Fikkefuchs - Blu-ray

Blu-ray Start: 20.04.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 99 min

Fikkefuchs Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Es gab mal eine Zeit, da konnte Rocky sie alle haben. Er spielte französische Chansons und die Frauen schmolzen dahin. Das ist zwar längst vorbei, aber als Thorben vor seiner Tür steht, wird er noch einmal herausgefordert. Der junge Mann, der behauptet sein Sohn zu sein, weiß nicht, wie man Frauen flachlegt und Rocky soll es ihm beibringen. So gehen sie auf die Jagd: Junge, schöne Frauen sollen es sein... die nur auf sie gewartet haben.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Alamode
Tonformate:
DTS-HD 5.1 (Deutsch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.35:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
- Trailer
- Making-of
- deleted scenes
- Podiumsdiskussion

DVD und Blu-ray | Fikkefuchs

Blu-ray
Fikkefuchs Fikkefuchs
Blu-ray Start:
20.04.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 99 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Fikkefuchs Fikkefuchs
DVD Start:
20.04.2018
FSK: 16 - Laufzeit: 97 min.

Blu-ray Kritik - Fikkefuchs

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 9/10
Ton: | 6/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 8/10


Kein anderer deutscher Film hat letztes Jahr derart polarisiert wie Fikkefuchs von Jan Henrik Stahlberg. Frauenfeindlichkeit warfen ihm seine Kritiker vor. Während ihn einige sehr lustig fanden, war er für viele schlicht geschmacklos, sexistisch und unnötig provokant. Gerade in der heutigen Zeit verhält sich dieser Film zur Me-Too-Debatte womöglich wie Öl zu Feuer. Wie man diesen letztlich bewertet, ist jedem selbst überlassen. Objektiv kann man diesen Film nicht bewerten. Der Blickwinkel ist von Mensch zu Mensch und insbesondere hier von Mann zu Mann unterschiedlich, sodass diese Rezension einen gewissen persönlichen Charakter besitzt.

Franz Rogowski und Jan Henrik Stahlberg
Franz Rogowski und Jan Henrik Stahlberg © Alamode Film
Doch zunächst einmal sollte kurz beschrieben, worum es in Fikkefuchs eigentlich geht. Thorben (Franz Rogowski), der aufgrund versuchter Vergewaltigung in der Psychiatrie war und dort ausgebrochen ist, steht plötzlich vor der Tür von Rocky (Jan Henrik Stahlberg), der laut Thorben sein Vater ist. Der knapp 50 Jahre alte Rocky war in seinen jungen Jahren ein Frauenheld, der jede kriegen konnte. Thorben möchte nun, dass ihm sein Vater beibringt, wie man es schafft, dass Frauen mit ihm schlafen wollen, ohne dabei Gewalt anzuwenden und ohne sie dafür zu bezahlen. So beginnt eine ungewöhnliche Vater-Sohn-Geschichte, die auf eine Art und Weise erzählt ist, die sicherlich bedenklich ist, doch auch wirklich lustig sein kann, je nachdem wie man sich diesen Film anschaut. Thorben ist pornosüchtig, masturbiert häufig, baggert Frauen unhöflich an und ist verzweifelt und aggressiv. Er weiß nicht mehr weiter. Er hat nur noch ein Ziel im Kopf und das ist eine Frau flachzulegen. Dabei geht er äußerst glücklos vor, feuert einen vulgären Spruch nach dem anderen ab und bemerkt dabei nicht, wie doof und unfähig er sich dabei anstellt. Rocky, der vom Regisseur und Drehbuchautor Jan Henrik Stahlberg verkörpert wird, trauert seinen alten erfolgreichen Tagen nach. Junge Frauen waren und sind das Ziel seiner Begierde. Nicht die Hirschkuh, sondern das Reh möchte er begatten oder man ist Gott zwischen den Beinen einer Frau näher als in einer Kirche. Solche Sätze hört man mit Stahlbergs Stimme im Off und verdeutlichen den Charakter von Rocky, für den Sex und Frauen ein essentieller Bestandteil seines Lebens sind. Die schönste und vielleicht auch klügste Aussage in dem Film ist, dass die ersten Minuten nach dem Orgasmus die schönsten sind, weil man nicht an die Vagina einer Frau denken muss, doch kommt bald dieses Gefühl wieder auf. Das auszusprechen mag für viele skandalös sein, ist vermutlich aber für die meisten Männer alltäglich. So zeichnet Stahlberg ein äußerst brisantes Männerbild, dass viele Fragen aufwirft. Vor allem, da er selber die Figur des Rockys spielt, kann man sich die Frage stellen wieviel Stahlberg in Rocky steckt.

