Eine neue Freundin - Blu-ray

Blu-ray Start: 18.09.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 108 min

Eine neue Freundin Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Claire und Laura sind beste Freundinnen seit Kindertagen. Seite an Seite wachsen sie auf, teilen alle schönen und traurigen Erfahrungen. Doch die Freundschaft, die für ewig bestimmt zu sein schien, findet ein jähes Ende, als Laura stirbt. Sie hinterlässt ein kleines Baby und ihren Ehemann David. Claire muss ihre eigene Trauer unterdrücken, da sie Laura versprochen hat, sich um David und das Baby zu kümmern. Als sie unangemeldet bei David auftaucht, erlebt sie eine schockierende Überraschung ...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universum Film / Weltkino
Tonformate:
DTS-HD 5.1 (Deutsch, Französisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Unveröffentlichte Szenen, Making-of, Interviews mit Romain Duris und Anaïs Demoustier, Kostüm- und Lichtprobe, Entstehung des Artworks

DVD und Blu-ray | Eine neue Freundin

Blu-ray
Eine neue Freundin Eine neue Freundin
Blu-ray Start:
18.09.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 108 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Eine neue Freundin Eine neue Freundin
DVD Start:
18.09.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 104 min.

Blu-ray Kritik - Eine neue Freundin

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 8/10
Ton: | 7/10
Extras: | 7/10
Gesamt: | 7/10


Über François Ozons neuen Film „Eine neue Freundin“ zu schreiben, erweist sich als ungewöhnlich heikles Unterfangen: Wie handelt man einen Film ab, dessen Erzählbogen maßgeblich auf der Irreführung des Zuschauers aufgebaut ist, der schon recht früh eine völlig überraschende Wendung einbaut, die den Verlauf des Films in eine gänzlich unerwartete Richtung führt? Regisseur François Ozon, der dank Filmen wie „Unter dem Sand“, „Swimming Pool“, „8 Frauen“ und „Jung & schön“ zu den interessantesten und meistbeschäftigten Autorenfilmern Frankreichs der letzten zwei Jahrzehnte gehört, spielt hier vom ersten Bild an geschickt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers: In einer stylischen Sequenz, die rein aus extremen Nahaufnahmen besteht, erweckt Ozon den Eindruck einer Realität, die er wenige Bilder später als etwas völlig Gegenteiliges auflöst. Solche Momente bietet „Eine neue Freundin“ immer wieder, Momente, bei denen der erste Anschein trügerisch ist, bei denen zwei Dinge sich oberflächlich betrachtet sehr ähneln, aber bei näherem Hinsehen völlig unterschiedlich sind. Wie beschreibt man also so einen Film, ohne den Genuss des Zuschauers angesichts eines wirklich überraschenden Films zu zerstören?

Die Prämisse darf man jedenfalls verraten: Claire (Anaïs Demoustier) und Laura (Isild Le Besco) kennen sich bereits seit Kindestagen und sind bis ins Erwachsenenalter unzertrennliche Freundinnen, die alles füreinander tun würden. Beide sind irgendwann glücklich verheiratet, Claire mit dem erfolgreichen Gilles (Raphaël Personnaz) und Laura mit David (Romain Duris), mit dem sie auch ein kleines Kind hat. Laura stirbt plötzlich an einer unheilbaren Krankheit, was sowohl David als auch Claire in einen Zustand tiefer Trauer und Depression wirft. Claire hat ihrer besten Freundin versprochen, sich um ihren Mann und ihr Baby zu kümmern falls ihr etwas zustößt, so versucht sie mit dem sich von der Außenwelt abgeschotteten Witwer wieder Kontakt aufzunehmen. Als sie eines Tages Davids unverschlossenes Haus betritt, macht sie eine Entdeckung, die ihr den Boden unter den Füßen wegzuziehen droht...

