Die Wütenden - Les Misérables - Blu-ray

Blu-ray Start: 08.05.2020
Digital VoD: 24.04.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 106 min

Die Wütenden - Les Misérables Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Es brennt in den Vorstädten … Schon bei seinem ersten Einsatz spürt der Polizist Stéphane, der Neuling in der Einheit für Verbrechensbekämpfung in Montfermeil, die Spannungen im Viertel, in dem es immer wieder zu hitzigen Auseinandersetzungen zwischen Gangs und Polizei kommt. Seine erfahrenen Kollegen Chris und Gwada, mit denen er Streife fährt, haben ihre Methoden den Gesetzen der Straße angepasst. Hier herrschen eigene Regeln, die Kollegen überschreiten selbst die Grenzen des Legalen, sehen sich dabei aber stets im Recht. Als im Viertel ein Löwenbaby, lebendes Maskottchen eines Clan-Chefs, gestohlen wird, droht die Situation zu eskalieren. Bei der versuchten Verhaftung eines jugendlichen Verdächtigen werden die Polizisten mit Hilfe einer Drohne gefilmt. Ihr fragwürdiges Vorgehen droht öffentlich zu werden, und aus den Gesetzeshütern werden plötzlich Gejagte...

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Alamode
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Französisch)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 Widescreen (2.35:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Trailer

Video on demand - Die Wütenden - Les Misérables

DVD und Blu-ray | Die Wütenden - Les Misérables

Blu-ray
Die Wütenden - Les Misérables Die Wütenden - Les Misérables
Blu-ray Start:
08.05.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 106 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Die Wütenden - Les Misérables Die Wütenden - Les Misérables
DVD Start:
08.05.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 101 min.

Blu-ray Kritik - Die Wütenden - Les Misérables

Blu-ray Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 0/10
Ton: | 0/10
Extras: | 0/10
Gesamt: | 9/10


Zwar war in der vergangenen Awards-Season bei den ausländischen Filmen „Parasite“ der überragende Sieger, an dem kein Film vorbei kam. Doch auch die Konkurrenz bot grandiose Filme. Darunter gehört auch der französische Oscar-Beitrag von Regisseur Ladj Ly mit dem Titel „Die Wütenden“, der in erster Linie das Pech hatte, im gleichen Jahr wie Parasite angetreten zu sein und somit bei den Oscars und den Globes erwartungsgemäß leer ausging. Ein hervorragender Film bleibt dieser Genre-Mix aus Thriller und Drama dennoch. Denn „Die Wütenden“ ist ein Film, der mit fortschreitender Lauflänge immer spannender, dramatischer, packender und unvorhersehbarer wird. Der Film vereint Unterhaltung, Neutralität, Gesellschaftskritik und Milieustudie sinnvoll und auf eine für den Zuschauer angenehmen und kurzweiligen Art und Weise, sodass der Film, gerade wegen seines Endes, durchaus für Spekulationen und Diskussionen anregt und auch anregen soll. Es ist ein Film, der nachdenklich macht und dem Zuschauer, unparteiisch, unterschiedliche Sichtweisen näher bringt. Ein Must-See für jeden Filme-Liebhaber und sicherlich einer der besten Filme des Jahres.

Szene aus Die Wütenden - Les Misérables
Szene aus Die Wütenden - Les Misérables © Alamode Filmverleih
Ly benutzt in seinem ersten Spielfilm (davor erschuf er nur Kurzfilme oder Dokumentationen), um auch die Authentizität des Filmes zu erhöhen, viele Laiendarsteller rund um das Polizistentrio. Er selbst ist ebenfalls in Montfermeil, dem Handlungsort des Films, aufgewachsen und das Anliegen einen glaubwürdigen und authentischen Blick auf die Probleme zu werfen, sieht man dem Film von der ersten Sekunde an, was auch letztlich erfolgreich gewesen ist. Grundsätzlich erinnert der Film ein wenig an Antoine Fuquas „Training Day“ oder „End of Watch“ und natürlich auch etwas an das französische Drama „La Haine“. Es ist eben ein Mix aus diesen beiden Genres. Die Darsteller machen allesamt einen ausgezeichneten Job. Alexis Manenti als impulsiver, psychotischer und brachialer Polizist oder auch Hauptdarsteller Damien Bonnard, der als eine Art moralischer Kompass, inmitten dieser schier hoffnungslosen Situation voller Kriminalität der Bürger und Polizeigewalt, fungiert, zeigen beide herausragende Schauspielleistungen. Neben der Besetzung mit Laiendarstellern ist der Einsatz der Handkamera, um in vielen Situationen auch dicht an den Gesichtern der Darsteller zu sein und auch um gleichzeitig nicht für ein ruhiges steriles „filmisches“ Bild zu sorgen, ein weiteres Mittel, um den Realismus zu erhöhen. Auch dies ist erfolgreich gelungen, denn dank der Kameraführung werden hier starke Bilder erzeugt, gerade in den wenigen Action-Szenen (z.B. die Verfolgung des jungen Issa durch die Polizisten). Ohne auf den Inhalt einzelner Szenen einzugehen, gelingt es dem Film, das entflammende Chaos und Menschenmassen auf engstem Raum mit der Kamera intensiv und für den Zuschauer auch greifbar einzufangen, sodass der Film schauspielerisch und technisch, ohne besonders außergewöhnliche Leistungen hervorzubringen, auf einem hohen Niveau ist.

