Ein ganzes halbes Jahr - Blu-ray

Blu-ray Start: 03.11.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 110 min

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Inhalt

Unverhofft kommt oft – das gilt auch und vor allem für die Liebe. Und manchmal entführt sie uns in Richtungen, die wir uns überhaupt nicht vorstellen können ...
Louisa „Lou“ Clark (Emilia Clarke) wohnt auf dem Lande in einem malerischen englischen Städtchen. Ohne sich je ein konkretes Lebensziel vorzunehmen, hangelt sich die spleenige, kreative 26-Jährige von einem Job zum nächsten, um ihre unverdrossen fest zusammenhaltende Familie über die Runden zu bringen. Ihr sprichwörtlicher Optimismus wird jedoch mit ihrem neuesten Broterwerb erstmals auf eine harte Probe gestellt: Im „Schloss“ des kleinen Ortes wird sie die Pflegerin und Gesellschafterin des wohlhabenden jungen Bankers Will Traynor (Sam Claflin), der seit einem Unfall vor zwei Jahren an den Rollstuhl gefesselt ist – von einem Augenblick zum anderen hat sich sein Leben dramatisch verändert. Seine große Abenteuerlust gehört der Vergangenheit an – übrig bleibt ein Zyniker, der seine jetzige Existenz als sinnlos empfindet. Doch Lou nimmt sich vor, Will zu beweisen, dass das Leben sich weiterhin lohnt: Gemeinsam lassen sie sich auf eine Abenteuertour ein, die sie allerdings so nicht geplant haben … Wie sich Herz und Verstand unter diesen Umständen verwandeln, hätten beide sich niemals träumen lassen.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Warner Home Video
Tonformate:
Dolby Digital Surround 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch)
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.40:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Featurette, Verpatzte Szenen, Nicht verwendete Szenen


DVD und Blu-ray | Ein ganzes halbes Jahr

Blu-ray
Ein ganzes halbes Jahr Ein ganzes halbes Jahr
Blu-ray Start:
03.11.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 110 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Ein ganzes halbes Jahr Ein ganzes halbes Jahr
DVD Start:
03.11.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 105 min.

Blu-ray Kritik - Ein ganzes halbes Jahr

Blu-ray Wertung:
Film: | 6/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 3/10
Gesamt: | 7/10


Über fünf Millionen Exemplare wurden von „Ein ganzes halbes Jahr“ seit seiner Veröffentlichung weltweit verkauft – in Deutschland war das Buch 2014 sogar der meistverkaufte Titel überhaupt. Das Liebesdrama der Britin Jojo Moyes hat ganz offensichtlich bei vielen Lesern und wohl gerade Leserinnen einen Nerv getroffen, weshalb eine Verfilmung unvermeidlich war. Ein ganzes halbes Jahr SzenenbildDer von Theaterregisseurin Thea Sharrock inszenierte Film erwies sich ebenfalls als großer Erfolg und spielte bei einem Budget von 20 Millionen Dollar schließlich über 200 Millionen weltweit ein. Jojo Moyes übernahm das Drehbuch selbst, wodurch der Film wohl gerade deshalb gerade für Fans des Romans eine zufriedenstellende Angelegenheit geworden ist – auch wenn manch wesentlicher Aspekt des Buches hier ausgeklammert wurde. Wer hemmungsloses Herzschmerz- und Tränenzieherkino mag, wird hier sicherlich genau das bekommen, was er erwartet, auch wenn der bittersüße Film in manchen Punkten einige komplexe und fragwürdige ethische Fragen aufwirft, die nicht einfach zu beantworten sind.

Louisa Clark (Emilia Clarke, „Game of Thrones“, „Terminator: Genisys“) ist ein ehrliches, positives, immer gut gelauntes Mädchen vom Lande, das größere Ambitionen erst mal hinten angestellt hat. Als sie ihren einfachen, aber zufriedenstellenden Job in der Dorfkonditorei verliert, muss sie sich schleunigst anderweitig nach einer neuen Beschäftigung umsehen. Auf dem Arbeitsamt wird ihr der Job als Pflegerin eines reichen Mannes angeboten, der nach einem Verkehrsunfall querschnittsgelähmt ist. Dieser Mann ist Will Traynor (Sam Claflin, „Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 1 + 2“, „Love, Rosie“), ein ehemaliger Banker, dessen abenteuerlicher und extravaganter Lebensstil mit seiner Lähmung ein jähes Ende finden musste. Nun hat er all seinen Lebenswillen verloren und sitzt verbittert und voller Zynismus auf dem Landsitz seiner reichen Eltern, die in Louisa einen Hoffnungsschimmer sehen, der ihren Sohn wieder positiver stimmen soll. Eine professionelle Ausbildung oder jegliche Erfahrung im Pflegebereich hat Louisa zwar nicht aufzuweisen, dafür aber eine aufgeschlossene, umgängliche und farbenfrohe Persönlichkeit, die Will schon bald sein erstes Lächeln seit Monaten auf die Lippen zaubert. Auch wenn sich zwischen den beiden so verschiedenen Menschen eine vertrauensvolle Freundschaft und schließlich zarte Romanze entwickelt, soll es für Louisa eine enorme Herausforderung werden, Wills Lebenswillen wieder herzustellen… Ein ganzes halbes Jahr Szenenbild

