Ich, Daniel Blake - Blu-ray

Blu-ray Start: 28.03.2017
FSK: 6 - Laufzeit: 101 min

Ich, Daniel Blake Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Daniel Blake (Dave Johns) ist ein geradliniger und anständiger, zeitlebens Steuern zahlender Durchschnittsengländer – bis seine Gesundheit ihm einen Strich durch die Rechnung macht. Jetzt, im gesetzteren Alter, will ihm die willkürliche Staatsbürokratie den Bezug von Sozialhilfe verweigern. Schnell gerät er in einen Teufelskreis von Zuständigkeiten, Bestimmungen und Antragsformularen. Daniel Blake rechnet nicht damit, dass die geradezu kafkaeske Situation ihn fast in die Knie zwingen wird. Seine Wege kreuzen sich mit Katie (Hayley Squires) und ihren beiden Kindern Daisy und Dylan. Sie raufen sich zu einer erfolgreichen Schicksalsgemeinschaft zusammen und erfahren neben den ständigen Seitenhieben der Behörden auch viel Solidarität – von ehemaligen Kollegen, sogar von Daniels schrägem Nachbar. Doch die bürokratischen Klippen des sogenannten Sozialstaates sind tückisch. Da wird Ohnmacht zur Wut – und so leicht geben Daniel und Katie ihre Träume und Hoffnungen nicht auf...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Eurovideo / ProKino
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Englisch)
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.40:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
- Making Of
- Zusätzliche und erweiterte Szenen
- Interview mit dem Regisseur
- Deutscher und Original-Kinotrailer
- Wendecover

DVD und Blu-ray | Ich, Daniel Blake

Blu-ray
Ich, Daniel Blake Ich, Daniel Blake
Blu-ray Start:
28.03.2017
FSK: 6 - Laufzeit: 101 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Ich, Daniel Blake Ich, Daniel Blake
DVD Start:
28.03.2017
FSK: 6 - Laufzeit: 97 min.

Blu-ray Kritik - Ich, Daniel Blake

Blu-ray Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 0/10
Ton: | 0/10
Extras: | 9/10
Gesamt: | 9/10


Der Film, der dieses Jahr den BAFTA für den besten britischen Film erhielt und letztes Jahr die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes gewann, war „Ich, Daniel Blake“ und das ist auch völlig zurecht der Fall gewesen. Altmeister Ken Loach zeigt in diesem Streifen die Inflexibilität und Abstrusität des britischen Sozialsystems auf einer unglaublich realistischen Art und Weise, die einen berührt und nachdenklich macht. Ich, Daniel Blake SzenenbildEs ist ein Sozialdrama mit ganz großer Klasse, der gesehen werden sollte.

Der Film erzählt die Geschichte des knapp 60-Jährigen Tischlers und Witwer Daniel Blake, der einen Herzinfarkt erlitt und nicht arbeitsfähig ist. Zumindest laut seiner Ärztin. Die sog. Gesundheitsfachkraft der britischen Sozialbehörden ist anderer Meinung und lehnt seinen Antrag auf Sozialhilfe hab. Nun ist er auf dem Weg zum Jobcenter, um Arbeitslosengeld zu beantragen und lernt dabei die alleinerziehende Mutter Katie und ihre zwei Kinder kennen. So begleitet man als Zuschauer den Weg der beiden durch diesen Bürokratiewahnsinn, erfährt mehr über ihre Schicksale und beobachtet das Entstehen einer Freundschaft.

Was das Drama besonders auszeichnet, ist seine Authentizität. Die Geschichte, die Charaktere, das Setting. Alles wirkt greifbar und echt und stellen ein getreues Abbild eines tristen Alltags dar. Man verzichtet fast gänzlich auf Musik, das Wetter ist typisch britisch stets grau, die Umgebung ist kahl und die Wohnungen alles andere als luxuriös. Der Film ist dabei sehr einfach inszeniert. Hier gibt es keine besondere Effekthascherei. Alles ist sehr realistisch und bodenständig mit der Kamera eingefangen. Es ist auch kein Arthouse-Film, der mit besonderen Stilmittel die Niveau-Keule schwingt und sich damit profiliert, ein künstlerisch anspruchsvoller Film zu sein. Er möchte von der ersten Sekunde dem Zuschauer bittere Alltagsprobleme von Bürgern erzählen in der westlichen Welt – in diesem Fall England – und dabei aufzeigen, wie starre Bürokratie und die typische „Dienst nach Vorschrift“-Vorgehensweise das Leben vieler Menschen erschwert. Ich, Daniel Blake SzenenbildAn dieser Stelle wird nicht ins Detail gegangen, jedoch gibt es hier einige Szenen, die ohne plakativ zu wirken, aufzeigen wie fehlerbehaftet das Sozialsystem mit den verschiedenen Sozialleistungen ist. Dass dies der Alltag von Millionen Menschen, auch hier in Deutschland, ist, macht einen teilweise fassungslos. Die Mitarbeiter im Jobcenter sind in diesem Film keine Schauspieler, sondern ehemalige bzw. aktuelle Angestellte vom Jobcenter, was der Authentizität nochmals eine besondere Note verleiht. Der Film übt stellenweise auf einer zynischen Art Kritik an das Sozialsystem in England aus, ohne überdramatisch zu werden, auf jemand mit dem Finger zu zeigen, einen Schuldigen auszumachen oder Lösungen darzustellen. Er bildet lediglich ab, was in der Realität täglich passiert. Es macht den Zuschauer ebenfalls sehr traurig, ohne dass rührselige Momente kreiert werden, die Tränen beim Zuschauer auslösen. Leute werden wie Menschen 2. Klasse behandelt und sind fortan eine Akte, die nach Schema F abgearbeitet werden. Man merkt, dass wenn man einmal in diesem Bürokratiestrudel festsitzt, nicht mehr so einfach rauskommt.

