Nur Gott kann mich richten - Blu-ray

Blu-ray Start: 30.08.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 100 min

Nur Gott kann mich richten Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Vor fünf Jahren hat Ricky (Moritz Bleibtreu) nach einem missglückten Überfall für seinen Bruder Rafael (Edin Hasanovic) und seinen Kumpel Latif (Kida Khodr Ramadan) den Kopf hingehalten. Jetzt ist er raus aus dem Knast, und Latif möchte sich erkenntlich zeigen: er hat ein scheinbar sicheres Ding in Aussicht. Ricky könnte sich mit dem Geld, das dabei herausspringt, eine neue Existenz aufbauen. Nach anfänglichem Zögern stimmt Ricky zu, aber sobald die Vorbereitungen stehen, beginnen auch schon die Komplikationen. Ricky ist gezwungen, Rafael an Bord zu holen, den er eigentlich nie mehr in Schwierigkeiten bringen wollte, und auch sonst scheint sich die Welt gegen ihn zu verschwören. Vor allem in Form von Diana, einer Polizistin in Geldnot, die plötzlich kriminelle Energie entwickelt, um die Pläne der Jungs auf ganz unvorhergesehene Weise zu durchkreuzen. Ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel setzt ein, das sie alle in den Abgrund zu reißen droht.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Sony Pictures Entertainment
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch)
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Türkisch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.39:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Trailer
Entfallene Szenen
B-Roll
Music Video
Interviews mit Cast & Crew Audio-Kommentar

DVD und Blu-ray | Nur Gott kann mich richten

Blu-ray
Nur Gott kann mich richten Nur Gott kann mich richten
Blu-ray Start:
30.08.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 100 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Nur Gott kann mich richten Nur Gott kann mich richten
DVD Start:
30.08.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 96 min.

Blu-ray Kritik - Nur Gott kann mich richten

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 9/10
Ton: | 9/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 8/10


Zugegeben, der auf Tupacs „Only God Can Judge Me” anspielende Titel dieses deutschen Gangsterfilm-Vertreters wirkt zunächst etwas hochtrabend und bemüht. Schnell könnte man hier einen weiteren plumpen und identitätslosen Versuch vermuten, amerikanisches Genrekino in deutschem Gewand zu kopieren. Doch tatsächlich verbirgt sich hinter Özgür Yildirims „Nur Gott kann mich richten” eine der aufregendsten und eigenständigsten Genreperlen aus deutschen Landen seit Jahren. Yildirim kanalisiert hier sicherlich Vorbilder des US-Gangsterkinos und aus dem von Antihelden gesäumten Großstadtkino des 70er und 80er Jahre New Hollywood à la Sidney Lumet, Martin Scorsese oder Abel Ferrara, doch der talentierte deutsch-türkische Regisseur („Chiko”, „Blutsbrüdaz”, „Boy 7”) geht hier seinen eigenen, sehr authentischen und ungekünstelten Weg.

Moritz Bleibtreu und Edin Hasanovic in Nur Gott kann mich richten
Moritz Bleibtreu und Edin Hasanovic in Nur Gott kann mich richten © RAT PACK FILMPRODUKTION GMBH/ CONSTANTIN FILM PRODUKTION GMBH/ PALOMA ENTERTAINMENT GMBH. ALL RIGHTS RESERVED.
„Nur Gott kann mich richten” begeistert von der ersten Sekunde an mit seiner stilsicheren, atmosphärischen und selbstbewusst-muskulösen Machart, die mit starken und kraftvollen Bildern packt. Der Einstieg, der einen fehlgeschlagenen nächtlichen Überfall auf eine Autowerkstatt zeigt, ist ausgesprochen wuchtig inszeniert und macht früh klar, dass man hier in den sicheren Händen eines Filmemachers ist, der genau weiß, was er tut. Yildirim kreiert wie seine Vorbilder klare und schnörkellose Bilder, die anders als bei so vielen anderen deutschen Produktionen gänzlich unbemüht wirken und eine natürliche Kraft und Direktheit ausstrahlen. „Nur Gott kann mich richten” zeichnet zudem ein aufregend-atmosphärisches und abgründiges Bild der Hessen-Metropole Frankfurt, die hier ebenso bildgewaltig wie authentisch mit viel Flair erstrahlt. Yildirim fokussiert sich hier auf die schmutzigeren Bereiche der Stadt, die Hinterhöfe, Plattenbauten, Shisha-Bars, Stripclubs und Industriegelände, während die berühmte Glas-und-Stahl-Skyline nur im Hintergrund zu sehen ist.

