Jodorowsky Collection - Blu-ray

Blu-ray Start: 28.02.2014
FSK: 18 - Laufzeit: 720 min

Jodorowsky Collection Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Was soll man zu Alejandro Jodorowsky und seinen Filmen noch sagen, was nicht schon an tausend anderen Stellen gesagt wurde? Zusammen mit Moebius schuf er die legendären John-Difool-Comics, gründete 1962 in Paris zusammen mit Roland Topor und Fernando Arrabal das ‚Mouvement Panique’ und entwickelte in den 1990ern die Praxis der Psychomagie. Unsterblich machen sollte Jodorowsky aber vor allem eines: Mit ihm wurde das Mitternachtskino geboren. EL TOPO war der erste jener legendären Midnight Movies der 1970er, die in der Folge noch solch bezaubernde Blüten treiben sollten wie PINK FLAMINGOS, ERASERHEAD oder THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW. DER HEILIGE BERG dürfte wohl eine der teuersten Extravaganzen in der Geschichte des Independentfilms sein – produziert vom legendären Beatles-Manager Allen Klein und (angeblich) co-finanziert vom großen EL-TOPO-Fan John Lennon höchstpersönlich. Mehr brauchte es nicht. Allein diese beiden Filme sollten Jodorowskys Ruf als absoluten Regieexzentriker für alle Ewigkeit zementieren. Der Rest ist Geschichte...

Enthalten sind:
EL TOPO
DER HEILIGE BERG
FANDO UND LIS

-> mehr Info zum Film mit Trailer, Cast & Crew

Blu-ray Details

Medienanzahl: 6
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Bildstörung
Tonformate:
diverse
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: diverse
Bonusmaterial:
- 3 Audiokommentare von Alejandro Jodorowsky zu seinen drei Spielfilmen
- Jodorowskys wiederentdeckter Kurzfilm DIE KRAWATTE (1957, 21 Min.)
- Dokumentarfilm DIE KONSTELLATION JODOROWSKY (1994, 86 Min.)
- Entfallene Szenen zu DER HEILIGE BERG
- Alejandro Jodorowsky über Tarot (7 Min.)
- Alejandro Jodorowsky über EL TOPO (5 Min.)
- Alejandro Jodorowsky trifft Nicolas Winding Refn [DRIVE, ONLY GOD FORGIVES] (20 Min.)
- Alejandro Jodorowsky auf dem Filmfest München 2013 (20 Min.)
- 2 Booklets mit einem Interview mit Alejandro Jodorowsky von 1970, der Indizierungsbegründung zu EL TOPO und einem Essay von Claus Loeser
FANDO UND LIS und die 2 CDs mit den original Soundtracks zu EL TOPO und DER HEILIGE BERG gibt es exklusiv nur in der Box!!

DVD und Blu-ray | Jodorowsky Collection

Blu-ray
Jodorowsky Collection Jodorowsky Collection
Blu-ray Start:
28.02.2014
FSK: 18 - Laufzeit: 720 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Jodorowsky Collection Jodorowsky Collection
DVD Start:
28.02.2014
FSK: 18 - Laufzeit: 720 min.

Blu-ray Kritik - Jodorowsky Collection

Blu-ray Wertung:
Film: | 10/10
Bild: | 10/10
Ton: | 10/10
Extras: | 10/10
Gesamt: | 10/10


„Die meisten Regisseure machen Filme mit ihren Augen. Ich mache Filme mit meinen Eiern.“ – Alejandro Jodorowsky

Am 28. Februar erschien beim Verleiher Bildstörung endlich die lang erwartete „Jodorowsky – Collection“ auf Blu-ray und DVD. Sie beinhaltet neben einem unfangreichen Bonusmaterial die Filme „Fando und Lis“, „El Topo“ und „Der heilige Berg“. Und es darf konstatiert werden, dass sich das Warten definitiv gelohnt hat!