Rocky (Henrik Stahlberg)
Rocky (Henrik Stahlberg © Alamode Film
Doch bevor man weiter den Film auf einer tieferen Ebene analysiert, sollte man sich den grundsätzlichen Dingen zuwenden. Der Film hat keine 100.000€ gekostet und wurde durch Crowd-Funding finanziert. Doch so wirklich sieht man dies dem Film nicht an. Dass er nicht viel gekostet hat, ist klar. Dass er jedoch so günstig war, überrascht letztlich schon einen. Denn dafür ist er technisch einwandfrei. Natürlich braucht man für solch einen Film kein Millionenbudget. Doch Fikkefuchs macht visuell einen sehr soliden Eindruck und mit kreativem Schnitt sorgt er für ein sehr dynamisches Filmerlebnis. Stahlberg und vor allem Rogowski machen einen grandiosen Job und verkörpern ihre Figuren authentisch und mit sehr viel Seele. Vor allem Rogowski schafft das quasi Unmögliche, nämlich als Zuschauer eine gewisse Empathie für einen Sexualstraftäter zu empfinden. Ihr Zusammenspiel ist wirklich teilweise zum Totlachen. Das Drehbuch ist sehr beeindruckend mit natürlichen Dialogen, einer überzeichneten Figurenzeichnung, die jedoch im Kern irgendwo der Wahrheit entspricht und mit einem unglaublich starken Timing für Humor. Der Film bringt einen da zum Lachen, wo man es am wenigsten erwartet und erwischt einen eiskalt, sodass man gar nicht anders kann als laut loszulachen. Jedoch nimmt er sich selbst immer ernst und veralbert nichts. So ist der Film, was Schauspieler angeht, die Dialoge im Drehbuch und die Technik, ein sehr solider Vertreter des deutschen Kinos. Viele hat dies gar nicht interessiert in ihren Rezensionen. Man wollte lieber im politisch korrekten Strom mitschwimmen und alles verteufeln, was nicht sofort Frauen als Opfer der Männer darstellt. Denn vor allem Rogowskis Schauspiel ist aller Ehren wert und vor allem sehr mutig. Es ist kein leichtes Unterfangen für einen Schauspieler solch einen schwierigen und sperrigen Charakter zu porträtieren. Doch Franz Rogowski, der mit seinem markanten Lispeln und seiner Lippenspalte, ohnehin kein aalglatter Schönling ist, sondern noch ein Charakter mit Ecken und Kanten, meistert diese Aufgabe mit Bravour. Es gibt eine Sexszene mit Franz Rogowski gegen Ende des Films, die je länger sie andauert, umso unfassbarer wird. Vielleicht können manche da schon gar nicht mehr hingucken, aber hier wird etwas gezeigt, dass einem die Sprache verschlägt. Ohne Tabubruch und mit einfachen Methoden geht man dennoch über Grenzen hinaus und überschreitet Hemmschwellen sowohl im Film selbst als auch für Schauspieler im Allgemeinen.