Im Mittelpunkt des Films steht der Gangster Ricky (Moritz Bleibtreu), der nach einer fünfjährigen Haftstrafe dem kriminellen Leben den Rücken zuwenden will, um in Spanien eine Bar zu eröffnen. Dafür benötigt er noch etwas Startkapital, das er durch einen letzten, scheinbar ungefährlichen Coup, den sein Kumpel Latif (Kida Kohodr Ramadan) für ein paar Albaner organisiert hat, erwirtschaften will. Ricky ist bei diesem fingierten Heroin-Deal schließlich gezwungen, auch seinen widerwilligen Bruder Rafael (Edin Hasanovic) miteinzubeziehen, der nach ebenfalls krimineller Vergangenheit eigentlich einen Neustart mit seiner Verlobten Elena (Franziska Wulf) plant. Zugleich zeigt der Film in einem weiteren Erzählstrang den Alltag der alleinerziehenden Polizistin Diana (Birgit Minichmayr), deren kleine Tochter dringend eine Herztransplantation benötigt.

Franziska Wulf und Edin Hasanovic in Nur Gott kann mich richten
Franziska Wulf und Edin Hasanovic in Nur Gott kann mich richten © RAT PACK FILMPRODUKTION GMBH/ CONSTANTIN FILM PRODUKTION GMBH/ PALOMA ENTERTAINMENT GMBH. ALL RIGHTS RESERVED.
„Nur Gott kann mich richten” erzählt an sich eine Story, die man in ähnlichen Mustern schon oft gesehen hat. Hier beweist Yildirim (der auch als Autor fungierte) jedoch sein Händchen für gekonnt aufgebaute Dramaturgie und ein ganz starkes Gespür für seine facettenreich und realistisch gezeichneten Figuren. Spätestens hier trennt sich bei dem ohnehin hervorragend inszenierten Film die Spreu vom Weizen, denn in seiner durchdringend realistischen Milieuzeichnung liegt die wohl größte Stärke von „Nur Gott kann mich richten”. Man hat das Gefühl, dass jede noch so kleine Nebenfigur authentisch und ungekünstelt ist. Yildirim hat hier zahlreiche starke Gesichter besetzt, die schon alleine große Geschichten erzählen. Hier sei nur der furchterregende Russe zu Beginn genannt, der sicher nicht den Anschein macht, als sei er ein Schauspieler. Tatsächlich ist der Film mit zahlreichen Nicht-Schauspielern besetzt, die dem dichten Flair des Films eine starke Glaubwürdigkeit verleihen.

Doch auch ein Star wie Moritz Bleibtreu schlüpft ohne Probleme nachvollziehbar in die Rolle des vom Lebensunglück gebeutelten Ricky. Einen Fokus setzt der Film auch in die regelmäßigen Besuche von Ricky bei seinem dementen Vater (Peter Simonischeck), die ebenso aufrichtig wie anrührend und humorvoll sind. Es mag nicht jedermanns Geschmack sein, doch Yildirim setzt konsequent auf realistischen Street-Slang, der nie aufgesetzt, sondern eben authentisch und eingelebt wirkt. „Nur Gott kann mich richten” ist so erfrischend unprätentiös und gerade heraus.

Szene aus Nur Gott kann mich richten
Szene aus Nur Gott kann mich richten © RAT PACK FILMPRODUKTION GMBH/ CONSTANTIN FILM PRODUKTION GMBH/ PALOMA ENTERTAINMENT GMBH. ALL RIGHTS RESERVED.
Der Film baut darüber hinaus echte Spannung auf und packt den Zuschauer mit großer Intensität über die gesamte Laufzeit. Yildirim gibt seinen Figuren nämlich viel Dimension, sodass man hier schnell an ihnen hängt und trotz all ihren Fehlern ihre Motivation nachvollziehen kann. „Nur Gott kann mich richten” ist ein Moralstück, denn jede der Figuren versucht auf ihre Weise das Richtige zu machen, ohne jedoch zu merken, dass sie auf ihren eigenen Abgrund zurasen. Hier geht Yildirim ebenso menschlich wie kompromisslos und konsequent vor – er macht sicher keine Gefangenen und etabliert früh ein Gefühl, das in dieser abgründig-düsteren Welt nichts und niemand sicher ist. Gerade im dritten Akt lässt er die raffiniert konstruierten Erzählstrange dann miteinander kollidieren und zieht dem Zuschauer mit großer Effektivität den Boden unter den Füßen weg.

