Die Mitte der Welt - Blu-ray

Blu-ray Start: 12.05.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 115 min

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Inhalt

Gerade aus dem Sommercamp zurückgekehrt, findet der 17-jährige Phil (Louis Hofmann) zu Hause seine Mutter Glass (Sabine Timoteo) und seine Zwillingsschwester Dianne (Ada Philine Stappenbeck) nach einem offenbar schweren Zerwürfnis entzweit vor. Nicht, dass die beiden sich vorher immer nur blendend verstanden hätten. Denn es geht im Leben der drei in ihrer altmodisch-geheimnisvollen Villa immer schon turbulent und leicht chaotisch zu.
Da sich die beiden Frauen jedoch beharrlich eisig schweigend aus dem Weg gehen, beschließt Phil, das Ganze erstmal zu beobachten und sich seinen üblichen Beschäftigungen zu widmen: mit seiner besten Freundin Kat (Svenja Jung) shoppen oder Eisparfait essen gehen, chillen oder die Nachmittage einfach lesend zu Hause in der Bibliothek verbringen. Als nach den Sommerferien Nicholas (Jannik Schümann) in ihre Klasse kommt, bekommt Phils Aufmerksamkeit einen neuen Fokus – und er lässt sich in eine leidenschaftliche Affäre mit dem geheimnisvollen Neuen verwickeln. Aber was fühlt Nicholas wirklich?
Zu Hause wird aus dem großen Schweigen ein Sturm – und in Phil sieht es nicht besser aus. Schließlich muss Phil erkennen, dass es manchmal wichtig ist, Fragen zu stellen, auch wenn man schon ahnt, dass die Antworten wehtun könnten.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universum Film
Tonformate:
DTS-HD 5.1 (Deutsch)
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.40:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Interviews, Featurettes, B-Roll

DVD und Blu-ray | Die Mitte der Welt

Blu-ray
Die Mitte der Welt Die Mitte der Welt
Blu-ray Start:
12.05.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 115 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Die Mitte der Welt Die Mitte der Welt
DVD Start:
12.05.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 111 min.

Blu-ray Kritik - Die Mitte der Welt

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 7/10


Fast Zwanzig Jahre ist Andreas Steinhöfels Jugendroman „Die Mitte der Welt“ nun alt, doch erst jetzt kommt das damals für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierte Buch zu einer Verfilmung. Sicher lag es nicht an Jakob M. Erwa dass es so lange gedauert hat, denn der österreichische Regisseur hat schon als Filmstudent an der Münchner Filmhochschule versucht, Steinhöfel davon zu überzeugen, ihm die Verfilmungsrechte zu vergeben. Die Mitte der Welt SzenenbildSechs Jahre arbeitete Erwa dann an der Verfilmung des beliebten Bestsellers, letztes Jahr kam der Film dann schließlich in die deutschen Kinos. Heraus gekommen ist ein feinfühliger Coming-of-Age-Film, der durch seine starken Jungdarsteller und Erwas frische Inszenierung überzeugt, der man ihre herzige Leidenschaft für sein Subjekt deutlich ablesen kann.

Der 17-jährige Phil (Louis Hofmann, „Unter dem Sand“) kehrt zu Beginn des Films von einem wenig amüsanten Sommercamp nach Hause aufs Land zurück. Dort lebt er mit seiner alleinerziehenden Mutter Glass (Sabine Timoteo, „Der freie Wille“) und seiner Zwillingsschwester Dianne (Ada Philine Stappenbeck) in einer alten, etwas verschrobenen Villa, die von der Familie „Visible“ getauft wurde. Glass, die einst ohne den Vater ihrer Kinder von Amerika nach Deutschland emigrierte, gilt als unkonventionelle und unangepasste Außenseiterin in ihrer Kleinstadt, was auch auf ihre Kinder abgefärbt hat. Phil ist ein sensibler, junger Mann, der neben seiner Familie nur zu seiner besten Freundin, der flippigen Kat (Svenja Jung, „Fucking Berlin“) eine enge Beziehung führt. Zu Beginn des neuen Schuljahres tritt mit Nicholas (Jannik Schümann) ein Mensch in Phils Leben, der ihn gehörig aus der Bahn wirft. Phil verliebt sich auf den ersten Blick und tatsächlich werden seine intensiven Gefühle auch erwidert, wodurch eine turbulente und sehr leidenschaftliche Beziehung zwischen den beiden jungen Männern beginnt. Doch während von Phils Seite alle Karten auf dem Tisch liegen, hält sich Nicholas mit seinen Gefühlen eher bedeckt, wodurch großes Gefühlschaos vorprogrammiert ist.

