Mediterranea - Blu-ray

Blu-ray Start: 26.02.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 107 min

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Inhalt

Ayiva hat sein Zuhause in Burkina Faso zurückgelassen und macht sich gemeinsam mit seinem besten Freund Abas auf nach Europa, um seine Tochter finanziell versorgen zu können. Die gefährliche Überfahrt mit einem Schmugglerboot überleben die beiden nur knapp.
Angekommen in Italien stoßen die beiden auf ein feindseliges Klima, dass die Eingewöhnung an ihr neues Leben schwierig macht. Auf einer Plantage finden sie schließlich Arbeit und neue Freunde, doch als es zu gewaltsamen Übergriffen gegen Einwanderer kommt, steht für Ayiva und Abas alles auf dem Spiel...

MEDITERRANEA ist das Spielfilmdebüt des jungen Italoamerikaners Jonas Carpignano, der bereits für seine Kurzfilme A CIAMBRA und A CHIJÀNA mehrfach auf den Filmfestivals in Cannes, Venedig und Sundance ausgezeichnet wurde. Mit den Mitteln des Spielfilms arbeitet Carpignano die Hintergründe der Unruhen in Rosarno 2010 auf, bei denen mehr als 60 Menschen verletzt wurden und Tausende Migrantinnen und Migranten evakuiert werden mussten.

Die Figuren des Films werden dabei von Flüchtlingen und Immigranten verkörpert, die selbst von den Unruhen betroffen waren und ihre eigenen Erfahrungen mit Flucht, Vertreibung und Fremdenfeindlichkeit in den Dreh miteinfließen ließen.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universum Film / dcm
Tonformate:
DTS-HD 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Arabisch, Bissa)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
- Trailer

DVD und Blu-ray | Mediterranea

Blu-ray
Mediterranea Mediterranea
Blu-ray Start:
26.02.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 107 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Mediterranea Mediterranea
DVD Start:
26.02.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 103 min.

Blu-ray Kritik - Mediterranea

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 7/10
Ton: | 9/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 7/10


Ein Film wie „Mediterranea“ könnte angesichts der aktuellen weltweiten Flüchtlingssituation natürlich nicht aktueller und brisanter sein. Doch der Debütfilm des Italo-Amerikaners Jonas Carpignano versucht dankbarerweise kein schwerfälliger Themenfilm zu sein, der übermäßig politisch ist oder eine bestimmte Botschaft verbreiten will. Mediterranea SzenenbildViel mehr zeigt Carpignano das Schicksal zweier Flüchtlinge aus Burkina Faso aus sehr persönlicher und empathischer Sicht und gibt dem breiten und abstrakten Sammelbegriff „Flüchtling“ ein menschliches Gesicht. Carpignanos Betrachtungsweise erweist sich jedoch als sehr nüchtern und sachlich, hier geht es nicht um billig manipulative Sentimentalität und künstliche Betroffenheit, sondern um einen sehr realistischen und quasi dokumentarischen Blick. Zum Dokumentationscharakter des Films trägt sicher auch bei, dass Koudous Seihon, der Hauptdarsteller des Films, ein echter Flüchtling ist, der hier im Prinzip seine eigene Geschichte nacherzählt. Er flüchtete 2010 aus Burkina Faso nach Italien, wo ihm und seinen Freunden das Leben nicht nur durch unmenschliche Wohnverhältnisse und mangelnde Arbeitsmöglichkeiten erschwert wurde, sondern auch durch blinden und brutalen Hass mancher Ortsansässigen. Die Parallelen zur gegenwärtigen Situation sind da natürlich unverkennbar. Doch nicht nur Seihon ist ein Mensch mit realem Migrationshintergrund, der gesamte afrikanische Cast musste damals ihr eigenes Land verlassen.

Carpignano hatte bereits in seinen Kurzfilmen „A Chjàna“ und „A Ciambra“ die Ereignisse in der kalabrischen Kleinstadt Rosarno verarbeitet, die sich im Jahr 2010 ereignet haben. Dort kam es zu rassistisch begründeten Unruhen, bei denen zahlreiche afrikanische Saisonarbeiter angegriffen und teils schwer verletzt wurden. Diese Ausschreitungen machen aber nur einen kleinen Teil des Films aus. „Mediterranea“ folgt den beiden Freunden Aviya (Koudous Seihon) und Abas (Alassane Sy), die ihr Heimatland Burkina Faso verlassen, um in Europa eine bessere Zukunft zu finden. Ihr beschwerlicher Weg mit vielen anderen Flüchtlingen führt zunächst tagelang durch die Wüste über Libyen, wo die Gruppe Angriffen von Banden ausgesetzt sind und später in einem kleinen Schlepperboot über das Meer, das schließlich bei einem heftigen Sturm kentert. Die Flüchtlinge werden von den italienischen Behörden aufgegriffen und nach Rosarno gebracht, wo sie in unzureichenden Asylheimen untergebracht werden. Arbeit ist zunächst rar, schlechte Lebensumstände, Perspektivlosigkeit und mangelnde Integration in das italienische Leben machen den Beiden schwer zu schaffen. Auch die Tatsache, dass Aviya seine Frau Aseta und seine kleine Tochter Zena in Afrika zurückließ, macht die Sache nicht leichter. Mediterranea SzenenbildSchließlich finden die Freunde auf der Orangenplantage von Rocco (Davide Schipilliti) Arbeit als Pflücker.

