Die Träumer - Blu-ray

Blu-ray Start: 07.03.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 114 min

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Inhalt

Paris 1968: In einer Zeit des Aufbruchs, der Liebe und der Leidenschaft treffen sich der Amerikaner Matthew und das Geschwisterpaar Isabelle und Theo auf einer Protestveranstaltung gegen die Entlassung des Leiters der Cinématèque. Sie teilen nicht nur die Liebe zum Film, sondern auch das Verlangen nach sexueller Befreiung. Da ihre Eltern für eine Woche verreist sind, laden die Zwillinge Matthew für diese Zeit zu sich nach Hause ein. Was als harmloses Filmquiz in der elterlichen Wohnung beginnt, entwickelt sich peu à peu zu einem gefährlichen Spiel um Lust und Begierde.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Concorde Home Entertainment
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Englisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,78:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Kinotrailer, Audiokommentar, Featurette, Interviews, B-Roll

DVD und Blu-ray | Die Träumer

Blu-ray
Die Träumer Die Träumer
Blu-ray Start:
07.03.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 114 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Die Träumer Die Träumer
DVD Start:
15.09.2004
FSK: 16 - Laufzeit: 110 min.
Die Träumer - Meisterwerke Edition Die Träumer - Meisterwerke Edition
DVD Start:
21.11.2007
FSK: 16 - Laufzeit: 110 min.

Blu-ray Kritik - Die Träumer

Blu-ray Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 9/10


Als Bernardo Bertolucci 1972 seinen Film „Der letzte Tango in Paris“ in die Kinos brachte, kam das einem kleinen Skandal gleich. So freizügige Sexszenen waren im Kino bisher selten zu sehen gewesen und schockierten das noch sehr verklemmte Publikum. 30 Jahre später präsentiert uns Bertolucci nun einen Film, der ebenso freizügig daher kommt (so lief er in den USA beispielsweise nur mit einem NC-17 Rating in den Kinos) und als eine Liebeserklärung an die Fähigkeit des Träumens und an das Kino höchst selbst verstanden werden kann.

Als der amerikanische Student Matthew (Michael Pitt) nach Paris kommt, kennt er niemanden und lediglich das Kino dient als Orientierungspunkt. Dieser Ort ermöglicht das Entstehen von Träumen, die ihn aus seinem Alltagsleben befreien. Doch nun soll der Leiter der Cinémathèque entlassen werden, da er dem Kulturminister ein Dorn im Auge ist. Bei einer darauf folgenden Demonstration lernt Matthew das Geschwisterpaar Isabelle (Eva Green) und Théo (Louis Garrel) kennen, die sich ebenso für das Kino begeistern wie er. Schnell erkennen die drei, dass sie Seelenverwandte sind und füreinander eine Bereicherung darstellen. Als die Eltern der beiden Geschwister verreisen und Matthew bei ihnen einzieht, beginnt ein erotisch, cineastisches Spiel, das ein unkontrollierbares Eigenleben entwickelt...

Der Titel ist Programm: Bertoluccis Film wirkt streckenweise wie ein einziger, langer Traum, der gleichzeitig auch die Bedeutung des Kinos als Medium, das Träume entstehen lässt und verarbeitet, charakterisiert und gleichzeitig untergräbt. So gibt es eingestreute Demonstrationsszenen der 68-Bewegung, die sich nicht so recht ins Traumgefüge einpassen wollen. Hier nimmt Bertolucci beinahe eine dokumentarisch reflexive Position ein, was zu einer starken Diskrepanz von filmischem Traum und simulierter Realität führt.

Das cineastische Quiz, das Isabelle und Théo spielen, vereint eine Vielzahl von Filmklassikern, die sehr intelligent in das Drehbuch eingewoben wurden. So gibt es zahlreiche symbiotische Verschmelzungen von Schwarz/Weiß- und Farbaufnahmen, da Bertolucci munter zwischen seinem Werk und den zitierten Filmen hin und her schneidet. Da ein Versagen im Quiz mit sexuellen Handlungen bestraft wird, gibt es eine ganze Menge Sexszenen zu sehen.
Letztere sind jedoch so natürlich inszeniert, dass sie jegliche Obszönität verlieren. Die hohe Altersfreigabe in den USA ist daher mehr als unverständlich und zeigt nur auf traurige Art und Weise, dass die Prüderie, gegen die die Demonstranten im Film unter anderem ankämpfen, in manchen Teilen der Erde (immerhin sind seither 50 Jahre vergangen) noch immer in unverminderter Form herrscht. Indem man dem Film eine Jugendgefährdung attestiert und ihn somit in die Pornokinos verdammt, wird einer sinnstiftenden Reflexion konsequent aus dem Weg gegangen. Dass der Film in Deutschland bereits ab 16 Jahren freigegeben ist, unterstreicht den dubiosen Charakter dieser Entscheidung, der amerikanischen Alterskontrollbehörde.

Wie auch Bertoluccis Meisterwerk „Der letzte Tango in Paris“ spielt der Film größtenteils in einer Wohnung, lediglich die Cinémathèque dient als Verbindung zur Außenwelt. Gegen Ende des Filmes verkleinert sich der Schauplatz sogar noch mehr, da die drei Protagonisten nun den Rückzug in ein Zelt innerhalb ihrer Wohnung suchen. Die kammerspielartige Atmosphäre bestimmt einen Großteil des Filmes und erinnert durchaus an ein Theaterstück. Diese Nähe zum Theater wird auch dadurch unterstrichen, dass sich der Film sehr stark auf seine Charaktere konzentriert und sich daher fast ausschließlich aus ihren Dialogen entwickelt.
So wird der Film vollends vom eindringlichen Spiel der drei Hauptdarsteller getragen, die allesamt zu begeistern wissen. Es ist bemerkenswert, mit wie viel Mut Eva Green („Casino Royale“) ihre erste (!) Filmrolle spielt und die Figur der Isabelle glaubwürdig zum Leben erweckt. Doch auch ihre Filmpartner Michael Pitt („Funny Games U.S.“, „Boardwalk Empire“) und Louis Garrel („Meine Mutter“) überzeugen durch ein intensives Spiel, das die drei zum perfekten Filmtrio werden lässt.
Darüber hinaus zitiert Bertolucci quer durch die Filmgeschichte und versteckt zahlreiche Anspielungen in den Dialogen seiner Protagonisten. Als Cineast sollte man daher allein schon aufgrund dieser Tatsache, den ganzen Film über beschäftigt sein. Doch auch der „normale“ Zuschauer erlebt ein stimmungsvolles, intelligentes Drama, das immer genau die richtige Balance zwischen Anspruch, Erotik und (Film-)Kunst findet.

Die längst überfällige Blu-ray-Veröffentlichung bietet eine gute Bild- und Tonqualität, spart aber leider mit Extras. Ein solch interessanter Film hätte zumindest ein Making-of verdient, über dessen Fehlen auch die interessanten Interviews mit den Darstellern nicht hinwegtäuschen können.

Fazit: Bernardo Bertolucci ist mit „Die Träumer“ eine großartige Hommage ans Kino gelungen: Sinnlich, intelligent und gefühlvoll!


by Jonas Hoppe
Bilder © Concorde Home Entertainment