Mustang - Blu-ray

Blu-ray Start: 16.09.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 97 min

Mustang Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

Preisvergleich

jpc Logo 9,99 € jetzt kaufen
Amazon Logo 8,99 € jetzt kaufen889853047291
alle Preise inkl. MWST

-> alle DVD, Blu-ray zum Film

Inhalt

Sommer in einem türkischen Dorf. Lale und ihre vier Schwestern wachsen nach dem Tod der Eltern bei ihrem Onkel auf. Als sie nach der Schule beim unschuldigen Herumtollen mit ein paar Jungs im Meer beobachtet werden, lösen sie einen Skandal aus. Ihr als schamlos wahrgenom-menes Verhalten hat dramatische Folgen: Das Haus der Familie wird zum Gefängnis, Benimm-unterricht ersetzt die Schule und Ehen werden arrangiert. Doch die fünf Schwestern – allesamt von großem Freiheitsdrang erfüllt – beginnen, sich gegen die ihnen auferlegten Grenzen aufzu-lehnen.

-> mehr Info zum Film mit Trailer, Cast & Crew

Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universum Film / Weltkino
Tonformate:
DTS-HD 5.1 (Deutsch, Türkisch)
Untertitel:
Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.40:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Interview mit Regisseurin Deniz Gamze Ergüven, Bonus-Kurzfilm, Audiodeskription für Sehbehinderte, Trailershow, Wendecover

DVD und Blu-ray | Mustang

Blu-ray
Mustang Mustang
Blu-ray Start:
16.09.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 97 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Mustang Mustang
DVD Start:
16.09.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 93 min.

Blu-ray Kritik - Mustang

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 9/10
Ton: | 9/10
Extras: | 5/10
Gesamt: | 8/10


Nach dem Tod ihrer Eltern leben die fünf Schwestern Selma, Sonay, Nur, Ece und Lale bei ihrem Onkel und ihrer Großmutter. Am letzten Schultag verbringen die Mädchen den Nachmittag mit einigen Jungs am Strand, während jemand aus dem Dorf sie dabei beobachtet. Es dauert nicht lange bis sich schon diverse Gerüchte über „unanständige Ereignisse“ verbreiten. Die Konsequenzen folgen schnell: Mustang SzenenbildDer Onkel vergittert Stück für Stück die Fenster und Türen der Wohnung, obszöne Kleidung, Telefone und Zeitschriften werden konfisziert und ihre Tanten werden eingeladen, um die Mädchen zu Hausfrauen zu erziehen. Dass es keine gute Idee ist pubertäre Mädchen mit starkem Sexualtrieb einzusperren, versteht sich von selbst.

Nach eigenen Angaben verarbeitet die türkischstämmige Regisseurin Deniz Gamze Ergüven ihre eigenen Erlebnisse und die Erfahrungen von Bekannten in „Mustang“ und möchte die Lebensumstände von jungen Mädchen in der Türkei zeigen. Dabei zeigt sie anschaulich, wie systematisch die Frauen unterdrückt werden: Die Jungfräulichkeit muss bis zur Ehe bewahrt werden, sie werden aus der Schule genommen um zu Hausfrauen erzogen zu werden bis sie anschließend Zwangsverheiratet werden. Selbst während der Ehe gibt es entwürdigende „Bräuche“ wie die Überprüfung des blutigen Lackens nach der Hochzeitsnacht. Sobald es den geringsten Zweifel an der Jungfräulichkeit gibt, steht ein Besuch beim Frauenarzt an. Andererseits sieht man die Mädchen aber ständig in der eigenen Wohnung freizügig rumtollen und wie sie sich über Sex unterhalten, selbst in der Anwesenheit der Großmutter. Sobald aber jemand das Haus besucht müssen sie lange Kleider anziehen und die Großmutter setzt ihr Kopftuch auf. Durch die strikte Trennung des privaten und des öffentlichen wird auch die Wurzel des Problems sichtbar: Mustang SzenenbildHier geht es nicht darum, was das Individuum als richtig oder falsch ansieht, sondern lediglich um gesellschaftliches Ansehen und Akzeptanz.

Die zwei Parteien sind schnell etabliert: Auf der einen Seite sind die fünf Schwestern, stellvertretend für die rebellierende, progressive Jugend, auf der anderen Seite die konservative, religiöse, ältere Generation repräsentiert durch den Onkel und die Großmutter. Ob es nun in der Absicht der Regisseurin war oder nicht, ein Film wie „Mustang“ wird ohne Frage einen öffentlichen Diskurs auslösen, vor allem in Anbetracht der wieder entfachten Diskussion über ein Burkaverbot in einigen europäischen Ländern. Das ist ohne Frage eine wichtige Diskussion, jedoch ist die einseitige Darstellung nicht fördernd für eine ausgeglichene Debatte. Der Film wird nämlich ausschließlich aus der Perspektive von Lale, der jüngsten der Schwestern gezeigt. Der Onkel kommt nie zu Wort, seine Sicht der Ereignisse oder eine Rechtfertigung seiner traditionell orientierten Einstellung wird nie etabliert. Die Darstellung des Onkels ist generell sehr klischeehaft und eindimensional, er dient lediglich als Antagonist ohne jegliche Tiefe.

Überraschenderweise sind auch die Figuren der Schwestern sehr eindimensional. Lediglich Lale wird etwas charakterisiert und mit einer Motivation versehen. Hier liegt aber auch die Brillanz des Drehbuchs. Trotz solcher Schwächen vermag Deniz Gamze Ergüven und Co-Autorin Alice Winocour den Zuschauer zu fesseln und Sympathie für die Geschwister zu generieren. Mustang SzenenbildOb sie nun miteinander Unsinn treiben oder sich in der Wohnung zusammen langweilen, ständig ist eine starke Verbundenheit der Figuren zu spüren. Es werden auch viele kleine Elemente auf subtile Weise etabliert, die später in der Handlung eine Auflösung bekommen, seien es nun gewisse Gegenständen oder sogar die Motivation eines Charakters, wodurch der Zuschauer eine komplett andere Sichtweise auf die Figur und sogar des Themas bekommt.

Das Bonusmaterial der Blu-ray ist zwar durchschaubar, jedoch trotzdem interessant. Neben dem Trailer und einem Kurzfilm ist auch ein Interview mit der Regisseurin auf dem Cannes Filmfestival zu sehen. Darin erzählt sie über ihre Inspiration und Idee hinter dem Film und gibt einige interessante Hintergrundinformationen.


Fazit:
Trotz einiger Schwächen und der einseitigen Auseinandersetzung mit einem wichtigen, gesellschaftlich relevanten Thema schafft es Deniz Gamze Ergüven den Zuschauer in die Geschichte der fünf Schwestern zu fesseln und ihn zwingt ihn sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

by Eduard Führus
Bilder © Universum Film / Weltkino