Magic Mike XXL - Blu-ray

Blu-ray Start: 03.12.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 115 min

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Inhalt

Drei Jahre sind vergangen, seit Mike sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Stripper verabschiedet hat: In „Magic Mike XXL“ sind inzwischen auch die übrigen Kings of Tampa bereit, das Handtuch zu werfen. Aber sie machen das auf ihre Art – es soll ein unheimlich starker Abgang mit einer letzten überwältigenden Performance in Myrtle Beach werden, wobei ihr legendärer Star Magic Mike mit ihnen auftreten soll.
Auf der Reise zur letzten Show machen sie Halt in Jacksonville und Savannah, um alte Bekanntschaften aufzuwärmen und neue Freunde zu finden. Dabei studieren Mike und die Jungs neue Choreografien ein, und sie überwinden ihre Vergangenheit auf überraschende Weise.

Erstmals dabei sind Amber Heard („Rum Diary“), Donald Glover (TV-Serie „Community“), Stephen „tWitch“ Boss („Step Up – Miami Heat“) und Michael Strahan („Live with Kelly and Michael“) sowie Andie MacDowell („Footloose“), Elizabeth Banks („Die Tribute von Panem“-Serie) und Jada Pinkett Smith („Gotham“).

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Warner Home Video
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Englisch)
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.35:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Hinter den Kulissen, Erweiterte Tanzszene

Video on demand - Magic Mike XXL

DVD und Blu-ray | Magic Mike XXL

Blu-ray
Magic Mike XXL Magic Mike XXL
Blu-ray Start:
03.12.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 115 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Magic Mike XXL Magic Mike XXL
DVD Start:
03.12.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 110 min.

Blu-ray Kritik - Magic Mike XXL

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 9/10
Ton: | 9/10
Extras: | 3/10
Gesamt: | 8/10


Man hätte es vorher sicher nicht für möglich gehalten, aber „Magic Mike XXL“ ist neben „Mad Max: Fury Road“ der vielleicht subversivste Studiofilm des Jahres. 2012 gelang Steven Soderbergh mit „Magic Mike“ einer der Überraschungshits des Jahres, ein Film über männliche Stripper, der mit erstaunlich viel subtilem Feingefühl für Figuren- und Milieuzeichnung und einer durchaus unterschwelligen thematischen Tiefe über Selbstverwirklichung im Amerika des 21. Jahrhunderts überzeugte. Matthew McConaughey, der als Oberstripper eine seiner überzeugendsten Rollen seiner Karriere präsentierte, ist im Sequel ebenso wenig am Start wie Alex Pettyfer, der sowohl mit Hauptdarsteller und Magic Mikes biografischer Vorlage Channing Tatum als auch mit Regisseur Soderbergh bei den Dreharbeiten zum ersten Film aneinandergeriet. Der chamäleonartige Oscargewinner, der seinen Rückzug vom Kinofilm vor ein paar Jahren angekündigt hat, zeichnete sich in der Fortsetzung nun zwar nicht mehr für die Regie verantwortlich, doch er leistete Tatum einen Freundschaftsdienst, indem er zumindest seine unverkennbare Handschrift als Kameramann einfließen ließ. Auf dem Regiestuhl nahm nun Gregory Jacobs Platz, der primär als Regieassistent und Produzent der meisten Soderbergh-Filme tätig war, aber auch u.a. mit der Gaunerkomödie „Criminal“ als kreative Kraft überzeugte. Die Vorzeichen deuteten darauf, dass „Magic Mike XXL“ nur die Erfolgszutaten des ersten Teils wieder aufwärmen wurde, doch tatsächlich präsentiert sich hier etwas viel Faszinierenderes: Jacobs Film dreht in Sachen Stripchoreografien nochmal erwartungsgemäß ordentlich auf und ist sehr danach bestrebt, die Erwartungen des weiblichen Publikums zu befriedigen. Im Gegenzug wird der Dramaquotient deutlich verringert, wodurch „Magic Mike XXL“ zu großen Teilen ein „Abhängfilm“ ist, bei dem man auf ganz ungezwungene und erfrischende Weise Zeit mit den sehr sympathisch gezeichneten Figuren verbringt. Jacobs Film ist einfach sehr zufrieden mit sich, ist konsequent und ganz bewusst Anti-Handlung, womit hier tatsächlich etwas ganz ungewöhnliches für ein Mainstream-Produkt gewagt wird. Für viele Zuschauer wird der lockere Erzählfluss wohl irritierend sein, doch in gewisser Weise ist „Magic Mike XXL“ damit ein cineastischer Befreiungsakt, sowohl in Bezug auf die filmische Form als auch in seiner selten gesehenen feministischen Agenda.