Zugleich ist Phil nicht nur auf der Suche nach Liebe, sondern auch nach Antworten auf seine brennendsten Fragen. Immer wieder ist Phils und Diannes Vater Gesprächsthema, jedoch macht Glass konsequent dicht und verrät nicht, wer ihr Erzeuger ist und was es mit ihm auf sich hat. Über Rückblenden offenbart der Film nach und nach, welches Familiengeheimnis sich hier verbirgt.

Die Mitte der Welt Szenenbild Fast schon unbewusst werden beim Ansehen von „Die Mitte der Welt“ Erinnerungen an eine andere Bestsellerverfilmung eines beliebten Jugendromans wach. Auch in Hans-Christian Schmids überaus erfolgreicher Adaption von Benjamin Leberts autobiografischem Roman „Crazy“ geht es um einen sensiblen Heranwachsenden, der sich mit erster großer Liebe und anderen jugendlichen Turbulenzen beschäftigt. Ähnlich feinfühlig geht auch Jakob M. Erwa vor, der ebenfalls immer wieder seinen Protagonisten als Erzähler fungieren lässt, doch hier enden die Ähnlichkeiten prinzipiell auch schon. „Die Mitte der Welt“ ging letztes Jahr zu Unrecht ein wenig an den deutschen Kinokassen unter, denn hier ist ein durchaus gelungener Film zu bewundern, der sich seinen Figuren weitestgehend klischeefrei und mit viel Bewusstsein für feine Töne nähert.

Dass hier eine homosexuelle Liebe im Mittelpunkt steht, erscheint dankbarerweise völlig nebensächlich und wird gar nicht groß zum Thema gemacht – Phils sexuelle Orientierung ist überall akzeptiert und nie Ursprung irgendwelcher unnötiger Dramatik, die viele andere Filme nötig haben. Bei „Die Mitte der Welt“ geht es dann primär um ganz universelle Liebe und das Gefühlschaos, das wohl jeder schon einmal mitgemacht hat. Jakob M. Erwa, der auch das Drehbuch selbst verfasst hat, geht hier stets angenehm ungezwungen und schwerelos vor, fängt Gefühle ebenso feinfühlig ein wie die sehr intimen Liebesszenen, die eine perfekte Balance zwischen Freizügigkeit und geschmackvoller Ästhetik halten. Der zwischen überschwänglichem Glück und großem durch Ungewissheit verursachten Schmerz schwankende Zauber der Verliebtheit wird hier überaus nachvollziehbar und gefühlvoll ohne überflüssigen Kitsch inszeniert.

Der relative Newcomer Louis Hofmann, der zuletzt mit dem dänischen Oscar-Kandidaten „Unter dem Sand“ begeisterte, brilliert hier perfekt besetzt in der Hauptrolle mit wunderbar natürlicher Präsenz, wodurch es nicht lange dauert, bis er die Sympathien des Zuschauers voll auf seiner Seite hat. Seine Darstellung erweist sich als überaus präzise, seine sehr zugängliche und sonnige Ausstrahlung wirkt bis auf ganz kleine Ausnahmen völlig ungekünstelt, wodurch man ihm gerne auf seiner Reise folgt. Die Mitte der Welt SzenenbildEin wenig Natürlichkeit büßt der Film allerdings dadurch ein, dass die Figuren sich arg oft mit ihrem Namen anreden, was angesichts vieler Anglizismen und ihrer englischen Vornamen ein wenig bemüht wirkt, letztlich aber auch kein wesentlicher Störfaktor ist.