Zu „Fando und Lis“:
In Jodorowskys Debüt-Film machen sich die titelgebenden Hauptfiguren Fando und Lis auf die Suche nach der sagenumwobenen Stadt Tar. Es herrscht die Legende, dass an diesem Ort alle Wünsche wahr werden können – allerdings lauern auf dem Weg dorthin eine Menge Gefahren…

Zu „El Topo“:
Der Revolverheld El Topo (Alejandro Jodorowsky) zieht in Begleitung seines Sohnes Brontis (Brontis Jodorowsky) durch die Lande und durchquert dabei schließlich ein Dorf, in dem ein unglaublich grausames Verbrechen stattgefunden hat. Nur noch ein einziger Bewohner ist am Leben, während der Rest auf bestialische Art und Weise ermordet wurde. Von diesem Überlebenden werden die beiden in Richtung eines Franziskaner-Klosters geschickt, das den verantwortlichen Verbrechern als Unterschlupf dient und es kommt zu einer brutalen Schießerei. El Topo zwingt anschließend die Geliebte des Anführers, Mara (Mara Lorenzio), zu seiner Frau zu werden. Ein fataler Fehler! Denn Mara verdreht ihm gehörig den Kopf, manipuliert ihn fortan und lässt ihn sinnlos Morden...

Zu „Der heilige Berg“:
Ein Dieb (Horacio Salinas) wird das Opfer einer perfiden Täuschung: Einige geldgierige Männer machen ihn betrunken und stellen anschließend einen Abguss von ihm her, ohne dass er auch nur das Geringste davon bemerken würde. Anhand dieses Abgusses produzieren sie Jesusfiguren, die der Dieb allerdings wütend zu zerstören beginnt. Eine einzige der Figuren lässt er jedoch ganz und nimmt sie an sich, um sie in einer Kirche aufzustellen. Als ihm dies jedoch von einem Priester untersagt wird, wendet er sich anderen Dingen zu und begegnet schließlich einem Alchemisten, der Gold herstellen kann. Gemeinsam wollen sie sich auf die Suche nach dem Heiligen Berg begeben, welcher der Legende nach das Geheimnis der Unsterblichkeit beherbergt. Sie brechen mit einer siebenköpfigen Gruppe auf und müssen schnell feststellen, dass sich jeder einzelne auf dieser Reise mit seinem eigenen Ego auseinandersetzen muss. Nur so können sie ihr Ziel unbeschadet erreichen...

Eine herkömmliche Analyse der drei Filme ist ebenso sinnlos wie unmöglich, da sich Jodorowskys (Gesamt-) Werk einer eindeutigen Interpretation bzw. konventionellen Auseinandersetzung konsequent verschließt. Doch gerade dieser Umstand macht die enorme Faszination seines Schaffens aus und ist der Grund dafür, warum er weltweit von so vielen Filmfans verehrt und geliebt wird. Jodorowsky bedient sich zwar bei bekannten Motiven und Szenerien - so scheint es sich bei „El Topo“ auf den ersten Blick um einen Western zu handeln - verrückt und verdreht diese aber stets auf solch eklatante Art und Weise, dass am Ende eben doch kein Genre-, sondern ein Jodorowsky Film dabei herauskommt. Generell dürfte selbst der größte Filmkenner von den Werken dieses Regisseurs überrascht werden, da man sich schlicht und einfach nie sicher sein kann, was Jodorowsky noch alles aus dem Hut zaubert. Das mag zwar teilweise arg irritieren oder verstören, verliert jedoch nie die bereits angesprochene ganz eigene Faszination. Sicherlich kommen einem bei diesem Stil schnell Vorwürfe der Selbstverliebtheit und einer starken Fokussierung aufs Prätentiöse in den Sinn, doch das würde den Filmen nicht gerecht werden. Denn zum Selbstzweck verkommen die schrägen Ideen des Regisseurs zu keiner Sekunde, ihr Fehlen würde ganz im Gegenteil sogar das Gesamtkonzept zum Einsturz bringen. Trotzdem wird natürlich nicht jeder einen Zugang finden, aber das ist ja auch völlig in Ordnung.
Gewalt und Erotik spielen in Jodorowskys Filmen zwar stets eine bedeutende Rolle, werden jedoch auf eine solch ungewohnte Art und Weise in Szene gesetzt, dass man stellenweise nur ungläubig und fasziniert zugleich mit dem Kopf schütteln kann – Reine Exploitationfans dürften daher, trotz aller Härte und visueller Explizität, mit „El Topo“ und Co. wenig Freude haben. Auf das unglaublich hohe Maß an abstruser Esoterik muss man sich glücklicherweise nicht einlassen, um an den Filmen Gefallen zu finden. Ihre Faszination entfalten sie auch bei tendenziell eher rationalen Gemütern. Neigt man jedoch zur Esoterik, eröffnet sich vermutlich ein schier grenzenloses Feld der unterschiedlichsten Interpretationsmöglichkeiten.

