Die rote Schildkröte - Blu-ray

Blu-ray Start: 28.07.2017
FSK: 0 - Laufzeit: 81 min

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Inhalt

Ein Schiffbrüchiger strandet auf einer einsamen Insel. Zum Überleben gibt es dort genug, Gefahren lauern jedoch überall. Er baut sich ein Floss, um von der Insel fortzukommen, wird jedoch jedes Mal von einer roten Schildkröte, die sein Holzgefährt zerstört, daran gehindert. Als die Schildkröte eines Tages an Land kommt, versucht der Mann, sie zu überwältigen, so dass seine Flucht endlich gelingen möge. Doch das Tier entpuppt sich als eine magische Kreatur...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universum Film
Tonformate:
DTS-HD 5.1 (Deutsch)
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
3 Postkarten (nur in Erstauflage), Die Geburt der roten Schildkröte, Kinotrailer, Making Of, Zeichenstunde mit Michael Dudok de Wit

DVD und Blu-ray | Die rote Schildkröte

Blu-ray
Die rote Schildkröte Die rote Schildkröte
Blu-ray Start:
28.07.2017
FSK: 0 - Laufzeit: 81 min.

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DVD
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Blu-ray Kritik - Die rote Schildkröte

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 9/10
Ton: | 10/10
Extras: | 8/10
Gesamt: | 8/10


Wer zu Beginn des wundervollen Animationsfilms „Die rote Schildkröte“ das Logo des legendären Studio Ghibli sieht, weiß, dass er hier in guten Händen ist. Das Animationsstudio um das japanische Ausnahmegenie Hayao Miyazaki, das sich für Zeichentrickklassiker wie „Chihiros Reise ins Zauberland“, „Mein Nachbar Totoro“ oder „Das wandelnde Schloss“ verantwortlich zeichnet, ist hier jedoch nur als Produktionsfirma tätig. Die rote Schildkröte SzenenbildGanz eindeutig ist hier die Handschrift des renommierten holländischen Filmemachers Michael Dudok de Wit zu erkennen, der mit „Die rote Schildkröte“ ein Leidenschaftsprojekt realisiert hat, wofür es zahlreiche internationale Auszeichnungen gab – darunter auch eine Oscar-Nominierung als bester Animationsfilm.

Einen Kinderfilm sollte man aufgrund des putzigen Titels aber keineswegs erwarten, sondern viel mehr eine minimalistische, beruhigende und bewegende Meditation über das Leben und den Tod, die viel Spielraum für eigene Interpretation lässt. Wie auch schon bei seinem ebenfalls Oscar-nominierten Kurzfilm „Father and Daughter“ aus dem Jahr 2000 erschafft Dudok de Wit auch hier einen rein audiovisuell erzählten Film, der ohne jede Dialoge auskommt.

Am ehesten lässt sich der angenehm langsam erzählte und auf das Wesentliche reduzierte Film wohl mit J.C. Chandors „All is Lost“ vergleichen, bei dem Robert Redford einen existenzialistischen und dialogfreien Kampf ums Überleben auf einem Segelboot liefert. Vergleiche zur klassischen Robinson Crusoe-Geschichte, „Cast Away“ oder „Swiss Army Man“ kommen aufgrund des Settings natürlich auch auf. Denn auch in „Die rote Schildkröte“ strandet ein Mann auf einer einsamen Insel und muss versuchen zu überleben. Außer einem idyllischen Strand und einem Bambuswald gibt es auf dieser Insel nichts außer Krebsen und Insekten, woraufhin der namenlose Held schnell ein Floß baut, mit dem er sich aufs offene Meer begibt. Doch seine Reise ist nicht von langer Dauer, denn sein Transportfahrzeug wird rasch von einer ungesehenen Kreatur zerstört. Auch weitere Anläufe scheitern, bis der Mann schließlich erkennt, dass eine rote Schildkröte der Urheber der Zerstörung ist. Die rote Schildkröte SzenenbildSchließlich lässt sich der Mann zu einer Tat hinreißen, die er schnell bereuen wird und schließlich Türen zu einer ganz neuen, unerwarteten Odyssee eröffnet.