„Mediterranea“ ist erwartungsgemäß kein einfacher Film. Carpignano erzählt die Geschichte größtenteils in intimen Großaufnahmen, seine Bilder sind rau, wackelig und ungeschönt. So erlebt man die Reise von Aviya und Abas mit großer Eindringlichkeit und spürbarer Authentizität, die dem Film ein überdeutliches dokumentarisches Feeling verleihen. Carpignano ist in seiner Erzählweise äußerst nüchtern und versucht dem Zuschauer nicht künstlich den Zugang zur Geschichte zu erleichtern oder seine Figuren zu psychologisieren und damit zu erklären. Man braucht schon etwas Zeit, um sich in den Film hineinzufinden, gerade das erste Drittel bis zum Ankommen in Italien wirkt unruhig und hektisch, man muss die beiden Protagonisten quasi erst finden. Während das erste Drittel viele stumme Momente hat und die Hintergründe und Absichten der Figuren nur subtil angedeutet werden, erbringt der Film mit der Ankunft in Italien mehr Klarheit. Kurz kommt so etwas wie Hoffnung auf, doch Aviya und Abas realisieren, dass sie sich gegen große Umstände erst ihren Platz in der italienischen Provinz erkämpfen müssen. Doch auch hier ist „Mediterranea“ sehr zurückhaltend und beobachtend inszeniert, erzählt wird generell nur wenig, wodurch sich die Charaktere nur sehr langsam entfalten. So erfordert der sehr ruhige und langsame Film ein hohes Maß an Geduld, Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen, das nicht unbedingt mit großen Erkenntnissen oder Antworten belohnt wird. Im Gegenteil, letzten Endes lässt der Film einen fast betäubt zurück, denn Hoffnung spiegelt der Film nur bedingt wieder, eine erleuchtende Katharsis bleibt aus.

Mediterranea Szenenbild Viel mehr bietet der Film einen ungeschönten und unmittelbaren Blick auf die Lebensrealität eines afrikanischen Flüchtlings, der den Zuschauer nicht an die Hand nehmen will. Das ist sehr atmosphärisch, doch letztlich lässt die sehr sachliche und distanzierte Herangehensweise von Carpignano nur bedingt eine wirklich emotionale Reaktion seitens des Zuschauers zu. Dadurch ist „Mediterranea“ ein schwieriger Film in Inhalt und Rezeption, der zwar keine neuen Einsichten erbringt, aber einen essentiellen Blick auf das greifbare Schicksal eines Menschen ermöglicht, der sein Land verlassen musste, um ein besseres Leben zu finden und schließlich mit der traurigen Realität konfrontiert wird, das er nur bedingt willkommen ist.

Bild
Bei der visuellen Ästhetik des Films ist man um eine raue und unmittelbare Herangehensweise bemüht, weshalb die Bildqualität sicherlich bewusst nicht dem Ideal von HD-Puristen entspricht. „Mediterranea“ wurde auf analogem 16mm-Film gedreht, dementsprechend zeigt sich hier auch immer wieder eine deutliche Filmkorntextur, die dem Film eine interessante Qualität verleiht. Die Tatsache, dass künstliches Licht gar nicht oder wenn nur sehr selten eingesetzt wird, unterstützt die dokumentarische Wirkung des Films, sorgt aber in dunklen Szenen auch wegen der mangelnden Lichtempfindlichkeit des Filmmaterials dafür, dass viele Details ungesehen bleiben und man teilweise auch nur schwer erkennt, was sich überhaupt abspielt. In hellen Momenten zeigt sich aber immer wieder eine sehr solide Schärfe und auch an den Kontrasten gibt es nichts auszusetzen. Der Transfer des Ausgangsmaterials ist jedenfalls geglückt, der Film sieht wohl aus, wie er aussehen soll.

Ton
Während die Bildqualität noch unter gewissen Gesichtspunkten für manchen Betrachter vielleicht problematisch erscheint, erweist sich die akustische Umsetzung als überraschend vielseitig und durchweg gelungen. Mediterranea SzenenbildGenerell zeigt sich hier ein unerwartet räumliches Klangbild, bei dem Soundeffekte sehr differenziert auf alle Kanäle verteilt werden. Auch die spärlich eingesetzte Filmmusik ertönt räumlich. Sehr effektiv sind auch wuchtigere Soundmomente, etwa ein heftiges Gewitter recht zu Beginn des Films oder auch später Explosionen bei Ausschreitungen. Diese werden sehr überzeugend und mit Nachdruck vom Subwoofer wiedergegeben. Stimmen und Dialoge ertönen einwandfrei.

Extras
Leider haben es nur der deutsche Trailer (02:02 Min.) und eine Trailershow mit drei dcm-Titeln (Carol, Ai Weiwei & Nächster Halt: Fruitvale Station) auf die Disc geschafft.


Fazit:
„Mediterranea“ ist zweifelsohne ein wichtiger Film, der dem abstrakten Begriff Flüchtling ein menschliches Gesicht verleiht. Debütregisseur Jonas Carpignano inszeniert den Film mit gänzlich unsentimentalem, rauen und nüchtern-dokumentarischen Blick, Antworten oder vereinfachende Psychologisierung der Figuren verweigert er größtenteils.

by Florian Hoffmann
Bilder © Universum Film / dcm