Leviathan - Blu-ray

Blu-ray Start: 15.10.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 142 min

Leviathan Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Was kann ein Individuum ausrichten, wenn es einem herzlosen Staat gegenübersteht? Kolia (Alexey Serebryakov) lebt als einfacher Automechaniker im rauen, schönen Norden Russlands. Zusammen mit Frau und Sohn bewirtschaftet er das Fleckchen Land an der Küste der Barentssee, das bereits seit Generationen im Besitz seiner Familie ist. Die unberührte, atemberaubende Landschaft lockt bald den durchtriebenen Bürgermeister Vadim (Roman Madyanov) an, der mit allen Mitteln einer korrupten Bürokratie versucht Kolia von seinem Land zu vertreiben. Eine belastende Akte, die Kolias Jugendfreund Dimitri zu Tage fördert, soll Vadims Enteignungsplänen ein Ende setzen. Doch Vadim hat genügend Geld und mächtige Verbündete in Moskau...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Eurovideo
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Russisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.40:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Trailer

DVD und Blu-ray | Leviathan

Blu-ray
Leviathan Leviathan
Blu-ray Start:
15.10.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 142 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Leviathan Leviathan
DVD Start:
15.01.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 136 min.

Blu-ray Kritik - Leviathan

Blu-ray Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 8/10


Der russische Oscar-Beitrag von 2015 „Leviathan“ gehört zum Mutigsten, was das Kino in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Es ist fast ein Wunder, dass es Regisseur Andrei Zvyagintsev („Die Rückkehr“, „Die Verbannung“) überhaupt gelungen ist, den Film im aktuellen politischen Klima in Russland zu realisieren. Leviathan SzenenbildMit bitterem und unbarmherzigen Blick zerlegt Zvyagintsev die korrupten Missstände seines eigenen Landes, das alles ironischerweise mit freundlicher Unterstützung des russischen Kulturministeriums, das den Film entscheidend mitfinanziert hat. Die Einflüsse Zvyagintsevs sind vielfältig, wie schon der wuchtige Titel „Leviathan“ andeutet: Dieser bezieht sich auf das Hybrid-Seeungeheuer der jüdisch-christlichen Mythologie, ein machtvolles, alles vernichtendes Monster, gegen das sich im Buch Hiob der gleichnamige Unglücksrabe sinnloserweise auflehnt. Dieses allmächtige und unbezwingbare Wesen steht in Zvyagintsevs Film als Metapher für die russische, alles um sich herum vergiftende Obrigkeit, die den Protagonisten Kolya in einer Kleinstadt am Barentssee unterdrückt und systematisch vernichtet. Auch Heinrich Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ gilt als Inspiration für Zvyagintsevs bittere Abrechnung mit dem russischen Rechtsstaat.

Wie es bereits die Coen-Brüder mit ihrer schwarzhumorigen Hiob-Allegorie in „A Serious Man“ getan haben, schickt Zvyagintsev seinen bedauernswerten, aber nicht unbedingt sympathischen Protagonisten in eine nicht enden wollende Abwärtsspirale. Das ist in vielerlei Hinsicht die gallige Kritik an der gegenwärtigen Situation in Teilen von Russland, jedoch hat „Leviathan“ unzweifelhaft eine ganz entscheidende universelle Qualität, denn Korruption und Unterdrückung des gemeinen Volkes findet man letztlich fast überall.

Interessanterweise war Zvyagintsev eben nicht speziell von Ereignissen in Russland zu dem Film inspiriert, sondern ausgerechnet von der Geschichte eines amerikanischen Mannes in Colorado im Jahr 2004. Marvin John Heemayer, ein Mechaniker, hatte eines Tages die scheinbar willkürliche Unterdrückung der Kleinstadt-Obrigkeit satt, die ihm und seiner Werkstatt unentwegt Probleme gemacht haben. So baute er einen Bulldozer zum unzerstörbaren Panzerfahrzeug um und zerstörte von Rathaus bis zur Polizeistation alle Einrichtungen, die ihm jahrelang Unrecht getan haben, bis er sich in einer ausweglosen Situation schließlich selbst das Leben nahm.