„Nur Gott kann mich richten” hält zwar einige stark inszenierten Actionmomente parat, ist jedoch ein an das New Hollywood angelegtes Charakterdrama, das langsam erzählt ist und seinen Figuren Platz zum Atmen gibt. Es ist wirklich erfrischend zu sehen, dass „Nur Gott kann mich richten” trotz aller spürbaren Einflüsse so eigen ist und einfach hervorragend als ganz spezifischer Frankfurt-Gangsterfilm funktioniert, der sich auch auf internationaler Ebene keineswegs verstecken muss.

Moritz Bleibtreu und Edin Hasanovic in Nur Gott kann mich richten
Moritz Bleibtreu und Edin Hasanovic in Nur Gott kann mich richten © RAT PACK FILMPRODUKTION GMBH/ CONSTANTIN FILM PRODUKTION GMBH/ PALOMA ENTERTAINMENT GMBH. ALL RIGHTS RESERVED.
Bild 
Der düstere, vielfach in düster-schmutzigen urbanen Nachtsettings gehaltene Film erfreut auf Blu-ray mit einem knackig-gesättigten und kontrastreichen Bild, das sich keine großartigen Schwächen erlaubt. Hier dominieren gerade bei den nächtlichen Bildern orange-türkise Neonfarben, während sich ansonsten bei Tagszenen primär eine naturalistische und nicht übermäßig stilisierte Farbpalette präsentiert. Dem Look des Films gelingt so ein sehr guter Spagat zwischen milieugerechter Authentizität und adäquater Stilisierung. Schärfe- und Detaillevel sind durchweg hoch, auch bei dunkleren Szenen erhält das Bild seine Klarheit.   

Ton 
„Nur Gott kann mich richten” ist eine dialogreiche Angelegenheit, weshalb sich akustisch hier der Großteil des Films auf den Frontlautsprechern abspielt. Bei den entsprechenden Szenen erfreut die Blu-ray jedoch mit einem hohen Dynamikumfang, druckvollem Subwoofer-Einsatz und anständiger Räumlichkeit über die Surround-Boxen. In Sachen Verständlichkeit und Klarheit überzeugt die Tonspur ebenfalls.    

Extras 
Das Bonusmaterial der Blu-ray gefällt durch Kurzweiligkeit und einige Einsichten in die Hintergründe der Produktion. Im Vordergrund steht der hier der gut gelaunte Audiokommentar, aber auch die kurzen Interviews sind durchaus informativ ausgefallen. Hinzu kommen noch einige unveröffentlichte Szenen, ein Musikvideo mit dem Titelsong und der Kinotrailer. 
Audiokommentar mit Moritz Bleibtreu und Özgür Yildirim 
Unveröffentlichte Szenen (12:31 Min.) 
Music Video (03:27 Min.) 
B-Roll (05:52 Min.) 
Interviews (Moritz Bleibtreu (04:02 Min.), Kida Khodr Ramadan (02:39 Min.), Edin Hasanovic (02:52 Min.), Birgit Minichmayr (03:31 Min.), Franziska Wulf (02:14 Min.), Peter Simonischek (02:30 Min.), Özgür Yildirim (04:24 Min.), Christian Becker (02:04 Min.))  Trailer (01:29 Min.)


Fazit:
„Nur Gott kann mich richten” ist eine sehr willkommene Gangsterfilm-Perle aus Deutschland, die trotz spürbarer Einflüsse aus dem 70er Jahre New Hollywood-Kino einen eigenen, lokal gefärbten Weg geht. Autor und Regisseur Özgür Yildirim inszeniert mit Kameramann Matthias Bolliger nicht nur kraftvoll-schnörkellose Bilder vor schmutzig-atmosphärischer Kulisse, er zeichnet sein Milieu zudem mit großer Präzision, Authentizität und menschlicher Dimension.

by Florian Hoffmann
Bilder © Sony Pictures Entertainment