Mike (Channing Tatum) hat sich von seiner Crew zu Beginn des Films abgesetzt, um seinem lange gehegten Traum des Aufbaus eines eigenen Selfmade-Möbel-Unternehmens zu folgen. Als er einen Anruf von Tarzan (Kevin Nash) erhält, dass Dallas „fort“ ist, geht Mike davon aus, dass sein ehemaliger Boss gestorben ist. Er reist zu seinen alten Kollegen und erwartet eine Trauerfeier, stattdessen wollte seine alte Crew Mike nur wiedersehen (Dallas ist mit „Kid“ nun in Macau tätig). Die „Kings of Tampa“ überzeugen Mike, sich ihnen anzuschließen, um der alten Zeiten wegen zu einer großen Stripping Convention nach Myrtle Beach zu reisen. Mike stimmt zähneknirschend zu und die Truppe begibt sich auf einen Roadtrip durch Florida.

Wie gesagt, eine „echte“ Handlung und herkömmliche Filmkonventionen schmeißen Autor Reid Carolin und Regisseur Gregory Jacobs weitestgehend über Bord. Der Erzählrhythmus ist betont entspannt und ungehetzt, „Magic Mike XXL“ ist nicht daran interessiert, Spannung oder künstliche Konflikte aufzubauen, sondern einfach nur den Moment zu genießen. Der erste Akt beschäftigt sich fast nur mit lockeren und erstaunlich lebensnahen Unterhaltungen zwischen den Jungs, die alle in irgendeiner Form auf der Suche nach Selbstverwirklichung sind. Die Dialoge haben einen erfrischend ungezwungen und fast schon improvisiert wirkenden Stil und es wird ein sehr glaubhaftes Gefühl von männlicher Kameradschaft etabliert. Auf ihrer Reise machen die Kings u.a. Zwischenstopp im exklusiven Strip-Etablissement von Rome (Jada Pinkett Smith), mit der Mike eine gemeinsame Vergangenheit teilt und landen später in der Villa von Nancy (Andie McDowell), die mit ihren Freundinnen im mittleren Alter vom Besuch der Männer überrascht werden.

Es ist schwer, eine Handlung wiederzugeben, wenn der Film so sehr auf den Moment und das Gefühl fokussiert ist, auf herkömmliche Struktur und erzwungenes Drama fast völlig verzichtet. Wenn man gewillt ist, unter die Oberfläche des Films zu schauen, wird man feststellen, dass hier ganz viel Subtext drin steckt. Es geht um weibliches Verlangen und die Erfüllung davon, wofür der Film zum einen die zahlreichen Stripszenen einsetzt, aber auch sensibles verbales Eingehen der Männer auf die Frauen. Das wird u.a. in einem Dialog mit Andre (Donald Glover), der für Rome arbeitet, markant unterstrichen: Andre tanzt nicht, sondern improvisiert gefühlvolle und persönliche Raps für die Kundinnen. In einem Gespräch mit Ken (Matt Bomer) bringt er es auf den Punkt: Um Frauen glücklich zu machen, muss man sie nur fragen, was sie wollen und genau zuhören und ihre Wünsche erfüllen. Dieses Mantra zieht sich durch den ganzen Film, sensible Männer mit harter Schale versuchen Frauen ihre Wünsche von den Lippen abzulesen und zu erfüllen, ob es in der Form von Stripchoreografien und dem Zuschaustellen ihrer Astralkörper ist oder indem sie einfach nur genau wissen, was das Gegenüber hören will. Am besten wird das vielleicht in der Szene in Nancys Villa unterstrichen: Alle der anwesenden Freundinnen sind zutiefst enttäuscht von den Männern in ihrem Leben, die sich nie dafür interessiert haben, was sie wirklich wollen. Wie in einer Art Erfüllungstraum kommen die Kings daher und sorgen schon mit ihren Blicken, ihrer offen vorgetragenen Empathie und einfühlenden Gesprächen dafür, dass die Frauen sich besser fühlen. Sie sind das Balsam für die Seele der traurigen und unverstandenen Frauen, die „Heiler“, wie es Ken ausdrückt. Das Highlight des Films ist vielleicht die Szene, in der Richie (Joe Manganiello) für eine unscheinbare und traurig dreinblickende Kassiererin in einem Supermarkt einen wilden und ganz persönlichen Tanz aufführt, um ihr ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Das gelingt hier auch garantiert bei den Zuschauern, denn diese Szene ist sicher auch die witzigste in einem insgesamt sehr spaßigen Film. Hier geht es nicht darum, die Frau anzumachen, sondern sie glücklich zu machen. Selten gab es einen Film, der das weibliche Geschlecht so offen und ehrlich auf ein Podest gestellt hat, wie „Magic Mike XXL“. Und ganz besonders und fast schon revolutionär: Der Film zeigt alle Sorten von Frauen jeder Hautfarbe, jedes Körperumfangs und fast jeden Alters und ist nicht auf irgendeine Art Schönheitsideal aus, ist in dieser Hinsicht ganz sicher der progressivste und befreiendste Film des Jahres. Hier kann sich jede Frau wiedererkennen.