Viel mehr sollte man über die Handlung dieses überaus ökonomisch in nur 80 Minuten erzählten Films auch nicht erfahren, denn „Die rote Schildkröte“ funktioniert tatsächlich wie ein halluzinatorischer, traumartiger Trip, den man erleben muss, ohne allzu viel darüber zu wissen. Die liebevoll gestaltete Animation ist angenehm minimalistisch und zurückhaltend gehalten, wodurch dieser zutiefst originelle Film eine gewissermaßen poetische Schönheit offenbart, die eine Wohltat angesichts unzähliger aufgeblasener, kindischer lauter und überproduzierter Animationsfilme heutzutage darstellt. Hier steckt ganz viel metaphorische Symbolkraft, Herz und Persönlichkeit drin, die es dem Zuschauer erlaubt, sich selbst mit eigenen Ideen in dieser universellen und facettenreichen Geschichte widerzuspiegeln.

Dudok de Wit arbeitet hier immer wieder mit traumartigen, surrealen und symbolgeladenen Bildern, wodurch der Film schon frühzeitig einen sowohl hypnotischen als auch meditativen Sog aufbaut. Man kann sich bei entsprechender Geduld und Aufgeschlossenheit schnell in dieser präzise und liebevoll gestalteten Welt verlieren, was auch an der berührenden Filmmusik von Laurent Perez Del Mar liegt. Dass Dudok de Wit darauf verzichtet, sich hier in irgendeiner Form zu erklären und die aufgeworfenen Fragen zu beantworten, macht viel von der lyrischen und mysteriösen Qualität des Films aus. Hier entsteht schließlich echte Magie mit heilender Wirkung, die noch lange nachwirkt.

Bild
Die rote Schildkröte Szenenbild In technischer Hinsicht überzeugt die Blu-ray von „Die rote Schildkröte“ auf ganzer Linie. Das sehr gelungene und saubere Bild zeigt eine für einen Zeichentrick eher dezentere Farbpalette, die hier aber in all ihrer Komplexität naturgetreu zur Geltung kommt. In Sache Schärfe und Detailumfang präsentiert man sich auf einem sehr starken Niveau, hier erfreut jede Kleinigkeit dieser wunderbar minimalistischen Ästhetik.

Ton
Überraschenderweise bietet die akustische Umsetzung von „Die rote Schildkröte“ trotz allem Minimalismus ein regelrecht überwältigendes Erlebnis, das sowohl in Sachen Dynamikumfang als auch Raumklang begeistert. Schon zu Beginn raubt einem ein Sturm auf hoher See mit seiner Wucht und raumfüllenden Regenfällen, Windböen und krachenden Wellen den Atem. Aber auch später finden sich zahlreiche präzise abgemischte Umgebungsgeräusche auf sämtlichen Kanälen wieder, ebenso wie die sehr gelungene Filmmusik. Insgesamt eine herausragend saubere und nuancierte Tonspur, die als Referenzmaterial gelten darf.

Extras
Auch in Sachen Bonusmaterial begeistert die Blu-ray weiter und bietet als Kernstück zwei sehr unterschiedliche Making ofs mit einer Länge von jeweils 55 Minuten. Hier wird die Produktion überaus facetten- und detailreich beleuchtet, sodass kaum Fragen offen bleiben.
„Die Geburt der roten Schildkröte“ versteht sich primär als intimer Blick auf die Phase vor der eigentlichen Produktion, bei dem nur Regisseur Michael Dudok de Wit durch zahlreiche Konzeptzeichnungen führt und dabei seine Inspiration und die Entstehungsgeschichte des Films hintergründig und sehr detailliert beleuchtet.
Die rote Schildkröte Szenenbild Das weitere Making of bietet dann einen weitreichenden und abwechslungsreichen Blick in die Produktion des Films, bei der die Arbeitsweise von Dudok de Wit und seinem Team überaus detailreich wiedergegeben wird.
Abgerundet wird das starke Bonusmaterial schließlich noch durch eine intime Zeichenstunde von Dudok de Wit und diverse Trailer.

Die Geburt der roten Schildkröte (54:17 Min.)
Making of (55:05 Min.)
Zeichenstunde mit Michael Dudok de Wit (17:02 Min.)
Kinotrailer (01:51 Min.)
Studio Ghibli Trailershow (Die Legende der Prinzessin Kaguya, Erinnerungen an Marnie, Wie der Wind sich hebt, Der Mohnblumenberg)


Fazit:
Ein außergewöhnlicher Animationsfilm, der mit seiner meditativen Ruhe, halluzinatorischen Kraft und mysteriösen Erhabenheit einen wunderbar subtilen Gegenentwurf zum bombastischen Mainstream-Animationskino der Gegenwart bietet.

by Florian Hoffmann
Bilder © Universum Film