Thorben (Franz Rogowski)
Thorben (Franz Rogowski) © Alamode Film
Es ist nachvollziehbar, dass man diesem Film evtl. wenig abgewinnen kann und ihn schnell geschmacklos und sexistisch findet. Darüber hinaus muss hier gesagt werden, dass die von Thorben geschauten Pornos immer wieder kurz eingeblendet werden. Wer solche explizite Bilder partout nicht sehen möchte, der sollte einen Bogen um Fikkefuchs machen. Stahlberg zeichnet ein interessantes Männerbild, das zugleich jämmerlich und dennoch nicht weit weg von der Realität ist. Oft wirft man Männern vor, sie denken mit dem Penis. Dass es in der Tat teilweise so ist, wird in diesem Film deutlich klar. Dass man hier aber mit Unverständnis reagiert, ist wiederum unverständlich. Der Film nimmt kein Blatt vor dem Mund, legt sämtliche Finger in die verschiedensten Wunden. Es tut weh es zu sehen und gleichzeitig tut es gut es zu hören. Der Film macht einen nachdenklich und gleichzeitig bringt er einen zum Lachen. Dabei ist er in vielen Szenen manchmal sehr bitter und im nächsten Moment wiederum urkomisch. Diese Gratwanderung bewältigt der Film allerdings sehr selbstsicher, sodass er letztlich äußerst gelungen ist. Die Ambivalenz des Filmes ist sehr geschickt visualisiert und inszeniert worden, denn er trifft den Nerv der Zuschauer im positiven als auch im negativen Sinne und dies muss ein Film erstmal schaffen. Er provoziert ganz gezielt und ist sicherlich nicht als Beitrag zur Me-Too-Debatte zu verstehen. Vielmehr ist es ein Film von Männern für Männer, über die Probleme und Herausforderungen mit der eigenen Sexualität und dem problembehafteten Umgang mit Frauen, der Hindernisse beinhaltet, die für viele Männer unüberwindbar zu sein scheinen. Er ist nicht direkt frauenfeindlich. Er zeigt vielmehr, wie schwer es heutzutage ist als Mann eine Frau „rumzukriegen“. Ob das wirklich so ist in der heutigen Zeit und ob man tatsächlich Angst hat was Falsches zu sagen, weil dies sonst als sexuelle Belästigung angesehen wird, ist jedoch nicht von Bedeutung für den Film selbst. Er hat nicht den Anspruch auf irgendwelche Missstände hinzuweisen. Der Streifen bleibt zynische Fiktion und eine Tragikomödie und kein sozialkritisches Drama. Er zeigt lediglich eine andere Perspektive mit schwarzem Humor, um es erträglicher zu machen. Eine Perspektive, die vor allem heutzutage völlig vernachlässigt wird. Die Perspektive des Mannes, der lediglich etwas körperliche Liebe haben möchte und seine Unfähigkeit oder auch sein Unvermögen, diese mit Offenheit und Ehrlichkeit zu bekommen.

Franz Rogowski und Jan Henrik Stahlberg in Fikkefuchs
Franz Rogowski und Jan Henrik Stahlberg in Fikkefuchs © Alamode Film
Viele verurteilen den Film wegen seines Frauenbildes. Doch es ist das Frauenbild, welches Thorben und Rocky haben. Das muss nicht gleich dem Frauenbild sein, dass man selber besitzt, womit wieder, wie einleitend erwähnt, der Blickwinkel wichtig ist. In diesem Film geht es vielmehr um die Rolle des Mannes und dass er bei weitem nicht stets das stärkere Geschlecht sein muss. Denn lässt man die physische Stärke beiseite, so sind Männer lediglich ihren Trieben und ihrem Verlangen ihre Sexualität auszuleben unterworfen. Männer sind in Fikkefuchs in erster Linie triebgesteuert und Opfer ihrer Triebe, die sie zwar in der Regel unter Kontrolle haben, jedoch stark darunter leiden. Frauen sind Opfer der sexuellen Triebe der Männer. Dass Männer ebenfalls Opfer ihrer eigenen Sexualität sind, ist ein Aspekt des Films, der auf humoristische Art und Weise beleuchtet wird. Der Film ist ein mutiges Stück Kino, dass eigentlich diese ganze Kritik gar nicht verdient hat. Denn so ehrlich, humorvoll, frivol, unbekümmert und direkt war schon lange kein Film mehr im Kino. Gerade Franz Rogowskis Figur Thorben spricht die Frauen unverschämt direkt an und möchte ihnen klar machen, was er mit ihnen machen möchte. Diese wenden sich angewidert von ihm ab. Zurecht möchte man sagen. Doch wenn man ehrlich ist, sagt er nur das, was man eigentlich denkt, aber nicht sagen darf und deswegen sich letztlich den Kopf zerbricht, Ratgeber aufsucht usw. wie man eine Frau anspricht und sie ins Bett bekommt. Mit Ehrlichkeit und „sei du selbst“, wird das nie passieren, sofern man nicht auf eine Beziehung aus ist.

