Schloss aus Glas - Blu-ray

Blu-ray Start: 08.02.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 128 min

Schloss aus Glas Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Für Jeannette (Brie Larson) ist das Leben ein großes Abenteuer. Ihr Vater Rex (Woody Harrelson) holt ihr die Sterne vom Himmel und verjagt die Dämonen, die sie nachts im Traum verfolgen. Was macht es da schon, mit leerem Magen ins Bett zu gehen, eine eigensinnige Künstlermutter (Naomi Watts) ertragen zu müssen oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Wohnort zu wechseln. Sie ist ein glückliches Kind. Doch mit der Zeit können auch die hoffnungsvollen Geschichten des alkoholkranken Vaters nicht mehr von der bitteren Armut ablenken, in der Jeannette und ihr Familie leben, und das Lügengebäude der Eltern erweist sich als ebenso zerbrechlich wie das Schloss aus Glas, das Rex seiner Tochter jahrelang verspricht zu bauen…

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment
Tonformate:
Deutsch 7.1 DTS-HD (Master Audio)
Englisch 5.1 DTS-HD (Master Audio)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.40:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Gelöschte Szenen, Erinnerungen an den Film, Featurette: Der Soundtrack, Making of "Summer Storm", Interview mit Schriftstellerin Jeannette Walls, Making of, Trailer, Wendecover

DVD und Blu-ray | Schloss aus Glas

Blu-ray
Schloss aus Glas Schloss aus Glas
Blu-ray Start:
08.02.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 128 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Schloss aus Glas Schloss aus Glas
DVD Start:
08.02.2018
FSK: 1 - Laufzeit: 122 min.

Blu-ray Kritik - Schloss aus Glas

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 7/10
Gesamt: | 8/10


Amerika in den Sechziger Jahren: Die Walls-Familie, bestehend aus Vater Rex (Woody Harrelson), Mutter Rose Mary (Naomi Watts) und ihren Kindern Jeanette, Lori, Maureen und Brian leben ein Nomadenleben am Rande der Gesellschaft und ziehen von Ort zu Ort. Rex ist ein ehemaliger Air Force-Pilot, der nun dem Alkohol verfallen und die meiste Zeit arbeitslos ist. Rose Mary verdient ebenfalls kein Geld, denn sie versteht sich als Künstlerin, der das Fertigstellen eines Gemäldes oft wichtiger ist, als ihrer siebenjährigen Tochter etwas zu essen zu kochen. Rex und Rose Mary leben ihre eigenen Ideale und erziehen ihre Kinder auf konsequent nonkonformistische und antiautoritäre Weise. Auch wenn ihre Herangehensweise oft nichts anderes als egoistisch, rücksichtslos und vernachlässigend daherkommt, spürt man dennoch auch immer ihre Liebe zu ihren Kindern.

Jeanette Walls (Brie Larson)
Jeanette Walls (Brie Larson) © Studiocanal Home Entertainment
Dieses ambivalente und potentiell tragisch-düstere Szenario schilderte Autorin Jeanette Walls in ihren 2005 veröffentlichten Memoiren, die als Bestseller unter dem Titel „Schloss aus Glas“ zu einem weltweiten Erfolg wurden. Destin Daniel Cretton, der vor ein paar Jahren mit seiner Indie-Perle „Short Term 12“ für Aufsehen sorgte, hat diese faszinierende Geschichte nun mit großem Aufwand verfilmt. Mit dabei ist auch seine „Short Term 12“-Muse Brie Larson, die spätestens nach ihrem Oscar-Gewinn für „Raum“ zur amerikanischen Schauspielelite gezählt werden darf. Larson spielt hier die erwachsene Jeanette Walls, die im Jahr 1989 mittlerweile getrennt von ihren Eltern als Journalistin für das New York Magazine arbeitet und mit dem Finanzanalysten David (Max Greenfield) verlobt ist. In ihrer jetzigen hedonistischen und klinisch reinen Yuppie-Existenz, die in krassem Gegensatz zu ihrer bettelarmen Vergangenheit steht, wirkt Jeanette stellenweise so als würde sie eine Rolle in einem fremden Leben spielen. Spätestens als Jeanette zufällig nachts beim Vorbeifahren ihre Eltern dabei beobachtet, wie sie Müll durchwühlen, kommen alte Erinnerungen zurück, die sie dazu zwingt, den Kontakt zu ihrer Familie zu suchen.

