Hunger - Blu-ray

Blu-ray Start: 06.08.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 95 min

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Inhalt

Nordirland, Maze Prison, 1981: Raymond Lohan ist ein ganz normaler Wachmann. Doch das Gefängnis, in dem er arbeitet ist alles andere als normal. Die IRA-Gefangenen sind in einen "No Wash"-Protest getreten. Für die Insassen selbst ist der Schmutz, der Urin und Kot unzumutbar, doch für die Wachen ist er es auch. Schließlich bricht ein bedrohlicher Hungerstreik aus. Bobby Sands ist dessen Anführer - er hungert 66 Tage lang - bis zu seinem Tod.HUNGER ist ein kompromissloser, zutiefst verstörender Film über einen Hungerstreik der IRA 1981. Er ist der Debütfilm des mit dem Turnerpreis ausgezeichneten englischen Künstlers Steve McQueen. Nominated for BAFTA Film Award. Another 22 wins & 20 nominations

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Tonformate:
DTS-HD 2.0 Master Audio mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Interviews, Fragen an das Team, Beim Dreh, Amnesty International Trailer, Originaltrailer, Trailershow

Video on demand - Hunger

DVD und Blu-ray | Hunger

Blu-ray
Hunger Hunger
Blu-ray Start:
06.08.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 95 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Hunger Hunger
DVD Start:
20.08.2009
FSK: 16 - Laufzeit: 91 min.

Blu-ray Kritik - Hunger

Blu-ray Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 7/10
Gesamt: | 9/10


Steve McQueen, bekannt als versierter Fotograf und Künstler, konnte im Jahr 2008 bei den Filmfestspielen von Cannes mit seinem Debütfilm „Hunger“ nicht nur die Caméra d’Or - den Preis für das Erstlingswerk - mit nach Hause nehmen, sondern sich darüber hinaus über seinen nun überaus guten Ruf als Regisseur freuen. Drei Jahre später legte er mit „Shame“ seinen nächsten Film vor, bei dem sich McQueen abermals für Michael Fassbender als Hauptdarsteller entschied. Bevor im nächsten Jahr mit „Twelve Years a Slave“ sein neuestes Werk die Kinos erreicht, präsentiert uns Ascot Elite nun das grandiose Erstlingswerk „Hunger“ in toller Bildqualität auf einer Blu-ray Special Edition, die den Zuschauer den bedrückenden Todeskampf des Bobby Sands noch intensiver miterleben lässt.

Als der IRA-Aktivist Davey Gillen (Brian Milligan) den Hochsicherheitstrakt des berüchtigten Maze-Gefängnisses betritt, ist er noch ein selbstbewusster junger Mann. Doch schon bald wird er ein psychisch gebrochener Mann sein, der wie ein Tier in einer mit Exkrementen verunstalteten Zelle sitzen und die täglichen Demütigungen der Wärter widerstandslos über sich ergehen lassen muss. Da die Widerstandskämpfer nicht akzeptieren wollen, wie gewöhnliche Kriminelle behandelt zu werden und stattdessen einen Status als politische Gefangene anstreben, versuchen sie es zunächst mit kleineren Streiks. So weigern sie sich, die Gefängniskleidung anziehen und vegetieren lieber nackt in ihren Zellen vor sich hin. Außerdem sollen ein Waschstreik und eine Verweigerung der Gefängnisarbeit ihrer Sache dienlich sein. Doch alle Versuche bleiben ohne Erfolg und der Anführer der IRA- Häftlinge, Bobby Sands (Michael Fassbender), sieht den einzigen Ausweg in einem kompromisslosen Hungerstreik bis zum eigenen Tode…

