Red Army - Legenden auf dem Eis - Blu-ray

Blu-ray Start: 26.06.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 85 min

Red Army - Legenden auf dem Eis Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Red Army, die Eishockeynationalmannschaft der Sowjetunion, war seinerzeit eine der besten der Welt. Von jung auf diszipliniert und ausgezeichnet durch eine Spielweise, bei der Teamwork und das „Funktionieren im Kollektiv“ im Mittelpunkt standen, galt sie mitten im kalten Krieg als Beweis für die Überlegenheit des sozialistischen Systems. Als Teil der Propaganda war es die einzige Aufgabe des Teams, den Westen zu besiegen. Slawa Fetissow, der Kapitän der Red Army, war einer der ersten, die nach der Auflösung der UDSSR von Vereinen der NHL mit dem Versprechen auf Wohlstand und Freiheit in die USA geholt wurden – ein Wechsel, für den er in der Heimat zum politischen Feind deklariert wurde. Doch der Neuanfang im Westen war steinig: Die Spielweise der sowjetischen Athleten schien im amerikanischen System der Stars und Individualisten nicht zu funktionieren ...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universum Film / Weltkino
Tonformate:
DTS-HD 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Interviews, Bonusclips, Deleted Scenes

DVD und Blu-ray | Red Army - Legenden auf dem Eis

Blu-ray
Red Army - Legenden auf dem Eis Red Army - Legenden auf dem Eis
Blu-ray Start:
26.06.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 85 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Red Army - Legenden auf dem Eis Red Army - Legenden auf dem Eis
DVD Start:
26.06.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 81 min.

Blu-ray Kritik - Red Army - Legenden auf dem Eis

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 8/10


Die besten Dokumentarfilme nehmen sich ein spezifisches Thema heraus und gehen darüber hinaus, sodass auch Nichtinteressierte Freude an dem Film finden. Ein solcher Film war etwa vor nicht allzu langer Zeit Asif Kapadias „Senna“, der auch Formel 1-Abgeneigte bewegt hat. So funktioniert auch Gabe Polskys „Red Army“, der sicher nicht nur für Eishockey-Liebhaber ein Blick wert ist. Polskys Film widmet sich vordergründig der legendären Eishockey-Mannschaft der Sowjetunion, die in den Siebziger und Achtziger Jahren als nahezu unschlagbar galt. Im Zentrum des Films steht Slava Fetisov, einer der damaligen Schlüsselspieler und heutiger Präsident von ZSKA Moskau, der seine Laufbahn auf manchmal recht eigenwillige Revue passieren lässt. In einem packenden Film portraitiert Polsky die enorme Bedeutung der Mannschaft für die damalige Sowjetunion im Wettrüsten um internationale Anerkennung zu Zeiten des Kalten Krieges und geht damit thematisch weit über einen rein sportlichen Aspekt hinaus. So liefert „Red Army“ einen rasanten, immer unterhaltsamen Schnelldurchlauf durch die russische Eishockeygeschichte seit Anfang der Siebziger Jahre mit einer Vielzahl an mal amüsanten und mal auch traurigen Anekdoten über Kameradschaft, ultimativen Leistungswillen, Beharrlichkeit und Nationalstolz. Polsky bringt einige der damaligen Sowjet-Legenden vor die Kamera, aber auch Trainer, Journalisten und sogar ein KGB-Agent kommen zu Wort. Diese oft amüsanten und manchmal angenehm ungezwungen wirkenden Interviews werden mit Archivmaterial angereichert und bieten einen stark komprimierten, aber pointierten Überblick über ein Stück bedeutende Zeitgeschichte.