Trotz aller offensichtlicher und obskurer Einflüsse gelingt dem russischen Ausnahmefilmemacher ein zutiefst originelles Werk, das ganz und gar auf eigenen Füßen steht. Leviathan Szenenbild„Leviathan“ ist mutiges, ehrliches und außergewöhnliches Filmemachen mit hohem Anspruch und großem zeitgenössischen politischen Gewicht. Diese politische Dimension blieb den russischen Machthabern und Politikern scheinbar bei ihrer Unterstützung des Films nicht sichtbar, denn zur Veröffentlichung des Films in Russland wurde Zvyagintsev von vielen Offiziellen als Vaterlandsverräter bezichtigt, u.a. eben auch von Kultusminister Vladimir Medensky. In Russland wurde „Leviathan“ nur zensiert ohne Schimpfwörter veröffentlicht, doch trotz allem als offizieller russischer Beitrag als nicht-englischsprachiger Film ins Rennen um den Oscar und den Golden Globe geschickt. Bei ersterem reichte es nur zu einer Nominierung, die Hollywood Foreign Press Association zeichnete den Film jedoch mit dem Preis aus. Auch bei den Filmfestspielen von Cannes schaffte es der Film in den Wettbewerb und gewann letztlich für das beste Drehbuch.

Zvyagintsev siedelt die Handlung des Films in der trostlosen fiktiven Kleinstadt Pribreshny an der Barentssee an. Im Mittelpunkt steht der Automechaniker Kolya (Aleksei Serebryakov), dessen Grundstück von dem korrupten und machtmissbrauchenden Bürgermeister Vadim (Roman Madyanov) enteignet werden soll. Dieser will auf Kolyas Land angeblich einen Telefonmast bauen. Die Entschädigung für Kolya soll nur minimal ausfallen, weshalb der Mechaniker sich quer stellt. Hilfe erhält er von Dimitri (Vladimir Vdovichenkov), einem alten Freund, der in Moskau als Anwalt arbeitet. Dieser hat einen Trumpf in der Hand, denn er besitzt kompromittierende Dokumente über den Bürgermeister, den er so in die Knie zwingen will. Zwischenzeitlich wird Kolya zusätzlich wegen einer Lappalie verhaftet. Das ist jedoch nur der Beginn einer Kette von unglücklichen Ereignissen.

„Leviathan“ stellt unbarmherzig die Tyrannei korrupter und machtvoller Obrigkeit bloß, die alles um sich herum vergiftet und zerstört. Die Machtinhaber sind das Monster Leviathan in moderner Form, sie unterdrücken die gewöhnliche und bürgerliche Masse – hier personifiziert von dem passiven und rückgratlosen Kolya – und beuten sie gnadenlos aus. Moral oder Anstand existieren in der ehrlosen Welt der Obrigkeit von „Leviathan“ nicht, jeder, der aufmüpfig wird, muss mit brutaler Gewalt rechnen. Ein schönes Bild der menschlichen Existenz wird hier sicher nicht gezeichnet. „Leviathan“ ist betont langsam und bedächtig inszeniert, die Monotonie und Trostlosigkeit des Alltags von Kolya, seiner Frau Lilya (Elena Lyadova) und seinem Sohn Roman (Sergey Pokhodaev) geht unter die Haut. Man muss viel Geduld für diesen schwierigen und anspruchsvollen Film mitbringen, der sich meist genauso schwerfällig bewegt wie sein sich im Elend und Selbstmitleid suhlender moderner Hiob. Dieser ist alles andere als eine Heldenfigur, Kolya ist passiv und schwach, zudem hängt er dauernd an der Flasche. In „Leviathan“ wird Wodka geradezu getrunken wie Wasser. Für kurze Zeit wird Dimitri wie der rettende Ritter in glänzender Rüstung portraitiert, doch Zvyagintsev inszeniert hier keine konventionelle Dramaturgie. Leviathan SzenenbildHier gibt es keine zufriedenstellende David gegen Goliath-Geschichte, bei der sich der Held einer scheinbar unüberwindbaren Aufgabe annimmt und entgegen aller Umstände triumphiert. In „Leviathan“ lauert die unbarmherzige Realität hinter jeder Ecke.