Die Auswahl der Filme könnte gelungener kaum sein, da sie einen guten Gesamtüberblick von Jodorowskys Œuvre vermitteln und deshalb auch für Einsteiger genau das Richtige bieten. Konsequenterweise befindet sich auf der ersten Blu-ray Jodorowskys Grenzen zerschmetterndes Erstlingswerk „Fando und Lis“, das bereits als kleine Vorwarnung auf die kommenden zwei Filme dient und den Zuschauer auf den Stil des Regisseurs angemessen einstimmt. Weiter geht es dann mit dem brachial brutalen Western „El Topo“, der wohl zu den bekanntesten Filmen Jodorowskys gehört und das Herzstück der Collection darstellt – nach 25 Jahren untätigen Verweilens auf dem Index hat sich der Film diese Position auch redlich verdient. Den faszinierenden Abschluss bildet der Cannes Skandalfilm „Der heilige Berg“, dessen unwirkliche Bilder den eindeutigen surrealen Höhepunkt der drei Filme darstellen. Auf alle Fälle wird diese Auswahl die Fans des Regisseurs befriedigen und lädt gleichzeitig auch Neulinge dazu ein, mehr über Jodorowskys Schaffen zu erfahren bzw. weitere Filme von ihm zu entdecken. Ein guter Startpunkt ist auch das tolle Bonusmaterial der Box, das nicht nur einen lange verschollen geglaubten Kurzfilm beinhaltet, sondern auch den Regisseur in verschiedenster Form zu Wort kommen lässt. Hier gibt es definitiv einiges zu entdecken – mein Highlight war das Aufeinandertreffen von Jodorowsky und Nicolas Winding Refn („Drive“). Als Cineast ist man Bildstörung daher wirklich zu Dank verpflichtet, denn nach zahlreichen mittelmäßigen Bootleg-Versionen ist nun endlich eine würdevolle Blu-ray Box auf dem Markt, die Alejandro Jodorowskys einzigartigen Filmen tatsächlich in jeder Hinsicht gerecht wird! Das beginnt bei der schicken Aufmachung der drei Digipacks, setzt sich nahtlos mit der tollen technischen Qualität der Discs fort und endet bei einem außergewöhnlich umfangreichen Bonusmaterial samt aufschlussreichen Booklet-Texten. Obendrein gibt’s sogar noch 2 Soundtrack CDs zu „El Topo“ und „Der heilige Berg“ dazu. Wer hier nicht zuschlägt ist selbst schuld!

Anmerkung zur technischen Qualität: Die Filme wurden liebevoll restauriert und lassen in Sachen Bildqualität daher keine Wünsche offen. Doch noch eindrucksvoller ist die Arbeit, die Bildstörung in den Ton gesteckt hat. So wurden aus diversen Kopien immer nur die qualitativ besten Stellen genommen, um eine durchgehend gute Tonspur zu erzeugen. Die Mühe ist dem Endprodukt deutlich anzumerken und verdeutlicht, mit wie viel Elan sich die Leute von Bildstörung hier ins Zeug gelegt haben. Hut ab!

Fazit: Auch wenn es zugegebenermaßen bislang noch kein probates Mittel gibt, um Jodorowskys Filme zu verstehen, sollten sie aufgrund ihrer ganz eigenen Ästhetik, Atmosphäre und unbändiger Faszination in keiner guten Filmsammlung fehlen. Die nun vorliegende Collection ist in jeder Hinsicht gelungen und bietet sich somit auch für jeden Filmfan, der sich mit Jodorowsky bisher noch nicht auseinandergesetzt hat, als ideale Nachhol-Möglichkeit an.

by Jonas Hoppe
Bilder © Alive / Bildstörung