Ansonsten ist „Die Mitte der Welt“ ein sehr hübsch inszenierter Film, dessen sommerliche und farbenfrohe Bilder gepaart mit kleinen inszenatorischen Spielereien eine gelungene und eigenständige zeitgemäße Ästhetik ergeben. Jakob M. Erwa ist hier ein heimlich mutiger Film gelungen, denn er lässt etwas im Kino leider immer noch nicht Selbstverständliches – schwule Liebe – völlig unbeschwert und klischeefrei erscheinen, ohne je darauf aufmerksam machen zu müssen. Diese Selbstverständlichkeit erfrischt und ist letztlich außergewöhnlich, auch wenn der Film weitestgehend konventionellen Erzählmustern folgt und manche Entwicklungen bezüglich des Familiengeheimnisses leicht erzwungen wirken. Dennoch bleibt hier der Eindruck eines besonderen und angenehm feinfühligen Films zurück, der mehr Zuschauer verdient hätte.

Bild
Die Blu-ray von „Die Mitte der Welt“ bietet ein starkes, kontrastreiches und knackiges Bild mit kräftig gesättigter Farbpalette und sehr guten Kontrastwerten. Die gewünschte Ästhetik des Films kommt hier hervorragend und ohne wesentliche Schwächen zur Geltung, nur in wenigen dunklen Bereichen fallen die Kontraste und Schwarzwerte etwas softer aus, was dem starken visuellen Eindruck aber keinen Abbruch tut. Die kraftvollen Farben wirken darüber hinaus nie zu stark und bewegen sich immer in einem natürlichen Bereich. In Sachen Schärfe überzeugt das Bild sehr mit einem gerade in Nahaufnahmen hohen Detailumfang.

Die Mitte der Welt Szenenbild Ton
Primär handelt es sich bei „Die Mitte der Welt“ um einen dialogbasierten Film, dementsprechend spielt sich der Großteil der Tonspur auf den vorderen Kanälen ab. Hier gibt es absolut nichts zu bemängeln, Verständlichkeit und Klarheit der Stimmen erweisen sich als sehr gut. Nur die Filmmusik verteilt sich auch eher subtil auf die hinteren Boxen, besonders auffällig ist der hohe Dynamikumfang bei manchen Musikstücken. Hier wird der Subwoofer gelegentlich fast schon etwas zu stark befeuert, weshalb man sich manchmal schon gezwungen fühlt, die Lautstärke entsprechend zu regulieren.

Extras
Der wesentliche Teil des Bonusmaterials wird von einer Vielzahl an Interviews mit Cast und Crew gestellt. Hier kommen sämtliche Schauspieler zu Wort, jedoch dürfen sogar neben Regisseur und Drehbuchautor Jakob M. Erwa Kameramann The Chau Ngo, Romanautor Andreas Steinhöfel und Produzent Boris Schönfelder Statements abgeben. Der Informationsgehalt ist hier angenehm hoch, etwas oberflächlicher fallen dann die zwei Featurettes aus. Spannender ist dann wieder die etwas über elfminütige B-Roll, die einen sehr guten Blick hinter die Kulissen bietet.
Interviews
- Louis Hofmann (09:02 Min.)
- Jannik Schümann (05:27 Min.)
- Inka Friedrich (03:27 Min.)
- Svenja Jung (05:05 Min.)
- Ada Philine Stappenbeck (04:54 Min.)
- Sabine Timoteo (02:51 Min.)
- Sascha Alexander Gersak (02:01 Min.)
- Nina Proll (01:23 Min.)
- Jakob M. Erwa (14:11 Min.)
- Andreas Steinhöfel (03:41 Min.)
- The Chau Ngo (04:46 Min.)
- Boris Schönfelder (06:01 Min.)
Featurettes
- Die Villa „Visible“ (03:24 Min.)
- Freundschaft & Erste Liebe (03:26 Min.)
B-Roll (11:14 Min.)
Kinotrailer (02:01 Min.)
Trailershow


Fazit:
„Die Mitte der Welt“ ist ein aufsehenerregender und ungewöhnlicher Coming-of-Age-Film, der sich schwuler Liebe mit großer Unbeschwertheit und angenehmer Selbstverständlichkeit auf erfrische Art und Weise nähert. Dank sehr guter, sowohl sympathischer als auch charismatischer Jungdarsteller und schwereloser, farbenfroher Inszenierung ist man als Zuschauer gerne Teil dieser Selbstfindungsreise.

by Florian Hoffmann
Bilder © Universum Film