Der Beginn von „Ein ganzes halbes Jahr“ erweist sich als recht holprig, denn Subtilität ist wahrlich keine Stärke des oft sehr offensichtlich gezeichneten Films. Nach einem kurzen Prolog, der zeigt, wie Will zu seiner Querschnittslähmung kam, katapultiert sich der Film direkt ins Märchenland einer englischen Kleinstadt, wo Louisa in einem kleinen Café jobbt (Viele inhaltliche Aspekte des Films erinnern tatsächlich stark an Disneys „Die Schöne und das Biest“). Gerade in der ersten halben Stunde wirkt Emilia Clarkes hemmungslos überzogenes, dick aufgetragenes und übermäßig expressives Spiel nahezu unerträglich, ebenso ihr anstrengend dauerstrahlender Charakter mit gelinde gesagt extravagantem, aber sehr eigenem Kleidungsstil. Nicht minder überzeichnet ist dann ihr fitnessfanatischer und selbstbezogener Freund Patrick (Matthew Lewis, Neville Longbottom aus den „Harry Potter“-Filmen). Mit dem Erscheinen von Will findet der Film dann so langsam zu sich und seinem Tempo und entwickelt zunehmend eine durchaus berührende Echtheit – insbesondere im emotionsreichen Spiel zwischen Clarke und Claflin. Auch wenn „Ein ganzes halbes Jahr“ grundsätzlich größtenteils artifizielles und rührseliges Herzschmerzkino ist, sind immer wieder echte und von Herzen kommende Emotionen vorzufinden, die den zweifelsohne sehr gefühlvollen und hemmungslos romantischen Film letztlich über seine gesamte Laufzeit packend gestalten, auch wenn die Erzählung noch so vorhersehbar ist. Das liegt natürlich unzweifelhaft auch an der greifbaren und sehr lebendigen Chemie zwischen Clarke und Claflin. Auch wird Emilias Clarke anfänglich Schauspiel immer wahrhaftiger und gerade gegen Ende glaubwürdig emotional. Doch trotz einiger gelungener Aspekte und einer hübsch anzusehenden visuellen Umsetzung ist „Ein ganzes halbes Jahr“ dennoch ein problembehafter Film:

Ein ganzes halbes Jahr Szenenbild Da wäre zunächst Matthew Lewis leider egomanische, unsensible und völlig überzeichnete Holzhammer-Karikatur, die es dem Publikum sehr einfach machen soll, das eigentliche Fremdgehen von Louisa zu rechtfertigen. Er ist so nichts weiter als der obligatorische eindimensional portraitierte Freund, den man gar nicht lieben kann, auch wenn er durchaus mit unbeholfenen Mitteln versucht, aufmerksam zu sein und für Louisa zu sorgen.

Ganz unproblematisch ist die Figur von Will Traynor aber auch wahrhaftig nicht: Vor seiner Behinderung war er ein selbstverliebter, verwöhnter und aalglatter Börsen-Yuppie, dem der goldene Löffel von seinen steinreichen Eltern in die Wiege gelegt wurde – Man kann davon ausgehen, dass er ein Mauerblümchen vom Lande wie Louisa wahrscheinlich nicht mal mit seinem Hinterteil angesehen hätte. Mit seiner Querschnittslähmung wurde der einst das Leben in vollen Zügen auskostende Schnösel etwas bescheidener, auch wenn er nicht oft genug betonen kann, wie er sein abenteuerfreudiges Jetset-Leben und seine extravaganten Skiurlaube, schönen Frauen und halsbrecherischen Extremsportarten geliebt hat. Dennoch: Auch wenn man den selbsternannten James Bond-Typ immer wieder im Hinterkopf hat, ist bei ihm doch eine tatsächliche charakterliche Entwicklung und ambivalente Persönlichkeit auszumachen. Sam Claflin hat nicht nur ein markantes und makelloses Aussehen, er besitzt auch durchaus Ausstrahlung, unbestreitbares Charisma und schauspielerisches Können. Er ist hier wohl die dreidimensionalste und interessanteste Figur des Films, der es auch gelingt, gleich das Interesse auf sich zu ziehen. Seine anfängliche Verbitterung und suizidale Haltung wärmt sich mit Louisa Präsenz zusehends auf und ist glaubhaft und aufrichtig gespielt.