Jenny Edner und Susanne Bredehöft in Fikkefuchs
Jenny Edner und Susanne Bredehöft in Fikkefuchs © Alamode Film
Stahlberg zeigt vielleicht das was in jedem Mann steckt, der keine Beziehung möchte. Nämlich ein Jäger, der seine Beute begatten möchte, um seine Lust zu stillen. Das männliche Begehren mit schwarzem Humor unter der Gürtellinie darzustellen, ist in der heutigen Zeit jedoch nicht mehr angebracht. Das möchte man heutzutage im Kino nicht sehen. Männer als Opfer der eigenen Sexualität? Sowas schon gar nicht. Doch Jan Henrik Stahlberg macht es hier ganz klug. Denn seine Figuren sind nicht die hellsten Kerzen auf der Torte. Thorben ist nicht mal eine Kerze, so doof wie er sich manchmal verhält. Somit schafft es Fikkefuchs zu unterhalten, ohne dabei für die Männerwelt repräsentative Figuren zu verwenden, aber benutzt sie gleichzeitig als Sprachrohr, für das, was wahrscheinlich Millionen Männer täglich beschäftigt: Sex, Sex und nochmal Sex. Dabei ist es vielen klar, dass die meisten Männer nicht aus demselben Holz geschnitzt sind charakterlich wie Thorben und Rocky. Doch die Bedürfnisse bleiben die Gleichen und diese offen auszusprechen, ist weder sexistisch noch frauenfeindlich. Denn die Frauen sind keine Feinde in dem Film.

Die Bildqualität der Blu-ray macht einen ordentlichen Eindruck. Die Blu-ray besticht durch satte Kontraste und einem gestochen scharfen Bild ohne Filmkorn.
Der Ton hingegen ist recht leise. Man muss ungewöhnlich laut aufdrehen, auch wenn letztlich dann ab einer gewissen Lautstärke, die Dialoge klar verständlich sind.
Bei den Extras gibt es ein kleines Making-of, den Trailer, einige deleted scenes, die sehr interessant sind, eine Podiumsdiskussion mit Wolfram Fleischhauer, der mit Jan Henrik Stahlberg das Drehbuch verfasste und drei weiteren Personen, welche man sehr gerne verfolgt. Darüber hinaus kann man den Film mit einer Audiodeskription anschauen.


Fazit:
Fikkefuchs unterhält, ist teilweise extrem witzig, völlig skurril und abstrus mit verrückten Figuren. Der Film bietet authentische Dialoge, eine unvorhersehbare Story, Humor unter der Gürtellinie, der nicht jedem gefallen wird und eine Menge Diskussionsstoff. Mit tollen Darstellern und einer Erzählhaltung, die für viele sexistisch sein mag, jedoch einfach nur ehrlich und offen ist, bleibt Fikkefuchs ein Stück deutsches Arthouse-Kino, das die Zuschauer spalten mag, doch so mutig und interessant ist, wie es selten der Fall ist im deutschen Kino.

by Morteza Wakilian
Bilder © Alive / Alamode