Im halbstündigen, oft regelrecht hypnotisierenden Finale auf der Convention lässt der Film dann alle Zügel los und ist eine perfekt choreografierte Explosion der Bewegung, purer Ekstase und Hemmungslosigkeit. Wer mit dem lässigen Erzähltempo, der sogenannten „dünnen“ Handlung und dem subversiven Inhalt nichts anfangen kann und nur wegen der Fleischbeschau den Film sieht, wird mit dieser Ansammlung oft auch sehr lustiger Choreografien eindeutig seinen Spaß haben. Ganz wichtig aber: Selbst hier ist in jeder Choreografie der individuelle Charakter der jeweiligen Figur perfekt verkörpert, weshalb die Sequenzen einfach nochmal um ein Vielfaches wirkungsvoller und amüsanter sind. Strippen ist hier ein Akt purer überschwänglicher Freude und des Selbstausdrucks, nichts, was mit dem filmischen Klischee der schmutzigen Tabuzone zu tun hat.

„Magic Mike XXL“ ist ein Film der polarisiert, dessen außergewöhnliche und radikale Art bei vielen Zuschauern vielleicht unbemerkt bleibt. Doch es lässt sich kaum von der Hand weisen, dass hier ein kleiner Meilenstein geschaffen wurde, der deutlicher als Geschenk für das weibliche Geschlecht konzipiert ist, wie kaum ein Film zuvor. Trotz aller Deutlichkeit seiner feministischen und progressiven Botschaft gelingt es dem Film zusätzlich das männliche Gefühlsleben facettenreich aufzufächern, männlichen Zusammenhalt bemerkenswert glaubwürdig darzustellen. Zudem zieht sich hier ein starker thematischer Faden über Selbstverwirklichung und das Ausleben seiner Leidenschaft angesichts gesellschaftlicher Konventionen durch den Film. Dass „Magic Mike XXL“ oberflächlich gesehen von männlichen Strippern handelt, lenkt leicht von der stillen Revolution ab, die hier ganz lässig gestartet wurde. Ein Film purer Freude und purer Liebe, der einfach nur beglücken will.

Bild
Die technische Umsetzung ist mit kleinen Abstrichen sehr gut gelungen. In Sachen Bild zeigt sich eine besondere Ästhetik, bei der man Steven Soderbergh immer hinter der Kamera spürt. Der digital auf Red Epic Dragon aufgezeichnete Film versteckt seine digitale Herkunft in keinster Weise, Soderbergh ist in der Tat einer der wenigen Regisseure, die digitalen Film nutzen, um neue ästhetische Wege zu beschreiten und nicht Film zu imitieren. Auffällig ist hier, dass – wie von Soderberghs digitaler Phase gewohnt – natürliche Lichtsetzung vorgezogen wird. Dass wird besonders bei den häufigen Nachtszenen deutlich, in denen die Figuren nur gerade genug ausgeleuchtet sind, dass man das Wesentliche, also Umrisse, Augen und Mundpartie, sehen kann. Das ist natürlich eine Herausforderung für die Blu-ray und abgesehen von minimalem gelegentlichem digitalen Rauschen in diesen dunklen Momenten überzeugt der Transfer. Ansonsten präsentiert sich ein überaus lebhaftes und dynamisches Bild mit ausgeprägter Farbpalette. Besonders hervorzuheben ist die sehr gute Farbdefinition bei den vielfältigen Hauttönen. Kontraste sind ebenso wie Schwarzwerte erstklassig, der Schärfe- und Detailgrad ist ausgezeichnet, wie sich gerade an den Gesichtern hervorragend ausmachen lässt.

Ton
Der akustische Transfer ist außerordentlich gut gelungen. Wie von Warner gewohnt, liegt nur die Original-Tonspur in DTS-HD vor. Diese muss sich vor allem bei den zahlreichen Musiksequenzen beweisen, die äußerst dynamisch, räumlich und voluminös abgemischt sind. Gerade in der letzten halben Stunde zeigt sich eine fantastische Soundkulisse, die nicht nur von der hervorragend definierten Musik lebt, sondern auch von den sehr präzisen atmosphärischen Geräuschen, die sich gut definierbar im gesamten Raum verteilen. Besonders schön ist der Hall, der hier ein sehr realistisches akustisches Gefühl erzeugt. So entsteht ein toller Klangteppich, der ganz essentiell für die gewünschte Wirkung des Films ist. Dialoge und Stimmen im Original könnten eine Spur lauter abgemischt sein, die Verständlichkeit liegt aber auf einem sehr guten Niveau.

Extras
Die Sonderausstattung ist leider sehr enttäuschend. Hier wird nur ein kurzer und netter Blick hinter die Kulissen gezeigt, bei dem primär die Choreografien im Mittelpunkt stehen. Die erweiterte Tanzszene ist an und für sich nicht die Rede wert. Bei der US-Blu-ray liegt immerhin noch eine weitere Kurz-Featurette vor.

Hinter den Kulissen (08:35 Min.) Erweiterte Tanzszene: Malik (03:42 Min.)


Fazit:
Der progressivste und subversivste Mainstreamfilm des Jahres, ein cineastischer Befreiungsakt in Form und Inhalt. Regisseur Gregory Jacobs und Autor Reid Carolin gelingt es mit einem Film über männliche Stripper, ein filmisches Manifest für das weibliche Geschlecht zu erschaffen – sehr lustig, sehr fröhlich und voller Charme.


by Florian Hoffmann
Bilder © Warner Home Video




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