Viel mehr sollte man eigentlich nicht über den Film verraten, der auf der Kurzgeschichte der britischen Autorin Ruth Rendall basiert. Auch der offizielle Trailer zeigt nur unwesentlich mehr, es sei nur noch so viel verraten, dass der Film sich um ein Geheimnis von David dreht, von dem keiner etwas wissen soll. Es macht einfach zu viel Spaß, sich von Ozon auf unterschiedliche Fährten ziehen zu lassen, sich nie sicher zu sein, in welche Richtungen sich der Film bewegen wird. So beginnt er den Film mit der oben erwähnten Titelsequenz und folgt diese mit einer weiteren zehnminütigen Sequenz, die fast ausschließlich mit visuellen Mitteln die Geschichte der beiden Freundinnen erzählt. Hier spielt Ozon mit dem Zuschauer, der Film erinnert gerade in den ersten Minuten in seiner leicht überhöht inszenierten Filmwelt an die Thriller von Alfred Hitchcock oder Brian De Palma. Alles wirkt potentiell doppelbödig, als dürfe man dem Gezeigten irgendwie nicht vertrauen, als würde sich hinter scheinbarer Harmonie etwas Düsteres verstecken. Das ist faszinierend anzusehen und es gelingt Ozon auf intelligente und raffinierte Weise, Spannung und Antizipation aufzubauen. Nach dem ersten Twist wird einiges klarer, doch für eine recht lange Zeit bleibt „Eine neue Freundin“ gerade dank des bewusst irreführenden Anfangs subtil verunsichernd, man kann dem Film einfach nicht ganz vertrauen. So schwankt Ozons bereits 15. Film gekonnt zwischen den Genres und spielt mit Genreeinflüssen, er wirkt einmal wie ein De Palma-Thriller, dann wie eine schwarze Komödie, manchmal spielt er auch mit überzogenem Kitsch und Melodrama, wodurch er häufig an Pedro Almodóvars Filme erinnert. Dann wird aber irgendwann immer deutlicher, dass hier ein durchaus sehr menschliches Drama im Herzen steckt, das mit gesellschaftlich sehr relevanten Themen spielt. Beschreibt man diese Themen, besteht jedoch wieder Gefahr, den Film zu spoilern. Man darf wohl sagen, dass „Eine neue Freundin“ von inneren Konflikten handelt, von Identität, Selbstfindung, Akzeptanz und ganz stark von der Begierde und den sexuellen Fantasien, die unter der Oberfläche der bourgeoisen Gesellschaft brodeln. Auch handelt der Film, wie es sein Titel ja schon andeutet, von Freundschaft, genauer gesagt von mehreren Freundschaften, von denen sich eine als doch recht unorthodox erweist.

François Ozon gelingt es mit diesem sehr originellen Film jedenfalls über die meiste Zeit, das Interesse des Zuschauers aufrechtzuerhalten. Lediglich im mittleren Teil, als die Motive des Films immer klarer werden, verliert „Eine neue Freundin“ zunächst etwas an Spannung und der Zuschauer muss sich gewissermaßen neu auf den Film einlassen. So entsteht allermindestens eine sehr interessante und komplexe Seherfahrung, bei der man angespornt wird, sich selbst und seine eigene Weltsicht zu hinterfragen. Es gelingt Ozon sehr gut, die komplexe und vielschichtige Dynamik menschlicher Beziehungen zu zeichnen und es dem Zuschauer zu ermöglichen, sich in die schwierige Gedankenwelt von unkonventionell denkenden Menschen hineinzuversetzen. Das ist alles sehr provokativ und gedankenvoll, aber auch warmherzig und sehr empathisch. Ozon zeigt hier gewohnt herausfordernde Themen und eine angenehm freizügige Inszenierung, an die sich die meisten Filme nicht mit solcher Offenheit heranwagen würden.

