unter anderem der zwielichtige Industrielle Arve Støp (J.K. Simmons) und der nicht minder verdächtige Schönheitschirurg Idar Vetlesen (David Dencik) ins Fadenkreuz der Ermittlungen geraten.

Schon in den ersten Minuten erscheint dieser offensichtliche Versuch, eine Franchise im Stile der Stieg Larsson-Millenium-Adaptionen aufzubauen, befremdlich. Eine bedrohlich düstere und facettenreich-komplexe Vision à la David Finchers „Verblendung“ sucht man hier jedenfalls vergebens. Alfredssons Inszenierung des Stoffes ist bierernst und ohne jedes Augenzwinkern angelegt, was an sich ja nicht unbedingt schlecht sein muss, wenn man einen seriösen Thriller für Erwachsene machen will. Jedoch erscheint das Handling des vielversprechenden Materials tonal fehlgeleitet und letztlich sich selbst zu ernst nehmend und sowohl erschreckend substanzlos als auch nichtssagend. Szenen sind schon zu einem frühen Zeitpunkt in sich unsinnig, schlecht gespielt und mit zahlreichen ernsthaft irritierenden und merkwürdigen Reaktionen der eigentlich hochkarätigen, aber lustlos agierenden Akteure bestückt. Doch nach dem holprigen Start baut „Schneemann“ zumindest ein Mindestmaß an oberflächlicher Spannung und Interesse auf, denn man möchte schon wissen, wo diese Reise wohl hingeht.

Katerine Bratt (Rebecca Ferguson)
Katerine Bratt (Rebecca Ferguson) © Universal Pictures
Leider wird dann aber auch recht früh klar, dass der Protagonist Harry Hole einfach nicht interessant gezeichnet ist und im Film keine spürbare Entwicklung durchmacht. Man baut schlicht kein Interesse für diese distanzierte Figur auf, die zu allem Übel erstaunlich lustlos und müde vom sonst so zuverlässigen Fassbender gespielt wird. Seine übliche magnetische Präsenz und Intensität lässt diese Darstellung bitterlich vermissen. Sicher, Hole ist ein vom Leben gezeichneter und desillusionierter Mann, der schon zu viel gesehen hat, dennoch müssen auch solche Figuren den Zuschauer spätestens ab einem gewissen Zeitpunkt packen und eine Verbindung aufbauen – auch wenn Fassbender an sich glaubwürdig erscheint. Die talentierte Rebecca Ferguson schneidet da schon etwas besser ab, wird jedoch wie ihr Kollege nicht mit gutem Material belohnt. Ihre Figur ist auf persönliche Weise mit dem unbeholfenen Subplot über den Industriellen Arve Støp verbunden, der jedoch substanzlos bleibt und letztlich frustrierend – wie so vieles in diesem Film – ins Leere läuft. Emotional kommt hier nichts zusammen, was in einer seltsam flachen und passiven Seherfahrung resultiert.

Hier ein verblüffendes Beispiel für die unfreiwillige Komik, die in „Schneemann“ immer wieder Einzug findet: Direkt zu Beginn kommt der verkaterte und durchgefrorene Hole nach Hause, als er in Halbtrance hinter sich ein Geräusch wahrnimmt, sich direkt umdreht und seine Waffe abfeuert – Dort ist ein Handwerker gerade dabei, Asbest zu entfernen. Anstatt panisch oder gar wütend zu reagieren, geht der knapp unversehrte Arbeiter fast direkt in ein normales Gespräch mit Hole über. Ein späterer „Dialog“, bei dem Hole in einer fremden Polizeistation einen Kollegen darum bittet, ein Beweisfoto zu behalten, ist ähnlich köstlich: Hole fragt nüchtern nach dem Foto und erhält ein ebenso trockenes „Nein“ als Antwort. Nach einer kurzen Pause fragt Hole erneut auf die exakt gleiche Weise, woraufhin der Kollege schließlich bejaht – Ende. Diese Szene hat keinen weiteren Zweck für die Handlung, sie steht einfach nur wie so viele andere unangenehm im Raum. Weitere völlig rätselhafte inszenatorische Entscheidungen zeigen sich auch in einer Szene, bei der Hole später erneut nach Hause kommt und den Asbest-Handwerker manisch tanzend zu Hot Butters immer sonderbarerweise wiederkehrendem „Popcorn“ vorfindet. Hole schickt den vermummten Mann wütend raus, ohne jedoch zu ahnen, dass es sich bei dem Mann nicht um den tatsächlichen, am Anfang gesehenen Handwerker, sondern um, ja, den Killer handelt! Dieser geht dann einfach und erhält draußen noch einen verwirrten Blick des tatsächlichen Arbeiters vom Anfang. Erneut, diese Szene irritiert nur in ihrer völligen Sinn- und Zusammenhanglosigkeit. Spannung oder ein Gespür für Gefahr kommt in solchen Momenten jedenfalls nicht auf.

Schneemann: Michael Fassbender spielt Harry Hole
Schneemann: Michael Fassbender spielt Harry Hole © Universal Pictures
Doch „Schneemann“ ist sicher nicht ohne oberflächliche Qualitäten, was angesichts des Talents hinter der Kamera nicht überraschen sollte. So baut der Film schon eine gewisse Atmosphäre auf, was den klinisch präzisen Bildern vom Oscar-gekrönten Kameramann Dion Beebe zu verdanken ist. Teils passt diese naturalistische und kühle Ästhetik sicher auch zum Bildeindruck eines herkömmlichen deutschen oder skandinavischen TV-Krimis, manche präzise Bildkomposition und die gelegentlichen leinwandfüllenden Panoramen der norwegischen Landschaft sorgen hier für feine Unterschiede. Die zahlreichen Originaldrehorte in Oslo, Bergen oder Rjuken kommen schon wirkungsvoll zur Geltung und sorgen für Flair und Lokalkolorit. Doch dann ist da eben auch leider Marco Beltramis erschreckend uninspirierter und generischer Thriller-Score, der auch gut in den gängigen Vorabendkrimi passen könnte.