Szene aus Die Wütenden - Les Misérables
Szene aus Die Wütenden - Les Misérables © Alamode Filmverleih
Doch das Prunkstück des Films ist das Drehbuch, das für einen César und auch in den USA für einen Black Reel Award nominiert wurde. Der Film zeichnet ein ausdrucksstarkes Bild der Pariser Banlieu und dient in erster Linie als Übermittler des aktuellen Zustands ohne besonders wertend in seinen Aussagen oder manipulativ in der Inszenierung zu sein. Man versteht die Sicht der Polizisten, hat Empathie mit den Jugendlichen, sieht bestimmte Handlungen der Polizei bedenklich oder zeigt gleichzeitig auch kein Verständnis für das Verhalten diverser Jugendlichen. Ladj Ly zeigt mit diesem Streifen, dass es in Armutsvierteln mit hohem Migrantenanteil, Polizeigewalt, Kriminalität, Drogendelikte, Prostitution usw. kein Schwarz oder Weiß gibt und auch kein Allheilmittel. Die Komplexität der Problematik mündet in die Hilfslosigkeit und Ohnmacht der Beteiligten auf den unterschiedlichen Seiten.

So beobachtet Ly mit seinem Film und nimmt im Vergleich zu seinen Dokumentationen stärker die Sicht der Polizisten an und differenziert hierbei auch. Das Polizistentrio ist charakterlich völlig heterogen und so zeigt er dem Zuschauer, dass nicht nur bei straffälligen Migranten das Argument, dass „nicht alle so sind“ und man nicht pauschalisieren sollte, valide ist, sondern eben man die Polizei als solches nicht verallgemeinern darf. Ladj Ly liegt viel dran als Beobachter zu agieren und die Szenerie authentisch einzufangen und dem Zuschauer ein Gefühl für die Probleme zu geben und auch ein Gefühl dafür zu geben, wie es ist, in solch einer Gegend aufzuwachsen. Alles in allem erstreckt sich die Handlung des Films über etwas mehr als 24h und zeigt ein realistisches Abbild des Alltags in den Pariser Vororten und Problemvierteln, das unter die Haut geht und einen nachdenklich zurücklässt, da er vor allem mit dem Ende Diskussionen entfacht, provoziert, aber letztlich brutal ehrlich ist. Es ist ein Streifen, der nahezu prädestiniert dafür ist, in der Oberstufe der Gymnasien hierzulande im Französischunterricht Gegenstand des Lehrstoffes zu sein, da es nicht nur ein Sozialdrama mit hoher Klasse ist, sondern die behandelte Problematik ein omnipräsenter Teil Frankreichs darstellt.

Szene aus Die Wütenden - Les Misérables
Szene aus Die Wütenden - Les Misérables © Alamode Filmverleih
Da als Rezensionsexemplar lediglich ein Stream ohne Bonusmaterial zur Verfügung stand, kann keine Beurteilung zur Bild-und Tonqualität der Blu-ray-Disc gemacht werden. Grundsätzlich sei gesagt, dass der Film im Idealfall im O-Ton mit Untertiteln geschaut werden sollte, da die Synchronisation, unabhängig von der Qualität, gerade bei fremdsprachigen Filmen die Authentizität, die hier eine entscheidende Rolle spielt, schmälern kann.


Fazit:
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass hier ein durchaus wichtiger Film entstanden ist, der nach einem einleitenden ersten Drittel den Zuschauer fesselt und emotional packt und mit seinem furiosen Finale ihn vollends überwältigt. Die Wütenden ist ein authentisch inszenierter, hervorragend gespielter sowie ein objektiv und seriös, aber gleichzeitig spannend erzählter Film, der einen interessanten und womöglich notwendigen zeitgemäßen Blick auf die Probleme in den Pariser Vororten wirft.


by Morteza Wakilian
Bilder © Alive / Alamode




Die Wütenden - Les Misérables - Trailer