Erinnerungen an den thematisch verwandten „Captain Fantastic“ werden beim Anschauen dieses Films wach, denn auch bei „Schloss aus Glas“ darf man viele provokante Szenen beobachten, in denen eine unkonventionelle Erziehung basierend auf einer nonkonformistischen Weltsicht praktiziert wird. Doch während viele Herangehensweisen von Viggo Mortensens alleinerziehendem Familienvater durchaus nachvollziehbar war oder zumindest faszinierende Denkanstöße bat, lassen sich die Methoden von Rex und Rose Mary kaum legitimieren. Wenn, wie eingangs erwähnt, Jeanette hungrig nach etwas Essbarem bittet und Rose Mary unterkühlt fragt, ob ein kurzfristig füllendes Essen wichtiger ist als ihr gerade in der Arbeit befindliches und ewig bestehendes Gemälde, muss man schon verwundert mit dem Kopf schütteln. So bereitet Jeanette eben selbst ein paar Würstchen zu, was schließlich dazu führt, dass ihr Kleid wenig später in Flammen steht.
Die Walls-Familie, bestehend aus Vater Rex (Woody Harrelson), Mutter Rose Mary (Naomi Watts) und ihren Kindern Jeanette, Lori, Maureen und Brian
Die Walls-Familie, bestehend aus Vater Rex (Woody Harrelson), Mutter Rose Mary (Naomi Watts) und ihren Kindern Jeanette, Lori, Maureen und Brian © Studiocanal Home Entertainment


Oder wie verhält es sich mit der Szene, bei der Rex Jeanette immer wieder in einem öffentlichen Schwimmbad ins Wasser wirft, um ihr Schwimmen beizubringen? Ungeachtet Jeanettes zunehmender Angst und Verzweiflung lässt der paradoxerweise gutmütig daherkommende Rex nicht nach und versucht es eben auf die harte Tour, um seiner Tochter die unnachgiebigen Mechanismen des Lebens nahe zu bringen. Sicher, später sieht man mit der erwachsenen Jeanette eine starke und selbstständige Frau und auch mit den restlichen Kindern verhält es sich nicht anders. Aber ist das unbedingt Resultat dieser fragwürdigen Erziehung? „Schloss aus Glas“ wirft hier durchaus provokante Fragen auf, ohne diese wirklich beantworten zu wollen. Das ist zum einen positiv zu bewerten, dennoch legt die Inszenierung teilweise schon nahe, dass diese abenteuerliche Kindheit auch irgendwie schon ganz gut war.

Man kann das durchaus auch als ambivalente Herangehensweise verstehen, denn der Film macht unmissverständlich deutlich, dass die Beziehung und durchaus enge Verbindung zwischen Rex und Jeanette von tief empfundener Liebe geprägt war. Hier gibt es nämlich auch zahlreiche zauberhafte Momente der Freude zu bewundern, in denen Jeanette bewundernd zu ihrem Vater emporblickt. Dass Rex in seiner Stur- und auch Krankheit der Ansicht ist, dass er nur das Beste für seine Kinder will, scheint fraglos. Rex sprunghaftes und irrationales Verhalten legt nahe, dass seine cholerischen Anfälle nicht nur von reiner Alkoholsucht bedingt sind. Sein oft träumerischer und naiver Quixote-artiger Blick auf die Welt (er verspricht jahrelang seiner Familie das titelgebende Glashaus zu bauen) wechselt sich eben ab mit schwierigen und unnachgiebigen Episoden, die ein klares Urteil über diese komplex und sehr menschlich gezeichnete Figur verbietet.

Jeanette Walls (Brie Larson)
Jeanette Walls (Brie Larson) © Studiocanal Home Entertainment
Hier zeigt sich aber auch eine der unzweifelhaften Stärken des Films: Woody Harrelson brilliert in dieser enorm facettenreichen Rolle, die er mit ganz großem Einfühlungsvermögen zum Leben erweckt. Man möchte diesen Mann eigentlich hassen, doch wird dank Harrelsons unwiderstehlicher Herangehensweise immer wieder davon abgebracht, denn man spürt stets auch seinen guten Kern. Dennoch: Momente, in denen die Kinder drei Tage lang ohne Essen bleiben müssen und schließlich dazu geführt werden, Butter mit Zucker zu essen, grenzen schon an emotionalen Missbrauch, der kaum zu entschuldigen ist. So kommt dann auch die noch egozentrischer wirkende Rose Mary wenig gut weg, denn von ihrer Seite kommen diese emotional bindenden Momente nicht.