„Red Army“ zeigt auf, dass Eishockey weit mehr als nur ein Spiel für die Sowjetunion war: Faszinierend sind hier die Einblicke in die nahezu hermetisch abgeschlossenen Trainingsbedingungen des Teams unter dem gefürchteten Trainer Viktor Tikhonov, der seine Spieler unerbittlich ans Maximum der Leistungsfähigkeit geführt hat. Nach der legendären Niederlage gegen das Underdog-US-Team bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid (im Kurt Russell-Film „Miracle“ (2004) dramatisiert) wurde die Mannschaft praktisch für ein Jahr zum ultimativen Drill ins Trainingslager geschickt. Dort, berichtet Fetisov, mussten die Spieler viermal täglich trainieren, was eine durchschnittliche Herzfrequenz von 220 zur Folge hatte. Zudem durften die Spieler nur ein Wochenende im Monat das Lager verlassen, wodurch ein Privatleben außerhalb des Sports praktisch nicht existierte, Kinder ihre Väter nach langer Abwesenheit sogar nicht mehr erkannt haben. Diese Schleiferei hatte aber zur Folge, dass das komplett auf Eishockey getrimmte Sowjet-Team weltweit gefürchtet war und für viele Experten heute auch als beste Mannschaft aller Zeiten gilt. Umso interessanter ist aber die Tatsache, dass die damalige Sowjetunion zu Zeiten des Kalten Krieges die Mannschaft als Propaganda-Aushängeschild für ihre individuelle Überlegenheit nutzte, ebenso wie etwa das technologische Wettrüsten in der Raumfahrt. Der Film illustriert auch den Wandel der Zeit, als Ende der Achtziger Jahre das kommunistische Modell zunehmend in Geldnot geraten ist und Spieler nach und nach in die NHL übergewandert sind und das Gesicht des nordamerikanischen Eishockeys dadurch für immer verändert wurde. Besonders gelungen ist der Film, da er der gefürchteten und oft als Bösewichter abgestempelten Übermacht ein menschliches Gesicht verpasst und damit einige Klischees aus dem Weg räumt.

Immer wieder kommt in „Red Army“ die filigrane, technisch hochentwickelte sowjetische Eishockeykunst zur Sprache. In ein paar Ausschnitten kommt das ausgefeilte, das Kollektiv in den Mittelpunkt stellende Spielsystem beeindruckend zum Vorschein, doch insgesamt würde man sich etwas mehr von diesen Szenen wünschen. So setzt Polsky viel auf eine traditionelle „Talking Heads“ Herangehensweise, die nur hin und wieder unterbrochen wird. Dramatik über aufregende Spielsituationen wird so eigentlich nie aufgebaut. Das ist alles trotzdem immer enorm unterhaltsam, oft auch augenzwinkernd und spannend umgesetzt, doch in 79 Minuten Laufzeit (ohne Abspann) wirkt der Inhalt doch schon sehr komprimiert. So wäre es vielleicht teilweise schön gewesen, einige Passagen zu vertiefen, etwa die Lake Placid Situation. Dennoch, „Red Army“ ist so rasant und packend inszeniert, dass man eigentlich keine Zeit hat, sich solche Gedanken während des Films machen kann. Star des Films ist Slava Fetisov, der mit seiner sehr eigenen Art für manche Irritation und Lacher sorgt. So ist Polskys Film eine sehr gelungene, leidenschaftlich und intelligent gemachte Dokumentation, die viele erhellende Momente bietet und dadurch nicht nur für Eishockeyfans eine echte Empfehlung ist.

Bild/Ton
Die Bildqualität der „Red Army“ Blu-ray fällt den Erwartungen entsprechend aus. Aufgrund der Mixtur von Interview- und Archivmaterial schwankt die Qualität zwangsläufig, wirkt aber erstaunlich homogen. Das neue, auf digitalen RED-Kameras gedrehte Bildmaterial weist durchweg gute Schärfewerte auf und ergibt ein natürliches und angenehmes Bildgefühl. Großartige Kontrast- oder Farbwerte sind natürlich hier nicht zu erwarten. Das Archivmaterial scheint restauriert zu sein und mit Ausnahme von kleinen Altersspuren erscheint eine Vielzahl der alten Aufnahmen überraschend frisch und fügt sich trotz teilweise 4:3-Seitenverhältnis gut in das Gesamtbild ein. Bildfehler wie Rauschen gibt es keine. Somit eine für einen Dokumentarfilm gute und absolut adäquate Bildqualität.