Was die Schauspieler angeht, gibt es eine interessante Besetzung. Die Figur Katie wird von Haley Squires gespielt, einer britischen Newcomerin. Daniel Blake wird vom Stand-Up-Comedian Dave Johns verkörpert. Beide machen ihre Sache großartig. Johns ist äußerst überzeugend in seiner Rolle als alter Zimmermann, der wie der Zuschauer selbst von dem britischen Sozialsystem und dessen borniertes Klammern an den Vorschriften irritiert ist, keine Ahnung von PCs hat und ein großes Herz besitzt. Ich, Daniel Blake SzenenbildEr ist eine unglaublich liebenswürdige Figur, die man in jeder Sekunde versteht. Dabei strahlt Johns Sanftmut und Erfahrenheit bemerkenswert aus. Eine noch bessere Performance zeigte Haley Squires, die besonders in den emotionalen Momenten, ganz groß aufspielte. Ihre Verzweiflung, Frustration und Angst spürt der Zuschauer und man leidet mit ihr mit. Ihre Situation macht einen zudem sehr wütend und sehr nachdenklich und man merkt schnell, dass ein Satz – auch wenn dieser nicht im Film fällt – wie „In Afrika ist es schlimmer, uns geht es sehr gut“, einen selten hilft, wenn man sich in einer ähnlichen Situation wie Katie befindet.

Das Drehbuch ist wie fast alles in diesem Film makellos. Es sprüht nur so von Natürlichkeit. insbesondere die Dialoge sind äußerst authentisch geschrieben. Der Handlungsverlauf ist dabei ebenfalls sehr realitätsnah. Der Film erzählt sehr geradlinig, ohne unnötige Nebenhandlungen zu erschaffen, seine Story in knapp 100 Minuten runter und macht dies sehr souverän. Die Geschichte bleibt dabei stets glaubwürdig und ufert nie aus. Man ist sofort in der Geschichte drin und schafft schnell eine emotionale Bindung zu den Figuren, dessen Schicksal einem schnell ans Herz gehen. Die Charaktere sind dabei sehr einfach, aber auch sehr glaubhaft gezeichnet und man bringt Verständnis in vielen Situationen für sie auf. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Film in allen Belangen in sich stimmig ist, auch wenn der Wow-Effekt für die volle Punktzahl fehlt. Ich, Daniel Blake SzenenbildDie Schauspieler, die Geschichte, die Inszenierung, die Erzähltechnik, das Setting. Alles greift ineinander über und ergeben zusammen einen vor allem wichtigen Film, der sich intelligent und kritisch mit einer schwierigen Thematik auseinandersetzt.

Zur Bild – und Tonqualität der Blu-ray kann nichts gesagt werden, da als Rezensionsexemplar vom Verleih lediglich ein Online-Stream zur Verfügung gestellt wurde. Bei den Extras gibt es ein interessantes 10-minütiges Interview mit Regisseur Ken Loach, mehrere deleted scenes und ein langes Making-of, das sich insbesondere dadurch auszeichnet, dass es keinen werbenden Charakter hat. Insgesamt kriegt das Bonusmaterial einen Extrapunkt dafür, dass es, wie der Film selber, sehr ehrlich ist.


Fazit:
Ich, Daniel Blake ist schlicht und ergreifend ein Film, der mit seiner unglaublichen Authentizität und seiner durchweg realistischen Inszenierung überragt. Die tollen Schauspieler, das klug geschriebene Drehbuch und das Szenenbild sind die wichtigen Eckpfeiler, die dieses Sozialdrama so sehenswert machen.

by Morteza Wakilian
Bilder © Eurovideo / ProKino