Zugegeben, das klingt alles sehr mysteriös und das soll auch so sein. „Eine neue Freundin“ baut auf Überraschungen, auf die Entdeckung des Unerwarteten, sowohl filmisch gesehen als auch thematisch. Viele Rezensionen entschieden sich dazu, die entscheidenden „Plot Points“ zu verraten, jedoch zerstört dieses Vorwissen den gewünschten Effekt des Films. Man muss sich den Boden unter den Füßen wegziehen lassen, in einem Zustand der Verunsicherung bleiben, den Film entdecken können, denn so ist „Eine neue Freundin“ nun mal konzipiert. Nicht alles funktioniert aber in Ozons Film. Romain Duris hat sichtlich Spaß an seiner Rolle, neigt hier und da aber auch zur Übertreibung, ebenso wie der Film selbst, der auch nicht frei von (wahrscheinlich) unfreiwilliger Komik ist. Manche Elemente in der komplexen Story wirken dann eben auch zu konstruiert, was eventuell den emotionalen Zugang zu dem Film beeinträchtigen kann. Gerade am Ende wirken manche erzählerischen Kniffe arg unglaubwürdig und schlicht überzogen. Sehr überzeugend ist allerdings Anaïs Demoustier, die letztlich als eine Art Stellvertreter für den Zuschauer fungiert, der in seiner gewagten Struktur auch irgendwie notwendig erscheint, um in die Geschichte und seine Konflikte hineinzufinden.

Bild
Der auf Analogfilm gedrehte „Eine neue Freundin“ hinterlässt einen etwas zwiespältigen optischen Eindruck. Oft wirkt das Bild etwas blass gezeichnet und zeigt keine allzu hohen Kontraste und Schwarzwerte. Gerade in Nahaufnahmen, etwa von Gesichtern, besticht der Blu-ray-Transfer durch ein sehr scharfes und detailreiches Bild mit hohem Kontrastumfang. Der etwas weichere Eindruck, den andere Szenen hinterlassen, ist an sich nichts verwerfliches, es entsteht jedoch ein nicht ganz homogenes Bild. Dennoch sind das kleine Kritikpunkte, alles in allem zeigt sich hier ein sehr solides und natürliches Bild.
Ton
An der Tonspur der Blu-ray lässt sich nichts aussetzen. Es handelt sich bei „Eine neue Freundin“ natürlich um einen dialogorientierten Film, der nur wenig Anlass für eine breitflächige Nutzung von Sound-Anlagen bietet. Bei den gelegentlichen Musiksequenzen zeigt die akustische Abmischung jedoch einen guten Dynamikumfang, der sich auch räumlich entfaltet. Dialoge ertönen in bester Klarheit und Verständlichkeit, das Klangbild ist sehr ausgewogen.

Extras
Die Blu-ray bietet durchaus eine ansprechende Auswahl an Bonusmaterial. Das Herzstück bildet das sehr gute Making-of, das zwar nur die Dreharbeiten abdeckt, aber einen angenehm ungefilterten und ehrlichen Blick hinter die Kulissen bietet. Hinzu kommen kurze Interviews, bei denen leider der Regisseur selbst nicht zu Wort kommt, desweiteren gibt es unveröffentlichte Szenen, Probeaufnahmen und ein kurzes Video, das den Entstehungsprozess des Posters bebildert. Hier die Übersicht:
Unveröffentlichte Szenen (10:25 Min.)
Making-of (45:47 Min.)
Interviews:
mit Romain Duris (08:25 Min.)
mit Virginia (05:05 Min.)
mit Anaïs Demoustier (07:26 Min.)
Kostüm- und Lichtprobe (03:34 Min.)
Kostüm- und Lichtproben für L’Amazone (03:38 Min.)
Entstehung des Artworks (02:29 Min.)
Trailer (dt., 01:56 Min.)
Trailershow mit 12 Trailern


Fazit:
„Eine neue Freundin“ ist ein faszinierender, hochorigineller und gewagter Film, der den Zuschauer über weite Strecken in die Irre führt. Regisseur François Ozon spielt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und liefert einen verführerischen, sexuell aufgeladenen Genre-Cocktail, der zwar voller interessanter Ideen und empathischem Menschenbild ist, aber letztlich nicht immer ganz funktioniert. Ein ganz besonderer Film ist hier allemal gelungen.

by Florian Hoffmann
Bilder © Universum Film / Weltkino