Trotz allem Elend und grauer Hoffnungslosigkeit zieht der mit 141 Minuten recht lange Film immer stärker in seinen Bann. Die Tonalität des Films ist betont naturalistisch, die niedergeschlagenen Allerweltsgesichter und ihre triste Umwelt erzeugen quasi eine dokumentarische und schmerzhafte Realität. Musik setzt Zvyagintsev nur als Rahmen am Anfang und am Ende ein, Dialoge dominieren das Geschehen. Nur hin und wieder bannt Zvyagintsev auch etwas filmische Poesie auf die Leinwand. Immer wieder werden Aufnahmen trostloser Landschaften und Straßen gezeigt, die Natur ist brutal, steinig und grau. Auch die Weite des Ozeans spielt immer wieder eine Rolle, meist als symbolisch aufgeladener Ort der Reflektion für die Figuren, wie es Michael Mann auch gerne in seinen Filmen tut. Besonders auffällig sind hier auch das Bild des Skeletts eines gestrandeten Wals, aber auch die zahlreichen gestrandeten Schiffswracks.

Die Absurdität und kafkaeske Situation in der korrupten russischen Kleinstadt-Bürokratie und -Justiz portraitiert Zvyagintsev In zwei sich spiegelnden Schlüsselszenen, in denen eine Richterin penibel ausführliche Gerichtsentscheide in Maschinengewehr-artiger Geschwindigkeit und eiskalter Monotonie und Oberflächlichkeit nahezu apathisch herunter rattert – einen zu Beginn des Films und, in einem seltenen Anflug von ganz schwarzem Humor und bitterer Ironie, einen weiteren am Ende des Films. So unterstreicht Zvyagintsev pointiert die Unmenschlichkeit und ungerechte Härte des überdominanten juristischen Systems Russlands – und die traurige Ironie von Kolyas scheinbar nie enden wollender Abwärtsspirale. Der Ruin menschlicher Existenzen ist hier vor der seelenlosen Unpersönlichkeit des Gerichts scheinbar nur eine belanglose Randnotiz. Hinzu zeigt Zvyagintsev auch unmissverständlich die Verbindung zwischen russisch-orthodoxer Kirche und der Obrigkeit, was das zutiefst bittere Bild seines Landes nur weiter unterstreicht.
v „Leviathan“ ist kein einfacher Film und spricht in seiner kompromisslosen und unkonventionellen Machart sicher ausschließlich ein Cineasten- und Arthouse-Publikum an. Hier ist ein wichtiger Film entstanden, ein Film, der fordert und anstrengt und den Zuschauer mit einem unguten Gefühl zurücklässt. Leviathan SzenenbildLeicht abschütteln lässt sich dieses Monster von einem Film nicht, denn die Bilder und tragischen Existenzen wirken lange nach.

Bild
Das Bild der Blu-ray präsentiert sich in sehr ansprechender Qualität. Generell ist die Farbpalette von „Leviathan“ bewusst minimal gehalten und es zeigen sich primär triste Grautöne. Farbakzente sind nur wenige vorzufinden. Das Bild macht insgesamt einen sehr natürlichen und unaufdringlichen Eindruck. Die Schärfe und der Detailgrad der Blu-ray sind jedoch durchweg auf einem sehr hohen Level, Kontraste und Schwarzwerte sind ebenfalls sehr gut und fügen sich in den sehr realistischen ästhetischen Gesamteindruck ein.

Ton
Akustisch präsentiert sich die Blu-ray-Umsetzung sehr dezent. Die Tonkulisse von „Leviathan“ ist bewusst unspektakulär gehalten, es dominieren ganz klar Dialoge, die in der Originalspur insgesamt etwas präsenter ertönen könnten. Generell herrscht hier jedoch ein subtiler und unaufdringlicher, naturalistischer Toneindruck vor. Nur hier und da werden gezielt Surroundeffekte eingesetzt, meist in den Außenszenen. Musik wird sehr spärlich eingesetzt, genauer gesagt ertönt nur zu Anfang und am Ende als Rahmen das fulminante Philip Glass Stück „Aknahten“. Dieses wird jedoch mit hoher Dynamik wuchtig und voluminös zu beeindruckendem Effekt wiedergeben.

Extras
Leider hat nur der deutsche Trailer (01:44 Min.) seinen Weg auf die Scheibe gefunden.


Fazit:
„Leviathan“ ist ein wuchtiges und emotional brutales filmisches Monument. Ein unbequemer, langsamer und oft anstrengender Film, der vom Zuschauer viel abverlangt und ein bitteres und vernichtendes Bild vom Russland der Gegenwart zeichnet.

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by Florian Hoffmann
Bilder © Eurovideo