Steve McQueen besitzt das seltene Talent, sich in den richtigen Momenten die nötige Zeit zu nehmen. Auf manche mögen diese langen Sequenzen langweilig oder unnötig wirken, sieht man doch manchmal nur einen Mann, der sich die Hände wäscht oder im Schneegestöber eine Zigarette raucht. Doch für den Ton und die Atmosphäre seiner Filme sind solche Szenen unverzichtbar und tragen immens viel zur subtilen Charakterisierung der Figuren bei. Schon zu Beginn seines Filmes fällt McQueens Geschick auf, erschreckenden Realismus mit einer poetischen Bildsprache zu verbinden. Bei „Hunger“ schließen sie sich diese Elemente nicht gegenseitig aus, sondern kooperieren harmonisch miteinander und führen zu einem überwältigenden Filmerlebnis.
Zarte Gemüter sollten sich jedoch überlegen, ob sie sich den Film antun, denn über weite Strecken ist „Hunger“ eine wahre Zumutung. Wobei das keinesfalls abwertend gemeint ist, sondern lediglich den Effekt beschreibt, den der Film auf den Zuschauer haben wird. Steve McQueen geht bei seiner Darstellung der Lebensumstände im nordirischen Maze-Gefängnis keinerlei Kompromisse ein und präsentiert den Gefängnisalltag in einer solch ungeschönten Brutalität, dass sich nicht selten ein flaues Gefühl im Magen des Zuschauers einstellt. Die Gefangenen werden von den Wärtern wie Tiere behandelt und müssen neben verbalen Demütigungen auch den einen oder anderen gewalttätigen Spießrutenlauf durchleben. Dass es McQueen dennoch schafft, auf eine naive Dämonisierung der Wärter zu verzichten, ist ihm wirklich hoch anzurechnen und bezeugt seine Intelligenz als Drehbuchautor. Denn auch das Gefängnispersonal ist viel eher in einer Opfer- als in einer Täterrolle zu verorten, da auch hier die Fesseln des Systems Anwendung finden und das Verhalten des Personals bestimmen. So fließt seitens der Schläger auch die eine oder andere Träne, die man eher nicht erwartet hätte. Sie sind ebenfalls Gefangene und wissen sich vor lauter Angst mit nichts anderem zu helfen als mit stupider Gewalt. Eine 17 Minuten lange Plansequenz, bei der Bobby mit einem Priester seinen Plan diskutiert, dient als Herzstück des Films und zeugt abermals von McQueens Talent, genau zu wissen, wann einige Filmminuten mehr nicht schaden.
Doch der bedrückende Höhepunkt des Filmes ist der ungemein intensiv inszenierte Todeskampf des Bobby Sands. Sein langsames Sterben wird von der Regie so schonungslos auf die Leinwand gebracht, dass man die Qualen des Freiheitskämpfers regelrecht am eigenen Leibe zu spüren bekommt. Im Grunde könnte man diesen Teil des Films als eine realistische Version des Body-Horrors von David Cronenbergs bezeichnen, der den Zuschauer aufgrund seiner dezidiert nüchternen Darstellung mit einem unglaublich hohen Maß entsetzlicher, ja unbegreiflicher Brutalität konfrontiert. Ein großes Lob gebührt hierbei Michael Fassbenders eindringlicher Darstellung des Bobby Sands, den er als gleichsam entschlossenen wie auch verletzlichen Märtyrer spielt. Sein langsamer Verfall wird von Fassbender zu jeder Sekunde geradezu schmerzhaft glaubhaft dargestellt und nicht ohne Grund ist ihm nach „Hunger“ der große Durchbruch gelungen.

In technischer Hinsicht gibt es nichts zu bemängeln. Die Bildqualität ist grandios und lässt einen durch ihre Schärfe den Gefängnisalltag noch intensiver miterleben. Auch der Ton ist gut abgemischt und daher bleiben kaum Wünsche offen. Nur Michael Fassbenders Synchronstimme irritiert etwas, da hier noch nicht sein Stammsprecher im Studio saß. Die Extras fallen recht üppig aus und liefern einige interessante Hintergrundinformationen zu den Dreharbeiten.

Fazit: Steve McQueens Drama „Hunger“ ist ein humanistisches Plädoyer von erschütternder Wucht, das einen nach dem Schauen noch lange beschäftigen wird.


by Jonas Hoppe
Bilder © Ascot Elite Home Entertainment