Auf keinen Fall darf natürlich der titelgebende „Schneemann“ nicht vergessen werden. Nicht nur gibt es keinerlei nachvollziehbare Erklärung für die scheinbare Obsession des Killers, Schneemänner zu bauen, die Szenen, in denen besagte Skulpturen erscheinen, sind in ihrer unfreiwilligen Komik kaum zu übertreffen. Manche dieser Momente erscheinen so absurd und ohne Sinn und Verstand inszeniert, dass man sich schon verdächtig nahe an der Parodie bewegt. Die überzogenen und erzwungen grotesk-morbide wirkenden Gewaltmomente bzw. Tatorte wirken auch nicht nur geschmacklos und plump, nein, auch sie verfehlen ihre scheinbar beabsichtigte Wirkung und sorgen nur für Lacher und/oder Kopfschütteln. Warum man dann noch den gerade nach zweijährigem Kampf gegen Kehlkopfkrebs kurierten, aber schwer gezeichneten und fast sprachunfähigen Val Kilmer in der Rolle des desillusionierten Polizisten Gert Rafto besetzt, ist ein weiteres irritierendes Rätsel. Nicht nur wirkt Kilmers Figur in seinem Handeln befremdlich und schwer nachvollziehbar, er wurde auch katastrophal schlecht nachsynchronisiert. Dass der Name des Protagonisten konsequent englisch und nicht korrekterweise „Hoh-le“ ausgesprochen wird, gibt dem Film ebenso eine weitere Angriffsfläche für unfreiwillige Komik wie die merkwürdigen, koffergroßen Polizei-Gadgets, die immer wieder eine wichtige Rolle spielen.

Schließlich entgleist der Film aber nicht aufgrund der zahlreichen unerklärlichen Inszenierungsschwächen, sondern wegen der schlichtweg unschlüssig erzählten und konfus montierten Handlung. Die Identität des Killers liegt schon früh nicht allzu fern, seine Motive erscheinen ebenso unlogisch wie seine Handlungsweise. Das obligatorische Finale mit seinem Showdown ist dann ebenso lachhaft wie der Großteil des Films. „Schneemann“ gelingt es nicht über anfänglich subtile Spannung hinauszugehen, weshalb man sich schnell in dröger Langeweile wiederfindet – ein Todesurteil für einen Thriller. Dass fast alle Figuren ebenfalls nicht sinnvoll ausgearbeitet wurden, da man nur Fragmente der Vorlage übernahm und diese dann noch teilweise ungeschickt abänderte, fährt diesen Film dann endgültig an die Wand. So geht dieser Film nicht über schlechtes Groschenroman-Niveau hinaus, was angesichts seiner weit besseren Vorlage und dem sonst erstklassigen Team in einer der größten Enttäuschungen der letzten Jahre resultiert.

Schneemann: Rebecca Ferguson spielt Katerine Bratt
Schneemann: Rebecca Ferguson spielt Katerine Bratt © Universal Pictures
Bild
Das Bild von „Schneemann“ präsentiert sich erwartungsgemäß auf hohem Niveau. Die Farbpalette erweist sich als natürlich und ist angesichts des Settings eher in dezentere und kühlere Farben gehalten. Dennoch ist der farbliche Eindruck wahrhaftig und macht den Eindruck, dass hier nicht übermäßig zwecks Stilisierung nachcoloriert wurde. Auch wärmere Farben finden sich im Verlauf des Films, welche ebenfalls natürlich und genau ausreichend intensiv wiedergegeben werden. Kontraste und Schwarzumfang sind auf gutem Niveau, gelegentlich erkennt man jedoch leichtes Rauschen, das allerdings nur bedingt ins Gewicht fällt. Schärfe- und Detaillevel sind gerade in Nahaufnahmen sehr ansprechend.

Ton
In akustischer Hinsicht präsentiert die Blu-ray einen hervorragenden und präzisen Tonmix, der für viel Atmosphäre im Heimkino sorgt. Über die gesamte Laufzeit verteilen sich detailreiche Umgebungsgeräusche und die Filmmusik auf die umliegenden Lautsprecher. So kommt hier ein lebendiger Klang zustande, der auch dank des sehr guten Dynamikumfangs und der sehr gut verständlichen Stimmen wirkungsvoll unterstützt wird.

Extras
Das Bonusmaterial der Blu-ray teilt sich in fünf kurze Featurettes mit einer Gesamtlänge von etwa 24 Minuten auf. Hier kriegt man einen ganz guten, wenn auch erwartungsgemäß oberflächlichen und irritierend lobhudelnden Eindruck von der Produktion.
Die Welt der Figuren (07:46 Min.)
Die Entstehung von Jo Nesbøs Welt (04:05 Min.)
Der Schneemann-Killer (04:03 Min.)
Die Landschaft Norwegens (06:33 Min.)
Stunt Files: Der einsinkende See (01:36 Min.)


Fazit:
„So finster die Nacht“ und „Dame, König, As, Spion“-Regisseur Tomas Alfredsson verzettelt sich mit seiner lahmen, unfreiwillig komischen und inkohärenten Nesbø-Adaption und liefert damit eine der massivsten Enttäuschungen der letzten Jahre. Eine weitestgehend stylische Ästhetik hilft da angesichts der zudem orientierungslos wirkenden Darsteller-Hochkaräter leider auch wenig.

by Florian Hoffmann
Bilder © Universal Pictures