Alle Tonspuren liegen in DTS-HD MA vor. Neben der englischen 5.1-Originalversion gibt es zwei deutsche Spuren, eine in 5.1 und eine in Stereo. Die deutsche Fassung ist nicht synchronisiert, sondern es wird über die Originalkommentare gesprochen. Der Ton ist von Beginn an überraschend dynamisch, räumlich und druckvoll, primär natürlich bei musikalisch unterlegten Momenten. Besonders der gute Score erscheint sehr präsent. Alle Sprecheinlagen sind sehr klar und deutlich abgemischt. Hier gibt es absolut nichts zu bemängeln.

Extras
Hier die Übersicht inklusive Laufzeit des Bonusmaterials:
- Trailer (01:23 Min.)
- Deleted Scenes: 15 insgesamt gut 20 Minuten entfernte Szenen, meist tatsächlich erweiterte Szenen mit oft unfertigem Bildmaterial. Leider ohne "Play All" Funktion (19:48 Min.)
- Behind the Scenes: Im Grunde unkommentiertes B-Roll-Bildmaterial (08:26 Min.)
- Interview mit Wladimir Krutow: Überbleibsel von Interviewmaterial aus dem Film (03:09 Min.)
- Interview mit Wladimir Posner: Erweitertes Interview-Material (08:12 Min.)
- Interview mit Scotty Bowman: Wohl das Herzstück der Sonderausstattung, sehr ausführliches Interview mit der amerikanischen Trainer-Legende, das für den Film geführt wurde (55:31 Min.)
- NYFF - Gabe Polsky und Slawa Fetissow: Kurzer Q+A Ausschnitt vom New Yorker Film Festival 2014 (02:57 Min.)
- TIFF Premiere- Gabe Polsky und Wayne Gretzky: Eine Kamera beobachtet aus einigen Metern das Aufeinandertreffen zwischen Regisseur Polsky und Wayne Gretzky auf dem roten Teppich bei der Premiere auf dem Toronto Film Festival - überflüssig (03:10 Min.)
- TIFF Premiere - Gabe Polsky: Kurzer Ausschnitt von Polskys Einführung bei der Premiere (01:39 Min.)
- TIFF Premiere - Wayne Gretzky: Die Kamera beobachtet Autogrammjäger und Gretzky nach der Vorführung (01:20 Min.)
- Sowjetische Propagandaposter: Slideshow (02:18 Min.)
- Trailershow mit elf Weltkino-Trailern

Mit einer Laufzeit von knapp über 105 Minuten wird hier oberflächlich gesehen einiges an Bonumaterial angeboten. Doch der Schein trügt, denn hier ist sehr viel völlig überflüssiges Material dabei, besonders die letzten "Feautures" von den Premieren in New York und Toronto, die Großes vermuten lassen, aber vollkommen substanzlos sind. Man erfährt hier eigentlich nichts über die Entstehungsgeschichte und Motivation des Films. Sehr interessant für Fans ist aber das Interview mit Scotty Bowman. Schade, dass man nicht den Audiokommentar der US-Blu-ray mit Polsky und Produzent Werner Herzog übernommen hat. Den Rest kann man getrost überspringen.


Fazit:
„Red Army“ ist ein packender, unterhaltsamer und oft sogar amüsanter Dokumentarfilm über die beste Eishockey-Mannschaft der Geschichte, die dank lebhafter Inszenierung und erhellender Momente weit mehr als eine Dokumentation über Eishockey ist.

by Florian Hoffmann
Bilder © Universum Film / Weltkino