Auch wenn es bei oberflächlicher Betrachtungsweise nicht so scheint, auch Louisa ist eine problematische Figur, was die Filmemacher aber schönreden und unter den Tisch kehren: Ein ganzes halbes Jahr SzenenbildDie Prämisse des Films basiert letztlich darauf, dass Louisa eine Affäre mit Will eingeht, ohne aber dabei einen Gedanken an ihren Freund Patrick zu verschwenden oder ernsthaft mit ihm darüber zu reden. Dieser ist wie bereits erwähnt aus diesem Grund eine reine Karikatur, um es dem Zuschauer im Kontrast mit dem strahlenden Ritter Will leichter zu machen, Louisas Unehrlichkeit zu rechtfertigen. Ihr moralisch fragwürdiges Verhalten wird zu keinem Zeitpunkt von Moyes und Sharrock reflektiert beleuchtet, auch wenn sie in Wills Gegenwart natürlich zugegebenermaßen aufblüht, glücklich wird und ein Grundstein für ihre persönliche Erfüllung gelegt wird. Die Schwarz-Weiß-Malerei in der Figurenzeichnung der Filmemacher sollte damit aber dennoch nicht entschuldigt werden. Sie machen die Figur letztlich nur noch schwächer, in dem sie ihr eigenes kritisches Hinterfragen rauben und mit einer unbekümmerten, aufgedrehten und zuckersüßen Persönlichkeit überspielen.

Die Probleme enden hier nicht, denn die Botschaft, die „Ein ganzes halbes Jahr“ dem Zuschauer auf den Weg geben will, ist ernsthaft bedenklich. (Achtung Spoiler!) Dieser Film propagiert nicht, dass man trotz aller Umstände und Widrigkeiten seinen Lebenswillen erhalten und Liebe alles retten kann, sondern befürwortet selbst gewollte Euthanasie. Hier wählt der Film zwar einen überraschend ehrlichen und unkonventionellen erzählerischen Weg, ein bitterer und falscher Beigeschmack bleibt dennoch zurück, gerade wegen Wills eigensinniger Sturheit. Er kann nicht akzeptieren, dass sein früheres Leben nicht mehr wiederkommen wird und möchte deshalb sterben, trotz der neugewonnen Liebe zu Louisa und seinem finanziell abgesicherten Hintergrund. Sicher kann man hierüber aber streiten, da die Motivation von Menschen, die vom Schicksal so hart getroffen wurden wie Will, oft unerklärlich bleibt. In anderen Filmen würde Will durch die Liebe zu Louisa wohl weiterleben wollen und sein Schicksal akzeptieren – hier allerdings nicht. Dennoch, die Tatsache, dass „Ein ganzes halbes Jahr“ den Tod als sinnvolle Lösung propagiert, ohne aber gänzlich schlüssig seinen Standpunkt zu argumentieren, ist eine Pille, die man nicht so einfach schlucken kann – einige weltweite Proteste gegen den Film von Menschen mit körperlicher Behinderung bestätigen diesen Kritikpunkt nachdrücklich. Man kann hierüber viel diskutieren und unterschiedliche Meinungen haben – „Ein ganzes halbes Jahr“ ist dennoch ein massentauglicher Film, der einen Großteil seiner Zielgruppe tief bewegen sollte.

Ein ganzes halbes Jahr Szenenbild Bild
Die Blu-ray von „Ein ganzes halbes Jahr“ bietet eine hervorragende technische Präsentation. Das digital auf Arri Alexa aufgezeichnete Bild erweist sich als tadellos: Die Schärfe und der Detailumfang ist hervorragend, ebenso die Kontraste und Schwarzwerte. Das insgesamt eher in warmen Farben gehaltene Bild wirkt natürlich und nur unwesentlich durch Farbkorrektur stilisiert und macht insgesamt einen überaus angenehmen Eindruck. Bildfehler oder sonstige Probleme bleiben dankbarerweise aus.

Ton
Auch bei den Tonspuren gibt es absolut nichts zu beanstanden. Der erwartungsgemäß dialog- und damit frontbasierte Film ist mit bester Klarheit und Verständlichkeit abgemischt. Die Surroundkanäle werden aber durchaus präsent eingesetzt, sei es durch subtile atmosphärische Geräusche oder die Filmmusik. Insgesamt wirkt die akustische Umsetzung überraschend voluminös und kräftig.

Extras
Das Bonusmaterial fällt leider sehr übersichtlich auf. Einziges Hinter-den-Kulissen-Material ist eine kurze Featurette, die durchaus einsichtsreich ist. Hinzu kommen verpatzte und nicht verwendete Szenen. Ein ganzes halbes Jahr – Vom Buch zum Film (05:40 Min.) Verpatzte Szenen (02:15 Min.) Nicht verwendete Szenen (06:11 Min.)


Fazit:
Ein in Teilen gelungenes romantisches Drama, das nicht nur wegen seiner etwas fragwürdigen Botschaft polarisiert. Hier wird hemmungsloses, gänzlich unzynisches Hochglanz-Herzschmerzkino geboten, das seine dick aufgetragene Sentimentalität gelegentlich für echte und glaubwürdige Emotionen, Ehrlichkeit und schwierige Fragen ohne leichte Antworten weichen lässt.

by Florian Hoffmann
Bilder © Warner Home Video