Cretton inszeniert diesen Film wie auch schon „Short Term 12“ mit großem Einfühlungsvermögen, das sich auf die enorm glaubwürdigen Darstellungen sämtlicher Darsteller überträgt. Man hat den Eindruck, dass er die Figuren liebt und versteht, wodurch sich hier eine größtenteils emotional aufrichtige Filmerfahrung ergibt. Viele Zuschauer werden das Verhalten der Walls-Eltern zurecht streng verurteilen und dem Film vorwerfen, dass er falsche Erziehungsmethoden propagiert und zu versöhnlich endet, was aber sicherlich etwas kurz greift. Viel mehr wirkt „Schloss aus Glas“ authentisch und menschlich komplex, ohne den Zuschauer manipulieren zu wollen, wobei er dennoch gerade gegen Ende etwas zwiespältig wirkt. Man hat irgendwie den Eindruck, dass Cretton den Film vielleicht ein wenig zu optimistisch färbt und trotz der ehrlichen düsteren Momentaufnahmen mehr an einer warmherzig-vergebungsvollen Perspektive interessiert ist und zu zwanghaft auf eine positive emotionale Feel-Good-Katharsis zusteuert.

Das kommt alles dann letztlich vielleicht nicht so packend, emotional und schlüssig daher wie „Captain Fantastic“, dennoch ist hier ein gut gemachter und gespielter Film zu sehen, der vor allem versucht all seinen realen Figuren gerecht zu werden. So enthusiastisch wie sich die alles überstrahlende Jeanette Walls angesichts der Verfilmung ihres Lebens zeigt, fällt es dann schließlich auch wirklich schwer, diesen Film nicht auf seine Weise gelungen zu finden.

Jeanette mit ihrem Vater
Jeanette mit ihrem Vater © Studiocanal Home Entertainment
Bild
Die technische Umsetzung der Blu-ray überzeugt. Das digital auf Arri Alexa aufgezeichnete Bild gefällt mit hohen Schärfe- und Detailwerten und macht insgesamt einen sehr sauberen und polierten Eindruck. Kontraste und Schwarzwerte bewegen sich auf hohem Niveau, während der eigentlich unaufdringlich-naturalistische visuelle Stil durch recht offensive Farbkorrektur stilisiert wird. Insgesamt sieht der Film auf Blu-ray mit seiner warmen und einladenden Farbgebung angenehm und hochwertig aus.

Ton
Auch in akustischer Hinsicht präsentiert sich die Blu-ray auf zeitgemäß hohem Niveau. Größtenteils ist „Schloss aus Glas“ dialog- und damit weitestgehend frontbasiert, jedoch kommt stets auch subtil Räumlichkeit in Form von präzise verteilten Umgebungsgeräuschen auf. Hier wirkt alles fein und natürlich abgemischt, während Verständlichkeit und Klarheit keinen Grund zur Kritik zulässt.

Extras
Angenehmerweise überrascht diese Blu-ray mit überdurchschnittlichem Making of-Material, das einen sehr unterhaltsamen und einsichtsreichen Blick in die Entstehungsgeschichte dieses Films zulässt. Tatsächlich ist es vor allem die ansteckend enthusiastische Jeanette Walls, die so begeistert von der gesamten Produktion und den Machern ist, dass man den Film fast in einem positiven Licht sehen muss. Das Making of und das Interview mit Walls agieren hier als Herzstück, während die beiden musikalischen Featurettes und anderen Extras eher nettes Beiwerk sind.
Vom Roman zum Film (25:47 Min.)
Interview mit Romanautorin Jeanette Walls (15:23 Min.)
Deleted Scenes (09:22 Min.)
Featurette: Der Soundtrack (04:05 Min.)
Featurette: Summer Storm (03:21 Min.)
Making of (10:37 Min.)
Trailer (02:24 Min.)
Weitere Highlights


Fazit:
„Schloss aus Glass“ ist mit spürbarer Liebe und Empathie für seine realen Figuren gemacht und bietet größtenteils ein aufrichtiges und teils auch provokantes Erlebnis, das an emotionalen Momenten nicht spart. Die Darsteller brillieren durch die Bank mit eingelebten und glaubwürdigen Performances, wobei Woody Harrelson und Ella Anderson als junge Jeanette Wallis besonders herausragen. Lediglich der etwas versöhnliche und zu sehr auf Warmherzigkeit strebende Ton des dritten Aktes trübt den sehr guten Eindruck und hinterlässt mit zwiespältigen Gefühlen.

by Florian Hoffmann
Bilder © Studiocanal Home Entertainment